Daumenschrauben auspacken, die Nerven liegen blank: Wer in der EVP beim Misstrauensvotum gegen die Kommission aus der Reihe tanzt, soll künftig sechs Monate kaltgestellt werden. Reden, Berichterstattung, Positionspapiere: gestrichen. Weber will die Fraktion auf Linie bringen, aus Angst vor Rebellen in den eigenen Reihen.
picture alliance/dpa | Philipp von Ditfurth
Die EVP predigt nach außen die große Stabilität, doch intern herrscht blanke Panik. Ausgerechnet die größte Fraktion im Europäischen Parlament sieht sich gezwungen, ihre eigenen Abgeordneten an die kurze Leine zu nehmen. Nicht wegen politischer Gegner, sondern wegen Abweichlern in den eigenen Reihen.
Euractiv berichtet, dass die Fraktion in einer geschlossenen Sitzung in Straßburg neue Regeln verabschiedete, die vor allem eines bezwecken: Disziplin. Vorbereitet wurden sie von Jeroen Lenaers, dem niederländischen Abgeordneten, der als Fraktionsgeschäftsführer auftritt. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer bei Misstrauensanträgen gegen die Europäische Kommission nicht pariert, verliert Privilegien.
Denn am Donnerstag steht die nächste Abstimmung über einen Antrag zur Absetzung der EU-Kommission an. Eingebracht wurde er von der Fraktion der Patrioten – als Reaktion auf das Handelsabkommen zwischen EU und Mercosur. Ein politischer Vorgang, der in der EVP nicht mehr als Debatte behandelt wird, sondern als Loyalitätsprüfung.
Die neuen Regeln setzen klare Sanktionen fest – und zwar für sechs Monate. Unterstützt ein EVP-Abgeordneter einen Misstrauensantrag gegen die Kommission oder bleibt ohne „triftigen Grund“ einer solchen Abstimmung fern, wird er faktisch entmachtet: kein Rederecht im Namen der EVP im Plenum, keine Rolle als Fraktionssprecher bei Gesetzgebungsvorhaben, keine Leitung von Positionspapieren oder anderen Texten im Namen der Fraktion.
Im internen Dokument heißt es entsprechend, die Anwesenheit und das Abstimmungsverhalten bei Misstrauensanträgen seien „unerlässlich“, und Verstöße hätten Konsequenzen für jene Privilegien, die man als Mitglied der Fraktion genieße. Übersetzt: Die Fraktion definiert Loyalität als Voraussetzung für Einfluss.
Der Anlass für diese Zügelung liegt offen zutage. Schon im Oktober hatten mehrere EVP-Abgeordnete bei einem Misstrauensantrag der „extremen Rechten“ gegen die Kommission mitgestimmt. Also gegen ein Gremium, das von Kommissaren aus dem eigenen Mitte-Rechts-Spektrum dominiert wird. Seitdem sitzt der Schock tief.
Besonders auffällig waren dabei französische Abgeordnete der Republikaner unter Führung von François-Xavier Bellamy, einem stellvertretenden Vorsitzenden der EVP-Fraktion. Ebenfalls beteiligt waren Mitglieder einer rumänischen Partei, die die ungarische Minderheit vertritt. Die Botschaft dieser Gruppen war simpel: Nationale Interessen und politische Linien zählen für sie mehr als Brüsseler Fraktionsgehorsam.
Wie ernst die Lage ist, zeigt der nächste Schritt: Laurent Castillo, einer von vier französischen Abgeordneten, die im vergangenen Jahr für die Absetzung der Kommission gestimmt hatten, wechselte nun zu den Patrioten. Bellamy begrüßte diesen Abgang sogar und nutzte die Sitzung, um auf den „nationalen Kontext“ zu verweisen.
Bellamy erinnerte dabei daran, dass die spanische Delegation 2024 gegen das Kollegium der Kommissare gestimmt hatte – aus Protest gegen die Sozialistin Teresa Ribera. Eine Erinnerung daran, dass Regelbruch in Brüssel nicht selten mit politischer Moral begründet wird. Je nachdem, wer ihn begeht.
Manfred Weber, der Vorsitzende der EVP-Fraktion, wischte solche Relativierungen beiseite. Misstrauensanträge gegen die Kommission seien von „grundlegender Bedeutung“. Und bei der Abstimmung über die neuen Regeln zeigte die Fraktion Geschlossenheit: große Mehrheit dafür, niemand dagegen, fünf Enthaltungen.
So sieht sie aus, die neue EVP-Disziplin: nicht überzeugt, sondern abgesichert. Nicht Debatte, sondern Sanktion. Und der eigentliche Skandal ist weniger, dass eine Fraktion Ordnung will, sondern dass sie sie offenbar nur noch über Drohung und Repression herstellen kann.

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Alles getreu der Devise: „Es soll nach – unserer… – Demokratie aussehen.“
Die CDU/CSU hat dieses Land zerstört! Und sie zeigen immer wieder, dass die CDU/CSU eine links-totalitäre ekelhafte Partei ist!
Deshalb gehören Parteien verboten. Sie verhindern, dass Abgeordnete nach ihrem Gewissen abstimmen.
Was hat das mit Demokratie zu tun?
Wenn diese EU Gesetze beschließt, die für Deutschland relevant sein sollen, wie kann dann Artikel 38GG eingehalten werden?
„Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages … sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“ [Hervorhebung von mir]
Grundsätzlich ok, aber konkret nicht zutreffend, weil „Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages“ betreffend.
?????
Die EU macht doch die Vorgaben, die die einzelnen Staaten dann erfüllen müssen.
Gewissensfreiheit ist im autoritär-bürokratischen Gesinnungssystem der EUdSSR nur eine leere Floskel. Kadavergehorsam ist gefordert um die Tyrannin an der Macht zu halten. Die EUdSSR und ihre Politkommissare können weg.
Wann wollen die Bürger das ändern?
Was ist da bloß passiert? Weber war ja eigentlich der “ gewählte“ Po litiker als v.d.l ins Amt gehievt wurde. Ihm wurde also der Platz „geraubt“. Und nun schützt er die Thronräuberin? Wenn ich die beiden so sehe, sehe ich zwei Diktatoren, Despoten,so wie es jetzt aussieht scheint Weber der gefährlichere von beiden zu sein, ich denke er gibt den Kurs vor und v-d-l ist nur das Weibchen was es vermeintlich charmant unters Volk bringen soll und muss. Beide sind der Untergang Europas und vorallem Deutschlands
Altes Spiel … good cop, bad cop. Weber und vdL sind ein Team von Beginn an. Eingefädelt damals von der Groessten Vorsitzenden aller Zeiten.
Gleiche Brüder, gleiche Kappen.
Ich möchte es noch erleben, dass EU-Politiker wie von der Leyen oder Weber die Pension bekommen, die sie aufgrund ihrer Leistung für die Menschen in der EU auch verdienen, nämlich keine.
Was Weber da macht verstößt mMn eindeutig gegen Artikel 38 Grundgesetz (GG) der Mandatsfreiheit, wonach Abgeordnete nicht an Aufträge oder Weisungen von Wählern, Parteien oder Fraktionen gebunden sind, sondern nur ihrem Gewissen unterworfen sind. Indem Weber UnsereSdemokratie™ meint schützen zu müssen, beschädigt er sie nachhaltig und verstößt zumindest gegen die deutsche Verfassung
Dieser dämliche Aktionismus erschafft immer mehr Opposition, auch in den eigenen Reihen. Aber Sozialisten verstehen das nicht.
Wie nennen diese Vögel das nochmal? Demokratie?
Eine Präsidentin, die niemand aus dem Volk gewählt hat. Druckausübung auf Parlamentarier, wenn sie ihrem Gewissen entsprechend abstimmen wollen….
Ich könnte mich weg lachen, wenn das nicht so traurig wäre. Demokratische Diktatur wäre die richtige Bezeichnung. Wurde ja schon mal in der DDR ausprobiert. Dieses Experiment an den Bürgerratten ist ja schon einmal gekippt. Aber man kann es ja nochmal probieren. Mit den selben Ratten und ein paar mehr.