Energie-Krise: Lufthansa streicht 20.000 Flüge

Der Ausnahmezustand wird immer deutlicher: Der Luftfahrtkonzern Lufthansa zieht die Notbremse und streicht 20.000 Flüge. Weitere Airlines werden ebenfalls mit Notfall-Maßnahmen auf den Kerosin-Schock reagieren.

picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Der Grund für diesen drastischen Schritt liegt nicht in einer mangelnden Nachfrage, sondern den Folgen des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran. Der Treibstoff wird immer teurer, es drohen Versorgungsengpässe. Seit der Eskalation der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sind die Preise für Kerosin regelrecht explodiert. Innerhalb kürzester Zeit haben sie sich nahezu verdoppelt – eine Entwicklung, die Fluggesellschaften weltweit unter enormen Druck setzt.

Für Lufthansa (103.255 Mitarbeiter und 737 Flugzeuge) bedeutet das konkret: Laut Financial Times verschwinden täglich bis zu 120 Flüge aus den Anzeigetafeln. Besonders betroffen sind Kurzstreckenverbindungen ab den zentralen Drehkreuzen Frankfurt und München. Strecken, die sich unter normalen Umständen gerade noch rechneten, werden plötzlich zu Verlustgeschäften. Die Konsequenz: Sie werden gestrichen, zumindest vorübergehend. Hinter dieser Maßnahme steckt ein klares Ziel: Treibstoff sparen, Kosten senken, Stabilität sichern.

Doch die Lage ist weit mehr als ein unternehmensinternes Problem: Während Flugpläne gekürzt werden, beraten die EU-Verkehrsminister gleichzeitig über Notfallmaßnahmen, sie alle kennen die alarmierenden Prognosen über die Treibstoffversorgung. So warnen Analysten, dass die Vorräte in Europa unter Umständen nur noch für wenige Wochen reichen könnten – ein Szenario, das den gesamten Flugverkehr ins Wanken bringen würde.

EU-Spitze will die Airlines unterstützen

In Brüssel wird daher an Versuchen einer Problemlösung gearbeitet: So soll der mögliche Einsatz von Flugtreibstoff aus den USA, der bislang in Europa kaum genutzt wird, die Folgen der Krisensituation lindern. Auch wird diskutiert, Airlines mehr Flexibilität beim Tanken außerhalb der EU zu gewähren. Selbst etablierte Regeln könnten fallen, etwa die Verpflichtung, Start- und Landerechte zwingend zu nutzen. In der aktuellen Lage könnten leere Flüge, die nur zur Slot-Sicherung durchgeführt werden, als unnötiger Luxus erscheinen.

Die Europäische Kommission bereitet zudem ein System vor, mit dem Treibstoffbestände künftig genauer überwacht und im Notfall zwischen Mitgliedstaaten verteilt werden können. Hinter den Kulissen wächst die Sorge, dass aus einer Energiekrise schnell eine Mobilitätskrise werden könnte.
Und Europa steht damit nicht allein, weltweit geraten Airlines ins Trudeln: In den USA streicht Delta Air Lines unrentable Verbindungen, während asiatische Fluggesellschaften wie Cathay Pacific oder Air Asia X ihr Streckennetz ausdünnen. Parallel dazu erleben Passagiere eine andere Entwicklung: stark steigende Ticketpreise. Viele Airlines geben die gestiegenen Kosten direkt weiter.

Selbst jene Fluggesellschaften, die sich gegen Preisschwankungen abgesichert hatten, spüren nun die ersten Auswirkungen der Krise: Die Reserven schmelzen, Prognosen werden korrigiert, und die Rückkehr zur Profitabilität rückt in weitere Ferne.

Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, könnten weitere Flugstreichungen sowie noch schmerzhaftere Teuerungen bei den Flugtickets folgen.

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Kommentare ( 7 )

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7 Comments
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Marie
24 Minuten her

Also die Verschwörungspraktiker haben nach dem Carola
LockDown geahnt, dass es demnächst ein Klima LockDown
geben wird ?
oder
„Staatsverrat?“ – Dr. Gunter Frank über Corona, Machtmissbrauch und den Weg in den Totalitarismus
https://www.youtube.com/watch?v=fR6vMjA8pkk

roffmann
24 Minuten her

20Tausend hört sich viel an , sind aber nur 2% vom Gesamtangebot . Wenn es die unrentabelsten sind , ein willkommer Anlass die Verlustbringer loszuwerden mit Grundnennung -Krieg-Tramp-IsraeI-Iran.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
24 Minuten her

Jetzt rächt sich, dass Lufthansa nicht rechtzeitig auf eine Elektroflotte umgestellt hat.

Toby
37 Minuten her

Läuft aus sich der Hintermänner und Marionettenspieler alles nach Plan. 15-Minuten-Städte und „You will own nothing and be happy.“ lassen grüßen.

alter weisser Mann
51 Minuten her

Alles Quatsch: Reiche hält Kerosin-Versorgung für sicher

roffmann
53 Minuten her

Las ich doch kürzlich noch „“ E U sieht keine Engpässe bei Spritversorgung „“ . Dachte Ok , wenn ich die Augen schließe, sehe ich auch nichts .

Klaus D
58 Minuten her

Trump ist einfach genial! Gerade die USA profitieren ja von den extrem hohen ölpreisen. Geht das bis ende des jahres mehr oder weniger so weiter mit den hohen preisen werden die USA um die 100mrd us dollar zusätzlich abkassieren. Gleichzeitig werden die pro us arabsichen länder jetzt noch mehr waffen aus den USA kaufen erstens weil sie jetzt viele benutzen und zweitens weil sie aufrüsten werden. Trump scheint für viele kein ziel zu haben nimmt man aber das ganze ergibt das alles sinn und wird die USA stärker und reicher machen.