Sven Hüber war Politoffizier der DDR-Grenztruppen. Heute sitzt er an Schaltstellen der Bundespolizei, erklärt Polizisten die AfD-Wahl zum „No-Go“ und spielt den „inneren Notstand“ durch. Wie konnte diese Karriere überhaupt möglich werden? Der Skandal ist der Weg seiner Karriere.
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Sven Hüber hat ein massives Demokratieproblem. Genauer: Er hat ein Problem mit demokratischen Entscheidungen, sobald sie politisch nicht nach seinem Geschmack ausfallen. Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erklärt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei die AfD für Polizeibeamte zum „No-Go“. Er fabuliert von einer möglichen „Machtergreifung“, bemüht das Jahr 1933 und entwirft Szenarien eines „inneren Notstands“. Bereitschaftspolizei und Bundespolizei müssten darauf vorbereitet sein, in einem anderen Bundesland die „verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen“.
Das ist die zutiefst demokratiefeindliche Sprache eines problematischen Mannes, der tief im deutschen Sicherheitsapparat sitzt. Hüber ist Erster Polizeihauptkommissar, stellvertretender GdP-Bundesvorsitzender und Vorsitzender des Hauptpersonalrats der Bundespolizei.
Sven Hüber missbraucht diese Stellung inzwischen für politische Ansagen an diejenigen, die er vertreten soll. Polizeibeamte sollen ihre Wahlentscheidung an seinem Verständnis des Diensteides messen. Ein möglicher Wahlsieg der AfD wird von ihm damit zum Sicherheitsproblem erklärt. Der politische Wille der Bürger gerät in die wahnhafte Gedankenwelt eines Spitzenfunktionärs, der bereits über den Einsatz von Polizeikräften nach einem unerwünschten Wahlausgang nachdenkt.
Ausgerechnet Sven Hüber. Seine offizielle Biografie bei der Gewerkschaft setzt im Jahr 1990 ein. Eintritt in die Polizei und in die Gewerkschaft. Dieses Datum erspart einige unangenehme Zeilen. Denn vor seiner Karriere in der Bundesrepublik hatte Hüber bereits eine andere Laufbahn absolviert: als Berufsoffizier in den Grenztruppen der DDR.
Der 1964 in Görlitz geborene Hüber meldete sich freiwillig zu den Grenztruppen. Von 1983 bis 1987 studierte er Gesellschaftswissenschaften an der Offiziershochschule „Rosa Luxemburg“. Seine Diplomarbeit beschäftigte sich mit dem westdeutschen Bundesgrenzschutz und trug den Titel „Der Bundesgrenzschutz als Instrument imperialistischer Macht- und Herrschaftssicherung“. Diese formunschöne Formulierung stammt aus dem politischen Vokabular jener Diktatur, deren bewaffnete Organe ihre Bürger mit Minen, Mauern, Stacheldraht und Schusswaffen an der Flucht hinderten. Der junge Offizier Hüber analysierte den Bundesgrenzschutz als Instrument des westlichen Klassenfeindes. Wenige Jahre später nahm genau dieser Bundesgrenzschutz ihn auf.
Nach der Offiziershochschule kam Hüber zum Grenzregiment 33 in Berlin-Treptow. Er diente dort als stellvertretender Kompaniechef, Politoffizier und Jugendinstrukteur. Der Politoffizier gehörte zum ideologischen Führungspersonal der DDR-Streitkräfte. Seine Aufgabe war die politische Erziehung der Soldaten, ihre Bindung an das sozialistische Herrschaftssystem und die Vermittlung jener Weltanschauung, mit der der Dienst an der Grenze legitimiert wurde. Ein Politoffizier war für die ideologische Bearbeitung der Truppe zuständig, im Soldatenjargon die „Rotlichtbestrahlung“. Vier Jahrzehnte später erklärt Hüber wieder Polizisten, welche politische Haltung mit ihrem Dienst vereinbar sein soll. Ausgerechnet an diesem Punkt bekommt seine Biografie eine geradezu beklemmende Aktualität.
Die Grenze war das Instrument einer brutalen Diktatur zur Gefangensetzung der eigenen Bevölkerung. Grenzsoldaten sollten Fluchtversuche verhindern. Menschen verloren ihr Leben bei dem Versuch, diese Diktatur zu verlassen. Der politische Apparat der Grenztruppen sorgte dafür, dass die Männer an der Grenze ihren Auftrag verstanden. Und ausführten.
Hübers Regiment gehörte zu diesem System. Am 5. Februar 1989 wurde der 20-jährige Chris Gueffroy bei einem Fluchtversuch an der Berliner Mauer erschossen. Eine persönliche Beteiligung Hübers an der Tötung wurde gerichtlich nicht festgestellt. Das Kammergericht hielt jedoch fest, dass er als Angehöriger des Führungsstabs das System der Grenzsicherung gestützt und zu dessen Funktionieren beigetragen habe. Diese Feststellung gehört in die Biografie eines Mannes, der heute anderen Beamten Verfassungstreue erklärt.
1990 begann Hübers zweite Karriere. Nach eigenen Angaben wurde er nach „intensiven Überprüfungen“ auf Entscheidung des Bundesinnenministeriums aus dem Grenzschutz der demokratisch gewählten Regierung Lothar de Maizières in den Bundesgrenzschutz übernommen. Wie sahen diese „intensiven Überprüfungen“ denn ganz genau aus? Diese Frage muss nunmehr umso dringender beantwortet werden.
Parallel begann sein Aufstieg in der Personalvertretung. Von 1990 bis 2000 führte Hüber den Bezirkspersonalrat beim Grenzschutzpräsidium Ost und gehörte zugleich dem Hauptpersonalrat des Bundesgrenzschutzes beim Bundesinnenministerium an, zeitweise als stellvertretender Vorsitzender. 1993 wechselte er in den gehobenen Dienst, 1994 wurde er stellvertretender Vorsitzender des GdP-Bezirks Bundespolizei. Seit 2000 führt er den Hauptpersonalrat selbst. Damit sitzt er seit mehr als einem Vierteljahrhundert an einer zentralen personalpolitischen Schaltstelle der Bundespolizei und verhandelt mit Fachabteilungen, Staatssekretären, Innenministern und Bundestagsfraktionen.
Im Jahr 2000 trat Hüber bei der juristischen Aufarbeitung der DDR-Grenzverbrechen als Zeuge in einem Strafverfahren gegen einen früheren Vorgesetzten auf. Die zuständige Strafkammer gelangte zu der Überzeugung, Hüber und zwei weitere ehemalige Grenztruppenoffiziere hätten ihre Aussagen abgesprochen, um dem Angeklagten zu helfen. Das Gericht kommentierte die Übernahme dieser drei Männer durch den Bundesgrenzschutz mit dem Satz, dieser habe dabei „keine glückliche Hand bewiesen“. Die Bundesrepublik ließ es bei dieser „unglücklichen Hand“. Seine Laufbahn ging weiter. Bereits 2002 trat Hüber gemeinsam mit Otto Schily vor der Bundespressekonferenz auf. Die Aushandlung eines „Attraktivitätsprogramms“ mit Schily zählt er selbst zu seinen Erfolgen.
Seine DDR-Vergangenheit verschwand währenddessen aber keineswegs vollständig aus der Öffentlichkeit. Als darüber berichtet wurde, versuchte Hüber juristisch gegen seine namentliche Nennung vorzugehen. Das Kammergericht entschied schließlich, dass die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse daran habe, zu erfahren, dass ein hochrangiger Funktionär der Bundespolizei zuvor Offizier der DDR-Grenztruppen gewesen war. Dieses Interesse ist heute größer denn je und erhält vor Hübers neuerlichen haarsträubenden Aussagen eine neue, dringende Gewichtung.
Unter Horst Seehofer folgte der sogenannte „Seehofer-Aufstieg“, ein von Hüber mit ausgehandeltes Laufbahnmodell. Unter Nancy Faeser wurde die Nähe zur politischen Hausspitze besonders deutlich. Öffentlich bekannt wurde ein dienstliches Schreiben Hübers mit der Anrede „Liebe Nancy“ und dem Gruß „Dein Sven“. In der Debatte um stationäre Grenzkontrollen verteidigte er Faesers Linie scharf und bezeichnete entsprechende Forderungen als „Polit-Placebo“ und „blanke Volksverdummung“. Beim Personalentwicklungskonzept der Bundespolizei beriet er die Ministerin ausdrücklich auch hinsichtlich der politischen Außenwirkung. Als eigene Erfolge nennt Hüber zudem die wieder eingeführte Ruhegehaltsfähigkeit der Polizeizulage „mit Nancy Faeser“ und das neue Personalentwicklungskonzept. Seit 2022 ist er zusätzlich stellvertretender Bundesvorsitzender der GdP.
Seit Jahrzehnten sitzt der frühere DDR-Politoffizier damit in zentralen Personal- und Gewerkschaftsfunktionen der Bundespolizei, verhandelt mit der Spitze des Innenministeriums und wirkt an Laufbahnen, Versorgung und Personalentwicklung mit. Seine Vergangenheit war längst öffentlich bekannt und Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen.
Seine neuerlichen demokratiefeindlichen Äußerungen berühren einen neuralgischen Punkt jeder Demokratie: die politische Neutralität ihres Gewaltapparats. Besonders gespenstisch wirkt die Kontinuität der politischen Sprache. Die DDR nannte ihre Mauer „antifaschistischen Schutzwall“ und erklärte die Abriegelung der eigenen Bevölkerung zum Schutz vor dem politischen Feind. Heute heißt die politische Abriegelung „Brandmauer“. Das Prinzip, politische Abgrenzung zur höheren Staatsräson zu erklären, scheint Hüber bemerkenswert vertraut. Ein Mann, der selbst als Politoffizier in einem politisierten Sicherheitsapparat tätig war, müsste die Gefahren einer ideologischen Durchdringung bewaffneter Staatsorgane besonders genau kennen. Hüber liefert heute ds anschaulichste Beispiel dafür, wie sich ein Funktionär selbst zum politischen Wächter über seine Kollegen aufschwingen kann.
Sven Hüber verkörpert die erstaunliche Gleichgültigkeit, mit der Teile der Bundesrepublik ihre eigene Geschichte behandeln. Ein ehemaliger Politoffizier einer Diktatur konnte im Sicherheitsapparat des vereinigten Deutschland bis in höchste Funktionen aufsteigen.
Der Weg seiner Karriere wirft deshalb eine mehr als drängende Frage auf, die weit über seine Person hinausgeht: Wie konnte dieser Mann jemals an eine Stelle gelangen, von der aus er solche Sätze mit institutionellem Gewicht verbreitet? Wer einen früheren Politoffizier der DDR-Grenztruppen zum einflussreichen Personalvertreter und Polizeifunktionär macht und ihn Jahrzehnte später darüber dozieren hört, welche Wahlentscheidung verfassungstreu ist, blickt auf ein grandioses Versagen der politischen Selbstreinigung dieser Republik.


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Im Wort und im Gebahren,
der Muff von 40 Jahren
In dieser Passage ist zu lesen, wer diesen „zuverlässigen“ Politoffizier einschleuste: „ 1990 begann Hübers zweite Karriere. Nach eigenen Angaben wurde er nach „intensiven Überprüfungen“ auf Entscheidung des Bundesinnenministeriums aus dem Grenzschutz der demokratisch gewählten Regierung Lothar de Maizières in den Bundesgrenzschutz übernommen.“ de Maizières !!! Bestens vernetzt mit Angela Merkel und den SED-Kadern. Das damalige Bundesamt für Verfassungsschutz hat damals schon entweder auf ganzer Ebene versagt oder – schlimmer noch- war längst von Stasi-Leuten unterwandert, die den wundersamen Aufstieg des trojanischen Pferdes Angela Merkel ermöglichten.
„“…gewählten Regierung Lothar de Maizières in den Bundesgrenzschutz übernommen.““
Das Bundesamt für VS hat ja nicht mal mitbekommen, dass Lothar de Maizière anderenorts unter dem Namen IM Cerny geführt wurde.
Schon irgendwie erstaunlich, daß sich hier „alles“ über die in der DDR fußende Moral des Menschen und seinen Auftritt als „Gewerkschafter“ aufregt, aber niemand hinterfragt, wie es mit den im Beamtengesetz festgelegten Treue- und Loyalitäts- / Neutralitätspflichten vereinbar ist, wenn ein noch in Diensten des Staates tätiger 1. Polizeihauptkommissar in der Spitzenposition des Gehobenen Dienstes, bezahlt immerhin nach A13, für den Fall der Wahl einer ihm unliebsamen Regiierung durch den Souverän quasi zum Putsch gegen eben diese Regierung durch „seine Truppe“ aufruft. Wieso sind hier dienstrechtliche Konsequenzen offenbar von Niemandem angedacht, während vielfach Beamte allein wegen ihrer Mitgliedschaft in der… Mehr
Hier der Wortlaut seines ersten Diensteides: Ich schwöre Der Deutschen Demokratischen Republik, meinem Vaterland, allzeit treu zu dienen und sie auf Befehl der Arbeiter-und-Bauern-Regierung gegen jeden Feind zu schützen. Ich schwöre An der Seite der Sowjetarmee und der Armeen der mit uns verbündeten sozialistischen Länder als Soldat der Nationalen Volksarmee jederzeit bereit zu sein, den Sozialismus gegen alle Feinde zu verteidigen und mein Leben zur Erringung des Sieges einzusetzen. Ich schwöre Ein ehrlicher, tapferer, disziplinierter und wachsamer Soldat zu sein, den militärischen Vorgesetzten unbedingten Gehorsam zu leisten, die Befehle mit aller Entschlossenheit zu erfüllen und die militärischen und staatlichen Geheimnisse… Mehr
Hüber ist für die GdP das, was Merkel für die CDU war – ein Trojaner.
Bei allen genannten Fakten über diese Person stellt sich mir noch eine viel drängendere Frage, sozusagen der Lackmustest für unseren Rechtsstaat: Wie kann es sein, dass niemand – Nachbarn, Bekannte, Kadergenossen – seine Stimme gegen diesen Freund und Förderer von Morden an unschuldigen Bürgern der DDR erhob, als er gg jedes rechtstaatliche und demokratische Bewusstsein ins westliche Sicherheitssystem einsickerte und dort Karriere machte? Wie kann es sein, dass offenkundig niemand zu irgendeiner Zeit danach die Axt an seine Position legte? Kann es sein, dass ein DDR-Sumpf sich von Beginn an in der Bundesrepublik ausbreitete und manifestierte, der sich untereinander stützte… Mehr
Die Frage stelle ich mir seit etlichen Jahren: Wer hat 1990 eigentlich wen übernommen?
Da mache ich aber auch Kohl und Co. schwere Vorwürfe. Die waren so besoffen in ihrer Einheitseuphorie – auch ich war damals sehr glücklich, doch ich war auch kein führender Politiker -, dass sie es versäumt haben, sich die in hohe Positionen übernommenen Personen genauer anzuschauen und „auszusieben“. Hätte man da genauer hingeschaut, wäre uns manches und mancher erspart geblieben. Es hätte Spruchkammerverfahren für alle geben müssen, die in der DDR wichtige Funktionen ausgeübt haben. Geradezu ein Gebot der politischen Aufarbeitung und Hygiene wäre das gewesen. Nicht dieses blumige: Kommt alle an meine Brust, ab heute sind wir alle wieder… Mehr
Die 2.Karriere von Herrn Hüber läßt sich ganz einfach erklären. Das liegt an der moralischen Verkommenheit der politischen „Eliten“ nach der Wende und auch heute. Schon nach dem 2. WK war es üblich nachweislich NSDAP Größen in der Justiz, Diplomatie, Bundeswehr etc..wieder zu hohen Posten und Gehältern zu verhelfen, sog. Entnazifizierung eben. Und wer versorgt war, stellte keine Gefahr mehr da. Das gleiche Prinzip wurde nach der Wende von der Regierung Kohl angewendet. Stasi und NVA Offiziere bekamen die aussichtsreichsten Umschulungen zu Steuerberatern und ähnlichen Berufszweigen. Wer versorgt ist, den braucht man nicht zu fürchten. Was diese Leute mit dieser… Mehr
Hätte man die SED inkl. Nachfolgeparteien verboten, wie die NSDAP ff., wären die alten SED ganz normal in Parteien aufgegangen. Da man deren Betätigungsfeld verboten hat, resozialisiert. Alle Parteien nach dem Krieg hatten Nazis integriert. Und gut so. Neue Chance. Und sie lernten. Ob man heute , nach solchem Vorgang, die alten SED ler wie die Altnazis, Parteimitglieder-läufer auch nach 40 Jahren aus dem öffentlichen Leben „entfernt“ hätte. Wie Werner Höfer z. B. ? Die Wegzugssteuer- Fluchtsteuer der Nazis zum Abkassieren– , die Mietenbremse–von Hitler eingeführt– . Wer Instrumente aus dem 3. reich einführt, ist dann doch ein Nazi. Wenn… Mehr
Himmel hilf, wenn so jemand in so eine Position gelangen kann, dann sieht es um das Land weitaus schlimmer aus als ich bislang dachte.
Er hat ja seine Meinung ja ganz schamlos nochmal bekräftigt. Kann er auch, was soll ihm schon passieren unter einem Kanzler, der die AfD in der Tradition der schlimmsten dt. Verbrechen (sprich Holocaust) sieht. Diese Regierung und ihre Häscher lassen alle Hüllen fallen. Pfui Deibel!
Seit wann hat sich die Polizeigewerkschaft zur Aufgabe gemacht, zugelassene Parteien zu kritisieren oder eventuelle Wahlergebnisse zu missachten?