Ich habe Verständnis für Özil und Gündoğan

Ludger K. ist seit Kindertagen Fußballfan mit vollem Körpereinsatz. Er hat die Nationalelf lange verehrt – heute lästert er über die „Werte des DFB“. Und er verteidigt Özil und Gündoğan. Ein Essay, der es in sich hat.

„Fußball ist manchmal eine Herzensangelegenheit, aber viel öfter einfach ein Business. (…) Als deutscher Nationalspieler hat Mesut mehr Lobby, einen höheren Marktwert, er verdient mehr Geld. Hätte er sich für die Türkei entschieden, hätte er keine WM gespielt (…). So einfach ist das. (…) Ich respektiere solche Entscheidungen, aber wenn Sie mich fragen, ob ich ein Freund davon bin, dann sage ich: nein. Entschuldigung, aber ich finde, das hat auch nichts mit Integration zu tun.“

Eine Analyse mit Zündstoff, oder? Es riecht nach AfD. Die Worte sind ein paar Jährchen alt und stammen von einem Ex-Fußballprofi, der wie ich ein Kind des Kohlenpotts ist: Hamit Altintop, geboren „auf Schalke“, langjähriger Aktiver in der Bundesliga und ein Mann mit Haltung. Er schaffte es als Vereinsspieler zu Real Madrid und wäre bestimmt auch für die DFB-Elf nominiert worden, mit etwas Glück dürfte er sich heute vielleicht Weltmeister nennen. Er wählte den beschwerlicheren Weg und wurde Nationalspieler der Türkei. Oder noch treffender: Ihm ist gar nicht in den Sinn gekommen, einen alternativen Weg zu beschreiten. Warum nicht? Weil es für ihn offenbar ein paar Unveräußerlichkeiten im Leben gibt, die wir uns heutzutage nicht mal mehr zu benennen trauen …

Am Ende meiner Schulzeit lieferte ich mir ständig kleine Scharmützel mit meinem damals besten Freund Victor; wir zwei waren unzertrennlich, obgleich sehr unterschiedlich: Ich, das deutsche Beamtenkind mit eigenem Bad im Haus, er, der jüngste Sprössling einer Einwandererfamilie aus Spanien, die sich zu fünft eine Drei-Zimmer-Wohnung teilte. Sein Geburtsort: Orsoy am Niederrhein. Seine Sprache: Deutsch. Heimat: Deutschland. Bis heute tickt dieser Victor deutsch, wo es nur geht, sogar am Ende seiner fünf Berufsjahre in Madrid (ich besuchte ihn dort) las er Zeitung und Bedienungsanleitungen auf deutsch, sein Navigationssystem (also: dasjenige, das er in ganz Spanien nutze) erklärte ihm den Weg auf deutsch, er ließ sich Wurst aus Deutschland mitbringen und sah über Satellit die Tagesschau.

Inzwischen ist er längst zurück in Erkrath, meckert gerne über lange Warteschlangen in Madrider Banken, unzuverlässige Makler dort und die rabiaten Parkgewohnheiten spanischer Autofahrer. Unser großes Thema von Anbeginn und immer wieder: Fußball. Sein Herz schlägt für Spanien, das Land seiner Eltern. Er mag auch Mexiko und Argentinien, doch ausgerechnet für Deutschland hatte er nie groß Emotionen übrig, allenfalls rationale Anerkennung. Ich war in der Schule oft sauer auf ihn deswegen, doch seine Erklärung leuchtet mir heute ein: „Ludger, ich bin Spanier. Natürlich ist Deutschland mein zu Hause, ich bin hier aufgewachsen und bleibe dem Land für immer verbunden, aber was soll ich machen, ich bin Spanier.“

Kann ich das meinem Freund Victor verübeln? Nein, das kann ich nicht! Er denkt und fühlt wie Hamit Altintop, der sagt: „Ich bin Deutschland sehr, sehr dankbar, ich habe hier sehr viel gelernt und sehr viele Chancen bekommen. Aber meine Mama kommt aus der Türkei, mein Vater kommt aus der Türkei, ich bin Türke.“ Ich glaube: Bei Özil und Gündoğan dürfte es schlicht genau so sein, beide (vor allem Gündoğan) beschwören ihre Identifikation mit Deutschland und dem DFB, und ich nehme ihnen jedes Bekenntnis ab – aber sie fühlen sich als Türken, und niemand hat das Recht, ihnen das streitig zu machen! Missfallen ist anderswo angebracht. Ich habe (inzwischen) Verständnis für „meinen“ Victor und ebenso für die zurzeit am Pranger stehenden Özil und Gündoğan: Vermutlich ist Erdoğan wirklich „ihr Präsident“, drum haben sie sich auch nichts weiter gedacht, als die Anfrage für den ominösen Fototermin kam. „Aber dann dürfen sie doch nicht für Deutschland spielen!“, werden manche nun trotzig sagen. Tja, hier liegt das Problem: Doch, das dürfen sie!

Hamit Altintop sagt: „Ich finde, dass einem von vorneherein klar sein muss, für wen man spielt – egal, ob man eine Einladung bekommt, egal, ob die Perspektiven besser oder schlechter sind. Es geht hier nicht um einen Vereinswechsel, diese Tendenz gefällt mir gar nicht. Es geht um die Fahne auf der Brust.“ Hamit, ich verneige mich vor dir! (Stellen Sie sich seine Aussagen mal von einem Deutschen vor.) Aber: Ein leidenschaftliches, „natürliches“ Glühen für die eigene Nation ohne Suche nach Gründen dafür, ohne Abwägen, ohne irgendeine Botschaft in petto, wohl aber mit viel Pathos à la Altintop, so etwas ist hierzulande nicht nur nicht (mehr) erforderlich, es ist in unseren Zeiten sogar eher unerwünscht:

Wer für Deutschlands A-Team Fußball spielen möchte, braucht zuallererst einen deutschen Pass. Er kann ruhig einen weiteren Pass haben, das spielt keine Rolle, nur der deutsche muss halt sein. Und der Spieler darf keinen offiziellen Einsatz für einen anderen Verband in der Vita haben; als „offiziell“ gelten Spiele im Erwachsenenalter, diejenigen in Jugendmannschaften zählen nicht, Testspiele auch nicht. (Diese Regelung ermöglichte etwa dem Frankfurter Jermaine Jones trotz zahlreicher Länderspiele für Deutschland einen Start bei der letzten WM für die USA; der arme Willi „Ente“ Lippens hingegen durfte nach einem mickrigen Einsatz Anfang der 70er für Holland, dem Land seines Vaters, nicht mehr für Deutschland ran. Tragisch!) Kurzum: Die Spielerlaubnis für Deutschland im Fußball ist beinahe beamtenhaft an rein bürokratische Bestimmungen gebunden – das war theoretisch zwar schon immer so, doch die PRAXIS ist eine andere geworden, der leichtere Zugang zum deutschen Pass und das Fallen seiner Alternativlosigkeit ändern zwangsläufig auch die Zusammensetzung und den Charakter einer Ländermannschaft, das sind ganz normale Folgewirkungen innerhalb eines Gesamtzusammenhangs. Und wir sind da noch lange nicht am Ende: In anderen Sportarten wird die lästige Sache mit der Nationenzugehörigkeit im Rahmen von Ländervergleichen noch viel lockerer gehandhabt (Tennis, Leichtathletik, Eiskunstlauf), und ich halte angesichts der jüngsten Plemplem-Vorhaben der FIFA das Horror-Szenario für denkbar, dass der Fußball irgendwann die Regelung des „Eurovision Song Contest“ annimmt, dann kann jeder für alle starten, Australien wird Europameister, und man verkauft uns das als Völkerverständigung. Absurd? Ne, das muss einfach beschlossen werden, und dann gilt’s. Und wer’s nicht mag, ist doof. Özil und Gündoğan sind frei von Schuld, sie verhalten sich im Rahmen – schuldig sind die geschichtslosen, raffgierigen, bestenfalls gefallsüchtigen Beschlussfasser in Sport und Politik. Bei Überdehnung, Prellung, Bänderriss, Basisbruch, Wechselerkrankung oder Verletzung der Achillesverse schicken Sie uns Wohlfahrt auf den Platz, um die Seele zu massieren und den Schmerz zu betäuben. Geht’s noch? Nein? Dann runter vom Feld, es gibt genug andere, die das Spielchen mitmachen. So läuft das!

Der aktuelle Status Quo äußert sich – wie so vieles – in der Sprache: Im Vereinsfußball sorgte das berühmte Bosman-Urteil dafür, dass ein Ligateam überwiegend (im Extremfall komplett) aus „landesfremden“ Spielern bestehen kann, für Top-Clubs inzwischen fast Normalität – das wiederum hat dazu geführt, dass bei TV-Übertragungen von Europapokalspielen ein zuvor übliches „die Italiener“ oder „die Engländer“ quasi verschwunden ist. Die Entwicklung auf Länderebene ist nicht ganz so krass, aber die Richtung ist dieselbe: Zumindest bei uns ist „deutsch“ als maßgebendes Wort auf dem Rückzug, als Beiwort wird es noch geduldet. Der Ausdruck „Die Mannschaft“ wurde eingeführt vorgeblich bloß aus Marketinggründen, doch sicher hat das zumindest AUCH mehr zu bedeuten. Wir sprechen von der Nationalmannschaft am liebsten ohne das belastende „Deutsche“ davor, es sei denn, ein vermaledeiter Text-Bild-Kontrast schenkt uns dabei ein moralisches Wohlgefühl. Besonders leicht kommt uns das neutrale „DFB-Auswahl“ über die Lippen. Wir lesen von Dankbarkeit, „für dieses Land“ zu spielen, und Löw weist darauf hin, dass es von seinen Spielern ein klares Bekenntnis gegeben habe zu den „Werten des DFB.“ Ganz ehrlich: Das klingt für mich wie das Anklicken von Allgemeinen Geschäftsbedingungen beim Kauf einer Bahnfahrkarte. 11 Freunde müsst ihr schon lang nicht mehr sein, und 11 Deutsche nun auch nicht mehr. Dazu will man im Fußball niemanden mehr nötigen, es geht nur noch um abstrakte „Werte des DFB“. Zu denen wurde sich im aktuellen Falle bekannt, und mehr kann man ja wohl nicht verlangen. Wirklich nicht? Und: Was sind denn die Werte des DFB?

Dass sich Menschen automatisch dem Land der eigenen Eltern zugehörig fühlen und diesem die Treue halten, unabhängig davon, wo sie selbst leben oder zur Welt gekommen sind, das ist nachvollziehbar und weit verbreitet, vor allem in Deutschland – doch es ist nicht immer so. Da war mal ein türkischstämmiger deutscher Nationalspieler, bei dem liefen die Dinge anders: Mustafa Doğan. Es lohnt sich, an seinen Werdegang zu erinnern:

Doğan spielte Mitte der 90er in der türkischen Liga und machte als disziplinierter Spieler „deutscher Prägung“ von sich reden. Er war in Deutschland aufgewachsen, hatte einen deutschen Pass, und ich erinnere mich sehr gut an einen Satz von ihm, den ich mir ob seiner Eindeutigkeit unmöglich heute so von Özil oder Gündoğan vorstellen kann, ja nicht mal von Kroos oder Müller halte ich ihn für denkbar. Doğan sagte: „Ich bin Deutscher.“ Noch mal? „Ich bin DEUTSCHER.“ Die Fachpresse brachte ihn hierzulande immer wieder als möglichen Nationalspieler ins Gespräch, und irgendwann schickte ihn Erich Ribbeck tatsächlich auf’s Feld für seinen ersten offiziellen Einsatz. Ein weiterer folgte. Das war’s. Mit Sicherheit hätte er für die Türkei einen zweistelligen Betrag an Spielen gesammelt, wäre dort als Nationalspieler vielleicht ein ähnlich Großer geworden wie er es in seinen türkischen Vereinen immer war. Doch so wie Altintop war Doğan konsequent und wählte den für ihn schwereren Weg – nur eben auf der anderen Seite. Er entschied nicht aus taktischen Gründen, sondern spielte einfach für SEIN LAND: Deutschland. Mustafa Doğan steht für ein Stück deutsche Sozialgeschichte, er war der erste Sohn türkischer Einwanderer mit dem Adler auf der Brust, zudem war er (ich maße mir an, das Folgende als Fußballfan und Beobachter aus dem Gedächtnis zu sagen) ein smarter, feiner Kerl. Das allein darf natürlich kein Kriterium sein für Länderspiele, aber es wäre für den DFB ein Leichtes gewesen oder vielleicht sogar seine Pflicht, diesen Mustafa Doğan für irgend eine Aufgabe langfristig im Auge zu behalten, ihn einzubinden in was auch immer, ihm einen besonderen Platz in der Historie zuzugestehen. Nichts. Hätte er uns einen erzählt von Zerrissenheit, von Integrationsanliegen und dem ganzen Gedöns, dann wäre er wahrscheinlich DFB-Toleranz-Botschafter geworden, doch Doğan war eben deutsch: Gradlinig, tüchtig, schnörkellos. Sein nicht mehr steigerbares mannhaftes Bekenntnis zum eigenen Deutsch-Sein, für ihn verbunden mit etlichen unliebsamen Konsequenzen allein in der türkischen Liga, blieb in seinem Land (Deutschland) unerwidert, er wurde für ein paar Einsatzminuten verheizt und dann für immer fallen gelassen wie eine Kartoffel. DAS sind die Werte des DFB.

Haben Sie das letzte Testspiel gesehen in Leverkusen? Dasjenige, bei dem Gündoğan ausgepfiffen wurde? Gegner war Saudi-Arabien, und die Fernsehkameras zeigten gerne die auf den Tribünen sitzenden saudischen Frauchen in engen Trikots mit kurzen Ärmeln und wallendem langen Haar. Was wäre, wenn diese Damen dieselbe laszive Haltung zeigten auf Tribünen in Saudi-Arabien? Ich will’s mal so sagen: Denen würden nicht nur die Haare abgeschnitten. Wie sieht es aus in Saudi-Arabien mit Menschenrechten, Frauenrechten, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit? Nicht so gut, oder? Warum gibt es überhaupt solch ein sportlich vollkommen wertloses Testspiel gegen ein Land wie Saudi-Arabien? In anderem Zusammenhang hat es Bierhoff mal gesagt: „Wir wollen uns langfristig neue Märkte erschließen.“ DAS sind die Werte des DFB.

Alles, wofür die deutsche Nationalelf jahrzehntelang verehrt, verachtet, geliebt und gefürchtet gewesen war, verkörperte niemand nach ihm so sehr wie Michael Ballack. Vielseitig, zweikampfstark, erfolgsbesessen, mannschaftsdienlich bis zur eigenen Selbstaufgabe. Im WM-Halbfinale 2002 spielte das damals als chancenlos auf den Titel angesehene Deutschland gegen Südkorea, den Gastgeber. Beim Stand von 0:0 entschärft Ballack eine brenzlige Situation mit taktischem Foul, wohlwissend, dass ihm das Gelb einbringen würde, sein zweites im Turnier und damit das Aus in einem möglichen Finale. Ballack kassiert die Karte, hält den Kopf hoch, dreht sich um – und schießt im Gegenzug das Siegtor. Bei der WM im eigenen Land vier Jahre später überzeugt Ballack als „Capitano“, nur ein schlimmes Foul verhindert eine weitere WM-Teilnahme. Er war danach weniger lang verletzt als Manuel Neuer es zuletzt gewesen ist und wäre nochmal bereit gewesen. Dass ihn Löw nie mehr berücksichtigte, mag sein gutes Recht sein als Bundestrainer, vor allem angesichts taktischer Änderungen – doch die hohen Herren agierten ohne Sinn für Ehrerweisung. Stattdessen: Business as usual, Blumenstrauß, Wiedersehen. DAS sind die Werte des DFB.

Wissen Sie, wie teuer das aktuelle Trikot der DFB-Elf ist? Es gibt eines für 89€, doch das entspricht nicht demjenigen der Spieler, es ist labbriger geschnitten und schlechter verarbeitet. Zum Glück bietet Adidas auch die Version „authentic“ an, sie kostet (Achtung!) sagenhafte 129€. An den 100% Polyester wird der Preis kaum gelegen haben, und die Dinger werden auch nicht in Herzogenaurach mit Nadel und Faden zusammen genäht. Schon komisch: Im Netz findet sich ein Stern-Artikel von vor drei Jahren, der das vollmundige Adidas-Ziel zitiert, man wolle spätestens 2017, 2018 die Deutschlandtrikots wieder in Deutschland herstellen. Ach wirklich? Wo lässt Adidas „unsere“ Trikots aktuell anfertigen? In China und Kambodscha. Hat mal jemand beim Adidas-Sprecher angerufen, um zu fragen, was da schief gelaufen ist? Beinahe makaber sind die Gründe, die Adidas seinerzeit für sein Heimkehr-Vorhaben anführte. Stärkung der eigenen Wirtschaft? Menschenrechte? Also bitte, wo leben Sie denn?! Steigende Lohnniveaus und striktere Umweltrichtlinien in Fernost führten zu einem Umdenken, das wurde ganz offen so kommuniziert. Und es geht noch hübscher: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, unsere Fertigung weiter zu automatisieren. Dann werden wir auch wieder mehr Adidas-Produkte in Deutschland herstellen.“ Heißt: Wenn eine Maschine alles kann, DANN sind wir gnädig und werden diese in Deutschland aufstellen – hinten spuckt das Gerät dann ein „Made in Germany“ aus, und alle sind froh. Ja, ja, der DFB ist nicht Adidas, er ist nicht direkt verantwortlich dafür, schon klar, doch der DFB hätte eindeutig die Macht, hier mal ein echtes Zeichen zu setzen. Macht er aber nicht. Aus Tradition? Kaum. Es gab mal eine Phase, da wurde sehr wohl die lange Verbundenheit zu Adidas offensiv in Frage gestellt. Warum? Weil Nike mehr Kohle bot. Feine Werte habt ihr! Bestimmt kennen Sie diesen Integrations-Werbespot des DFB: Menschen unterschiedlichster Couleur werden beim Grillfest gezeigt verbunden mit dem Rätsel „Was haben all diese Menschen gemeinsam? Ihre Söhne spielen für die Deutsche Nationalmannschaft!“ Ich schlage einen neuen Reklamefilm vor: Zu sehen sind alte Chinesen mit kaputten Zähnen, ausgemergelte Fabrikvorsteher, bettelarme Rentner in Kambodscha, und die Frage lautet: „Was haben all diese Menschen gemeinsam? Ihre Kinder nähen Trikots für die Deutsche Nationalmannschaft.“ Schriftzug im Bild: DAS sind die Werte des DFB.

Das einzige aktuelle Ländertrikot in meinem Besitz ist dasjenige von Tschechien. Darf ich Ihnen anvertrauen, wieso? Ich habe mal in Pforzheim eine junge Frau mit tschechischen Wurzeln kennen gelernt, die ich sehr überzeugend fand. Groß, schön, gewitzt, nicht so billig wie dieses Petersburger Titten-Taxi, was zurzeit ständig durch die ARD giggelt. Ich griff das Trikot einst aus dem Regal, weil mir das puristische Design gut gefiel, und auch das Preis-Leistungsverhältnis war ok. Aber dass ich das Hemd letztlich auch zur Kasse trug, lag allein daran, dass ich an jene wunderbare Frau denken musste. Und man weiß ja nie. Ich kaufte das Trikot also nur, um bei Gelegenheit eine junge, tschechisch-stämmige Schönheit vielleicht mal beeindrucken zu können, sonst gab’s keinen Grund. Tja, der DFB hat seine Werte – und ich hab’ meine!

Es fällt mir schwer, Gefühle zu entwickeln für die aktuelle Mannschaft. Klar, ich bin älter geworden und damit generell weniger empfänglich für Sportemotionen. Doch wenn es beim Thema Fußball-WM offenbar nur noch am Rande um Nationenzugehörigkeit geht und stattdessen „Werte“ im Zentrum stehen, dann muss ich diese AGBs doch auch vergleichen dürfen, oder? Hey Mesut, hallo Ilkay, ich finde euch in Ordnung, doch seid mir nicht böse, ich werde mal schauen, ob mir die Werte anderer Länder vielleicht besser gefallen als die „Werte des DFB“, ok? Was ist mit Uruguay, zum Beispiel? Oder … wen gibt’s noch? Ich glaube, ich muss dringend meinen Freund Victor mal wieder anrufen.


Mehr zu Ludger unter www.ludger-k.de
Auf youtube hat Ludger seit Kurzem auch einen Vlog (= Videoblog)

Die zitierten Artikel:
http://www.sueddeutsche.de/sport/hamit-altintop-es-geht-um-die-fahne-auf-der-brust-1.1008613-2

https://www.stern.de/wirtschaft/-made-in-germany—adidas-will-nationaltrikots-in-deutschland-produzieren-lassen-6478126.html

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Kommentare ( 36 )

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Werbung jedoch für einen Diktator zu machen, halte ich für verachtenswert.

Das letzte mal, dass ich für die deutsche Nationalmannschaft mitgefiebert habe, war anno 1974 -eine andere Zeit mit anderen Werten. Ich will durchaus nicht in den Kanon verfallen, dass „früher ALLES besser war“ -aber MANCHES war durchaus besser. Und: Fußball und olympische Spiele sind mit Sicherheit Beispiele für jene Kategorie, bei denen die Geldgier die Dinge zum schlechteren gewendet hat. FIFA und IOC haben gleichermaßen ein „Bildnis des Dorian Gray“ in ihren Stuben hängen und wie in Oscar Wildes Roman wahrt man nach außen hin den schönen Schein, während sich die hässliche Fratze für all die begangenen Sünden im heimlichen… Mehr
Ich habe mich auch gefragt was denn eigentlich genau „die Werte des DFB“ sein sollen…vielleicht „Beliebigkeit“? Oder „Buntheit“? „Profitorientierung“? Wurden diese „Werte“ je irgendwo niedergeschrieben? Außer kitschigen Werbespots auf Kindergartenniveau fällt mir da nichts ein. Oder natürlich das plakative „Keine Macht den Drogen“ – umrahmt von einem Werbespott (!) von Krombacher, proudly presented by Weißbier-Waldi. Das ist alles dermaßen bigott und peinlich daß ich schon nachvollziehen kann das Verhalten von Özil und Gündogan nur folgerichtig zu finden. Loew ist eigentlich der perfekte Trainer für „die Mannschaft“: angepasst, 100% politisch korrekt, als Individuum kaum greifbar. Unsichtbar im spotlight. Wäre Merkel Fußballtrainerin… Mehr
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