Während Tausende Migranten in Zelten untergebracht werden, gelingen täglich Überfahrten aufs Festland. Die Lokalpresse spricht von einem „chaotischen Puzzle“, das Ceuta destabilisiert. Zugleich wächst die Kritik an Sánchez und seiner weichen Haltung gegenüber Marokko. Oppositionsführer Feijóo wirft Marokko vor, die Invasion geduldet oder gefördert zu haben.
„Ceuta, das chaotische Puzzle, in das die Siedlungen eingefügt werden müssen“, titelt dieser Tage die Lokalzeitung El Faro de Ceuta: „Während sich Tausende von Migranten weiterhin in Slums und in den Bergen aufhalten, werden provisorische Einrichtungen eingerichtet, die als Orte für die Abwicklung der Abschiebung angesehen werden. Es gibt einen Anziehungseffekt und einen Fluchteffekt.“
Das bedeutet: Für die illegal Gekommenen gibt es jeden Grund, Ceuta wieder zu verlassen, aus Angst vor der Ergreifung und Abschiebung durch die örtlichen Polizeikräfte. Denn die können nur in Ceuta halbwegs frei an dieser Stelle agieren. Haben die Migranten einmal die Straße von Gibraltar übersprungen, dann sind sie praktisch Teil des europäischen Asylsystems.
Die Madrider Regierung verwandle Ceuta in dieses „Puzzle“, so die Lokalzeitung, indem sie die in der Stadt befindlichen Migranten auf verschiedene Orte verteilt. Neben dem Strand Trampolín, wo mittlerweile Zelte die improvisierten Hütten ersetzt haben, kommen weitere Unterkünfte hinzu. Am Strand von Ceuta hat sich inzwischen ein Schwarzmarkt für Güter und Dienstleistungen fest etabliert. Für die Errichtung der Zelte wird der Sandstrand zerstört, Ceuta wird in „ein permanentes Flüchtlingslager“ umgebaut.
Faro de Ceuta: Überfahrten nach Europa finden laufend statt
So sollen auch jene Migranten, die bislang durch Stadtviertel und Berge streifen, an bestimmten Orten zusammengeführt werden. Klar ist: Viele werden den irregulären Aufenthalt im Verborgenen auch weiterhin bevorzugen und versuchen, irgendwie einen Weg ins europäische Spanien und damit in den Schengenraum der Reisefreiheit zu finden – obwohl genau das laut Innenminister Fernando Grande-Marlaska gar nicht möglich sein soll.
Der Faro de Ceuta ist sicher: „Die Mafias helfen dabei. So sehr, dass sie ein Vermögen verdienen. Sie und all jene, die dabei helfen, die Menschen zu verstecken, die diese illegale Grenzüberquerung wagen wollen.“ Das kann man erneut als Spitze gegen die Regierung verstehen. Denn jeden Tag stelle die Guardia Civil neue Versuche zur Überfahrt fest: in Freizeitbooten, Kajaks oder auf Jetskis, den Motorrädern zur See. So wird klar: Indem die Regierung die Invasoren unterbringt, statt sie abzuschieben, schafft sie Möglichkeiten für die illegale Überfahrt.
Pedro Sánchez hat durch sein fahrlässiges bis mutwilliges Nichthandeln einen neuen Zugang in den Blutkreislauf des europäischen Migrationssystems gelegt. Ceuta ist nach derzeitigem Stand destabilisiert und fordert dringend Abhilfe, weil ein normales Leben dort nicht mehr möglich ist. Darin unterscheidet es sich nicht von den griechischen Inseln der Ägäis oder Lampedusa, als diese unter massiven Ankünften litten. Und mit eben dieser Verunmöglichung des Lebens in einer Exklave wird am Ende die Einschiffung von Tausenden illegalen Eindringlingen auf das europäische Festland begründet werden. Ebendas geschieht freilich schon.
Auch die Ceutaner verlassen ihre Stadt – Feijóo warnt vor Gesundheitsgefahr
Zugleich verlassen auch viele Ceutaner die Stadt, um dem alltäglichen Notstand zu entfliehen. Ist es der Beginn vom Ende der spanischen Präsenz in der Stadt? Und der Präsident der andalusischen Regionalregierung, Juanma Moreno (PP in einer Koalition mit Vox), mahnt das Vorgehen gegen die Drogenkriminalität an. Eine Schießerei in Huelva mit drei Toten und ein Angriff auf die Guardia Civil von einem Drogenschmugglerboot aus erregen die Gemüter. Handlungsort ist just die andalusische Küste gegenüber von Marokko.
Dass Sánchez versagt hat, spricht sich derweil sogar in sozialistischen Kreisen herum. Der Fall Sánchez ähnelt damit immer mehr dem von Keir Starmer und könnte am Ende ebenso zum Sturz des Premiers führen. „Sozialistische Verbände, ehemalige Spitzenpolitiker, derzeitige Führungskräfte“ – sogar im Regierungssitz Moncloa – würden „das verheerende Potenzial“ der Krise erkennen, die die Regierung noch immer nicht unter Kontrolle hat, schreibt das Mitte-rechts-Blatt El Mundo. Im Kreuzfeuer der Kritik stehen die Strategielosigkeit und Lähmung der Regierung. Kritisiert wird auch, dass Sánchez keinen Konsens mit Oppositionsführer Feijóo gesucht hat. Auch die Nachsicht gegenüber Marokko trifft auf Unverständnis. Das „Ende des Zyklus“ sei denkbar.
Für den PP-Vorsitzenden Feijóo steht fest: Mohammed VI. hat „die Invasion geduldet oder gefördert“. Daneben greift Feijóo den spanischen Premier an: Er müsse wegen der wachsenden „Gesundheitsgefahr“ einen Lockdown über Ceuta verhängen. Spanien befinde sich durch die Invasion von Ceuta in der „heikelsten Lage“ seiner Geschichte. Feijóo fordert auch eine Einschränkung der Kompetenzen des Verfassungsgerichts, das durch seinen Richterspruch zu den „schwimmenden Ankünften“ die Landnahme gewissermaßen ausgelöst hatte. Zu einer möglichen nationalen Koalition mit der rechten Vox-Partei äußerte sich Feijóo abwartend. In den Regionen Extremadura, Aragón, Kastilien und León und Andalusien gibt es bereits Koalitionen dieser Art.
ABC: Marokko schürt die Gewalt
Auch die konservative Tageszeitung ABC kritisiert, dass Sánchez die Regierung in Rabat so ungeschoren davonkommen lässt. In Marokko seien Botschaften entdeckt worden, die „darauf abzielen, die Gewalt zu schüren“. Lange bekannt ist, dass marokkanische Grenzbeamte die Migranten ins Grenzgebiet ließen, sie geradezu dazu ermutigt haben sollen, ins spanische Territorium zu schwimmen.
Jeden Tag wächst in der Tat die Gewalt, die von den Invasoren in Ceuta ausgeht. Ein mit einem Messer bewaffneter Migrant versuchte laut dem Faro, einen anderen zu erwürgen und auszurauben; dabei wurden zwei Ceutaner, die einzuschreiten versuchten, verletzt. In der Nacht auf den Sonntag wurden laut ABC drei Marokkaner festgenommen, weil sie einen Zivilgardisten ausgeraubt hatten. Eine junge Frau wurde überfallen und dabei mit einem Messer am Hals bedroht. Täglich sind die Nachrichten von sexuellen Übergriffen geworden, deren Opfer derzeit noch weibliche Eindringlinge sind.
Zugleich hat das Innenministerium von Fernando Grande-Marlaska (sic!) insgesamt 2.500 „unbegleitete Minderjährige“ in Ceuta identifiziert. Gleichzeitig versuche die Regierung, die spanischen Gesetze zu umgehen, um Minderjährige möglichst schnell auf den europäischen Kontinent zu bringen. Das gelte vor allem für 500 unbegleitete Mädchen, die sich angeblich unter den Jugendlichen befinden.
Rabat spielt das Spiel der Schuldzuweisung perfekt – „Ceuta verteidigt sich“
ABC schreibt von Marokko als einem System, in dem alle Fäden zum Palast laufen. Nun habe der marokkanische Justizminister die Unterzeichnung eines Abkommens von Madrid gefordert, in dem nicht nur den bei der Invasion von Ceuta Verstorbenen Gerechtigkeit zuteil werde, sondern auch „den Überlebenden“. Die Rabater Regierung beherrscht das Spiel mit moralischer Betroffenheit gut. Mit den Toten der Invasion, die Marokko letztlich selbst billigend zuließ, vielleicht beförderte, sollen Zugeständnisse begründet werden. Der Minister will „einen ganzheitlichen Ansatz zur Bewältigung der Migration zwischen den beiden Ländern“.
In der Stadt finden zunehmend Demonstrationen unter dem Motto „Ceuta no se vende, Ceuta se defiende“ statt, zu Deutsch: „Ceuta steht nicht zum Verkauf. Ceuta wird verteidigt.“ So geschah es auch bei einem Spiel des Fußballclubs AD Ceuta. Für Mannschaft und Fans stand beim ersten Heimspiel der Saison fest: Ceuta gehört zu Spanien. „Im Murube-Stadion erklang die spanische Nationalhymne, und die Tribünen waren in die Farben der rot-gelben Flagge getaucht.“
— Ramón Rouco ®️ (@Ramon_Rouco_) August 22, 2026


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