Merz sieht gesetzliche Rente nur noch zur „Basisabsicherung“

Und es ist weg: Das Geld und die Beiträge der Bürger sind ausgegeben, verteilt, verschwendet, verbraucht. Friedrich Merz erklärt die gesetzliche Rente faktisch für gescheitert. Für Millionen Beitragszahler bleibt die Finanzierung eines maroden Systems, das sie selbst nicht mehr absichert. Selbst in der kanzlerergebenen CDU wächst der Widerstand.

Und es ist weg, das Geld für die Altersvorsorge. Futschikato. Genau das ist der Zustand der gesetzlichen Rente. Über Jahrzehnte haben Arbeitnehmer verpflichtend eingezahlt, ohne Möglichkeit, sich dem System zu entziehen. Dieses Geld steht heute nicht mehr für die eigene Absicherung zur Verfügung. Es ist zweckentfremdet worden, eingebunden in einen Staat, der seine Ausgaben ausgeweitet und seine Prioritäten verschoben hat. Schätzungen gehen von bis zu 1.000 Milliarden aus; auch wenn das übertreiben sein mag: Auch die Hälfte ist weit, weit mehr als ein gesamtes Jahresvolumen der Rentenversicherung. Die gesetzliche Rente bildet nicht mehr die Summe eines Arbeitslebens ab, sondern das, was politisch noch ausgezahlt wird. Das System hat seinen ursprünglichen Zweck verloren und funktioniert nur noch als Durchlaufstation für Beiträge, die Hintenraus immer niedriger werden.

Nur noch Basisabsicherung

Beim Jahresempfang des Bundesverbands deutscher Banken in Berlin formuliert Friedrich Merz die neue Leitlinie für die Altersvorsorge in Deutschland: Die gesetzliche Rentenversicherung werde künftig nur noch „Basisabsicherung“ leisten und den Lebensstandard nicht mehr sichern. Wer einzahlt, kann nicht mehr davon ausgehen, eine Leistung zu erhalten, die sich an seiner eigenen Erwerbsbiografie orientiert. Die Verbindung zwischen Einzahlung und Anspruch ist aufgehoben. Übrig bleibt eine staatlich definierte Mindestleistung, deren Höhe nicht mehr aus dem System selbst kommt, sondern aus politischen Entscheidungen. Denn was für Arbeiter und Angestellte gilt gilt nicht für Beamte, Politiker und Bundesrichter. Denen ist verfassungsrechtlich der Schutz vor Verarmung garantiert, den wiederum die Beitragszahler zu leisten haben, die ohne Schutz auskommen müssen. Es gibt eben immer zwei Sorten Menschen.

Für Arbeitnehmer bedeutet das eine dauerhafte Verschiebung zu ihren Lasten. Die Beiträge steigen, ebenso die Steuern und Abgaben, die das Einkommen zusätzlich belasten. Gleichzeitig wächst der Druck durch steigende Lebenshaltungskosten. Am Ende steht eine Situation, in der die Belastung während des Erwerbslebens zunimmt, während die Absicherung im Alter reduziert wird. Die Rechnung geht nicht mehr auf.

Wer arbeitet und einzahlt, finanziert ein System, das ihn selbst nicht mehr trägt.

Die politische Antwort darauf verlagert die Verantwortung vollständig nach unten. Private Vorsorge soll die entstehende Lücke schließen. Diese Forderung richtet sich an Menschen, deren finanzielle Spielräume längst erschöpft sind. Wer steigende Mieten, Energiepreise und Abgaben bewältigen muss, kann keine nennenswerten Rücklagen aufbauen. Die Lücke wird politisch geschaffen und anschließend individualisiert. Das Risiko liegt beim Einzelnen, während die Pflicht zur Einzahlung bestehen bleibt.

Das Geld der Beitragszahler ist nicht verschwunden, es ist gezielt verschwendet worden. Milliarden fließen in politische Programme, in Fördermaßnahmen ohne unmittelbaren Bezug zur Absicherung der Einzahler, in internationale nicht nachprüfbare Phantasie- und Irrsinnsprojekte.

Immer weiter wächst ein Verwaltungsapparat, der dauerhaft finanziert werden muss. Mittel aus großen Schuldenpaketen erreichen die Kommunen längst nicht in dem Umfang, der angekündigt wurde, während die Belastung für die Bürger unverändert bleibt. Die Verwendung der Mittel folgt politischen Prioritäten, nicht der Absicherung derjenigen, die sie aufbringen.

Die Sozialkassen werden für immer mehr Aufgaben herangezogen. Sie tragen längst nicht mehr nur die Altersvorsorge, sondern einen dysfunktionalen Sozialstaat, der aus allen Nähten platzt, der eine ständig wachsende Vielzahl zusätzlicher Verpflichtungen finanziert. Masseneinwanderung, eine immer weiter ausufernde Asylindustrie, steigende Transferleistungen und ein wachsender Kreis von Leistungsbeziehern binden dauerhaft erhebliche Mittel. Für Beitragszahler bedeutet das, dass ihre Einzahlungen in ein System fließen, das immer mehr Lasten aufnimmt und gleichzeitig die eigene Grundlage schwächt.

Besonders deutlich wird die Schieflage im Vergleich innerhalb des Systems. Arbeitnehmer zahlen über Jahrzehnte verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung ein und erhalten am Ende eine gekürzte Leistung. Beamte zahlen nicht in dieses System ein und beziehen im Ruhestand eine Pension, die sich am letzten Einkommen orientiert und aus Steuermitteln finanziert wird. Diese Mittel stammen aus denselben Quellen, aus denen auch die Renten bestritten werden. Während die gesetzliche Rente reduziert wird, bleibt die Versorgung des Staatsapparats unangetastet – obwohl der Staatsapparat wäscht, die Beschäftigten in der Wirtschaft täglich weniger werden. Die Ungleichverteilung ist strukturell angelegt und beschleunigt sich. Wer kann, rettet sich in das Berufsbeamtentum oder in gleichbelagerte Versorgungssystem des öffentlichen Dienstes. Das wird am Ende beiden Gruppen schaden, denn leere Lassen sind auch für Beamte keine Lösung.
Auch innerhalb der eigenen Bevölkerung werden die Belastungen verschoben. Diskussionen über Einschnitte bei der Familienversicherung treffen diejenigen, die das System tragen. Ehepartner und Familien von Beitragszahlern geraten unter zusätzlichen Druck, während Leistungen in anderen Bereichen weiterlaufen. Die Prioritäten werden so gesetzt, dass die Belastung bei den Einzahlern konzentriert bleibt. Entlastung ist nicht vorgesehen.

Parallel dazu werden die Möglichkeiten zur eigenen Absicherung eingeschränkt. Die Nutzung von Zollfreilagern für Silber und andere Sachwerte wurde beendet. Anlagen, die bislang eine steuerlich begünstigte Vorsorge ermöglichten, unterliegen nun der vollen Umsatzsteuer. Der Aufbau von Vermögen wird dadurch verteuert, Renditen werden reduziert, langfristige Strategien verlieren ihre Grundlage. Wer vorsorgen will, wird zusätzlich belastet, während gleichzeitig die staatliche Leistung reduziert wird.

Diese Entwicklung wirkt direkt in den Alltag hinein. Steigende Energiepreise, wachsende Umlagen, zusätzliche Abgaben und indirekte Steuern greifen in das verfügbare Einkommen ein. Eigentumsbildung wird erschwert, Vermögensaufbau gebremst. Der finanzielle Spielraum der arbeitenden Bevölkerung schrumpft weiter. Die Grundlage für eigenständige Absicherung wird systematisch verkleinert, während sie politisch eingefordert wird.

Aus derselben politischen Richtung folgt die nächste Forderung von oben. Die Deutschen seien zu bequem geworden, sie müssten mehr leisten, mehr arbeiten, mehr beitragen. Diese bodenlose Aussage richtet sich an diejenigen, deren Belastung bereits gestiegen ist und deren Absicherung gleichzeitig aufgebraucht wurde. Sie formuliert eine Erwartung, die sich nicht an der Realität der Einzahler orientiert, sondern an den Anforderungen eines endlos gierigen und verschwenderischen Systems, das immer mehr Mittel benötigt.

Diese Linie wird weiter verschärft. Verzicht wird eingefordert, Anpassung verlangt, höhere Belastung wird als notwendig dargestellt. Die Reduktion staatlicher Leistungen soll akzeptiert werden, während zusätzliche Anstrengungen von den Bürgern verlangt werden. Die Verantwortung wird vollständig auf diejenigen verlagert, die arbeiten und einzahlen.

Das Geld ist weg. Die Beiträge sind ausgegeben. Die Leistungen werden reduziert. Die Belastung bleibt bestehen und wächst weiter. Für all das sollen die Bürger nicht nur aufkommen. Sie sollen es akzeptieren. Und für all das sollen sie auch noch dankbar sein.

Der Widerstand gegen Merz‘ Aussage kommt kurzerhand aus den eigenen Reihen, vor allem aus Ostdeutschland, wo die gesetzliche Rente für viele die einzige tragende Einkommensquelle ist. Unions-Vizefraktionschef Sepp Müller macht klar, was die Aussage aus dem Kanzleramt in der Praxis bedeutet. Private oder betriebliche Vorsorge existiert für große Teile der Bevölkerung schlicht nicht. Wer die gesetzliche Rente auf eine bloße Basisabsicherung reduziert, nimmt diesen Menschen die einzige verlässliche Grundlage. Das ist keine Reform, das ist eine Absenkung ohne Netz.

Auch auf Landesebene wächst der Druck innerhalb der CDU. Mecklenburg-Vorpommerns Landes- und Fraktionschef Daniel Peters verweist auf die besonderen Erwerbsbiografien im Osten, die sich nicht in die Modelle aus Berlin pressen lassen. Wer hier pauschal kürzt, verschiebt die Last einseitig und verschärft das Risiko von Altersarmut. Die Realität vor Ort kollidiert direkt mit der Linie aus dem Kanzleramt.

Damit richtet sich die Kritik längst nicht mehr nur gegen Details, sondern gegen Merz selbst. Seine Aussagen treffen nicht nur die Rentner von morgen, sondern die eigene Basis. In den Regionen, in denen die Union auf Stabilität angewiesen ist, sorgt diese Linie für offene Ablehnung. Die Folge ist sichtbar. Die Umfragewerte von Merz rutschen von Monat zu Monat näher an den Erdkern und ziehen die Union verdienterweise mit nach unten.

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Kommentare ( 47 )

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Werner Meier
24 Minuten her

Auch hier sei an den feinen Herrn Kauder erinnert, der immer mit dem christlichen Menschenbild hausieren geht und den Bürgern mit der Merkel-CDU die Rente gestohlen hat.

https://www.domradio.de/artikel/cdu-politiker-kauder-sieht-christlichem-menschenbild-kern-der-cdu

https://www.tagesspiegel.de/politik/volker-kauder-niemandem-wird-etwas-weggenommen-5654614.html

Lotus
26 Minuten her

Gestern hatte die BILD als Schlagzeile, dass Beamtenpensionen besonders satt ansteigen. Glauben unsere „Eliten“ wirklich, dass sich dieses krachend ungerechte System halten lässt? Die Politiker, die das Land jeden Tag tiefer in die Grütze reiten, haben nach acht Jahren als MdB/MdL ausgesorgt. Beamten muss ein üppiger Ruhestand finanziert werden. Und diejenigen, die das bezahlen, bekommen nach Jahrzehnten Maloche eine „Basisabsicherung“? Dazu noch die unbefristete Vollalimentierung von Bürgergeldempfängern. Das ist alles nur noch Wahnsinn!!

Nobis
27 Minuten her

Mir scheint, hier merkt niemand welches Spiel über die Bande Merz gerade spielt. Er versucht der abnippelnden SPD ein paar Pluspunkte zuzuschanzen, wenn diese wg. der Merz-Aussagen zur Rente die Gelegenheit hat, dagegen zu schießen, um so ihr Image aufzubessern. Da Merz auf die Koalition mit der SPD angewiesen ist, aus Gründen seines Mauerdogmas, muß er ihr auch Gelegenheit geben sich von Zeit zu Zeit profilieren zu können, jetzt z.B.bei dem Gezerre um die Rente. Wer das politische Spiel kennt, weiß was gerade, nicht nur spieltheoretisch, sondern in der Praxis abgeht.

Dieter Eichrodt
30 Minuten her

Woher nimmt der Staat das Geld fuer die fuerstliche Versorgung seiner pensionierten Beamten?

Jatoh
31 Minuten her

Nun: WIR brauchen das Geld.
Frage: Wieviel Geld?
Antwort: Alles!
Denn:
 „Wir kämpfen einen Krieg gegen Russland und nicht gegeneinander.“ (Baerbock)
Das war Rot-Grüne Politik.
Heute ist es Schwarz-Rote Politik:
„Russland wird für immer ein Feind für uns bleiben“
(Wadephul)
Dafür muss das Deutsche Volk Opfer bringen.
Das ist doch selbstverständlich.

Last edited 26 Minuten her by Jatoh
Niklot
31 Minuten her

Schon schlimm genug, dass die jetzige Rente weniger Prozent des letzten Einkommens beträgt als in anderen Ländern. Jetzt soll sie auf Sozialhilfeniveau reduziert werden. Der Unterschied zur Sozialhilfe selbst ist nur noch, dass Vermögen unangetastet bleibt. Wobei das auch nur die halbe Wahrheit ist, denn Einkommen aus Vermögen wird schon besteuert. Wer weiß, vielleicht bald noch das Vermögen selbst. Nimm das Recht weg, was ist der Staat anderes als eine Räuberbande? -(frei zitiert nach Augustinus).

Karl Heinz Nusser
33 Minuten her

Jeder, der sich über diese Aussage des besten aller Kanzler wundert (oder sogar aufregt), hat die letzten Jahre „geschlafen“. Das System wird in kleinen Schritten an die Wand gefahren und ich wette, die Schlafschafe werden auch bei diesem Thema erst erwachen, wenn es im eigenen Gelbeutel knapp wird. Bis dahin, schnarcht weiter, ihr lieben Insassen.

Cubus
33 Minuten her

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert. Voltaire soll zu seinem König Friedrich gesagt haben, das Volk stehe unterhalb des Viehs, könnte auch von ihm stammen. Als Vollstrecker einer transnationalen Mafia brennt er erst alles nieder und beschimpft dann die Opfer. Er ist Teil des Epstein-Syndikats, das die Nationalstaaten privatisiert und eine globale orwellsche Technokratie errichtet. Störfaktor Bevölkerung. Spritz Spritz, nicht vergessen, auch er hat gehetzt und mitgemacht. 150 % mehr Krankentage, 6 Millionen Pflegebedürftige, sollten erst 2050 erreicht sein. Die Beamten bekommen ordentlich einen Schluck aus der Pulle, da können die Angestellten nur staunen. Der Staat… Mehr

AmitO
36 Minuten her

Schön finde ich daran, dass es doch zeigt, dass „unsereDemokratie“ nichts mehr mit Demokratie zu tun hat. Da wurschteln ein paar geistesgestörte ohne Rücksicht auf Verluste vor sich hin. Zum Wohle des Volkes passiert hier gar nichts mehr. Stattdessen Beleidigungen von einem Kanzlerdarsteller der – bis auf Lügen und Betrug – gar nichts innerhalb seiner Amtszeit geschissen bekommen hat (ich bin mir sicher, dass da auch nichts mehr kommen wird). Das ist die späte Rache von Corona. Zu viele haben die Füße stillgehalten und jetzt wissen die Kleptos, dass sie alles mit den Bürgern machen können. Da sie damals nicht… Mehr

Mike76
36 Minuten her

Die Rente ist ja nicht weg; die hat jetzt nur ein anderer… um es mal mit Habeckchen Minderverstand auszudrücken. Wer macht den Kasper Fritz in Berlin eigentlich mal endlich lang dafür, dass er uns dermaßen in die Grütze geritten hat? Niemand hatte ihm und seinem Kuriositätenkabinett den Auftrag zur Verschwendung und Volksverdummung gegeben. Dieser Kanzlerdarsteller muss schleunigst weg und mit seiner gesamten Regierungs-Entourage für den volkswirtschaftlichen Schaden haften. Dieser unfähige Idiot schadet der Bundesrepublik ja noch wesentlich mehr als es Merkel getan hat.

Last edited 35 Minuten her by Mike76