Wieder ein GPS-Angriff? Britischer Verteidigungsminister alarmiert

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reiste im August 2024 an die russische Grenze nach Bulgarien, als GPS-Störungen ihre Privatjet-Piloten beunruhigten. Nun sei die Militärmaschine des britischen Verteidigungsminister John Healey auf dem Rückflug von Estland attackiert worden.

Screenshot X / GB Nachrichten
RAF-Jet mit Verteidigungsminister durch "elektronischen Angriff" in der Nähe der russischen Grenze blockiert

Einem Bericht der britischen Zeitung The Times nach ereignete sich der Zwischenfall am vergangenen Donnerstag. Healey hatte zuvor britische Soldaten besucht, die in Südost-Estland stationiert sind – in einem Nato-Partnerland, das direkt an Russland grenzt und als potenzielles Ziel einer immer wieder thematisierten möglichen russischen Aggression gilt. Auf dem dreistündigen Heimflug mit einer Dassault Falcon 900LX der Royal Air Force wurde das GPS-Signal der Maschine massiv gestört.

Ein Times-Journalist, der den Minister an Bord begleitete, schilderte die Szene so: Handys und Computer verloren schlagartig die Internetverbindung. Die Piloten mussten auf alternative Navigationsmethoden umstellen, darunter waren inertialbasierte Systeme und die klassische Funknavigation.

Das Flugzeug flog nahe der russischen Grenze, in einem Gebiet, in dem Russland nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste und Experten regelmäßig starke elektronische Störsignale einsetzt. Für den Vorfall verantwortlich gemacht wird erneut Moskau. Das britische Verteidigungsministerium wollte sich auf Anfrage nicht offiziell äußern, doch aus Regierungskreisen hieß es, man gehe von einer gezielten elektronischen Kriegsmaßnahme aus.

GPS-Attacke erinnert an Fake-News-Fall mit Von der Leyen

Die mögliche Attacke gegen den Jet des britischen Verteidigungsminister erinnert an den angeblichen Angriff auf die EU-Kommissionspräsidentin vor neun Monaten: Am 31. August 2025, als das VIP-Flugzeug mit Ursula von der Leyen im Anflug auf den Flughafen Plovdiv in Bulgarien war, hätte es massive GPS-Störungen gegeben. Medienberichte sprachen zunächst von dramatischen Szenen: Piloten, die angeblich mit Papierkarten navigieren mussten, das Flugzeug hätte aufgrund der Störungen stundenlang kreisen müssen. Später stellte sich heraus, dass Teile der Berichterstattung komplett falsch waren: Die Flugdaten belegten etwa, dass der Jet mit Von der Leyen sicher nicht „stundenlang über Bulgarien kreiste“.

„Relotius in Brüssel?“
Von der Leyens Jet konnte „sicher landen“, bestätigt nun auch die EU
Eine Analyse der Aufzeichnungen des Flugzeugs der EU-Kommisionspräsidentin hatte dazu ergeben, dass es sicher keine relevante Störung gegeben habe, und der Pilot habe auch nie Anzeichen von Besorgnis gezeigt. Was tatsächlich vorgefallen ist, war eine kurzfristige Signalunterbrechung, wie sie für dicht besiedelte Gebiete typisch sei. Zudem dreht das Flugzeug eine kurze Extrarunde, aber diese dauerte lediglich fünf Minuten, wie das eben bei vielen Flügen üblich ist.“Nach den empirischen Daten, der Funkortung und den Aufzeichnungen unserer zivilen und militärischen Behörden gibt es keine einzige Tatsache, die die Behauptung stützt, dass das GPS-Signal des Flugzeugs gestört wurde“, sagte Vizepremier und Verkehrsminister Grosdan Karadschow gegenüber dem Fernsehsender bTV.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa, bezeichnete die Vorwürfe vor neun Monaten als „Fake und Paranoia“. Aber vielleicht hat der aktuelle GPS-Störangriff auf Minister John Healey ja nun mehr Wahrheitsgehalt. Interessant: Bei beiden Vorfällen waren Journalisten von bekannten und als seriös gewerteten Medien an Bord – in Bulgarien ein Mitarbeiter der The Financial Times, der sofort exklusiv von dem Zwischenfall berichtet hat, und nun ein Redakteur der Times.

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