ABO Energy: Vom Superergebnis 2025 zum Superverlust 2026

ABO Energy entwickelt Windparks, Solarparks und Speicher – also genau jene Projekte, die politisch gewollt und milliardenschwer gefördert werden. Trotzdem steckt das Unternehmen in einer schweren Finanzierungskrise. Wie passt das zusammen? Die Krise hinter der grünen Fassade.

IMAGO / Zoonar

ABO Energy steht unter massivem Sanierungsdruck. Das Wiesbadener Unternehmen, früher ABO Wind, entwickelt Windparks, Solarparks, Batteriespeicher und Wasserstoffprojekte. Aus einem Vorzeigeunternehmen der Energiewende ist nun ein Fall für Kreditgeber, Sonderhauptversammlung und Restrukturierer geworden.

Das verwundert. Denn der Steuerzahler finanziert die Energiewende mit horrenden Milliardenbeträgen. Doch die Gesellschaft meldet den Verlust der Hälfte des Grundkapitals und muss deshalb eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Formal ist das noch keine Insolvenzmeldung, politisch und wirtschaftlich aber ein deutliches Warnsignal: Die Schieflage ist nicht mehr nur operativ, sondern nun auch gesellschaftsrechtlich sichtbar.

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ABO Energy ist kein Hinterhofbetrieb, sondern ein langjähriger illustrer Projektentwickler in der „Energiewende“-Szene. Das Wiesbadener Unternehmen wurde 1996 gegründet, entwickelt und errichtet Wind-, Solar-, Batterie- und Wasserstoffprojekte, beschäftigt rund 1.400 Mitarbeiter und meldet eine laufende Projektpipeline von gut 34 Gigawatt. 2024 machte ABO Energy 446 Millionen Euro Umsatz. Damit gerät nicht ein Randakteur, sondern ein langjähriger Gewinner der „Energiewende“ in einem politisch massiv gestützten Markt in den Sanierungsmodus.
Zur Stabilisierung haben Personen aus den Gründerfamilien nach Pflichtmitteilungen Aktien verpfändet. Insgesamt geht es um rund 1,86 Millionen Aktien, darunter Pakete von Jochen Ahn, Gabriele Fischer-Ahn und Mitgliedern der Familie Bockholt. Die Aktien dienen als Sicherheit im Zusammenhang mit Kreditgeschäften des Unternehmens.

Wichtig ist die juristische Präzision: ABO Energy ist nach derzeitigem Stand nicht insolvent. Aber das Unternehmen hat immerhin den Verlust der Hälfte des Grundkapitals angezeigt, muss deshalb am 9. Juli 2026 eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen und braucht bis Ende Juli eine tragfähige Sanierungsfinanzierung. Der erste Entwurf des Sanierungsgutachtens sieht die Gesellschaft zwar vorläufig als sanierungsfähig an, macht dies aber ausdrücklich vom Abschluss einer Finanzierungslösung mit den Geldgebern abhängig.

Der Engpass bleibt die Liquidität. Mit den Kreditgebern besteht eine Stillhaltevereinbarung. Parallel versucht ABO Energy, durch Projektverkäufe Geld hereinzuholen und das Geschäftsmodell umzubauen. Künftig will das Unternehmen stärker eigene Wind- und Batterieanlagen betreiben und Strom direkt vermarkten.

Die Wende kam brutal schnell. Ende März 2025 präsentierte ABO Energy noch das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte: 25,6 Millionen Euro Jahresüberschuss für 2024. Für 2025 stellte das Management 29 bis 39 Millionen Euro Gewinn in Aussicht, ab 2027 sogar jährliche Überschüsse von etwa 50 Millionen Euro. Geschäftsführer Karsten Schlageter sprach damals davon, die Politik habe in Deutschland den Windkraftmarkt „entfesselt“.

Nur acht Monate später war diese Erzählung Makulatur. Im November 2025 kassierte ABO Energy die Gewinnprognose und erwartete plötzlich einen Verlust von rund 95 Millionen Euro. Im Januar 2026 wurde daraus ein erwarteter Konzernjahresfehlbetrag von rund 170 Millionen Euro. Als Gründe nannte das Unternehmen Projektverschiebungen, Wertberichtigungen und „aktuelle Marktveränderungen“ in Deutschland und auf internationalen Märkten.

Genau das ist das Paradox des Subventionsmarktes. Der Staat füttert die Erneuerbaren über das EEG mit Milliarden. Seit 2023 läuft die EEG-Finanzierung nicht mehr über die EEG-Umlage, sondern aus dem Bundeshaushalt; für 2026 beträgt der EEG-Finanzierungsbedarf 16,152 Milliarden Euro. 2024 wurden laut Bundesregierung 18,49 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt auf das EEG-Konto überwiesen, für 2025 wurden 16,53 Milliarden Euro Finanzierungsbedarf genannt.

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Auffällig ist, wie deutlich ABO Energy selbst die Lage gegenüber Anleihegläubigern formulierte. Um das operative Geschäft aufrechtzuerhalten, braucht das Unternehmen auch deren Zustimmung, unter anderem zum Verzicht auf eine Negativerklärung. Nur so könnten Sicherheiten für Zwischenfinanzierungen laufender Projekte bestellt werden. Alexander Reinicke, damals noch Finanzgeschäftsführer, warb um Unterstützung, damit ABO Energy auch künftig Zins- und Tilgungsverpflichtungen erfüllen könne.

Kurz darauf war Reinicke weg. Im März teilte ABO Energy mit, der bisherige Finanzgeschäftsführer sei „ab sofort“ nicht mehr Teil der Geschäftsführung; seine Aufgaben würden interimistisch im bestehenden Führungsteam verteilt.

Für 2026 erwartet ABO Energy kein positives Konzernergebnis mehr. Erst 2027 soll operativ wieder Gewinn möglich sein, heißt es. Der Fall zeigt: Der Staat pumpt Milliarden in erneuerbare Energien. Trotzdem kämpft ABO Energy um Finanzierung und Vertrauen. Das ist mehr als eine Firmenkrise – es ist ein Warnsignal. Staatlich organisierte Nachfrage erzeugt Boom, hohe Pipelinewerte und optimistische Gewinnfantasien. Wenn dann aber Ausschreibungen überzeichnet sind, Förderwerte sinken, Netzanschlüsse knapp bleiben und Käufer vorsichtiger werden, schlägt der Marktmechanismus brutal zurück.

ABO Energy ist damit ein Lehrstück der Energiewende-Ökonomie: Milliarden aus dem Bundeshaushalt schaffen keinen Vollkaskoschutz für Unternehmen und eine blenderische große grüne Story ist eben noch keine solide Bilanz.

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