EU-Steuergeld für milliardenschwere Königsfamilie

Die königliche Familie des Emirats Abu Dhabi, die Al Nahyans, hat zwischen 2019 und 2024 mehr als 71 Millionen Euro an EU-Agrarsubventionen erhalten. Die Gelder flossen für Ländereien in Rumänien, Italien und Spanien – obwohl die Familie zu den reichsten der Welt zählt.

picture alliance / Xinhua News Agency | Wen Xinnian
Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Abdullah bin Zayed Al Nahyan, mit EU-Vizekommissionspräsidentin Kaja Kallas, Abu Dhabi, 9. April 2026

Die Enthüllung, die auf einer gemeinsamen Recherche von DeSmog, The Guardian, El Diario und G4Media basiert, sorgt erneut für Kritik an der Fehlkonstruktion der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU. Die Untersuchung wertete offizielle Subventionsdaten aus Tausenden von Empfängern aus und konnte 110 Zahlungen an ein Netzwerk von Firmen nachverfolgen, die von der Al-Nahyan-Familie und dem Abu-Dhabi-Souveränitätsfonds ADQ kontrolliert werden.

Der Löwenanteil entfiel auf den rumänischen Agrarkonzern Agricost. Das Unternehmen bewirtschaftet mit 57.000 Hektar den größten einzelnen Agrarbetrieb der gesamten EU – eine Fläche, die fünfmal so groß ist wie Paris. Allein im Jahr 2024 erhielt Agricost 10,5 Millionen Euro direkte Zahlungen, also mehr als 1.600-mal so viel wie der Durchschnitt eines EU-Landwirtschaftsbetriebs.

In Spanien flossen über fünf Millionen Euro (seit 2015) an Firmen von Al Dahra, die mehr als 8.000 Hektar bewirtschaften. In Italien erhielt der Fruchtproduzent Unifrutti – 2022 von ADQ für rund 830 Millionen Dollar übernommen – nach der Übernahme mindestens 186.000 Euro. Die Produktion dient vor allem dem Export: Alfalfa und Futtermittel gehen größtenteils in die Golfregion, wo sie die wachsende Milchindustrie der VAE versorgen. Al Dahra hat dazu einen langfristigen Liefervertrag mit der Regierung in Abu Dhabi.

EU-Subvention für „Bauern“ mit einem 320-Milliarden-Euro-Vermögen

Die Al Nahyans, deren Vermögen auf über 320 Milliarden Dollar geschätzt wird, sind durch Öl reich geworden. Al Dahra wurde vom Bruder des VAE-Präsidenten, Scheich Hamdan bin Zayed Al Nahyan, gegründet; ADQ hält seit 2020 50 Prozent und wird von engen Familienmitgliedern geführt. „Es gibt keine klare Grenze zwischen Staatskasse und Familienvermögen“, erklärt der Nahost-Experte Marc Valeri von der Universität Exeter. Die EU-Kommission nahm den Bericht „zur Kenntnis“ und kündigte an, Kontakt mit den Behörden in Rumänien, Italien und Spanien aufzunehmen. Die Auszahlung der Gelder liegt jedoch in der Verantwortung der Mitgliedstaaten, Brüssel führt keine zentrale Liste der Bezieher der EU-Subvention.

Die GAP ist mit 54 Milliarden Euro pro Jahr einer der größten Posten im EU-Haushalt – etwa ein Drittel des Gesamtetats. Die Höhe der Direktzahlungen hängt vor allem von der bewirtschafteten Fläche ab. Große Betriebe profitieren deshalb überproportional. Eine frühere Guardian-Untersuchung aus dem Jahr 2024 hatte bereits gezeigt, dass allein 17 Milliardäre zwischen 2018 und 2021 mehr als drei Milliarden Euro erhielten. Gleichzeitig sind in der EU zwischen 2005 und 2023 mehr als 5,6 Millionen kleinere Höfe verschwunden – in Rumänien besonders viele.

EU-Abgeordneter Waitz: „Ein Skandal“

Der österreichische Europaabgeordnete Thomas Waitz (Grüne) nennt den Fall „einen Skandal, der sich vor aller Augen abspielt“: 99 Prozent der echten europäischen Landwirte erhielten weniger als 100.000 Euro im Jahr. „Dieses Geld war nie für Öl-Dynastien gedacht, sondern um echte europäische Bauern zu stärken.“ Faustine Bas-Defossez vom European Environment Bureau geht noch weiter: „Die GAP hilft nicht den EU-Bauern, sie bereichert weiterhin die reichsten Grundbesitzer – und jetzt sogar autokratische Regime.“ Auch Kleinbauern-Vertreter wie Morgan Ody von La Via Campesina kritisieren, dass europäisches Steuergeld nicht für die Versorgung europäischer Bürger, sondern für Exporte genutzt werde.

Die EU-Kommission hat bereits im Juli 2025 eine Reform für die Förderperiode ab 2028 vorgeschlagen: eine Obergrenze von maximal 100.000 Euro pro Betrieb und Jahr sowie eine degressive Staffelung für größere Flächen. Solche Vorschläge gibt es seit Jahrzehnten – durchgesetzt haben sie sich nie. Bauernverbände wie der Deutsche Bauernverband wehren sich vehement gegen Kappungen, weil sie die Wettbewerbsfähigkeit großer Betriebe gefährdet sehen.

Steuergelder aus Europa landen also bei ultrareichen ausländischen Investoren, während kleine Höfe ums Überleben kämpfen und die Lebensmittelpreise in den Herkunftsländern steigen.

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Kommentare ( 30 )

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Peter Klaus
1 Monat her

Die EU-Verantwortlichen sollte man buchstäblich in die Wüste schicken.

Chrisamar
1 Monat her

II. Nicht nur die VAE schicken ihren Nachwuchs zur Ausbildung in die weltweit besten Schulen und Hochschulen. Dort werden die Eliten von morgen gebildet. Die Transfer – Elite der EU, hat entsprechend sehr wohl Wissen darüber, wessen Interessen durch die Ausweitung der EU auf Ost-Europa vertreten und welche möglichen Ziele in einem endlosem Krieg verfolgt werden. „skin in the game“ Eine persönliche Haftung für Bürokraten und Politiker ist im gegenwärtigem System ausgeschlossen. Eine Verfolgung von möglichen Verstrickungen ist ebenfalls ausgeschlossen. Aus meiner persönlichen Sicht: Wenn man sich für Trump / die USA oder für die EU entscheiden kann, dann nimmt… Mehr

Chrisamar
1 Monat her

Die „König Abdullah Initiative“: Übersicht mit KI Die Investitionen Saudi-Arabiens in landwirtschaftliche Flächen und Immobilien in Osteuropa haben seit dem Jahr 2000, insbesondere im Rahmen der „King Abdullah Initiative for Saudi Agricultural Investment Abroad“ (ab 2009), stark zugenommen. Diese Strategie zielt darauf ab, die Nahrungsmittelsicherheit des Königreichs angesichts akuter Wasserknappheit zu gewährleisten. Rumänien und andere osteuropäische Länder sind aufgrund günstiger Agrarflächen und großer Getreideexporte wichtige Zielländer für diese Investitionen. [1, 2, 3, 4] Hauptfokus: Landwirtschaftliche Flächen (Farmland) Strategische Investitionen: Saudi-arabische Unternehmen, oft staatlich unterstützt (wie durch die SALIC – Saudi Agricultural and Livestock Investment Company), erwerben Ackerland, um Getreide (Weizen,… Mehr

T aus LE
1 Monat her

Ich finde, dass der Fehler woanders liegt.

Landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Flächen gehören in Bauernhand und nicht in die Fänge von Kapitalanlegergesellschaften, zu denen ich in diesem Zusammenhang auch Königshäuser und Sportsfreund Gates zähle.

Axel Fachtan
1 Monat her

Gleiches Recht für alle.
Sowohl Milliardären als auch Kleinbauern ist es verboten unter Brücken zu schlafen.
Geschickten Kleinbauern stehen dieselben Fördervolumina zu wie Milliardären.
Die können sich einfach soviel Land abpachten und bearbeiten, dass sie auch jährlich 71 Millionen an Subventionen erhalten. Das kann jeder lernen. 😉
Solange England noch in der EU war, war auch das britische Königshaus gut bedient worden.

Konservativer2
1 Monat her
Antworten an  Axel Fachtan

Wäre ich Landwirt, würde ich angesichts der fehlenden Solidarität meiner Landsleute nach der Lektüre Ihres Beitrages den Betrieb aufgeben.

Last edited 1 Monat her by Konservativer2
haqus b.
1 Monat her

Was ist jetzt hier das Problem?
Ein Investor im Agrarbereich ist genauso berechtigt Subventionen zu bekommen, ob er nun ein Betriebsvermôgen von 500.000 Euro. 5 Millionen oder weltweit 322 Milliarden hat. Diese kleinbürgerlichen Neiddebatten sind mir zu wider.

Reinhard Peda
1 Monat her
Antworten an  haqus b.

Sie meinen, wie bei den Erneuerbaren Energien?

Konservativer2
1 Monat her
Antworten an  haqus b.

Was soll das jetzt? Egal, was juristisch gelten mag, der kleine Landwirt um die Ecke, der mit Herzblut meine Versorgung sicherstellt, hat in meinen Augen weit mehr Anrecht auf mein Steuergeld als ein Araber, der seine Landnahme nur dadurch bewerkstelligen kann, dass die Zelte seiner Vorfahren auf Ölquellen standen. Noch dazu dienen die Flächen offenbar nicht unserer Versorgung, sondern der Versorgung von Leuten, die definitiv nicht in der EU leben. Da bin ich bekennender Rassist. Mit Neid hat das nichts zu tun, eher mit Herkunft.

Last edited 1 Monat her by Konservativer2
Marcel Seiler
1 Monat her
Antworten an  haqus b.

Völlig richtig. Die politische Debatte entgleist zunehmend, leider auch hier bei Tichys Einblick.

Konservativer2
1 Monat her

Immer wieder interessant zu erfahren, dass Legionen bestbezahlter EU-Beamter nicht das geringste Interesse daran haben, solchen Auswüchsen, die sie doch sicher im Verlauf des ganzen Beantragungs- und Bearbeitungsvorgangs erkennen, entgegenzutreten.

Sie, die Beamten, kosten Unmengen an Geld, die ungerechtfertigten Zahlungen (und ich möchte nicht wissen, auf welchen Gebieten diese ebenfalls fließen) in immenser Höhe sind auch weg. Danke, EU.

alter weisser Mann
1 Monat her

Dass der Deutsche Bauernverband sowas verteidigt, ist nur ein Schlaglicht auf das Wirken dieses Verbandes. Ich frage mich, warum die deutschen Bauern sowas mitmachen? Vermutlich sind sie bei allem Genörgel doch ganz zufrieden, siehe so medial agierende Figuren wie Bauer Willi.

Kraichgau
1 Monat her

nunja,wenn es etwas abzugreifen gibt,warum sollten es dann nicht auch die Scheichs machen?
viel schlimmer ist,das ausländische „Investoren“ im grössten Stil Land und Boden aufkaufen und den europäischen Staaten entziehen können,DAS dürfte nicht sein(gilt auch für Bill Gates und seinen Landsammelwahn zb in der Ukraine)

Manfred_Hbg
1 Monat her

Zitat: „Die Enthüllung, die auf einer gemeinsamen Recherche von DeSmog, The Guardian, El Diario und G4Media basiert, sorgt erneut für Kritik an der Fehlkonstruktion der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU“ > Mal abgesehen davon, dass es natürlich gaaanz „toll“ und seeehr „nett & erfreulich“ ist, dass hier nun aus EU-Brüssel wegen diesen schlappen „nur“ 71 Millionen „Ocken“ an EU-Agrarsubventionen –Achtung– K R I T I K zu vernehmen ist, so frage ich mich dann auch mit Blick auf die oben im Zitat genannte und durchgeführte Recherche: WAS bitte, machen eigentlich die in EU-Brüssel (inkl Straßburg) zu 1000den (oder gar 10.000den?)… Mehr