Tausende Landwirte auf ihren Traktoren protestieren in Brüssel gegen geplantes Bauernsterben

Niederländer und Belgier protestieren lautstark gegen einen neuen Plan der Regionalregierung zur Begrenzung von Stickstoffemissionen. "Das Stickstoffabkommen in seiner jetzigen Form wird ein sozioökonomisches Blutbad anrichten", erklärten die Landwirtschaftsverbände in einer gemeinsamen Erklärung

IMAGO/Belga
Landwirte protestieren in Brüssel

Die Bilder in Brüssel wirkten wie in früheren Jahrzehnten, als Bauern aus ganz Europa mit ihren Traktoren das EU-Hauptquartier lahmlegten. Rund 2700 Traktoren waren es nach Angaben der Polizei, die aus ganz Flandern nach Brüssel gefahren sind und dort im Zentrum für erhebliche Verkehrsbehinderungen sorgten.

Der belgische Bauernbund hatte zu der Kundgebung aufgerufen. Denn auch in Belgien sollen Bauern mit einer Düngepolitik traktiert werden, die vorgeblich Grundwasser und die »Umwelt« schützen, aber mit zweifelhaften Zahlenwerken eigentlich die Landwirtschaft abwürgen wird.

Dahinter steht ähnlich wie auch in Deutschland die EU mit ihrer umstrittenen Strategie des »Green-Deal«. Die EU hatte die Region Flandern mehrfach angemahnt, angeblich zu hohe Nitratwerte zu verringern, für den die Landwirtschaft verantwortlich gemacht wird.

Der vorliegende Plan sei für die Landwirtschaft in Flandern inakzeptabel, so der flämische Bauernverband, er komme einem Todesstoß gleich. Er werde die Produktion aller landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen in Flandern drastisch reduzieren und sogar einige Kulturen ganz verbieten.

Es geht auch gegen die in Belgien begehrten Pommes frites, deren Hersteller mit holländischen Produzenten wetteifern, wer die besseren hervorbringt.
Christophe Vermeulen, Geschäftsführer des Verbandes der Kartoffelhändler und -verarbeiter Belgapom, warnte in der Sendung »De zevende dag«, dieser Plan werde 80 Prozent des Kartoffelanbaus in Flandern zerstören: »Das bedeutet, dass wir einer sehr erfolgreichen Industrie den Todesstoß versetzen, einschließlich der Pommes-frites-Tradition in Belgien.«

»Es reicht«, sagt der 23-jährige Landwirt Nicolas Dehaemers aus Gistel. »Unser Sektor lebt schon seit zwei Jahren in Ungewissheit. Deshalb gehen wir heute auf die Straße. Es geht nicht nur um Stickstoff, sondern um unsere allgemeine Zukunft. Viele Jungbauern zweifeln daran, einen Betrieb zu übernehmen.«

In Belgien sind es vor allem die flämischen Nationaldemokraten N-VA mit ihrer Umweltministerin Zuhal Demir, die über verschärfte Grenzwerte die Landwirtschaft drangsalieren. Die Stickstoff-Regierungspolitik der Nationaldemokraten und der Liberalen Open VLD unterstützen wollen auch die Sozialisten Vooruit, die eigentlich in der Opposition sitzen. (»Wir stimmen stets in Ehre und Gewissen ab. Und hier liegt unser Gewissen, was dies betrifft, bei den Plänen von Ministerin Demir.«)

Die Bauern werden von den flämischen Christdemokraten CD&V unterstützt, die übrigens mit in der Regierungskoalition sitzen. So löst die »Stickstoffpolitik« fast eine Regierungskrise aus.

Doch die Bauern haben genug »von der Klimatyrannei«, wie sie sagen, und blockieren mit ihren Traktoren die Straßen in Brüssel. Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein.



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Kommentare ( 36 )

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jopa
11 Monate her

Haben die wirklich demonstriert? Wenn man unseren Qualitätsmedien glaubt, was da nichts los, oder nur von lokaler Bedeutung…

Wolfgang Schuckmann
11 Monate her

Um es kurz zu machen. Wenn erst die Übernahme der Höfe und die Ausmerzung des bäuerlichen Berufsstandes geglückt ist, und das Land von Blackrock und Anderen übernommen werden konnte, wird sich sehr schnell herausstellen, wiederum durch “ Expertise“ gestützt, dass die alten Werte, die zu dem Exotus der bäuerlichen Landwirtschaft geführt haben, völlig “ aus der Luft gegriffen waren“ und nur der Vorbereitung des Besitzwechsels gedient haben. Wenn also schlechte Dollars gute Quadratmeter aufgekauft haben. Dann dürfen die mit den „Werten“ des Westens aus ihrem Besitz gedrängten Altbesitzer als Angestellte ihres ehemals eigenen Landes die unterbezahlte Arbeit auf ihren Höfen… Mehr

Waldorf
11 Monate her

Hoffentlich legen die Bauern die Amtsschimmel lahm, für lange Zeit. Die planwirtschaftliche „Öko-Landwirtschaft“, also der von oben verordnete Zwang zur sog „Öko-Landwirtschaft“ hat bereits Ihr hässliches Gesicht im“echten Leben“ gezeigt – in Sri Lanka ! Dort führte das staatliche verbot von Kunstdüngern und die Pflicht „natürlichen Dünger“ zu verwenden (organic farming act) zum Zusammenbruch der Tee und sonstigen Landwirtschaft, von dem das Land vorher prima leben konnte. Aus einem fernöstlichen Vorzeigeland wurde in sehr kurzer Zeit ein failed State in Aufruhr und Revolte, der Präsident mußte fliehen usw usw. Der EU-Kampf um Messwerte ohne Ahnung davon, was sie eigentlich bedeuten,… Mehr

Ferdinand53
11 Monate her
Antworten an  Waldorf

Hach, eine schöne Äußerung, so ähnlich geht mir das schon seit etlichen Jahren im Kopf herum, einschließlich völlig verkorkster Bildungspolitik, in der auch nur die Schreibtischtäter das Sagen haben, z.B. eine gewisse Frau Hamburg in Niedersachsen als Kultusministerin, als Grüne selbstverständlich ohne jeden greifbaren Bildungsabschluss.

bfwied
11 Monate her

Wohin man schaut, es sind Stümper, die nirgendwo sonst unterkommen können, am Werk, sie handeln weitgehend mit platten Begründungen, die nur Behauptungen sind, mit Zahlen, die so pauschal sind, dass sie nichts aussagen. Die Nitratverbindungen im Grundwasser sind teils tatsächlich hoch, liegen jedoch nur in 17 % der Messstellen lt. Nitratbericht der Bundesregierung von 2022 etwas über 50 Milligramm/l (sinkende Tendenz), dem Schwellenwert, der auf eine lebenslängliche Aufnahme eines solchen Wassers zugeschnitten und auf einen Säugling bezogen ist. Unter 50 mg gilt der Nitratverbindungsgehalt auch in Deutschl. auch für Säuglinge als unbedenklich, und zwar lebenslänglich. Der Nitraterniedrigung in landwirtschaftl. intensiv… Mehr

Timur Andre
11 Monate her
Antworten an  bfwied

weit gefehlt, hinter diesen Leuten steht der WEF mit seinen Milliardären, US Techfirmen und Weltanschauung

DieSonne
11 Monate her

Und keine Silbe darüber in den Massenmedien.

Ferdinand53
11 Monate her

Danke für den Artikel, unsere Qualitätsmedien schweigen sich mal wieder komplett aus, außer beim Handelsblatt und bei Bauer Willi und eben hier finde ich nichts dazu, das verhindern sicher mal wieder die grünen Stadtmenschen, die sich gern die Bullerbü- und Kinderbuch-Landwirtschaft von vor 100 Jahren vorstellen.

Biskaborn
11 Monate her

Was machen eigentlich die deutschen Bauern, die haben doch die gleichen Probleme? Vermutlich nichts, die wollen zu den Guten gehören und auch das Klima retten. Unterstützung erfahren sie allenfalls von einer Partei, alle anderen Parteien sind unterwürfig auf Klimakurs!

Wolfgang Schuckmann
11 Monate her
Antworten an  Biskaborn

Sehr viele, wenn nicht die Meisten gehören jetzt schon der Bank wenn sie ehrlich zu sich selbst sind. Deutsche Banken dürfen diese Immobilien zwar als Besicherung ihrer Kredite mit Grundschuld etc. belasten, jedoch ist es ihnen nicht erlaubt Grundstücke in Form von Grundbesitz mit Eintrag im Grundbuch als Eigentum zu kaufen. Diese gesetzliche Maßgabe begünstigt somit einen Verkauf der Titel an Investoren in Form von Hedgefonds etc. Über kurz oder lang werden diese Kapitalgiganten ihre Anleger damit befrieden, dass ihre Papieranlagen in handfeste Werte gewechselt wurden, und was kann handfester sein als Grundboden? Wenn dann ein Währungsschnitt vorgenommen wird, hat… Mehr

U.M.
11 Monate her

Monsanto (jetzt Bayer), Gates, werden die großen Profiteure sein und unsere Politiker spielen brav mit. Um die Bauern zu enteignen werden „Umweltprobleme“ herangezogen. Sobald die oben genannten die Hauptproduzenten sind, wird die Umwelt keine Rolle mehr spielen.

KorneliaJuliaKoehler
11 Monate her

Stirbt die heimische Landwirtschaft, begeben wir uns in die absolute Abhängigkeit staatlicher Willkür. Dubioses asiatisches Insektenpulver, dessen Herstellungsprozess, Inhaltsstoffe und Schadstoffe von niemandem kontrolliert wird, statt einem guten Stück Fleisch von deutschen Bauern, deren Arbeit bis ins absurdeste Detail vom Staat kontrolliert wird. So sieht unsere kulinarische Zukunft aus, wenn es Fanatikern gelingt, die heimischen Landwirte tatsächlich in die Knie zu zwingen oder zu enteignen. Den Obst-, Gemüse und Getreideanbauern wird auf die gleiche Weise das Leben schwer gemacht. Importe aus aller Welt, die weit unter unseren Umwelt-und Sozialstandards produziert werden, liegen hier in den Regalen, weil die Lebensmittelgiganten eben… Mehr

Deutsche
11 Monate her
Antworten an  KorneliaJuliaKoehler

Noch weiter gedacht. Dann muss Özdemir nicht mehr den Umweg über das „Werbeverbot“ gehen, wo man sich seinen Teil denken kann und weiter wie gehabt einkauft.
Dann wird von „Politik“ oder Konzernen vorgegeben was angebaut wird und zu welchen Preisen in den Regalen liegt. Phantasiepreise für „Überflüssiges“ und ein paar genehmigte bezahlbare Sachen.
Wir nähern uns wirklich einer Form von Herdenstatus für die Bevölkerung.. Zwangsimpfungen, was wird „gefüttert“, welcher Platz steht uns noch zu (ruinieren der Immobilienbesitzer), schamlose Ausbeutung der „Herde“.

JamesBond
11 Monate her

Auch meine Bienen haben von diesem Klimaschwachsinn die „Nase“ voll. Es ist mal wieder Winter im März.