ABB-Konzernchef warnt: Europa droht Massen-Arbeitslosigkeit

Europa steht vor einer Wirtschaftskrise, ohne Deregulierung und Bürokratieabbau wird der Kontinent mit einer neuen Massenarbeitslosigkeit konfrontiert – sagt Morten Wierod, CEO des Schweizer Technologiekonzerns ABB mit 112.000 Mitarbeitern in einem Interview mit der Financial Times.

Morten Wierod, CEO des Schweizer Unternehmens ABB, Swiss Economic Forum (SEF), Interlaken, Schweiz, 5. Juni 2025

Der Chef eines der größten europäischen Industrieunternehmen sieht die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents auch durch die hohen Energiepreise massiv gefährdet. „Hoffentlich brauchen wir keine noch größere Krise, die zu einer Massenarbeitslosigkeit führt. Das sollte nicht nötig sein, um endlich die Dringlichkeit zu erkennen“, meinte Morten Wierod gegenüber der FT. Er fordert nicht nur eine Vereinfachung, sondern auch die komplette Streichung überflüssiger EU-Gesetze und einen echten Binnenmarkt. „Die EU muss mehr Gesetze abschaffen und nicht nur vereinfachen, um wieder ein Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.“

Erdgas wird für Europa teuer bleiben

Durch den Iran-Krieg und die damit verbundenen Lieferstörungen aus dem Nahen Osten steigen die Gaspreise in Europa erneut deutlich. „Ich mache mir keine Sorgen, dass Europa kein Gas mehr bekommt. Es wird aber zu einem höheren Preis kommen – und diese höheren Preise werden 2026 und 2027 bleiben“, sagte Wierod.

Im Gegensatz zu den USA, die über eigenes Gas verfügen, treffen die Lieferprobleme Europa besonders hart, bereits 2022 habe man gesehen, welche Folgen das habe. Auch die EU-Kommissarin für Beschäftigung, Roxana Mînzatu, warnte kürzlich, dass bis zu 1,3 Millionen Jobs in der EU durch die höheren Energiepreise verloren gehen könnten.

ABB ist einer der größten Industrie- und Technologiekonzerne Europas mit einer Marktkapitalisierung von fast 200 Milliarden Dollar. Das Unternehmen mit der Firmenzentrale in Zürich beschäftigt 52.400 Mitarbeiter in Europa, 112.000 weltweit.

ABB-CEO Morten Wierod äußerte zudem Bedenken zu den neuen Brüsseler Plänen, die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu verringern. Derartige „Made in Europe“-Regeln könnten unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben und die Kosten weiter in die Höhe treiben. ABB plädiert stattdessen für einen offenen Handel und für industrielle Effizienz.

Zahl der Arbeitslosen schon jetzt hoch

Die Sorge um eine noch stärker steigende Arbeitslosigkeit ist durchaus begründet: In Deutschland liegt die Arbeitslosenquote im Mai 2026 bei 6,3 Prozent (Bundesagentur für Arbeit). Das ist höher als im Jahresdurchschnitt 2016 mit 6,1 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen bewegt sich derzeit um die 2,95 Millionen. In Österreich beträgt die nationale Arbeitslosenquote im Mai 2026 7,1 Prozent, das ist ebenfalls ein Anstieg gegenüber 2016 (damals 6,0 Prozent nach nationaler Berechnung).

Morten Wierod ist nicht der Einzige, der Alarm schlägt: Schon im Oktober des Vorjahres hatten die Chefs von TotalEnergies und Siemens in einem offenen Brief an Frankreichs Präsident Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz gefordert, das strenge EU-Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz weitgehend abzuschaffen. Die EU-Kommission verweist jedoch auf ein „Vereinfachungsprogramm“, das angeblich bereits 15 Milliarden Euro an Einsparungen gebracht haben soll.Durch den Iran-Krieg und die damit verbundenen Lieferstörungen aus dem Nahen Osten steigen die Gaspreise in Europa erneut deutlich.

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