Wir brauchen mehr ECHTE Lügner in der Politik!

Eins vorab: ich bin in Duisburgs unmittelbarer Nähe aufgewachsen und habe 15 lange Jahre in dieser armseligen Stadt gewohnt. Nicht im gemütlichen Süden, sondern mittendrin. Ich kenne auch den Duisburger Norden gut. Marxloh liegt im Norden. Alles klaro? Dann mal los:

Endlich hat es ein Duisburger Bürgermeister dieser Tage wieder in die bundesweiten Nachrichten geschafft, und das geschieht immer nur, wenn etwas Grauenvolles passiert ist: Mafiamorde, Love-Parade oder eben der Besuch der Bundeskanzlerin. (Verklagen Sie für diese Unverschämtheit am besten direkt Herrn Tichy, der ist verantwortlich im Sinne des Presserechts!) Lassen wir Frau Merkel mal außer Acht und widmen wir uns stattdessen Bürgermeister Sören Link; der nämlich offenbart einen repräsentativen Randaspekt dieses Besuches, der unseren Blick auf die gesamte Politik schärfen sollte: es gibt immer mehr und immer größere Lügen in der Politik, aber immer weniger „echte“ Lügner, und genau das ist das große Problem.

Warum differenziere ich zwischen Lügen und Lügnern? Und was hat besagter Bürgermeister damit zu tun? Ganz einfach:

Die weißen Mäuse der SPD

Wenn ein Mensch WIRKLICH unwirkliche weiße Mäuse sieht (oder Personen, die es in Wahrheit nicht gibt, oder was auch immer), so ist es äußerst mühsam und zeitintensiv, diesen Menschen von seinem Irrtum zu überzeugen und zu einem öffentlichen Eingestehen dieses Irrtums zu bewegen – und selbst wenn das gelingt: er sieht dann ja immer noch und auch weiterhin seine weißen Mäuse. Falls also irgendwann nur ein einziger (vermeintlich) Gleichgesinnter daher kommt und ihm versichert: „Hey, ich sehe die Mäuse auch“, so ist ein Rückfall in den Glauben an die eigenen Hirngespinste fast unausweichlich. Sogar dann, wenn die Mäuse-Seher eine winzige Minderheit bilden! (Sollten sie in der MEHRHEIT sein, ist eh der Ofen aus.)

Wenn hingegen jemand sich die weißen Mäuse ganz bewusst nur ausdenkt, wohlwissend also, dass das eine dreiste Lüge ist, so besteht immer die Chance, diesen Menschen von jetzt auf gleich als Lügner zu überführen, ihn an Ehre und Schlafittchen zu packen und eine rasche Richtigstellung zu provozieren. Echte Lügner wissen, dass sie jederzeit auffliegen können – den Belogenen bleibt also Hoffnung auf Geständigkeit, zumindest sofern sich die Macht des Lügenden (noch) in Grenzen hält.

Ganz anders ist es bei Jung-Politikern, die zwar Lügen verbreiten, sich dessen aber nicht bewusst sind, weil ihnen das eigene Wunschdenken und die Grundausbildung im Willy-Brandt-Ferienlager jegliches Sehvermögen abtrainiert hat: Nachwuchskräfte wie Michelle Müntefering zum Beispiel (das ist die Enkelin von Franz Müntefering) oder eben Duisburgs OB Sören Link glauben offenkundig ganz ernsthaft an den Unfug, den sie verkünden, so realitätsfern dieser auch ist, drum ist die Sache mit ihnen wesentlich verzwickter.

Wenn Sören Link aus Duisburg jetzt ein blühendes Marxloh herbei fantasiert, wenn er schwarz-verhüllte Burka-Trupps als Beleg eines „bunten“ Stadtteils sieht und generell frohlockt, welch dolle Lebensqualität sich im Ruhrgebiets-Norden grad entwickelt, dann sind das eben seine kleinen weißen Mäuse – und die sieht er WIRKLICH, das kann ihm niemand so leicht ausreden. In der Tagesschau hieß es übrigens, dass ab sofort Musiker aus Marxloh beim CD-Verhökern unterstützt werden als Zeichen der kulturellen Vielfalt des Stadtteils. Ich will’s mal so sagen: Beethoven und Brahms werden auf diesen Tonträgern vermutlich nicht zu hören sein.

Die Zahl der echten Lügner nimmt leider ab

Unsere Politik ist voll mit Lügen, aber die Zahl der „echten“ Lügner nimmt ab und damit sinkt die Chance auf Überführung und einen breiten Sinneswandel. Bürgermeister Sören Link ist (wie auch viele andere Lokalpolitiker) kein Lügner, ich wünschte, er wäre einer. Ihm verdanken wir übrigens folgendes Radio-Bonmot nach der ersten Duisburger PEGIDA-Demo: „Ich setze den dumpfen Parolen der Demonstranten folgenden Satz entgegen: die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Mensch Sören, da haste ja mal `nen richtig pfiffigen Geistesblitz als Counterpart rausgehauen, was? Ach egal, du bist einfach `ne ehrliche Haut, richtig? Einer, der sich für Schwache einsetzt und für soziale Gerechtigkeit steht, ja? Sag mal, Sören: Warum wohnst du selbst mit deiner Familie eigentlich nicht in Marxloh, mh? Ui, vielleicht ist der Mann ja doch ein „echter“ Lügner – dann darf auch Duisburg noch hoffen …

Mehr von und zu Ludger K. auf: www.ludger-k.de

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Kommentare ( 25 )

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