Hegseth hat keine Zeit für Pistorius

Das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland ist deutlich abgekühlt: Verteidigungsminister Pistorius muss seine US-Reise absagen, Trumps Kriegsminister Pete Hegseth hätte nun doch keine Zeit für ein Treffen.

picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung, zu seinem Flug nach Ottawa, Berlin, 26.05.2026

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat seinen geplanten Besuch in den USA in dieser Woche nun kurzfristig abgesagt. Ein erhofftes Treffen mit US-Kriegsminister Pete Hegseth kam nicht zustande, da dieser am Shangri-La-Dialog in Singapur teilnimmt, einer der wichtigsten Sicherheitskonferenzen Asiens. Die Nordamerika-Reise des Ministers konzentriert sich nun ausschließlich auf Kanada, wo strategische Gespräche über ein milliardenschweres U-Boot-Geschäft im Vordergrund stehen. Die Absage des Treffens in Washington zeigt, wie sehr die Beziehungen zwischen Berlin und Washington aktuell belastet sind.

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums bestätigte die Entscheidung am Dienstag gegenüber dem Magazin Politico: Ursprünglich sollte Pistorius deutsche Soldaten im US-Bundesstaat Virginia in Norfolk besuchen. „Von Anfang an war der Hauptplan eine Reise nach Kanada – nach Montreal und Ottawa – um Gespräche und Verhandlungen mit unseren kanadischen Partnern fortzusetzen“, hatte der Minister dann vergangene Woche erklärt. Der USA-Teil habe „nur Sinn, wenn ich die relevanten Gesprächspartner in Washington treffen kann“.

Hintergrund der Absage ist wohl nicht nur der Terminkonflikt. Die transatlantischen Beziehungen leiden derzeit unter einem öffentlichen Zerwürfnis zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Auslöser waren Meinungsverschiedenheiten über den Krieg im Iran. Merz hatte die US-Strategie kritisiert und von einer „Demütigung“ der USA durch iranische Verhandlungspartner gesprochen. Trump reagierte scharf und kündigte den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an. Zudem wurde die geplante Stationierung einer Einheit mit weitreichenden Waffensystemen und Tomahawk-Marschflugkörpern ausgesetzt.

Politischer Kanal „vorerst blockiert“

Wie die WELT unter Berufung auf eine mit den Gesprächen vertraute Quelle berichtet, scheint „der politische Kanal vorerst blockiert“ zu sein. Experten sehen in dem Truppenabzug eine klare Signalwirkung: Die USA fordern von ihren europäischen Verbündeten mehr Eigenverantwortung in der Verteidigung. Pistorius selbst hatte den Schritt als „erwartbar“ bezeichnet und betont, Europa müsse den „europäischen Pfeiler“ in der NATO stärken. Dennoch wirft diese Entwicklung einen langen Schatten auf die aktuelle Reise.

In Kanada stehen für Pistorius Rüstungs-Verhandlungen auf dem Programm: ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) konkurriert mit dem südkoreanischen Konzern Hanwha Ocean um einen Großauftrag für bis zu zwölf neue U-Boote für die Royal Canadian Navy. Das Volumen wird auf umgerechnet 17 Milliarden Euro geschätzt – ein Deal mit enormer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Kanada will seine veralteten Victoria-Klasse-Boote ersetzen und seine maritime Präsenz im Atlantik, Pazifik und Arktis massiv ausbauen. TKMS setzt auf enge Partnerschaften mit kanadischen Werften und Technologie-Transfer, während Hanwha mit umfangreichen Investitionen in die kanadische Industrie wirbt.

Die Reise findet in einem heiklen Zeitpunkt auch für die kanadisch-amerikanischen Beziehungen statt. Elbridge Colby, Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, hatte Kanada vergangene Woche scharf für unzureichende Verteidigungsausgaben kritisiert und die Arbeit des ständigen gemeinsamen Verteidigungsausschusses (Permanent Joint Board on Defense) ausgesetzt. Colby forderte einen klaren Fahrplan zur Erreichung der neuen NATO-Ziele. Trotz kanadischer Fortschritte bei den Ausgaben – Ottawa hat zuletzt die 2-Prozent-Marke überschritten – sieht Washington weiter Handlungsbedarf.

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Kommentare ( 65 )

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Mausi
19 Tage her

„Trotz kanadischer Fortschritte bei den Ausgaben – Ottawa hat zuletzt die 2-Prozent-Marke überschritten – …“
Als ob es nur oder im Wesentlichen auf die Höhe der Ausgaben ankommen würde. Daher wohl
„…sieht Washington weiter Handlungsbedarf.“

Last edited 19 Tage her by Mausi
November Man
21 Tage her

Selbst Deutschlands beliebtester Politiker wird von unseren treuen Freunden und großen Verbündeten in den USA nicht mehr empfangen. Obwohl Deutschland einen Großteil der Waffenbestellungen von Selensky in den USA bezahlen müssen. Das heißt einiges, wenn nicht schon alles. 

Kassandra
21 Tage her

Ein öffentlich erneut live übertragenes Meeting der Adminstration wird als Verhinderungsgrund gelten können – was hier natürlich verschwiegen unter den Tisch fällt: https://www.youtube.com/watch?v=ln-FnwDYE4Y
Das wäre was, wenn wir als Souverän auch einmal an so was in Deutschland „teilnehmen“ könnten! Wahrscheinlich würden wir erschrecken, würde der Unterschied zwischen hier und den USA offen!

Sabine Schoenfelder
21 Tage her

Ich mag Hegseth……
Mensch, Wadepfuhl, fliegste einfach „nach Flottomir“, der freut sich wie ein Schnitzel….aber ein paar Milliarden im Handgepäck sollten schon drin sein….

Fieselsteinchen
21 Tage her

Was soll Hegseth, ein Mann harter, klarer und unwoker Worte mit der SPD-Labertasche Pistorius auch anfangen? Keine Ahnung, kein militärisches Mindset. Als Merz neben Grünpflanzen sein Plätzchen fand, hat er gegrinst… Gute Nacht Deutschland!

Or
22 Tage her

Da geht’s dem Pistorius wie weiland unserem Plabberlenchen oder dem grünen Superwirtschaftsminister.
Warum sollte jemand seine Zeit verschwenden und sich mit diesen Schwätzern treffen ?
Die labern doch nur, wissen eh alles besser, aber liefern nicht.
Da ist es doch lohnender, bzw. befriedigender, sein Handicap auf dem Golfplatz zu verbessern, oder Farbe beim Trocknen zu zuschauen.

maps
22 Tage her

Warum sollte man mit den irren und dummen Deutschen auch reden wollen!?

Nobis
22 Tage her

Mit den drei wirklich relevanten Mächten, China, USA und Russland hat sich die deutsche Außen-und Sicherheitspolitik in eine Lage begeben, aus eigenem strategischem Unvermögen, die schon bemerkenswert ist und Parallelen aufweist, wie sie 1913 mit der deutschen Isolation vor dem Aubruch von WKI zu beobachten war. Gegenwärtige Nchtbeziehung zu Russland, schwer beeinträchtigte Beziehungen zu den USA, sowie China als „Partner“, der sehr deutlich zu erkennen gibt, wer Koch und wer Kellner ist.

jensberndt
21 Tage her
Antworten an  Nobis

Damals hatten wir aber noch eine der weltbesten Armeen. Und ich weiß manchmal nicht, welche Kombination die bessere ist, dumme Regierung und starke Armee, oder dumme Regierung und schwache Armee.

Dundee
22 Tage her

„Die Nordamerika-Reise des Ministers konzentriert sich nun ausschließlich auf Kanada, wo strategische Gespräche über ein milliardenschweres U-Boot-Geschäft im Vordergrund stehen.“
Na? Wo tauchen die denn hin ab – diese Milliarden? Milliardenschweres U-Boot wohl, weil es zu viele Milliarden sind um irgendwo wieder aufzutauchen.

Kassandra
21 Tage her
Antworten an  Dundee

Gleich und gleich gesellt sich gerne – Kanada ist wie wir hier auf dem Weg – vielleicht sogar schon weiter.
Auch dort: keinerlei Turnaround in Sicht. Wobei sich die Provinz Alberta absondern möchte. Die notwendigen Unterschriften für ein Referendum wurden eingereicht.

Teiresias
21 Tage her
Antworten an  Kassandra

Es gibt auch erhebliche Propaganda für einen EU-Beitritt.
Kanada ist eben ein WEF-Land mit einem Bankenlobbyisten (Carney) an der Spitze – genau wie Deutschland, Frankreich und Grossbritannien.

AmitO
22 Tage her

Wozu soll man sich auch mit Pissi treffen? Der macht eh, was der Ami ihm sagt. Hübsche Bilder kosten ein paar Milliarden extra.
Das Zahlschwein hat glücklich zu Grunzen bevor es zur Schlachtbank geleitet wird.
Hier mal eine Idee, falls wir mal echte Politiker haben sollten und keine feindlichen Ami-Agenten die sich als solche ausgeben: Einfach mal keine Waffen vom Ami kaufen.