Noelia soll sterben: Assistierter Suizid für Vergewaltigungsopfer

Nach einer Gruppenvergewaltigung begeht Noelia Castillo einen Selbstmordversuch. Seitdem ist sie querschnittsgelähmt. Gerichtlich setzt sie durch, am 26. März assistierten Suizid bzw. Tötung auf Verlangen begehen zu dürfen. Täter werden geschützt, das Opfer muss sterben: ein Fall, der fassungslos macht.

Screenprint: El País

Aktualisiert am 27. März um 10:00 Uhr.

Noelia Castillo Ramos soll sterben. Ihre Eltern dürfen nicht dabei sein, wenn sie am Donnerstagabend in den Tod geht. So will es die 25-jährige Katalanin selbst. Durch die Verabreichung von Propofol wird sie ins Koma versetzt, anschließend führt ein weiteres Mittel zu Atem- und Herzstillstand. Bis zu zwanzig Minuten kann das Herz weiterschlagen.

Euthanasie nennen Spanier diesen Prozess ganz ungeniert. In Deutschland erregt dieser historisch belastete Begriff Widerwillen. Assistierter Suizid, bzw. Tötung auf Verlangen – das klingt doch viel besser: nach Autonomie und Selbstbestimmung, nach Abhilfe, um unerträgliches Leid zu beenden.

Allerdings wird dieses Leid aus der Welt geschafft, indem man den Leidenden beseitigt. Diese Tatsache wird von Befürwortern der Praxis gern ignoriert. Im Fall Noelia Castillos tritt sie so unerbittlich in den Vordergrund, dass man sie nicht wegwischen kann.

Eineinhalb Jahre lang hat Noelia darum „gekämpft“, sich umbringen lassen zu dürfen. Ihr Leidensweg beginnt weit früher. Bereits seit ihrem dreizehnten Lebensjahr befindet sie sich in psychotherapeutischer Behandlung. Aufgrund familiärer Probleme verbringt sie ihre Jugend in Heimen. 2022 wird sie Opfer einer Gruppenvergewaltigung. Keine Festnahmen, keine Verurteilung. Noelia versucht, sich das Leben zu nehmen, springt aus dem fünften Stock eines Gebäudes und ist seit dem querschnittsgelähmt. Da diese Diagnose als irreversibel gilt und sie zudem unter Depressionen leidet, kann die junge Frau gemäß der Rechtslage in Spanien Euthanasie in Anspruch nehmen.

Verzweifelt hatte ihr Vater über den Rechtsweg versucht, dies zu verhindern. Doch der Oberste Gerichtshof Spaniens bestätigte Noelias Entscheidung, das Verfassungsgericht wies den Einspruch der Familie ab. Zuletzt weigerte sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, einzugreifen.

In Noelias Fall verdichten sich die verkehrten und verdrehten Verhältnisse, die europäische Gesellschaften selbst herbeigeführt, und in denen sie sich eingerichtet haben:

Anstatt alle Ressourcen aufzubieten, die zur Verfügung stehen, um Depression und Traumata zu behandeln, wird die vulnerable und kranke Person ihrem „eigenen Willen“ überlassen – nachdem man sie zuvor brutalen Gewalttätern ausgeliefert hatte, die ihren Lebenswillen überhaupt erst brachen.

Wie „selbstbestimmt und autonom“ eine solche Entscheidung unter solchen Voraussetzungen wohl ist?

„Das Opfer hat lebenslänglich“. Mit diesem Satz drückt sich die Empörung darüber aus, dass die oft lächerlich geringen Strafen für Vergewaltiger in keinem Verhältnis stehen zum Martyrium der Opfer, die ihr Leben lang unter dem, was ihnen angetan wurde, leiden müssen.

Der nächste Schritt folgt einer zynischen Logik: Weil es hilflos ist, droht dem Opfer nun die Todesstrafe. Nicht die Verbrecher werden exekutiert, die das Mädchen vergewaltigt haben, sondern das Opfer, das keinen anderen Weg aus einer als unerträglich empfundenen Situation findet.

Euthanasie wird als Methode betrachtet, die „würdevolles Sterben“ sicherstellt. Aber Noelias Würde wird nicht durch ihren Tod geschützt oder wiederhergestellt.

Sie ist nicht nur das Opfer ihrer Vergewaltiger. Sie fällt auch einer Gesellschaft zum Opfer, die ihre schwächsten Glieder nicht zu schützen vermag, weil sie sie nicht schützen will. Eine Gesellschaft, die Täter fördert, Opfern Gerechtigkeit vorenthält, und ihnen vermittelt, dass sie und ihr Leiden nichts wert seien. Eine Gesellschaft, die lieber das Opfer beseitigt, als Täter zu hindern.

Dass Noelia Castillo keine Hoffnung verspürt, ist mehr als verständlich. Aber es wäre die Aufgabe der Medizin und der Gesellschaft, ihr zu helfen, ins Leben zurückzufinden – und nicht, ihr Leben zu beenden. Wenn es um „gewöhnlichen“ Suizid geht, würde diesen Konsens niemand bezweifeln. Und doch schaffen immer mehr Staaten einen rechtlichen Rahmen, um ihn zu unterlaufen.

Noelia Castillo wird am Abend des 26. März mit dem Einverständnis und unter Mithilfe des Staates jede Chance auf Zukunft genommen. Das ist kein Ausdruck von Mitleid, sondern ein Ausdruck von Mitleidlosigkeit: Die Gesellschaft entzieht sich ihrer Verpflichtung und vernichtet mit dem Leben des Opfers den Beweis für ihren Verrat.

Dieses Versagen ist unentschuldbar.


Redaktioneller Hinweis: In der ursprünglichen Fassung hieß es, Noelia Castillo Ramos sei in einer Jugendeinrichtung Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden. Sie war zu dem Zeitpunkt jedoch bereits volljährig. Ebenfalls entfernt wurde der Satz „Die Täter sollen maghrebinischer Herkunft sein“. Beide Aussagen stammen von der Anwaltskanzlei Abogados Cristianos („Christliche Anwälte“), die den Vater Noelia Castillos vertreten, und ließ sich anderweitig nicht verifizieren.


Sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie Hilfe benötigen, kontaktieren Sie unbedingt die Telefonseelsorge. Unter der kostenfreien Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 bekommen Sie Hilfe von Beratern, die Ihnen Hilfe bei den nächsten Schritten anbieten können. Hilfsangebote gibt es außerdem bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Im Netz gibt es – Beispielsweise bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe – auch ein Forum, in dem sich Betroffene austauschen können.


Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 190 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

190 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
JuergenR
25 Tage her

Dank der Empathie der Richter konnte die junge Frau ihr Recht auf assistierten Suizid durchsetzen. Ich freue mich so sehr für sie.

Retlapsneklow
25 Tage her
Antworten an  JuergenR

« Ich freue mich so sehr für sie. »

Diese Sache soll ein Grund zur Freude sein!?
Richter haben nicht nach Empathie zu urteilen, sondern nach Gesetzen. Das gilt auch bei unempathischen Gesetzen.

Marie
24 Tage her
Antworten an  JuergenR

an solchen Aussagen erkennt man deutlich wie gottlos und verkommen diese Gesellschaft geworden ist. Gruß

Retlapsneklow
24 Tage her
Antworten an  Marie

Ich denke, der Teilnehmer muss noch sehr jung sein bzw. „unerfahren“, um es mal so auszudrücken. Die Sache mit der Empathie und dem Richter…! Gerechtigkeit, ein unbekanntes Wesen von einem anderen Planeten.

Retlapsneklow
25 Tage her

Wer aus dem Leben scheiden und dafür Hilfe von anderen Menschen haben will, bringt sich nicht selber um, sondern die Helfer tun es de facto.
Kein Problem?

Last edited 25 Tage her by Retlapsneklow
Montesquieu
25 Tage her

Unsere Kultur führt dazu, dass immer mehr Menschen reflexartig in hohl drehenden Moralismus verfallen. Erstens: die Sache mit der Vergewaltigung ist wohl eine lancierte Ente von Gegnern aktiver Sterbehilfe, tut aber – wie bereits erwähnt – sowieso nichts zur Sache. Zweitens: Die junge Frau weist (spätestens) seit früher Pubertät einen intensiven Drogenabusus mit schweren psychischen Störungen auf. Während eines Drogenrausches hat sie sich vom Dach eines Hauses gestürzt (entweder suizidal oder weil sie meinte, fliegen zu können oder weil sie einfach Bock darauf hatte) und ist seitdem gelähmt. Das ist tragisch, aber selbst verantwortet. Drittens: Aufgrund der Lebensumstände: gelähmt, keine… Mehr

Orlando M.
25 Tage her

„Die Täter sollen maghrebinischer Herkunft sein. Keine Festnahmen, keine Verurteilung.“ Das ist die Art Gerechtigkeit, die die teuflischen Sozialisten ihren eigenen Leuten angedeihen lassen. Eine Vergewaltigung ist mit das Schlimmste, was einem widerfahren kann, wenn dann der Staat die Täter ungeschoren lässt, dann hat der Staat mit vergewaltigt, steht auf auf der Seite der Täter und ignoriert aus rein idiotischen ähhh ideologischen Gründen sein eigenes Volk. Wie grausam muss das für das Opfer sein. Dieses Mal müssen die Spanier ihr Land von den Sozialisten zurückerobern! Die Täter bleiben nicht straffrei, weil Gott oder das Gesetz es so vorschreiben, sondern weil… Mehr

Montesquieu
25 Tage her
Antworten an  Orlando M.

Von den Taten hat nie jemand gehört zu dem Zeitpunkt. Die Verstorbene hat es keinem erzählt, es gab schon gar keine Anzeige. Die Darstellungen der Verstorbenen im Rahmen des Verfahrens zur Genehmigung der aktiven Sterbehilfe waren widersprüchlich und nebulös.
Aber nochmals: das hat prinzipiell nichts mit der aktiven Sterbehilfe zu tun. Diese wurde von der Verstorbenen explizit aufgrund unerträglicher dauerhafter Schmerzen infolge ihres vorsätzlichen Sprungs aus dem 5. Stock gefordert.

Peterson82
25 Tage her

Hier mischen sich mehrere Themen ineinander. Opfer und Täter. Wie gehen wir mit Tätern und Opfern rum aber auch um das Thema Sterbewunsch. Das sind aber unterschiedliche Dinge.
Ich bin der Meinung, dass durchaus darüber diskutiert werden darf, ob jemand mit 18 schon wirklich „erwachsen“ genug ist eine Entscheidung über das fremdbestimmte Töten treffen zu können. In diesem Fall ist sie aber 25 und ich finde in diesem Alter sollte man selbst bestimmen können was mit dem eigenen Körper passiert.
Das sich hier ganz andere Abgründe auftun mit den vorangegangenen Dingen steht auf einem ganz anderen Blatt.

Kassandra
25 Tage her

Kann man überprüfen, ob das stimmt? Danach „durfte“ sie sich gar nicht mehr umentscheiden, weil man Organe von ihr schon zur Disposition gestellt hätte? Und: wollte sie das überhaupt? „The attorney for Noelia Castillo Ramos says she was not allowed to cancel her euthanasia because “her organs had been committed to other patients.” Spain imported this girls r*pists, let them go free, then contractually obligated her to be euthanized.“   https://x.com/WallStreetMav/status/2037303586929926244 . Bzw. konnte sie das auch? Denn hier wird sie als psychisch krank beschrieben: „25-year-old Noelia Castillo Ramos has been euthanized She suffered from borderline personality disorder and obsessive-compulsive disorder The… Mehr

Retlapsneklow
25 Tage her
Antworten an  Kassandra

Sind gespendete Orange überhaupt brauchbar, wenn der Körper incl. Organe vorher so vergiftet wurde, dass er daran starb?

Kassandra
24 Tage her
Antworten an  Retlapsneklow

: man hofft, dass sie wissen, was sie tun. Vielleicht haben sie ja auch bis ausgeweidet war nur betäubt?
Freundin starb allerdings neulich, ohne dass ausreichend Schmerzmittel verabreicht wurden. Die hatten einen „Terminplan“, wann nachgespritzt werden „durfte“ – und der reichte in diesem Fall nicht, dass sie durchgängig schmerzfrei blieb – sondern oftmals eine Stunde vor Plan wieder zu stöhnen begann. Das zog sich, übelst auch für die Angehörigen, über eine ganze Woche.

Marie
24 Tage her
Antworten an  Kassandra

man kann keinem Toten funktionsfähige Organe entnehmen..
diese Menschen werden in der Tat „ausgeschlachtet“

Retlapsneklow
23 Tage her
Antworten an  Kassandra

Ich kenne mich da nicht gut aus, aber wenn sie schon bei der Betäubung rausnehmen, was sie kriegen können, wie kann dann jemand überhaupt noch leben? Sowas dürfte sowieso nur unter Vollnarkose möglich sein, wie bei einer normalen Operation.

Kaiser
25 Tage her

Der ganze Artikel stellt die Wirklchkeit des Vergewaltigungsopfers auf den Kopf, aber der Reihenfolge nach: – Die gesamte Vorgeschichte ist wahr, unendlich schlimm und die Tat nicht zu entschuldigen. – Nun geht es um die Innenansicht des Opfers: Es gibt so schreckliche Dinge die im Leben passieren können, die man nicht nur nie wieder vergisst und die allein schon dazu führen können, das Betroffene sich wünschen, sie wären tot. Dieses „wünschen“ hat mit dem landläufigen Begriff des wünschens nichts gemein- weil es kein anderes Wort dafür gibt, wird es eben genommen weil des dem Zustand am nächsten ist. Hier dringt… Mehr

Ein Mensch
25 Tage her

Den moralischen Zustand einer Gesellschaft erkennt man an ihrem Umgang mit den Opfern von Straftaten, nicht am Umgang mit Straftätern. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

giesemann
25 Tage her
Antworten an  Ein Mensch

Ja, Täter sind zu schützen, Opfer sind egal: AG München, Urteil vom 04.09.2018 – 824 Cs 112 Js 101229/18 – openJur – die Benennung von Tätern wird sogar bestraft. UNICEF prangert Kinderehen an – DW – 07.06.2019 usw.

eifelerjong
25 Tage her
Antworten an  giesemann

Wenn ich schon in der „Urteilsbegründung“ lese
Außerdem waren generalpräventive Gesichtspunkte zu berücksichtigen, da das gesellschaftliche Klima in Deutschland in letzter Zeit schon sehr aufgeheizt ist, deshalb muss jeder weiteren Aufheizung vorgebeugt werden.“
Mit Verlaub, der, der solches schreibt, ist bar JEDLICHER Realität.
Im Übrigen verbitte ich mir, seitens eines Gerichtes Belhrungen, WIE ich das „gesellschaftliche Klima“ einschätze und fürderhin einschätzen werde.

giesemann
23 Tage her
Antworten an  eifelerjong

Ich habe Ihnen eine Antwort mit näheren Erläuterungen zu diesem Urteil geschrieben, aber TE veröffentlich es nicht. Wollen Sie das lesen, so mailen Sie mich bitte an, giesge@t-online.de
Schicke es Ihnen dann, Gruß Gerhard Giesemann

Madame Blume
25 Tage her

Ich denke, ein ganz großes Problem an der Thematik „Suizidwunsch“, „Vergewaltigung“ etc. ist schlichtweg die Gleichgültigkeit in der Bevölkerung gegenüber dem, was das einzelne Individuum erlebt. Das berühmte „Weggucken“, „ist nicht meine Baustelle“, „ich will keine Probleme bekommen“. Es gab immer wieder Experimente, in denen eine Vergewaltigung nachgestellt wurde, um die Reaktion der vorbeigehenden Passanten zu testen. Das Ergebnis: ALLE haben so getan, als würden sie nichts mitbekommen, ALLE sind weitergegangen und haben nicht einmal die Polizei gerufen – dabei tragen heute gefühlt 95% aller Menschen ein Smartphone mit sich herum. Das Individuum ist gut genug als Steuerzahler oder Aufrechterhalter… Mehr

Retlapsneklow
25 Tage her
Antworten an  Madame Blume

Vom Zuschauersessel aus lässt sich gut reden.

Rückfragen:
♦ Ist es wahrscheinlich, dass eine Vergewaltigung öffentlich so auf dem Präsentierteller stattfindet, dass Passanten es mitbekommen können?

♦ Falls Sie eine Gewaltszene unterwegs beobachten, sind Sie dann physisch in der Lage, es mit dem oder den Gewalttätern aufzunehmen? Können Sie wissen, wie sie reagieren, wenn Sie sie ansprechen?

♦ An die Autorin und andere, die sich ihrem schleudernden Rundumschlag anschließen, die Gesellschaft und sämtliche Fach-Entitäten schuldig zu sehen: Hätten Sie Noelia vor dem Tode retten können, wenn Sie mit ihr selber gesprochen hätten?

giesemann
24 Tage her
Antworten an  Retlapsneklow

Da konstruiert einer Hypothesen, um diese dann selbst niederzureißen. Sie sollten mal Ihre Kinken klären. Was treibt Sie an?

Retlapsneklow
24 Tage her
Antworten an  giesemann

« Was treibt Sie an? »

Mich treibt gerade an, dass Sie Fragen nicht von Hypothesen unterscheiden können.

Das „Niederreißen“ von Ihnen macht nichts. Das bin ich gewöhnt.

giesemann
25 Tage her
Antworten an  Madame Blume

Zivilcourage ist eben Mangelware.

Kassandra
25 Tage her
Antworten an  giesemann

Tja. Nur aus sicherer Entfernung – und auch nur, wenn der Täter nie erfahren kann, „wo mein Haus wohnt“.
Wiewohl ich auf Hilfe hoffen würde.

Retlapsneklow
25 Tage her
Antworten an  giesemann

« Zivilcourage ist eben Mangelware. »

Wer verlangt hier Zivilcourage? Ein über 80-Jähriger, der keine Furcht vor massiv gebauten, kräftigen Tätern hat und jederzeit bereit zur Kampfaufnahme ist, einzig mit der Waffe seiner großen Klappe?

Last edited 25 Tage her by Retlapsneklow
siebenlauter
25 Tage her
Antworten an  Retlapsneklow

Der Heilige Severin vom Noricum hat mit seiner „großen Klappe“, die Hagiographien sprechen von Beredtsamkeit, ganze Stämme wilder Barbaren im Zaum gehalten.
So sehr ich gewöhnliche Ängste verstehe, so wenig bin ich bereit, den rechten Wortgebrauch derart abzuwerten.

Retlapsneklow
25 Tage her
Antworten an  siebenlauter

Es geht nicht um den Wortgebrauch, sondern das dahinter steckende Bedürfnis, warum einer diese Floskel überhaupt schreibt, gebaut auf einen impliziten Vorwurf, während man selber das Verlangte nicht erfüllen kann.

Es geht also um sowas wie Doppelmoral.

giesemann
24 Tage her
Antworten an  Retlapsneklow

„Retlapsneklow“ ist rückwärts gelesen Wolkenspalter. Falls Sie nach dem Rückfallmodell nach Marlatt und Gordon (Relapse Prevention Model, RPM) gesucht haben, hier sind die Kernpunkte:  Grundannahme: Sucht wird als erlerntes Verhalten verstanden, das durch Konditionierung verändert werden kann. Hochrisikosituationen: Rückfälle entstehen oft durch Situationen, in denen die Kontrollfähigkeit bedroht ist (z. B. soziale Konflikte). Bewältigung vs. Ausrutscher: Eine erfolgreiche Bewältigung stärkt die Selbstwirksamkeit. Wird die Situation nicht bewältigt, sinkt die Selbstwirksamkeit, was zum „Ausrutscher“ (Lapse) führen kann. Abstinenz-Verletzungs-Effekt: Ein einmaliger Ausrutscher führt oft zu negativen Gefühlen, was die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Rückfalls (Relapse) erhöht. Rückfallprophylaxe: Identifikation von Risikoszenarien und Entwicklung von Handlungsalternativen zur Stärkung der Abstinenzzuversicht. Worin besteht Ihre Sucht?… Mehr

giesemann
24 Tage her
Antworten an  Retlapsneklow

Nein, ein 100-Jähriger, der aus dem Fenster stieg und verschwand, https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Hundertjährige,_der_aus_dem_Fenster_stieg_und_verschwand. Sind Sie noch seriös und zurechnungsfähig?

HansKarl70
25 Tage her
Antworten an  Madame Blume

Wenn sie schon so etwas schreiben, dann sollte sie auch wann, wo, und evt, wer gleich mit schreiben, sonst hat das Ganze nur einen geringen Wert.

humerd
25 Tage her
Antworten an  Madame Blume

„ist schlichtweg die Gleichgültigkeit in der Bevölkerung gegenüber dem, was das einzelne Individuum erlebt. „ diesen Schuh lass ich mir nicht anziehen. Die Bevölkerung finanziert eine Polizei, die für die Sicherheit zuständig ist. Die Bevölkerung finanziert eine Heerschar an verständnisvollen Richtern, Sozialarbeitern, Psychologen und NGOs, die sich um Täter kümmern. „Wann haben Sie das letzte Mal einem Mitmenschen in Not auf der Straße geholfen?“ vor rund 10 Jahren stolperte ich über 3 Mädchen, die nach Koma saufen auf der Straße lagen. Ich rief den Notarzt, der rief die Polizei. Die Polizei dann verdächtigte mich, dass ich diesen Mädchen Alkohol gegeben hätte.… Mehr

siebenlauter
25 Tage her
Antworten an  humerd

Der Kleinbürgerliche kuscht natürlich fortan, wenn die bewaffneten Schergen des großherrschaftlichen Demos auftragsgemäß oder aus gezielt verursachtem Frust einen auf Zersetzung machen.

siebenlauter
25 Tage her
Antworten an  Madame Blume

Zu ihrer letzten Frage: Gestern noch.
Dennoch treffen sie einen Punkt – und es ist noch schlimmer, so meine eigene Erfahrung bereits vor Jahren: Wurde Zeuge einer Anmache, die mir entschieden zu aufdringlich und gewaltsam erschien, weshalb ich dazwischen gehen wollte. Der Kerl war allerdings sehr groß und kräftig und die Gruppe, mit der ich unterwegs war, hielt mich mit Gewalt davon ab und beschwichtigte mich mit den wohl üblichen Annahmen. Ein (ehemaliger) Freund kannte den Kerl wohl und lag mir später sogar noch mimosenhaft in den Ohren, dieser würde immer die Frauen kriegen und er dagegen nicht …

Susa
25 Tage her
Antworten an  Madame Blume

Dem ewigen Vorwurf, alle würden wegschauen, wenn jemand in Not ist, kann ich, aus eigener Erfahrung und Beobachtung, überhaupt nicht zustimmen. Ich könnte zahlreiche Erlebnisse schildern, wo entweder mir, oder anderen Menschen durch mich oder durch andere aufmerksame Passanten Hilfe angeboten wurde. Hier nur zwei Beispiele: Nachts in den öffentlichen Verkehrsmitteln (Großstadt), als ein angetrunkener Mann etwas aufdringlich wurde, d. h. sich neben mich setzte und mir ein Gespräch aufdrängte, mich „kennenlernen“ wollte, fragte ein junger Mann, der gegenüber stand und das beobachtete, couragiert in meine Richtung: „Brauchen Sie Hilfe?“ Ich brauchte da keine Hilfe, aber ich fand das natürlich… Mehr

Last edited 25 Tage her by Susa
Mausi
25 Tage her

„Noelia soll sterben: Assistierter Suizid für Vergewaltigungsopfer“ Was mich an dem Artikel stört, ist, dass die Überschrift und die Einleitung nahelegen, dass die junge Frau sterben will wegen Vergewaltigung. Und es stört mich, dass dieser Artikel mit einer solchen in zeitlichem Zusammenhang mit dieser Schauspieler*Innen Inszenierung erscheint. Mir scheint es, als ob die junge Frau tragischerweise eine sehr unglückliche Zeit hinter sich hat. Und die begann nicht erst mit der Vergewaltigung. Dann lese ich, dass sie in einer „Einrichtung“ gelebt hat. Welche Art Einrichtung erfährt man nicht. Es kommen bei mir Assoziationen auf zu Wohnheimen oder ähnlich Negativem. Jedenfalls getrennt… Mehr

Last edited 25 Tage her by Mausi
Retlapsneklow
25 Tage her
Antworten an  Mausi

Ganz abgesehen von dem neuen Täter-Opfer-Szenario, das der Artikel selber produziert, nämlich die Opfer der Schuldzuweisungen, deren Zahl unter dem Begriff „die Gesellschaft“ in die Abermillionen geht – freilich ohne sich selber dazuzuzählen, wie wohl auch sämtliche Kommentatoren dies nicht tun.

giesemann
25 Tage her
Antworten an  Mausi

Berechtigte Fragen; die Tragik dieses Schicksals bleibt davon aber unberührt.