Noch steht kein Kanzlerwechsel an, aber da ja schon so viel darüber geredet wird, hier einmal ein Denkanstoß der anderen Art. Es war ja gerade erst Pfingsten.
picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Martin Meissner
Das war schon in Bonn so, ist in Berlin und jeder anderen Hauptstadt nicht anders. Nichts lieben Oberjournalisten, Oberpolitiker und deren Büchsenspanner mehr als Tage wie solcher der „wüsten Spekulationen“ (O-Ton Merz) über Wüst und Merz. Da muss man von nichts etwas verstehen, Journalisten müssen nichts recherchieren, jeder kann seinen Senf los werden.
Der Tagesspiegel machte sich mehr Mühe als üblich und holte Verfassungsrechtler Stefan Pieper, der bis 2025 Justiziar des Bundespräsidenten war, zur Feststellung beim Kanzlerwechsel: „Politisch mag er kompliziert sein, verfassungsrechtlich ist ein Kanzlerwechsel einfach.“ Das ist so. Bei der Merz’schen Wahl schrieb ich:
»Nun ist er Bundeskanzler und insofern am Ziel seiner Wünsche. Das Debakel Merz tritt damit in die nächste Phase. Die des Scheiterns am Funktionärsstaat, der mit parlamentarischer Demokratie, freien Abgeordneten, Herrschaft des Rechts und Bürgerfreiheit nicht vereinbar ist. Formal hat CDU-Merz nur einen Koalitionspartner. Aber mit der SPD sind die Grünen als Richtungsgeber und die Linke als Notnagel bei Zweidrittelmehrheiten mit in der Allparteien-Regierung des Demokratenkartells …
CDU-Bundeskanzler Merz kommentierte den Anfang der schwarz-roten-Koalition so: „Mir ist das viel lieber als der Start der letzten Regierung auf einem sehr hohen Zustimmungsniveau. Da wurde die Stimmung immer schlechter. Ich glaube, dass wir jetzt eine realistische Einschätzung sehen bei den Wählerinnen und Wählern. Die sind skeptisch, ob denen das gelingt. Ich sage den Kollegen, die heute mit mir zusammen in diese Bundesregierung eingetreten sind, die heute vereidigt worden sind: Wir müssen jetzt liefern.“
Wer es denn nur täte! Im Versagen des Funktionärsfunktionierens sieht man den Haarriss im Gebälk des Parteienstaats. Er ist nicht reparierbar, sondern breitet sich schon lange lautlos aus. Bei der geheimen Kanzlerwahl wurde er öffentlich sichtbar. Seine Ursache sieht am Beispiel der UK-Wahlen: In vielen Ländern Amerikas und Europas wählen die Bürger Veränderung, bekommen sie aber nicht. Irgendwann sind die Funktionäre dann doch am Ende des Funktionierens angekommen.
Das Grundgesetz enthält – vielleicht unabsichtlich– in den Verfahrenregeln die Möglichkeit, den Parteienstaat in Gestalt der Bundestagsfraktionen auszuhebeln. Der Bundespräsident hat das Vorschlagsrecht in der ersten Wahlphase. In dieser muss der Vorgeschlagene die absolute Mehrheit (Kanzlermehrheit) erhalten. Erreicht er die nicht, hat der Bundestag 14 Tage Zeit, selbst einen Kanzler mit absoluter Mehrheit zu wählen (Art. 63 Abs. 3 GG) – hier können auch Abgeordnete, nicht nur Fraktionen eigene Kandidaten vorschlagen. Und im dritten Wahlgang reicht die relative Mehrheit (einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen).
Einen Kanzler zu wählen, der nicht einmal dem Bundestag angehören muss, setzt voraus, dass sich genug Abgeordnete quer durch den Bundestag finden, die einmal in ihrem Politikerleben wirklich etwas bewegen. Ich weiß, das ist nahzu utopisch. Aber ich weiß auch: Sage nie nie und nie immer. Käme es auf diesem Weg zu einem Kanzler, der kein Abgeordneter und Berufspolitiker ist, sondern ein erfolgreicher Eigentümer-Unternehmer, sollte der nur Minister berufen, die keine Abgeordneten und Berufspolitiker sind.
Montesquieu schrieb 1748 im „De l’Esprit Des Loix“ (Vom Geist des Gesetzes): „Es gibt keinerlei Freiheit, wenn die richterliche Gewalt nicht von der Legislative und Exekutive getrennt ist. Ist sie mit der Legislative verbunden, so wäre die Macht über Leben und Freiheit der Bürger willkürlich, weil der Richter Gesetzgeber wäre. Wäre sie mit der Exekutive verknüpft, so würde der Richter die Macht eines Unterdrückers haben.“


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Herr Goergen, Ihren Enthusiasmus in Ehren.
Aber wäre es nicht vernünftiger über etwas zu schreiben, was wahrscheinlicher wäre.
Z. Bsp. die Existenz von heimischen Einhörnern, oder akzentfrei bayrisch sprechenden Krokodile, Stepptanz tanzende Eisbären, einen Mann, der eine Frau versteht.
Sowas halb.
Wobei !
Mit einer Kanzlerin Weidel, käme tatsächlich jemand in dieses Amt, der vorher einen richtigen Beruf ausgeübt hat, quasi ein Quereinsteiger.
Die headline beschreibt einen möglichen Problemlösungsansatz zutreffend. Wird aber nicht geschehen da die gut alimentierten Plätze an den Futtertrögen mit Vehemenz verteidigt werden. Die Privatwirtschaft leistet dies in dieser Fülle nur in Ausnahmen.
Harry Potter würde sagen : „Träumˋ weiter !“ 😉
Tja, Merkel steht bereit! Sie könnte sofort mit einem konstruktiven Misstrauensvotum vom Bundestag gewählt werden. Und sie würde sich dem auch nicht widersetzen, könnte sie doch ihr Lebenswerk zu Ende bringen, wenn es Merz schon nicht schafft.
Merz hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert: als Totengräber der Republik sowie der ehemals größten Volkspartei. Was für eine tragische Gestalt. Und was für rückgratlose Mitläufer um ihn herum, die all das möglich gemacht haben.
Dann würde es Habeck werden. Der kommt zwar nicht aus dem realen Leben, da er geistig irgendwo zwischen Märchenland und Bullerbü wohnt, wäre aber wohl einer der wenigen, auf den sich das grüne Altparteienkartell einigen könnte. Denn er würde sicherstellen, dass die bisherige Politik der Überfremdung und des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Niedergangs unter anderen Vorzeichen nahtlos weiter fortgeführt werden könnte. Ein weiterer wäre vielleicht noch Udo Lindenberg. Ebenfalls so ein linker Traumtänzer, der in oben genannten Kreisen durchaus Zustimmung finden könnte, da er ins gleiche Horn des Niedergangs bläst. Ich würde ja zu Heino oder Dieter Bohlen tendieren. Vielleicht… Mehr
Suchen Sie, werter Herr Goergen, nach einem de Gaulle, der die Verfassung umkrempelt und funktionsfähig macht?
Auf dem obigen Foto stehen Transfergeldempfänger aus dem Parteienapparat, für die der Steuerzahler jährlich wahrscheinlich so um die ca. 2 Millionen abdrücken muss.
Es ist unser Geld, dass sie sich so großzügig gönnen und an ihre Genossen verteilen.
Um mehr geht es doch gar nicht.
GENAU: EINER WIE TRUMP, einer von der Baustelle (Trump ist ursprünglich Bauunternehmer und hatte da natürlich immer viel Kontakt zu Bauarbeitern, daher wohl auch seine Sympathie für die Arbeiterschaft), hemdsärmelig, NICHT etepetete, NICHT überrheblich versnobt, STREET WISE (wunderschöner Ausdruck), einer der weiß was läuft, kein erblödet-weltfremder Gutmenschtrottel, einer der Strippen in die richtige Richtung zieht. OHNE Respekt (für wen oder was auch immer), kein abgehobener Schickimicki, einer der auch mal drauf haut, einer der immer Kontakt zum Normalbürger hatte und ihn nie verloren hat. Einer der auch mal ICH sagen kann (Goethe: „Nur Lumpen sind bescheiden, Brave freuen sich der… Mehr