Was den Goldpreis bewegt

Der neue US-Präsident hat mehr versprochen, als er halten kann, so viel steht fest. Weniger bekannt ist, wie sehr er auf die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed einwirken könnte. Das würde auch den Goldpreis stark beeinflussen.

Als feststand, dass Donald Trump der nächste US-Präsident sein würde, schoss der Goldpreis für ganz kurze Zeit nach oben. Seitdem ist er gefallen. Hatten die Börsianer am Wahltag den richtigen Riecher, als sie den Goldpreis aufwärts puschten? Oder lagen sie total schief, weil es in den Wochen danach zeitweise zu ruckartigen Abwärts-Eskapaden kam? Wer genauer nachforscht, kommt zu Erkenntnissen, die überwiegend mit den Zinsen zu tun haben: Die einen behaupten, der jüngste Zinsanstieg in Gestalt höherer Renditen amerikanischer Staatsanleihen sei negativ für den Goldpreis, weil die Realverzinsung, also der Nominalzins abzüglich Inflationsrate, schädlich für das zinslose Gold sei. Ein vorschneller Trugschluss, setzen andere dagegen, bereits im Januar werde die Inflation kräftig anziehen und so die Realverzinsung der Anleihen ins Minus umschlagen lassen. Davon werde dann der Goldpreis profitieren.

Solche Gedankenspiele sind nicht neu, sie geraten allzu oft zur Glaubensfrage. Doch bei realistischer Betrachtung ist das alles gar nicht so kompliziert; man braucht sich nur an die Worte zu erinnern, die Trump während des Wahlkampfs vom Stapel gelassen hat. Er werde ein großes Programm zur Verbesserung der Infrastruktur auflegen und trotzdem die Schulden kräftig abbauen. Das war das Mindeste, was er versprach.

Trump: Yellen sollte sich schämen

Die denkbaren Folgen dieser Versprechen werden bis heute heiß diskutiert, andere dagegen eher ignoriert. Das ist schade, denn zu Letzteren gehört Trumps fatale Kritik an Janet Yellen, der Chefin der US-Zentralbank Fed. Sie sei Barack Obamas Befehlsempfängerin und sollte sich für das schämen, was sie Amerika antue. Das war nur einer der – zum Teil noch viel fieseren – Nadelstiche in Richtung Yellen. Unterschwellig schwebte da schon mit, was zu erwarten ist: Yellens Vertrag, der 2018 endet, dürfte wohl nicht verlängert werden.

Mehr noch, die letzte Fed-Sitzung in diesem Jahr findet am 13. und 14. Dezember statt. Bisher gehen die meisten Auguren davon aus, dass die Fed dann den Leitzins erhöhen wird. Doch das ist seit Trumps Yellen-Bashing alles andere als sicher.

Insofern ist der Eklat so gut wie programmiert: Kommt es zur Zinserhöhung, wird es zwischen beiden eine harte Auseinandersetzung mitsamt negativer Ausstrahlung auf die Börsen geben. Bleibt dagegen die Zinserhöhung aus, kann dies als Signal für die Machtübernahme der Fed und deren Geldpolitik durch die Regierung und somit als freie Bahn für noch mehr Schulden gewertet werden.

Schulden in astronomischer Höhe

Noch mehr Schulden, das bedeutet, dass weiterhin Geld aus dem Nichts geschöpft wird, dann in einem viel größeren Umfang als in der Zeit vor Trump. Dadurch lassen sich – allerdings nur für eine begrenzte Zeit – die bislang aufgelaufenen Schulden einfach verlängern: zum Beispiel solche aus Geschäften mit Kreditkarten, Hypothekenschulden, überfällige Rückzahlungen und nicht zuletzt Staatsschulden in der astronomischen Höhe von über 12 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Dieser Betrag entspricht ungefähr dem Doppelten der Ersparnisse, die deutsche Anleger in Geldvermögen investiert haben.

Schulden an sich – egal, von wem verursacht – führen noch nicht zu einer Inflation der Preise von Gütern des täglichen Bedarfs und üben zunächst auch keinen entscheidenden Einfluss auf den Goldpreis aus. Erst wenn so etwas wie eine allgemeine Inflationsmentalität aufkommt, ändert sich das Bild. Das dürfte spätestens dann der Fall sein, wenn die Trump-Mannschaft mit viel Druck das Ruder bei der Fed übernimmt.

Trügerische Anleiherenditen

Bis dahin kann sich die Asset Inflation weiter ausbreiten, also der Preisanstieg von Anlagen wie Immobilien oder Aktien. In Deutschland steigen zurzeit besonders die Immobilienpreise in immer neue Höhen, in Amerika sind es vor allem die Aktienkurse. Wobei man sich bezüglich Aktien das folgende Beispiel durch den Kopf gehen lassen sollte: Die 500 führenden amerikanischen Unternehmen dürften nach einer Prognose der Investmentbank Goldman Sachs ihre liquiden Reserven im nächsten Jahr zu 18 Prozent für die Zahlung von Dividenden verwenden und wachstumshemmend nur zu 52 Prozent in Investitionen stecken, dagegen zu 30 Prozent in den Rückkauf eigener Aktien. Das hält zwar aktuell die Aktienkurse in luftigen Höhen, wird aber letzten Endes das Investitionspotenzial schmälern und damit indirekt zur Inflation beitragen.

Zur Asset Inflation haben neben Immobilien und Aktien mehr als drei Jahrzehnte lang auch Anleihen beigetragen. Doch damit ist jetzt Schluss; deren Kurse fallen, statt zu steigen. Mit fallenden Kursen der Anleihen gehen ihre Renditen nach oben. Also schlecht für den Goldpreis? Scheinbar ja. Berücksichtigt man jedoch die Tatsache, dass mit steigenden Renditen die Anleihekurse ins Trudeln geraten, ist es nicht mehr weit her mit dem, was von der Anleihen-Ausbeute unter dem Strich übrig bleibt – bis zu hohen Verlusten. Sobald dieser Effekt eintritt, ist mit einer massiven Erholung des Goldpreises zu rechnen.

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