Griechenland kämpft gegen neue Migrantenwelle aus Libyen

Trotz Grenzschutz und der Strafbarkeit illegaler Einreisen dringen weiter Tausende Migranten – vor allem junge Männer aus Ägypten, Sudan und Bangladesch – über Libyen und Kreta nach Griechenland ein. Die Regierung warnt vor 550.000 wartenden Migranten in Libyen.

picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirski
Migranten im Mittelmeer (Symbolbild)

Nicht nur Keir Starmer will Großbritannien wieder stärker der EU annähern, auch die BBC mischt erneut mit in der EU-Migrationspolitik. Aus einem neueren „Bericht“ des britischen Senders könnte man lernen, dass am Evros noch immer keine Ruhe eingekehrt ist. Vielmehr sieht man mehrere Personen – es wurden natürlich mal wieder Frauen und Kinder gefilmt –, die in einer Landschaft sitzen, die wohl in Nordgriechenland liegen könnte. Doch dann kommen in dem Video maskierte junge Männer angerannt und treiben die gerade erst angekommenen Migranten zurück. Angeblich stehen die Männer in Diensten der Regierung, das behauptet die BBC mit Verweis auf „umfangreiche Belege“. Der Sender will sogar die Polizeidokumente gesehen haben. Premierminister Mitsotakis sagte, er wisse „absolut nichts“ von diesen Vorwürfen. Die Behörden des Landes äußerten sich nicht zu den Vorwürfen.

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Migrationsminister Thanos Plevris verglich das ganze Szenario durchaus treffend mit dem Fake-Drama um die „kleine Maria“, angeblich aus Syrien, die auf einer Evros-Insel von einem dort kaum vorkommenden Skorpion gestochen worden sein sollte. Die Maria-Fake-Geschichte hatte damals auch der Spiegel verbreitet (TE berichtete). In dieser Epoche sei auch die BBC stehen geblieben, meint Plevris. In der Tat wird nicht ganz klar, dass es die genannten „Belege“ wirklich gibt. Es sind mehr empört vorgetragene Behauptungen als echte Belege für den Medienkonsumenten.

Bei dem Video könnte es sich um ein linkes NGO-Propagandavideo handeln. Derlei ist leicht zu fabrizieren, und man hat schon einiges in der Art gesehen. Der Vorfall ist aber auch andersherum bezeichnend, wenn man davon ausgehen soll, dass es wirklich Migranten-Söldner sind, die da auf neue illegale Migranten losgelassen werden. Das würde bedeuten, dass die Ressource Migrant in Griechenland schon in einer Fülle vorhanden wäre, die es erlaubt, Migranten gegen Migranten einzusetzen – wenn der BBC-Bericht wahr wäre. Angeblich stammen die Söldner u. a. aus Pakistan, Syrien und Afghanistan. Von diesen drei Volksgruppen gibt es viele in Griechenland, und so treffen auch solche BBC-Berichte in dem Land meist auf taube Ohren. Man hat genug von einem Leben im Samariter-Komplex.

Im Kampf gegen die Migrationsmafia seit 2020

Plevris beharrte nun im Gespräch mit dem staatlichen Fernsehen ERT darauf, dass die Regierung die Grenzen nicht öffnen werde. Man werde sich auch weiterhin „im Rahmen der Legalität“ bewegen, aber jede Möglichkeit zum Schutz der Grenzen ausschöpfen. Man kann sich diesen Kampf nicht heroisch genug vorstellen angesichts der internationalen Mafia – kann man sie anders bezeichnen? –, die für die Neubesiedlung des europäischen Kontinents eintritt. Medien wie die BBC gehören dazu, „NGOs“ natürlich und viele internationale Organisationen von den UN bis zur EU.

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Sicher wäre aber aus patriotischer Sicht wenig dagegen einzuwenden, wenn möglichst wenige illegale Migranten über die EU- und Schengen-Außengrenze gelangen. Mit den angesammelten Beständen und Migrantenmilieus im Inneren werden patriotische Parteien – auch Plevris stammt politisch aus diesem Bereich – noch genug zu tun haben.

Mit dem gesetzlichen Rahmen meint Plevris übrigens eine Art Notnagel in der EU-Gesetzgebung, der die Zurückweisung von Booten erlaubt, wenn davon auszugehen ist, dass deren Insassen die illegale Einreise planen. Diese EU-Regel beherzigt die griechische Regierung seit dem Jahr 2020, ist dabei aber beständigen Vorwürfen von anderen EU-Spielern ausgesetzt. Aber inzwischen scheint die Gegnerschaft gegen Zurückweisungen auch in Brüssel zu bröckeln. Nach vielen Jahren der Verweigerung hat sich das offizielle Brüssel zum Stillhalten entschieden.

550.000 warten allein in Libyen

In Wahrheit sind die EU-Regelungen zum Grenzschutz noch nicht annähernd so konsequent, wie sie sein müssten. Auch Frontex agiert ohne Frage immer noch im Interesse der Migranten, die doch einen Asylantrag stellen können müssten, selbst wenn sie aus einem vergleichsweise sicheren Land wie der Türkei kommen.

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Die Zusammenarbeit mit den türkischen Kollegen scheint der konservative Minister inzwischen zu schätzen. Deutlich mehr spricht Plevris von Libyen, das aus griechischer Sicht ein relativ neuer Tatort illegaler Einreisen ist. In der Tat haben die Zuflüsse hier – über das südliche Meer, Kreta und die vorgelagerte Klein-Insel Gavdos – seit 2022 stark zugenommen, während sie in der nördlichen Ägäis deutlich zurückgingen, am Evros etwas weniger deutlich.

Hinter Plevris’ Warnung steht vor allem, dass in Libyen nicht nur ein paar verwehte Gestalten stehen, sondern 550.000 Migranten auf ihre Einfahrt in den EU-Schengenraum warten. Und in anderen Ländern Nordafrikas und Westasiens (Algerien, Tunesien, Türkei) sieht es nicht anders aus. Nur ein Bruchteil von ihnen schafft derzeit die Überfahrt. Aber wie lange wird das so bleiben? Die Fahrt nach Italien, dem klassischen Einfallstor in die EU von Libyen her, konnte Giorgia Meloni zuletzt deutlich erschweren. In der Folge haben die Schlepper eine neue illegale Reiseroute über Ostlibyen und Kreta eingeführt.

Der importierte Männerüberschuss

Über 20.000 Migranten – vor allem aus Ägypten, dem Sudan und Bangladesch – kamen 2025 auf Kreta und Gavdos an. Sie machten fast die Hälfte aller illegalen Ankünfte zu Wasser aus. Die griechische Regierung reagierte mit zahlreichen Verschärfungen der Rechtslage für eingeschmuggelte Migranten. Vor allem hat Griechenland die illegale Einreise als erstes EU-Land unter Strafe gestellt. Die Strafbarkeit greift in dem Moment, in dem ein Asylantrag abgelehnt wird. Das ist die wichtigste Maßnahme, die zudem dauerhaft ist. Andere waren eher Notfallmaßnahmen, etwa die Aussetzung des Asylrechts für Migranten aus Nordafrika als direkte Antwort auf den Krisenfall.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres blieben die kretischen Zahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit rund 2.500 Ankünften unverändert hoch. Jetzt, bei immer stabilerem Sommerwetter auf dem Mittelmeer, starten die Einreisen wiederum durch: Am Montag wurden 101 Personen in einem kleinen Ort an der Südküste ans Land gebracht – Kaloi Limenes, was ausgerechnet „Gute Häfen“ heißt. Am Sonntag waren insgesamt 129 Personen ebendort und auf Gavdos angekommen. Der Sommer könnte eine neue Welle bringen.

Übrigens geht sogar aus einer UNHCR-Graphik hervor, dass es in keiner der hier vertretenen „Flüchtlingsgruppen“ mehr als 28 Prozent Frauen gibt. Wohl fällt aber ein teils großer Anteil an „Minderjährigen“ auf – vermutlich jene Sorte mit jedenfalls beginnendem Bartwuchs. Zumal bei Ägyptern, Sudanesen und Bangladeschis liegt der Frauenanteil zwischen 0,2 und vier Prozent, bei Afghanen bei 24 Prozent. Sie dringen meist über die Türkei und die Ägäis-Inseln ins Land.

Geschlechter bei neuen Ankünften in Griechenland 2025 laut „Sea Arrivals Dashboard“ von UNHCR Greece, September 2025

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Kommentare ( 2 )

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Haba Orwell
11 Minuten her

> auch die BBC mischt erneut mit in der EU-Migrationspolitik

Etliche Länder wären ruhiger und derer Bewohner blieben eher daheim, >>> würden die Briten nicht überall auf der Welt mitmischen. Meist destruktiv. <<<

Marc Greiner
28 Minuten her

Ist nicht zum Thema aber ich schreibs mal hier.

In den schweizer Medien wird seit Tagen ein Hanta-Virus aufgekocht. Hier einige Schlagzeilen:
„1700 Personen sitzen nach Todesfall auf Kreuzfahrtschiff fest“, „Tote auf See: Wie gefährlich sind Kreuzfahrtschiffe?“, „Französin nach Hantavirus-Infektion im kritischen Zustand“, „Südamerika-Reise endet tödlich: War er Patient Zero?“, „Evakuierte Hondius-Passagiere in Heimatländern isoliert“, „11 bestätigte Fälle: WHO geht nicht von grösserem Ausbruch aus“, „Sicherheitsprotokoll missachtet: Zwölf Spital-Mitarbeiter in Quarantäne“

Klingt für mich wie 2020. Ich würde mich freuen wenn die TE dem mal nachgeht.