Geldwäsche: Ermittlungen gegen Selenskys Ex-Präsidialamts-Chef

Der bullige Ex-TV-Produzent und Jurist war die rechte Hand des ukrainischen Präsidenten, jetzt steht Andrij Jermak (55) unter Tatverdacht: Die aktuellen Geldwäsche-Ermittlungen belasten nicht nur den früheren Leiter des Präsidialamts, sondern auch indirekt Wolodymyr Selenskyj selbst.

Screenshot X / Jhonf Fonseca

Der wohl mächtigste Mann im Hintergrund der ukrainischen Politik ist endgültig gestürzt. Andrij Jermak, der als „zweiter Mann im Staate“ gefürchtet war, ist von den Antikorruptionsbehörden offiziell der Geldwäsche verdächtigt worden. Das Nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) haben eine kriminelle Gruppe zerschlagen, die nach ihren Angaben fast neun Millionen Euro (460 Millionen Hrywnja) beim Bau eines Luxus-Wohnbauprojekts in der Elite-Siedlung Kozyn südlich von Kiew gewaschen haben sollen. Jermak soll Teil dieser Gruppe gewesen sein, berichtet dazu kyivindependent.com.

Für die ukrainischen Ermittler ist der Fall Teil des gigantischen Korruptionsskandals beim staatlichen Atomkonzern Energoatom – dabei sollen bekanntlich Hilfsgelder in Höhe von mehr als 100 Millionen US-Dollar verschwunden sein. Über Scheinfirmen, Bargeldtransaktionen und gefälschte Dokumente sollen vier repräsentative Villen (je etwa 1.000 Quadratmeter) sowie ein gemeinsamer Wellness-Bereich mit Spa und Pool finanziert worden sein. Eine der Luxusimmobilien soll für Jermak selbst bestimmt gewesen sein. Die Behörden sprechen von einer hochprofessionellen Geldwäsche-Operation mit Beteiligung hochrangiger Personen aus Politik und Wirtschaft.

Jermak selbst bestreitet die Vorwürfe energisch: Er besitze keine solchen Villen, sondern lediglich eine Wohnung und ein Auto, ließ er über seine Anwälte mitteilen. Eine Festnahme gab es bisher nicht – es laufen dringende Ermittlungsmaßnahmen.

Dennoch ist die aktuelle Anklage ein harter Schlag für den Selenskyj-Freundeskreis. Der Mann, der jahrelang als eigentlicher Machtmensch hinter dem Präsidenten galt, steht nun selbst im Zentrum des größten Korruptionsskandals seit Kriegsbeginn.

Vom Filmproduzenten zum „Grünen Kardinal“

Andrij Jermak, geboren 1971, war ursprünglich Jurist und Filmproduzent. Er lernte Selenskyj in dessen Zeit als Komiker und Schauspieler kennen. Nach der Wahl 2019 stieg Jermak rasch auf: Zunächst als Berater, ab Februar 2020 war er dann Leiter des Präsidialamtes. In dieser Rolle war er zuständig für Friedensverhandlungen, internationale Kontakte und die Koordination der Regierungsgeschäfte.

Westliche Medien nannten ihn den „Green Cardinal“ von Kiew, ukrainische Kritiker sprachen von einem „Schattenpräsidenten“, der mehr Macht ausübte als mancher Minister. Er war maßgeblich an den Verhandlungen mit Russland vor dem Überfall 2022 beteiligt und koordinierte später die „Friedensformel“ Selenskyjs.

Sein Sturz begann Ende November 2025: Damals durchsuchten NABU und SAP seine Wohnung und Büroräume im Rahmen der „Operation Midas“ zum Energoatom-Skandal. Wenige Stunden später reichte Jermak seinen Rücktritt ein. Selenskyj akzeptierte ihn und sprach von voller Transparenz. Jermak kündigte daraufhin sogar an, an die Front zu gehen, was dann doch nicht stattfand.

Auch dieser mutmaßliche Korruptionsfall erschüttert die Ukraine mitten im Krieg gegen Russland: Während das Land täglich Angriffe auf seine Energieinfrastruktur abwehrt, werden nun erneut Zweifel laut, ob die Milliarden an westlicher Unterstützung wirklich sauber verwendet werden. Oppositionspolitiker fordern eine lückenlose Aufklärung, auch hinsichtlich möglicher Verstrickungen weiterer Personen im Präsidialamt. Selenskyj selbst hat sich bisher noch nicht zu den neuen Vorwürfen gegen seinen ehemaligen Vertrauten geäußert. Zur Erinnerung: Die EU-Spitze hat vor wenigen Tagen den 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine freigegeben.

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