Denunziationsplattform „REspect!“ wird abgewickelt

„REspect!“ wird abgewickelt. Jahrelang floss Steuergeld in die Meldestelle gegen „Hass und Hetze“, die sogar zum „Trusted Flagger“ aufstieg. Nun endet eines der fragwürdigsten Projekte staatlich geförderter Denunziation.

IMAGO / Hanno Bode

Manchmal geschehen im Land der staatlich geförderten Diskurswächter und Blockwarte noch kleine Wunder: Mit „REspect!“ wird nun eine der seltsamsten staatlich geförderten Denunziationsplattformen abgewickelt. Das hat der Wirtschaftsjournalist Norbert Häring aufgrund einer schier versteckten Notiz in einer Lokalzeitung, der Bietigheimer Zeitung, herausgefunden.

Möglichst niemand sollte vom Ende dieser Anzeige- und Meldestelle erfahren, denn vom damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) über den Chef der Bundesnetzagentur Klaus Müller (Grüne), die spendablen Bundesjugendministerinnen Lisa Paus (Grüne) und Karin Prien (CDU) bis hin zur bayerischen Staatsregierung waren offenbar zu viele politische „Spitzen“ in diese staatlich als „trusted flagger“ geadelte Anschwärzstelle verliebt.

Tichys Einblick hat die Ärgernisse um „REspect!“ regelmäßig aufgegriffen.

Rückblende

Die „Meldestelle REspect! – Gegen Hetze im Netz“ war 2017 in Baden-Württemberg unter dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gegründet worden.

„REspect!“ verstand sich als „zivilgesellschaftliche Anlaufstelle gegen Hass und Hetze im Netz“ der Jugendstiftung Baden-Württemberg. Dafür betrieb die „Meldestelle“ ein anonymisiertes Melde- und Anzeigeverfahren. Die „Meldestelle“ wurde durch das Förderprogramm „Demokratie leben“ der damaligen grünen Bundesfamilienministerin Lisa Paus unterstützt.

Knapp 800.000 Euro Steuergeld erhielt sie seit 2020 von dort. Hinzu kamen Fördermittel aus dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales sowie aus Landesmitteln Baden-Württembergs. Im Oktober 2024 wurde „REspect!“ von der Bundesnetzagentur vollmundig zum „trusted flagger“ (also zur vertrauenswürdigen Meldestelle) befördert. Die bayerische Justiz empfahl Anzeigewilligen „REspect!“ bereits lange vor der Entscheidung der Bundesnetzagentur als „Meldestelle gegen Hass und Hetze“. Und zwar bereits seit dem 20. Juli 2022. In zahlreichen bayerischen Gerichtsgebäuden wurde das dubiose Meldeportal plakatiert.

Niemanden störte es auch, wer ab 2021 der „Direktor“ von „REspect!“ war: Ahmed Gaafar (*1995 in Kairo), über den es – aus welchen Gründen auch immer – trotz ideologischer Nähe zu Wikipedia dort keinerlei Eintrag gibt. Seinen X-Account hat Gaafar offenbar gelöscht, weil dort mutmaßlich Verbindungen zur Muslimbruderschaft hätten hergestellt werden können.

Alles, was man im Netz über Gaafar findet, ist Folgendes: „Derzeit absolviert er einen Masterstudiengang in interreligiösen Studien an der Universität Bamberg in Deutschland. Er hat einen B.A. in Islamischen Studien in Fremdsprachen von der Kairoer Al-Azhar Universität. Er ist Absolvent des Emerging Peacemakers Forum an der Universität Cambridge. Seine wissenschaftlichen Interessen reichen von arabischer Literatur und Koranexegese bis zur Bekämpfung religiöser Radikalisierung. Ahmed ist Mitglied des Human Fraternity Fellows Program 2023-2024.“ 2016 kam er als Stipendiat des „Deutschen Akademischen Austauschdienstes“ nach Deutschland. Sogar die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) präsentiert ihn.

Abgespeckt immerhin: „Hessen gegen Hetze“

Dem nun stillen Ende von “REspect!“ war Ende 2025 ein stilles Abspecken einer anderen Anschwärzstelle vorausgegangen: der seit 2020 im hessischen, CDU-geführten Innenministerium zunächst von acht Beamten betriebenen Meldestelle „Hessen gegen Hetze“.

Bei der Meldestelle wurden nach eigenen Angaben seit Januar 2020 knapp 85.000 Meldungen eingereicht, etwa die Hälfte wurde als potenziell strafbar an das Bundeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt weitergeleitet. 85.000: Das sind pro Tag im Schnitt 40. In die Schlagzeilen kam „Hessen gegen Hetze“ aber nicht so sehr wegen der Häufung solcher Meldungen, sondern durch zwei spektakuläre „Fälle“, über die TE berichtet hatte:

Der Fall Stefan Niehoff: Der unterfränkische Rentner wurde via Wiesbaden gemeldet, weil er ein Werbeplakat der Firma Schwarzkopf mit einem „Schwachkopf“-Meme auf Habeck bezog. Niehoff bekam Besuch der Polizei und vom Amtsgericht Haßfurt (Unterfranken) am Ende eine Strafe von 825 Euro verpasst. Neun Behörden waren übrigens an der Sache beteiligt. Stefan Niehoff verstarb am 31. Januar 2026; über seine eingereichte Berufung war noch nicht entschieden worden.

Der Fall Prof. Norbert Bolz: Der renommierte Medienwissenschaftler hat auf einen Post der „taz“ reagiert. Diese hatte im Januar 2024 geschrieben: „AfD-Verbot und Höcke-Petition: Deutschland erwacht“. Darauf hatte Bolz auf X ironisierend geantwortet: „Gute Übersetzung von ‚woke‘: Deutschland erwache!“ Bolz bekam im Oktober 2025 ebenfalls Besuch von der Polizei: vier Mann hoch.

Nun ist diese „Meldestelle“ seit Ende 2025 immerhin nur noch für hessische „Fälle“ zuständig.

Wann geht es HateAID an den Kragen?

Frage: Wann geht es endlich dem „trusted flagger“ mit dem Namen “HateAID“ an den Kragen? Diese Anschwärzplattform war von Klaus Müller im Juni 2025 zum „trusted flagger“ befördert worden: Wohlgemerkt: Zu dieser Zeit gab es bereits einen Kanzler Merz, und Müllers Chefin war Katherina Reiche als Wirtschaftsministerin (beide CDU).

Aber HateAID genießt einen tollen Ruf: Am 1. Oktober erhielt Anna-Lena von Hodenberg, Mitgründerin und Geschäftsführerin von HateAid, das Bundesverdienstkreuz am Bande aus der Hand von Bundespräsident Steinmeier. Begründung: ihr Einsatz gegen digitale Gewalt und für den Schutz der Meinungsfreiheit im Netz. Am 8. Mai 2026 bekam „HateAID“ den „Günter-Wallraff-Preis für Pressefreiheit und Menschenrechte“ (sic!). Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am 8. Mai im Funkhaus Köln des zwangsgebührenfinanzierten Deutschlandfunks von der Initiative Nachrichtenaufklärung beim „Kölner Forum für Journalismuskritik“ verliehen.

Mit Ruhm bekleckert hat sich HateAID auch als Kampagnenführerin und als Unterstützerin von Collien Fernandes mit deren spektakulären, von Gerichten zu erheblichen Teilen widerlegten Vorwürfen von sexualisierten „Deepfakes“ gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen.

Nicht nur am Rande: Im Dezember 2025 verhängten die USA ein Einreiseverbot gegen die HateAID-Geschäftsführerinnen, Anna-Lena von Hodenberg und Josephine Ballon. Grund: Zensurvorwürfe der US-Regierung im Zusammenhang mit europäischer Digitalgesetzgebung.

Fazit

Es wird höchste Zeit, dass dieses Deutschland sich abwendet von seinem Marsch in Richtung „Big-Brother“- und Blockwart-System. Dieses Anschwärzunwesen überlastet nämlich nicht nur Polizei, Staatsanwälte und Gerichte mit Nichtigkeiten, sondern lenkt deren Energie ab von wahrlich wichtigeren Aufgaben. Deutschland war außerdem schon häufiger in der jüngeren Geschichte zu einem Land der Flüsterer geworden, weil sich niemand mehr etwas offen zu sagen traute.

Deshalb sollte nach wie vor gelten, was vor rund eineinhalb Jahrhunderten galt: »Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant« (Hoffmann von Fallersleben). Und: »Verpestet ist ein ganzes Land, wo schleicht herum der Denunziant … Der Menschheit Schandfleck wird genannt der niederträchtige Denunziant« (Satireblatt »Der Wahre Jakob« 1884). Mit anderen Worten: Wir brauchen keine staatlich geförderten Gesinnungs-Piranhas als marodierende Saubermänner.


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Kommentare ( 29 )

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Mausi
25 Tage her

Der erste Satz im Artikel von Herrn Häring ist interessant. Leider lässt er sich nicht kopieren.
Was mag sich hinter „öffentlicher Empörung“ verbergen? Was ist mir da entgangen? Die einzige Empörung, die ich mitbekomme, ist der Stimmzuwachs bei der AfD.

Wilhelm Roepke
27 Tage her

Ein erster Schritt, dem viele folgen müssen.

fatherted
27 Tage her

Sind wohl Opfer der KI geworden….man macht doch gerade einen Deal mit Palantir…die werden sicher effizienter und günstiger sein.

Jens Frisch
27 Tage her

„Only bad news are good news“ – zum Glück gibt es auch noch gute Neuigkeiten!
Mein Fazit beinhaltet noch eine Kleinigkeit: Jedem Politiker, der mit diesem Verein paktiert hat, möge bitte auf Lebenszeit das passive Wahlrecht aberkannt und jeder Pensionsanspruch gestrichen werden.

humerd
27 Tage her

 Deutschland war außerdem schon häufiger in der jüngeren Geschichte zu einem Land der Flüsterer geworden, weil sich niemand mehr etwas offen zu sagen traute.“
weil es eben eine Heerschar an Blockwarten gab. Das Denunziantentum liebten und lieben viele Deutsche halt. Auch deswegen existieren diese Denunziantenplattformen

Sonny
27 Tage her

Es waren ja auch nie wirkliche Demokratieschützer.
In den meisten Fällen einfach nur miese Verleumder und Geldabzocker, mit freundlicher Unterstützung des Altparteienkartells, die mit freier Meinungsäußerung so gar nichts am Hut haben.

Last edited 27 Tage her by Sonny
PaulKehl
27 Tage her

Abzuwarten bleibt, wo der im Artikel genannte Gr0ßmufti wieder auftaucht. Passend wären niedersächsischer oder thüringer VS.

Teiresias
27 Tage her

Nicht zu früh freuen.
Vielleicht braucht man das Geld für eine effizientere Sauerei.
Die Meldestellen kamen wohl allgemein nicht gut an und haben ausserhalb der linksextremen Blase niemanden überzeugt.
Damit waren sie rausgeschmissenes Geld.
Werden die Meldestellen ersatzlos gestrichen, um die strapazierten Kassen zu schonen, oder wird das Geld in den nächsten Versuch der illegitimen Wählerbeeinflussung mit Steuergeldern umgeleitet?
Man muss wachsam bleiben.

Jan Frisch
27 Tage her

Ach wie herrlich, Denunziantensterben von seiner schönsten Seite!

November Man
27 Tage her

Bald kann die AfD, sofern sie das überhaupt will, auch Meldestelle gegen Hass und Hetze von Linksextremisten gegen alle Andersdenkenden einrichten. Die werden aber eine jede Menge Arbeit haben.