Grooming Gangs und die Vertuschung: Untersuchungsausschuss startet



Binnen weniger Stunden sahen 900.000 User allein auf X das aktuelle Posting des britischen Innenministeriums: Das Home Office kündigt den tatsächlichen Start der offiziellen Untersuchung der Vertuschung von Serien-Vergewaltigungen durch Grooming Gangs an.

picture alliance / empics | Stefan Rousseau
Home Secretary Shabana Mahmood, London, 05.03.2026

Tausende Opfer, immer die gleiche Vorgangsweise – und dazu noch eine harte politische Debatte über Massenzuwanderung und Rassismus: Das Thema Grooming Gangs emotionalisiert bereits seit Jahren ganz Großbritannien. Große Skandale in Städten wie Rotherham (bis zu 1.400 Opfer), Rochdale, Oxfordoder und Telford flogen auf.

Viele der verurteilten Täter hatten einen pakistanisch-muslimischen Hintergrund (British-Pakistani), was zu heftigen Debatten über Ethnizität, Kultur, politische Korrektheit und über ein Behördenversagen führte. Die Polizei und Kommunalverwaltungen hatten offenbar jahrelang weggeschaut – aus Angst, als „rassistisch“ zu gelten, wenn sie das ethnische Muster beim Namen nennen.

Mit erheblicher Verspätung beginnt nun in Großbritannien eine landesweite Untersuchung der sogenannten Grooming Gangs – einem der erschütterndsten Missbrauchsskandale der jüngeren britischen Geschichte. Die aktuell vom Home Office auf X angekündigte Aufarbeitung könnte allerdings bis ins Jahr 2029 dauern. Für tausende Betroffene bedeutet der Start der Untersuchung dennoch einen wichtigen Moment: die Aussicht auf Anerkennung, auf Gerechtigkeit und ein mögliches Ende jahrelanger Verdrängung.

Untersuchungsstart nach Monaten der Verzögerung

Die britische Regierung hat mit der Veröffentlichung der Untersuchungsrichtlinien einen bedeutenden Schritt gemacht, doch bereits im vergangenen Jahr hatte ein erster Entwurf Zweifel geweckt. Kritiker bemängelten, dass Sprache und Ausrichtung den Ernst und das Ausmaß der Krise unterschätzten. Viele Opfer und ihre Unterstützer hatten den Eindruck, dass weder die systematische Dimension der Verbrechen noch das Versagen staatlicher Institutionen ausreichend erkannt worden sei.

Nach Monaten politischer Verzögerung versprechen britische Regierungsvertreter nun eine umfassendere Analyse. Besonders im Fokus steht die Frage, welche Rolle ethnische, kulturelle und religiöse Faktoren bei den Taten gespielt haben – ein hochsensibles Thema, das in der Vergangenheit häufig gemieden wurde. In zahlreichen dokumentierten Fällen handelte es sich bei den Opfern um minderjährige Mädchen, während die Tätergruppen überwiegend aus Männern mit südasiatischem, oft pakistanischem Hintergrund bestanden. Diese Tatsache führte immer wieder zu politischen Spannungen und zu Vorwürfen, Behörden hätten aus Angst vor Rassismusdebatten nicht konsequent gehandelt.

Der politische Druck auf die Regierung ist gewaltig: Premierminister Keir Starmer hatte sich lange gegen eine umfassende nationale Untersuchung ausgesprochen und erst nach wachsender Kritik sowie öffentlichem Druck – unter anderem von Elon Musk und der konservativen Politikerin Kemi Badenoch – eingelenkt.

Die nun gestartete Untersuchung ist mit 65 Millionen Pfund (74,7 Millionen Euro) ausgestattet und verfügt über weitreichende Befugnisse: Zeugen können zur Aussage verpflichtet und Dokumente eingefordert werden. Im Zentrum steht die systematische Analyse der Täterstrukturen: Wie konnten diese Netzwerke über Jahre hinweg operieren? Warum griffen Polizei, Jugendämter, Schulen und Gesundheitsdienste oft nicht ein – oder reagierten sogar mit Schuldzuweisungen gegenüber den Opfern?

Ein besonders brisanter Aspekt ist die institutionelle Verantwortung: In vielen Fällen berichteten Betroffene, dass sie ignoriert, nicht ernst genommen oder sogar selbst kriminalisiert wurden. Diese Versäumnisse werfen grundlegende Fragen über strukturelle Schwächen im britischen Kinderschutzsystem auf.

Den Vorsitz der Untersuchung übernimmt Anne Longfield. Sie betonte zum Auftakt, man werde „den Beweisen folgen, wohin sie auch führen“ und sich auch unbequemen Wahrheiten stellen. Diese Aussage deutet darauf hin, dass die Untersuchung nicht nur individuelle Täter, sondern auch gesellschaftliche und institutionelle Dynamiken kritisch beleuchten will.

Ethnische und kulturelle Faktoren sollen beachtet werden

Das Innenministerium unter Leitung von Shabana Mahmood bestätigte ebenfalls, dass ethnische und kulturelle Faktoren ausdrücklich Teil der Analyse sein werden. Damit betritt die Regierung politisch sensibles Terrain. Einerseits besteht die Notwendigkeit, Muster ehrlich zu benennen; andererseits darf dies nicht zu pauschalen Schuldzuweisungen gegenüber ganzen Bevölkerungsgruppen führen.

Kritisch betrachtet steht die Untersuchung vor einem Balanceakt: Sie muss schonungslos aufklären, ohne politisch instrumentalisiert zu werden. Gleichzeitig bleibt die Frage, warum eine so umfassende Untersuchung erst jetzt beginnt – viele Jahre nachdem die meisten Fälle bereits öffentlich bekannt waren.

Der aktuell angekündigte Start der Untersuchung ist daher ein wichtiger Anfang der Aufarbeitung eines dunklen Kapitels. Ob sie tatsächlich zur Aufklärung, zu strukturellen Reformen und zu Gerechtigkeit für die Opfer führt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch: Das Vertrauen in staatliche Institutionen wurde tief erschüttert.

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Kommentare ( 19 )

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horrex
14 Tage her

Falls ich richtig informiert bin war Starmer zumindest zeitweilig Staatsanwalt in Sachen grooming und hat sich da nicht besonders positiv von der allgemein geübten Verwaltungspraxis abghoben. –

AlNamrood
14 Tage her

Es wird kein Ergebnis geben, das wäre für die britische Elite gefährlich.

Michael W.
14 Tage her

Und am Ende wird nichts dabei rauskommen, außer dass alles völlig ok war und die „Opfer“ natürlich alles Rassisten sind und gelogen haben.

Marcel Seiler
14 Tage her

„Einerseits besteht die Notwendigkeit, Muster ehrlich zu benennen; andererseits darf dies nicht zu pauschalen Schuldzuweisungen gegenüber ganzen Bevölkerungsgruppen führen.“

Als Deutscher, der seit seiner Jugend dazu verurteilt wurde, sich für sein Deutschsein, also für seine kultuelle Herkunft, kollektiv zu schämen, fällt es mir schwer einzusehen, warum man nicht die kultuellen Dispositionen von Bevölkerungen anderer Herkunft thematisieren darf. Thematisieren sollte man insbesondere, dass aus der pakistanisch-muslimischen Bevölkerung selbst offenbar keine massive Verurteilung dieser Taten erfolgt ist.

Micci
14 Tage her

Mich erstaunt dabei auch noch, dass der Brexit den Briten so gar nichts genützt hat: noch grüner, noch sozialistischer, noch fremdenverliebter …

Schrecklicher Lehrsatz:
Die EU wird man auch nicht durch Austritt los!

Marcel Seiler
14 Tage her
Antworten an  Micci

Die britische Mentalitätskrise ist nicht EU-verursacht. Sie ist Ausdruck der Identitätskrise aller westlicher Gesellschaften, ausgedrückt in pathologischer Selbstscham: Deutsche haben die Nazi-Scham, US-Amerikaner die Sklaverei-Scham, Engländer die Kolonialismus-Scham. Dazu die Klimawandel-Scham, die Umwelt-Scham, die 3.-Welt-Ausbeuter-Scham, die Scham, die erfolgreichste Zivilisation des Planeten seit seiner Existenz zu sein.

Die einzelnen Gründe für die Scham sind vorgeschoben. Nur der Selbsthass ist echt: der westliche Mensch empfindet sich als Schädling. Warum, weiß ich auch nicht.

Last edited 14 Tage her by Marcel Seiler
Maria Jolantos
14 Tage her

Die Vertuschung liegt nicht nur an Rassismus und Klassimus, sondern auch daran, dass Bullen und Upper Class mitgefi… profitiert haben. Das macht zusätzlich zur Verachtung der Unterschicht auch moch erpressbar.

Kraichgau
14 Tage her

bei einer Innenministerin dieses Namens und entweder indisch oder pakistanischer Herkunft würde ich auf diese „Untersuchung“ nicht viel geben,zumal der zuständige höchste Staatsanwalt damals der heutige Regierungschef war….

Engel
14 Tage her

Mit einem Land, dass seine Jugendlichen zur sexuellen Ausbeutung durch Ausländer hergibt, will ich nichts zu tun haben.

Kassandra
14 Tage her
Antworten an  Engel

2 angezeigte!!! Gruppenvergewaltigungen Tag für Tag in Deutschland. Die Täter ebensolche aus aller Welt.
Und welche „Strukturen“ sich hier in Deutschland ebenso wie in GB inzwischen gefestigt haben – ich würde es tatsächlich gerne wissen wollen.
Davon abgesehen, dass frisch Operierte in Krankenhäusern sexuell ebenso angegangen werden wie Greisinnen und Greise in Altersheimen.

HansKarl70
14 Tage her

Die Macht der Falschen bröckelt und das ist gut so. Schonungslose Aufklärung ohne Ansehen von irgendwas

Schwabenwilli
14 Tage her

„Kritisch betrachtet steht die Untersuchung vor einem Balanceakt: Sie muss schonungslos aufklären, ohne politisch instrumentalisiert zu werden.“

Doch diese Verbrechen müssen politisch instrumentalisiert werden und politische und gesellschaftliche Folgen haben.

Aberkennung der Staatsbürgerschaft, Ausweisung dieser kriminellen Subjekte welche sowieso eine ausschließliche Bindung an ihre Heimatländer und Religion haben dagegen alles verachten was weiß und britisch und christlich ist.

Die einzig legitime Frage ist doch, geht es noch ohne Bürgerkrieg ab oder sind wir schon auf einer Stufe wo er nicht mehr zu verhindern ist?

Kassandra
14 Tage her
Antworten an  Schwabenwilli

Wir sind doch nicht in Al Andalus, wo ab 1492 mit der Reconquista die Ausweisung von ebensolchen mit allen Mitteln in die Wege geleitet war? Auf der Iberischen Halbinsel kann ein glückliches Zusammenleben der Angehörigen der 3 Schriftreligionen nur als fabuliert gelten – betrachtet man, was durch die „Eroberer“ nach Spanien, Portugal aber auch Italien und Frankreich getragen wurde – und welche Mühe es kostete, sie bis 1616 wieder außer Landes zu treiben. Über die gesamte Zeit der „Eroberung“ ab 711 spritzt bis dahin, als 1616 der letzte „Maure“ vertrieben war, beständig Blut – auch, wenn man das nur zwischen… Mehr

Schwabenwilli
14 Tage her
Antworten an  Kassandra

Immerhin haben die Spanier es 700 Jahre lang nicht geschafft diese (……. ……) wieder zu vertreiben.
Oder war es damals einfach so wie es heute abläuft. Die Vermutung liegt nahe, das Muster ist das gleiche. Geschichten geflohener Christen aus dem Libanon erzählen das.

Die Frage muss also lauten, sollen wir das jetzt auch noch 640 Jahre (nach dem ersten Auftauchen der „Gastarbeiter“) durchmachen bevor wir es schaffen die loszuwerden?
Den eines muss klar sein ein friedliches zusammenleben mit anderen Religionen sieht der Islam nicht vor.
Wie die Geschichte bezeugt.