Frankreich verzeichnet immer mehr minderjährige Opfer der Zwangsprostitution. Die Opfer werden jünger, unbegleitete ausländische Minderjährige gelten als besonders gefährdet. Der Staat sieht zu.
IMAGO
Frankreich registriert bei der Prostitution von Minderjährigen einen massiven Anstieg. Nach offiziellen Polizei- und Regierungsdaten stieg die Zahl der erfassten minderjährigen Opfer innerhalb von vier Jahren um 43 Prozent. 2025 verzeichneten die Behörden 704 minderjährige Opfer. 416 Fälle entfielen auf Zuhälterei. 288 Fälle entfielen auf die Inanspruchnahme von Prostitution. 2024 lag die Zahl noch bei 659. Seit 2021 geht die Entwicklung steil nach oben.
94 Prozent der erfassten minderjährigen Opfer sind Mädchen. Behörden und Verbände sehen kein starres Einheitsprofil. Sie sehen etwas anderes umso deutlicher. Die Betroffenen werden im Durchschnitt immer jünger. In einzelnen Fällen geht es um Mädchen von 12 oder 13 Jahren. Viele stammen aus schwierigen Familienverhältnissen. Viele leben in der Obhut der Kinder- und Jugendhilfe. Frankreich zählt diese Kinder inzwischen in Hunderten, Jahr für Jahr, und bringt dieses Milieu dennoch nicht unter Kontrolle.
Die Daten stammen vom Nationalen Beobachtungszentrum für Gewalt gegen Frauen unter der MIPROF, der interministeriellen Stelle zum Schutz von Frauen vor Gewalt und zur Bekämpfung des Menschenhandels. Die staatlichen Zahlen zeigen ein Prostitutionssystem, das sich immer weiter auswächst.
Die Gleichstellungsministerin Aurore Bergé nannte die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger in Le Figaro eine der alarmierendsten Erscheinungsformen dieses Systems. Sie beschreibt eine Verschiebung hin zu immer jüngeren und verletzlicheren Personen, deren Körper als Ressourcen behandelt werden, die ausgebeutet, kontrolliert und zu Geld gemacht werden. Das ist die nüchterne Beschreibung eines Marktes, der Kinderkörper verwertet. Parallelen zu Großbritannien und den pakistanischen Grooming Gangs kommen einem bei diesem wachsenden Ausmaß unmittelbar in den Sinn.
Bei Erwachsenen zeigt sich im selben Zeitraum ein anderer Verlauf. Die Zahl der erwachsenen Opfer von Delikten im Zusammenhang mit Prostitution sank zwischen 2021 und 2025 um 8 Prozent auf 880 Fälle im vergangenen Jahr. Beamte führen einen Teil des sichtbaren Anstiegs bei Minderjährigen auf bessere Identifizierung und bessere Unterstützung durch Polizei und Verbände zurück. Dieser Hinweis steht im Raum. Er ändert am Kern nichts. Der Staat erkennt das Elend präziser und liefert zugleich Zahlen, die immer noch tiefer in die Katastrophe führen.
Das Internet spielt inzwischen eine zentrale Rolle. Experten nennen vor allem Snapchat und Online-Anzeigen als Vermittlungsstätte. Die französische Organisation Amicale du Nid, die Opfer begleitet, erklärt, dass 86 Prozent der Minderjährigen, die sie 2025 betreute, zumindest teilweise über digitale Wege von Freiern kontaktiert wurden. Die Anbahnung läuft damit immer direkter, schneller und tiefer in den Alltag der Jugendlichen hinein. Der Zugang zum Opfer sitzt in der Hosentasche. Ein Telefon genügt. Ein Kontakt genügt. Ein Klick genügt.
Auch die Strafjustiz offenbart die Schieflage. Die Zahl der rechtskräftigen Verurteilungen wegen Zuhälterei, schwerer Zuhälterei und verwandter Delikte hat sich zwischen 2017 und 2024 ungefähr verdoppelt. Die Strafen für Freier bleiben trotzdem relativ niedrig. 2025 wurden 1.442 Ordnungswidrigkeiten verhängt. Dazu kommen erhebliche territoriale Unterschiede. Frankreich hat damit keine klare, harte, überall durchgesetzte Linie. Frankreich hat ein Flickwerk, in dem Täter je nach Ort auf eine härtere oder weichere Wirklichkeit treffen.
Das gesamte Ausmaß der Minderjährigenprostitution liegt über den registrierten Fällen. Verbände und frühere Berichte gehen von mehreren Tausend betroffenen Minderjährigen aus. Eine staatliche Schätzung aus dem Jahr 2021 setzte die Zahl auf 7.000 bis 10.000. Für die gesamte Prostitution in Frankreich steht eine Zahl von rund 40.000 im Raum. Die offiziellen Opferzahlen sind damit kein vollständiges Bild. Sie sind der sichtbare Rand eines viel größeren Sumpfs.
Ebenfalls besonders gefährdet sind unbegleitete ausländische Minderjährige. Kinderschutzeinrichtungen und Verbände nennen sie immer wieder als Gruppe mit hohem Risiko sexueller Ausbeutung. Viele kommen aus westafrikanischen Staaten wie Guinea, Mali und Côte d’Ivoire. Berichte halten fest, dass manche Jugendliche in Kinderheimen oder Notunterkünften ins Visier von Zuhältern geraten. Teilweise erfolgt die Anwerbung bzw. Ausbeutung direkt aus diesen Unterkünften heraus. Fehlender stabiler Wohnraum, Sprachbarrieren und geringe Aufsicht verschärfen die Gefahr. Als Schutzräume deklarierte Flüchtlingseinrichtungen werden damit immer wieder zu Einfallstoren der abscheulichsten Monstrositäten.
Verbände verlangen ein deutlich schärferes Vorgehen gegen Zuhälter und Freier, bessere interdisziplinäre Unterstützung der Opfer sowie mehr Bildung zu Gleichheit und Sexualität. Sie ordnen die Prostitution Minderjähriger in ein Kontinuum mit der Ausbeutung Erwachsener ein und weisen auf die erhöhten Risiken für Kinder und Jugendliche hin. Diese Forderungen stehen seit Jahren im Raum. Das Gesetz von 2016 sollte das Prostitutionssystem bekämpfen und Ausstiegsprogramme stärken. Der Anstieg bei den Minderjährigen erfolgte trotzdem.
Frankreich hat alle Warnungen, alle Daten, alle Berichte und alle Behörden. Frankreich kennt die digitalen Wege, kennt die Heime, kennt die Notunterkünfte, kennt die westafrikanischen Herkunftsländer vieler besonders gefährdeter unbegleiteter Minderjähriger, kennt die Täterstrukturen und kennt das sinkende Alter der Opfer. Dieser Staat schaut seit Jahren wie ohnmächtig auf dieselbe Verwüstung und bringt dennoch keine wirksame Zerschlagung dieses kriminellen Marktes zustande. Ein Land, in dem 12- und 13-jährige Mädchen in Zwangsprostitution geraten, hat nicht bloß ein soziales Problem.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Schreiben Sie über Zwangsprostitution oder über Prostitution? Das wird nicht klar, weil Sie hin und her springen. Beides ist in Bezug auf Minderjährige ein Verbrechen. Legale Prostitution gibt es in Frankreich nicht oder kaum. Das zeigt einmal mehr: Prohibition fördert Straftaten.
„Zwangsprostitution“? Der Begriff wird im Artikel weder definiert, noch seine Verwendung irgendwie belegt. Tatsachen: „Nach offiziellen Polizei- und Regierungsdaten stieg die Zahl der erfassten minderjährigen Opfer innerhalb von vier Jahren um 43 Prozent. 2025 verzeichneten die Behörden 704 minderjährige Opfer. 416 Fälle entfielen auf Zuhälterei. 288 Fälle entfielen auf die Inanspruchnahme von Prostitution.“ Man muss berücksichtigen, dass die geltende französische Rechtslage nur „Opfer der Prostitution“ kennt, in etwa wie in Schweden. Der Begriff „Täter“ ist entsprechend weiter ausgelegt – siehe die 288 Fälle von „Inanspruchnahme von Prostitution“. Strafbar auch bei uns (§182(2) StGB), aber nicht verbunden mit Zwang. Eher mit… Mehr
Wer sind denn die Täter? Die Vergewaltigung von 12jährigen Mädchen ist im Wortsinne „pervers“, nämlich „wider die Natur“, es gibt diesbezüglich ein evolutionäres natürliches Tabu, das m.W.n. nur von drei Gruppen durchbrochen wird: 1) Pädophile, die eine genetische Disposition dazu haben. 2) Kranke „Eliten“, die sich ihre „Übermenschlichkeit“ beweisen wollen. 3) Bestimmte Kulturen, die Kindervergewaltigung als normal betrachten. Und das sind heutzutage nicht die antiken Griechen.
Also, um welche dieser drei Gruppen handelt es sich? Wir wissen es doch sowieso alle, schreibt es doch einfach hin…
Verhältnisse wie in der Weimarer Republik. Auch hier tut sich wieder eine bestimmte Gruppe hervor, wie schon in GB.
Die Dunkelziffer in Deutschland ist nur zu erahnen und wird sehr wahrscheinlich nicht beleuchtet werden.
« Zwangsprostitution Minderjähriger steigt »
Dann brauchen wir einfach viel mehr Staat
und allgemein präventive Überwachung.
Selbstverantwortung adieu. Es gibt wohl auch keine schützenden Eltern.
Böses Medium heute: „Neuer BBC-Pädo-Skandal: Ex-Producer mit 6000 Kinderpornos verurteilt“ > „… Der ehemalige BBC-Producer *** *** wurde wegen des Besitzes und Herunterladens von über 6000 Kinderporno-Bildern schuldig gesprochen. Der Fall unterstreicht die anhaltenden Pädophilie-Probleme bei dem britischen Sender, der wiederholt beschuldigt wird, Täter zu schützen. … Der britische Staatssender hat eine wachsende Bilanz, Pädophile in seinen Reihen zu beschäftigen und zu schützen. … Erst letzten Monat wurde *** ***, einer der bestbezahlten Radiomoderatoren der BBC, nach einer erneuten polizeilichen Untersuchung zu Sexualdelikten gegen einen Teenager-Jungen entlassen. … Berüchtigt hat die BBC angeblich Beschwerden über den sexuellen Missbrauch durch *** *** unterdrückt, von… Mehr
Mit Blick auf den Artikel und auf die angesprochenen Probleme mag es sich für manche nun vielleicht hart oder auch einfach nur platt anhören. Doch auch hier kann und muß man doch einfach nur den guten Scholl Latour zustimmen und recht geben wenn er (sinngemäß) am sagen war: „Wenn man halb Kalkutta einlädt, dann wird man eben auch selber zu Kalkutta“.
„Viele kommen aus westafrikanischen Staaten wie Guinea, Mali und Côte d’Ivoire.“ Die Rede ist von „unbegleiteten ausländischen Minderjährigen“. Die sollten eigentlich gar nicht nach Frankreich kommen. Die meisten von ihnen werden keine Ausbildung haben, mit der sie regulär ihren Unterhalt bestreiten könnten. Zu Hause wartet die ganze Familie auf Geldüberweisungen. „Fehlender stabiler Wohnraum, Sprachbarrieren und geringe Aufsicht verschärfen die Gefahr.“ Ohne die Sprache (??? Guinea, Mali, Côte d´Ivoire sind frankophone Länder) und/oder ohne Ausbildung kein regulärer Job. Ohne reguläres, auskömmliches Einkommen kein stabiler Wohnraum. Es fehlt nicht nur die elterliche/familiäre Aufsicht, sondern auch der gesamte gesellschaftlich-kulturelle Rahmen, die Jugendlichen sind… Mehr
Wie es immer so ist – die Strafen für die Freier haben nur die ganze Industrie in die tieferen Schatten gezwungen und diese dabei noch zusätzlichen Bonus gebracht, da wenn alles illegal bleibt ist es auch alles gleich. Ich frage mich wie das in Schweden aussieht. Einen ehrlichen Bericht wird man wohl nicht erwarten können, weder aus Schweden noch hier. Der Westen ist wirklich kaputt, wenn man die heuchlerische Ziele aufsetzt und über Probleme nicht klar sprechen kann. Das ist nur ein Beispiel davon.
Übrigens gab es irgendwelche französische Namen in dem Epstein Dateien? Deutsche vlt?
Nun, wie es mit Blick auf Ihre Worte in Schweden aussieht, kann ich Ihnen leider auch nicht genau beantworten. Doch so viel ich aus den Medien und iNet am lesen und hören bin, scheint in Schweden vor allem dank deren „Bereicherung“ besonders die Vergewaltigungs-Quote ziemlich hoch zu sein weil man(n) sich dort dann vielleicht eben aufgrund fehlender Möglichkeiten (zB legaler Prostitution) und aufgrund steinzeitkultureller Denkensweisen einfach nimmt wonach ihm grad am Gelüsten ist. Doch wie auch immer und mit Blick auf den Artikel gesagt, muß im Endeffekt wohl auch hier entsprechend Scholl Latour sagen und sich eingestehen müssen: „Wenn man… Mehr
Indien: Frauenrechte in Indien – Sex in indischen Kinderehen gilt nun als Vergewaltigung – News – SRF und Kinderehen in Deutschland: eine Herausforderung – DW – 21.09.2019.
Laut unicef sind weltweit geschätzt 700 Millionen(!) Mädchen betroffen, UNICEF prangert Kinderehen an – DW – 07.06.2019 und Kinderheirat – Wikipedia
Jedes Jahr kommen im Hellfeld 12 Millionen hinzu.
Die UNO weiß auch: Weltbevölkerungskonferenz: Neuer Anlauf für Frauenrechte – DW – 12.11.2019
What a wonderful world, https://www.youtube.com/watch?v=rBrd_3VMC3c&list=RDrBrd_3VMC3c&start_radio=1