Müder Markus Lanz: Angst essen Sendung auf

Lanz neben der Spur. Ukrainekrieg, Iran, Putin und Merz. Es diskutieren ein selbstherrlicher Sigmar Gabriel und eine hyperaktive Kristina Dunz. Angst bestimmt den Abend. Die Runde bringt es fertig, Bärbel Bas zu kritisieren, ohne deren übelste Wählerbeleidigung überhaupt nur zu erwähnen. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ZDF / Markus Lanz

Angst essen Sendung auf. Es sind die altbekannten Themen, mit denen Markus Lanz am Dienstag seine rund 13.000 Euro Stundenlohn einfährt. Es gäbe so viele Probleme, die die Deutschen beschäftigen, doch Angst zieht bekanntlich am besten. So geht es auch heute vornehmlich um die Kriege dieser Welt. Dazu noch Friedrich Merz. Und Bärbel Bas. Die Angst könnte kaum größer sein.

Mit einer Schalte aus Kiew wird der Zuschauer eingestimmt. ARD-Korrespondentin Susanne Peterson berichtet von den jüngsten Bombeneinschlägen, die auch ein ARD-Büro zerstörten. Die russische Rakete soll ein Vergeltungsschlag für den Angriff der Ukraine auf eine russische Schule gewesen sein. Wobei wichtig ist, dass ihren Ausführungen zufolge nur die Taten der Russen stets und immer eindeutig feststehen, die Taten der Ukraine jedoch niemals. Denn Peterson berichtet in altbekannter Manier: Russland hat getan, die Ukraine soll stets angeblich getan haben. Man könne das Ganze ja auch gar nicht überprüfen, sagt sie, denn „Russland lässt keine Journalisten zu, in diesen Gebieten sowieso nicht“. Dass Russland just an diesem Tag ein gutes Dutzend Journalisten durch eben die zerbombte Bildungseinrichtung führte, um die Schäden zu zeigen, erfährt der Lanz-Zuschauer nicht.

Abschreckungssignale aus Russland
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Sigmar Gabriel, früher überzeugter SPD-Genosse, heute vor allem Aufsichtsrat bei Rheinmetall und Atlantikbrückensanierer, ist mit einer Deutung schnell zur Hand. Putins jüngste Attacken, vor allem der Abschuss der Oreschnik-Hyperschallrakete, seien „eine Stufe, bevor er Nuklearwaffen einsetzt“. Wenn Putin „mit dem Rücken an der Wand steht“, sei ihm alles zuzutrauen. Gabriel: „Ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich, aber ich würde es nicht abtun als Gerede.“ Putin werde alles unternehmen, um „die Ukraine kleinzukriegen. Er fügt an: „Was ihm gottseidank nicht gelingt.“ Denn Rheinmetall liefert, von deutschem Steuergeld finanziert.

Peterson stimmt mit ein. Die Oreschnik sei vor allem „eine Nachricht an den Westen“, sagt sie. Russland drohe unablässig, und man müsse für alles Böse gewappnet sein, was da noch kommen werde. Sie selbst trägt jedenfalls „auch im Schlafanzug meinen Reisepass“, damit sie jederzeit abhauen kann.

Auch Peter Neumann ist schon wieder zu Gast bei Lanz, zum vierten Mal allein in diesem Jahr. Es gibt ja so wenig gute Gesprächspartner heutzutage. Der „Professor for Security Studies“ am King’s College London widerspricht Gabriel: „Der nächste Eskalationsschritt wird nicht die Atombombe sein.“ Russland habe „durchaus noch einige Stufen, bevor es zu der maximalen Option greift“. Neumann zählt auf: „Vielleicht ein Drohenangriff, möglicherweise irgendwas in den baltischen Staaten, Sabotageakte, Cyberangriffe.“

Trotz Korruption
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Dann ein überraschender Dreh: Lanz spricht das Thema Korruption an, die großen Taschen im direkten Umfeld des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Ein Loch, „in dem viel, viel Geld, westliches Steuerzahlergeld, verschwunden ist“, sagt Lanz. Doch kaum freut sich der Zuschauer, dass es jetzt spannend werden könnte, ist das Thema auch schon wieder vom Tisch. Gabriel lenkt ab: „Stellen Sie sich vor, die Ukraine hätte überhaupt keine Korruption.“ Europa würde es dennoch extrem schwerfallen, das Land in die Union aufzunehmen. „Die Ukraine ist nicht in der Lage, die Kriterien alle zu erfüllen“, sagt Gabriel.

In einem wilden Themen-Regenbogen geht es über die Rentendiskussion bis zur Wählerschwemme weg von den Altparteien hin zur AfD. Die Wähler seien „enttäuscht über das, was ihnen die liberale Mitte dieses Landes tatsächlich anbietet“, diagnostiziert Gabriel. Es gebe „eine Riesenverärgerung über das, was Politik tatsächlich leistet“.

Kristina Dunz widerspricht. Die Journalistin des Redaktions-Netzwerks Deutschland RND (gehört zur Verlagsgesellschaft Madsack und damit zum Medien-Imperium der SPD) sieht das Hauptproblem bei den Hauptdarstellern, dem Kanzler der zweiten Wahl und seiner Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Vor allem Bärbel Bas bekommt von Dunz volle Breitseite: „Ich glaube, das ist keine Geisteshaltung, ich glaube, das ist Unvermögen.“

Dunz nimmt Bas in den Schwitzkasten: „Sie sagt vor Jusos: Die Feinde sind unsere Arbeitgeber. Und sie sagt vor Gewerkschaften, die CDU-Sozialpolitik sei menschenverachtend.“ Mehr noch: „Was Frau Bas bei den Jusos und bei den Gewerkschaften falsch macht, macht Herr Merz falsch beim Bankenverband“, so Dunz. Überall Fettnäpfchen, und beide treten mit Wonne rein. Sie würden die Stimmung anheizen, statt ihre jeweiligen Anhänger zu mobilisieren und zu vereinen, so Dunz.

Das Beste aber: Die jüngsten, die derbsten und die wirklich ehrlosen Entgleisungen der Bärbel Bas kommen bei Lanz noch nicht einmal zur Sprache. Dass die Ministerin die Deutschen pauschal als „einheitsgrau“ bzw. „einheitsbraun“ verunglimpft hat, fällt bei Lanz komplett unter den Tisch.

Dunz’ Urteil ist auch so niederschmetternd: „Es sind zwei unerfahrene Politiker in der Regierung.“
Gabriel ergänzt gönnerisch: „Kein Widerspruch, ausnahmsweise.“

Und Lanz? Der freut sich schon aufs After-Show-Buffet: „Ein sehr versöhnliches, schönes Ende. Danke Ihnen allen ganz herzlich. Viel gelernt heute.“

Fragt sich, was.

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