Frankreich kippt Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige – Rückschlag auch für von der Leyens EU-Kurs

Frankreichs Verfassungsrat stoppt das geplante Social-Media-Verbot für Unter-15-Jährige. Die Richter beanstanden die notwendige Altersprüfung sämtlicher Nutzer. Das Urteil trifft damit aber auch einen zentralen Baustein der EU-Pläne von Ursula von der Leyen.

picture alliance / ROPI | EUC

Emmanuel Macrons Prestigeprojekt ist vorerst gescheitert. Ab dem 1. September sollten Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren in Frankreich keinen Zugang mehr zu sozialen Netzwerken erhalten. Das Parlament hatte das Gesetz im Juli verabschiedet.

Am Freitag, dem 14. August, erklärte der französische Verfassungsrat nun die zentrale Vorschrift für verfassungswidrig. Macron hat Premierminister Sébastien Lecornu bereits angewiesen, einen neuen Entwurf vorzulegen.

Diese Entscheidung reicht allerdings weit über Frankreich hinaus. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen treibt seit Monaten mit vollem Eifer eine europaweite Infrastruktur zur Altersverifikation voran. Im Juli übergab ihr eine eigens von ihr eingesetzte Expertenkommission ihre Empfehlungen: EU-weit soll der Zugang zu sozialen Medien und weiteren digitalen Diensten für Jugendliche unter 13 Jahren beschränkt werden. Die Mitgliedstaaten sollen zusätzliche höhere Altersgrenzen festlegen können.

In Frankreich wollte man diesen Weg besonders schnell gehen. Macron setzte die Grenze bei 15 Jahren und plante damit das erste entsprechende Verbot eines EU-Mitgliedstaates. Der Verfassungsrat hält die Konstruktion allerdings für einen unverhältnismäßigen Eingriff in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit.

Die Richter benennen dabei das technische Grundproblem solcher Verbote. Eine Plattform kann einem Vierzehnjährigen den Zugang nur verwehren, wenn sie zuvor sein Alter festgestellt hat. Daraus folgt die zwangsläufige Prüfung auch bei allen anderen Nutzern. Der Verfassungsrat formuliert ausdrücklich, das Verbot zwinge seinem Wesen nach „jede Person, selbst einen Erwachsenen“, vor dem Zugang ihr Alter nachzuweisen. Der französische Gesetzgeber habe die Bedingungen und Grenzen dieser Prüfung nicht ausreichend festgelegt.

Damit scheitert das französische Gesetz genau an jener Stelle, an der Brüssel seine technische Infrastruktur aufbaut: bei der Altersverifikation. Die EU-Kommission beschloss im April 2026 eine gemeinsame Strategie, nach der alle EU-Bürger bis Ende des Jahres entsprechenden Verfahren für den Zugang zu sozialen Medien durchlaufen sollen. Die Mitgliedstaaten werden unmißverständlich aufgefordert, nationale Systeme zügig einzuführen.

Die Technik dafür steht nach Angaben der Kommission bereits bereit. Nutzer sollen gegenüber Plattformen nachweisen können, dass sie eine bestimmte Altersgrenze überschritten haben. Als Grundlage für die Ausstellung eines solchen Altersnachweises nennt Brüssel unter anderem elektronische Identitäten, Reisepässe und Personalausweise. Die eigentliche Plattform soll anschließend nur die Information erhalten, ob die verlangte Altersgrenze erreicht wurde.

Diese Altersprüfung soll außerdem – tadaaaa – mit der europäischen Digital Identity Wallet verbunden werden. Bis Ende 2026 müssen die Mitgliedstaaten ihren Bürgern mindestens eine solche digitale Brieftasche anbieten. Altersnachweise werden damit Teil einer europaweit einheitlichen digitalen Identitätsinfrastruktur.

„Zensursula“ und SMS-Lösch-Ilse von der Leyen hat den politischen Kurs persönlich vorgegeben. Im Frühjahr erklärte sie, Europa müsse eine Verschiebung des Social-Media-Zugangs für Jugendliche prüfen. Ihr Expertenpanel erhielt ausdrücklich den Auftrag, mögliche Altersgrenzen zu untersuchen. Dessen Abschlussbericht empfiehlt inzwischen eine harmonisierte EU-Sperre unter 13 Jahren, wirksame Systeme zur Altersfeststellung und zusätzliche nationale Beschränkungen für ältere Jugendliche.

Frankreich wollte bereits weiter sein. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Der Verfassungsrat beanstandete neben der Altersprüfung auch die Reichweite des Eingriffs in die Kommunikationsfreiheit. Für Macron bedeutet das Urteil einen schweren politischen Rückschlag. Für von der Leyens europäischen Kurs liefert es eine sehr deutlich vernehmbare Warnung – und das gerade aus Paris.

Der Élysée-Palast kündigte unmittelbar nach dem Urteil an, die Reform solle weiterhin vor der französischen Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 in Kraft treten. Paris sucht nun nach einer Konstruktion, die den Vorgaben des Verfassungsrates genügt.

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Kommentare ( 15 )

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Bernd Schulze sen.
8 Tage her

Moin, man wird eingesehen haben, daß dies nicht umsetzbar ist. Will jemand die ganze Zeit beobachten ob auch immer der oder die Richtige im Internet ist. Nicht das große Bruder sich eingeloggt hat und seine jüngere Schwester dann herum stöbert bei Tick Doof oder Meta. Ein anderer Grund dürfte sein, daß die nicht Franzosen, Neubürger ua sich nicht kontrollieren lassen und auch Unruhen dürften nicht ausgeschlossen sein. Anders hier, der Michel wehrt sich ehe nicht und die meisten unbegleiteten Minderjährigen dürfte es sich ehe um volljährige handeln und ob die EU Simkarten benutzen ua ist auch so eine Sache.

Sonny
9 Tage her

Also praktisch eine FSK für das Internet, hm. Das wird niemals funktionieren. Und wie weltfremd ist das denn? Sollen unsere Kinder in einer Märchen-Blase aufwachsen, während der Rest der Welt mit Siebenmeilenstiefeln davoneilt? Das ist kein Schutz. Das ist Verhinderung von Zukunft und eine unzumutbare Freiheitsbeschränkung. Und zwar nicht nur für die Kids – sondern auch für alle Erwachsenen, die gezwungen werden, ihre Daten diesen Autokraten zur Verfügung zu stellen. Wo bleibt aber der Schutz der Menschen vor solchen Politikern? Wenn die die „bösen Buben“ im Internet tatsächlich fassen wollen, sollten sie die bösen Buben bestrafen und nicht die Kinder… Mehr

Last edited 9 Tage her by Sonny
RBoo
9 Tage her
Antworten an  Sonny

Wie Sie schon selbst schreiben geht es nur darum, sich mit einer ID zu identifizieren, so dass ihre Adresse und „Klarnamen“ den Internet-Portalen bekannt sind. Die Politik der EU zeigt totalitäre Tendenzen. Die Adresse wird dann für den Staat interessant, wenn unerwünschte Informationen verbreitet werden. Übrigens hat auch Innenminister Dobrindt einige interessante Gesetzesentwürfe am Laufen (Geheimdienst; Verfassungsschutz). Die Politiker benötigen einen wehrhaften Staat, da die deutsche Gesellschaft verarmen wird (Deindustrialisierung) und somit die Bürger aufmüpfiger werden. Mrzilein ist zwar unfähig, eine gute Politik für die Bevölkerung zu machen, aber aus seiner Sicht müssen Instrumente geschaffen werden, um den Machterhalt zu… Mehr

Michaelis
10 Tage her

Ein kleines Lehrstück darüber, dass FR halt immer noch deutlich liberaler und freier denkt als das Land der Piefkes und der Untertanen. Was sich hoffentlich bald ändern wird!!!

Last edited 10 Tage her by Michaelis
J. Braun
9 Tage her
Antworten an  Michaelis

Das glauben auch nur Sie, daß Frankreich liberaler und freier ist. Im Internet herrscht seit langem schon Vorratsdatenspeicherung, Festplattenverschlüsselung ist generell verboten und das Surfen via VPN stellt einen vor große Probleme. Frankreich ist durch und durch sozialistisch-totalitär, dagegen geht es in Deutschland noch richtig freiheitlich zu, weil die diversen Länderfürsten sich und die Lumpen in Berlin gegenseitig behindern. Andere Beispiele, wie z.B. das Corona-Regiment gefällig? Da waren die übelsten Bundesländer noch harmlos gegen das Gepiesacke in Frankreich. Und München und Wasserregime? Vergessen Sie solche Petitessen. Im Dept. Vosges gilt das durch Dekret der Präfektur inzwischen mindestens im dritten Jahr… Mehr

Manfred_Hbg
10 Tage her

Zitat: „Am Freitag, dem 14. August, erklärte der französische Verfassungsrat nun die zentrale Vorschrift für verfassungswidrig.“
> Mit Frankreich scheint es wenigstens noch ein EUropäischen Staat zu geben wo sich die höchsten Richter um ihre eigenen Bürger und um deren Freiheit und Demokratie sorgen.
Solch selbst höchsten Gerichtbarkeiten und Richter welche für das eigene Land und deren Souverän/Volk/Wähler stehen und sich nicht zum Büddel und Handlanger der in Berlin und in EU-Brüssel herrschenden grünwokelinken „Polit-Elite“ gemacht haben sollten, sind ja zum Beispiel hier im #bestedeutschland nicht mehr vorhanden.

OJ
10 Tage her

EU, insbesondere die auf dem Besen reitende „….“ redet über Social Media Verbot für Jugendliche während im Hintergrund die aggressiv muslimischen „Paviane“ Spanien erobern ❗

GermanMichel
10 Tage her

Wie schafft man es denn als Deutscher den 1.1.2010 in einem vorläufig endgültigen Dokument eingetragen zu bekommen?

Seinen Ausweis im Urlaub wegschmeißen, einen Ziegenbart wachsen lassen, und vor dem Spiegel „Asyl, Asyl“ üben.

Dann kann man mit 1 bis 36 Identitäten im Web surfen wie man will.

Haba Orwell
10 Tage her
Antworten an  GermanMichel

Ich habe aus Neugier Google-KI befragt, wie es in Saudi-Arabien aussieht – offenbar 1:1 wie im „freien Westen“:

> „…  Der saudi-arabische Schura-Rat hat die zuständige Telekommunikationsbehörde (CST) angewiesen, Richtlinien zur strengen Altersverifikation auszuarbeiten. Ziel ist es, Jugendlichen unter 16 Jahren den Zugang zu Social-Media-Plattformen einzuschränken oder zu sperren, um sie vor psychischen Schäden und Cyberbullying zu schützen. … Diese Initiative folgt dem Beispiel des Nachbarlandes Vereinigte Arabische Emirate (VAE), das im Sommer 2026 bereits ein offizielles Social-Media-Verbot für Kinder unter 15 Jahren beschlossen hat. …“

GermanMichel
10 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Aber viele Glauben immer noch dass die große Weltverschwörung eine Theorie ist.

Haba Orwell
9 Tage her
Antworten an  GermanMichel

Saudi-Arabien und VAE sind prowestliche Länder, wo auch Epstein viele Kumpels hatte – gut möglich, dass dort die gleiche globalistische Agenda wie im Westen umgesetzt wird.

A.G.
10 Tage her

der letzte Satz ist doch der Entscheidende….im Prinzip sagt der Bericht folgendes aus: In CHina ist ein Sack Reis umgefallen und wir machen weiter wie bisher.

Haba Orwell
10 Tage her

> Der Élysée-Palast kündigte unmittelbar nach dem Urteil an, die Reform solle weiterhin vor der französischen Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 in Kraft treten.

Können die nicht einfach aufgeben? Aus der Woken Dysotopie wird in der untergehenden EUdSSR genausowenig wie in der ersten UdSSR was aus dem Marxismus wurde.

GermanMichel
10 Tage her
Antworten an  Haba Orwell

Da würde ich keine wetten drauf abschließen. Macht und Kontrolle dieser Leute ist total.
Es können auch 1000 Jahre Bei Feudalismus kommen.

Haba Orwell
9 Tage her
Antworten an  GermanMichel

Ostblock fiel nach dem verlorenen Afghanistan-Krieg – dem Westblock hat zwar weiterer Afghanistan-Krieg nicht gereicht, aber vielleicht nach dem Banderastan und dem Golfkrieg doch?