Friedrich Merz wollte Stärke zeigen und lieferte einen Zornesausbruch. Nun hofft die Union auf Ruhe, bevor aus der Debatte über Hendrik Wüst mehr wird als ein Gerücht. Aber mit kraftmeierischen Dementis läßt sich die durch Berlin kriechende Debatte nicht stoppen. Wut und Nervosität des Kanzlers werden aufmerksam registriert und konterkarieren die verordnete Beruhigung.
picture alliance / Maximilian Koch | Maximilian Koch
Nach dem Zornesausbruch des Kanzlers wächst in Partei und Fraktion der Wunsch, die Debatte möglichst schnell wieder einzufangen. Friedrich Merz hatte sich über Spekulationen über eine angebliche Kanzlerdämmerung und einen möglichen Wechsel zu Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst Luft verschafft. Einen Tag später dominiert in der Union vor allem ein Ziel: Schluss damit, bevor aus der Personaldebatte ein Dauerzustand wird.
In der CDU und in der Unionsfraktion heißt es nun, der Blick müsse strikt auf die anstehenden Reformen gerichtet werden. „In der Koalition denkt niemand über Personalfragen nach“, sagte ein Mitglied der Fraktionsführung zu Table.Briefings. „Wir wissen, dass wir in vier Wochen liefern müssen.“ Es ist ein Satz, der beruhigen soll, aber gerade deshalb verrät, wie nervös die Lage ist. Wer so entschieden bestreitet, dass über Personal gesprochen wird, weiß meist sehr genau, dass genau darüber gesprochen wird.
Der Verfassungsrechtler Stefan Pieper hat sich nun eingeschaltet. Demnach seien die Hürden des Grundgesetzes für einen Wechsel im Amt des Bundeskanzlers recht niedrig. „Politisch mag er kompliziert sein, verfassungsrechtlich ist ein Kanzlerwechsel einfach“, sagte Pieper dem Tagesspiegel. Wenn ein Bundeskanzler nicht mehr wolle, etwa weil er keine eigene politische Durchsetzungsfähigkeit mehr sehe, lasse sich ein Wechsel in diesem Amt herbeiführen.
Öffentlich will derzeit kaum jemand darüber reden. Nicht aus Loyalität, sondern aus Furcht, die Debatte weiter zu verlängern. Intern aber wird heftig diskutiert. Viele in der Union halten den Vorgang für selbstzerstörerisch. Auch Kanzleramtschef Thorsten Frei wollte in der Sendung bei Maybrit Illner: nicht darüber reden, obwohl erst die derbe Reaktion von Merz aus dem Kanzleramt die Diskussion zum Kochen brachte. Außer hilflosen Durchhalteparolen und dem Versuch der Ablenkung vom Misserfolg hatte er jedoch wenig zu sagen.
Die CDU ist wieder einmal mit sich selbst beschäftigt, während sie nach außen den Eindruck erwecken will, als sei sie ganz bei Reformen, Regierungshandwerk und Verantwortung. Diese Doppelbotschaft ist das eigentliche Problem: Die Partei ruft nach Disziplin, weil sie ihre Disziplin verloren hat.
Auch Hendrik Wüst versucht erkennbar, die Debatte nicht weiter zu befeuern. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident erklärte inzwischen, der Kanzler habe „jede Menge Herausforderungen zu leisten“, global, in Europa und in Deutschland. „Und dabei hat er meine volle Unterstützung.“ Das klingt loyal. Es klingt aber auch wie die Formel, mit der man sich nicht selbst aus dem Spiel nimmt, sondern nur den Ball vorerst ruhen lässt.
Merz’ Zornesausbruch wirkt dennoch nach. Manche in der Union erinnern daran, dass Helmut Schmidt in solchen Fällen einem eigenen Grundsatz gefolgt sei: „nicht mal ignorieren“. Merz wählte den anderen Weg. Über sein Umfeld ließ der Kanzler am Mittwoch scharfe Kritik an der Debatte und ihren möglichen Verursachern verbreiten. Wer diese Debatte befeuere, bediene nur die Interessen der AfD und schwäche die Autorität der politischen Mitte, zitierte Table.Briefings Vertreter aus seinem Umfeld. Gemeint war damit offenkundig auch: Wer Merz schwächt, schwächt die Mitte.
Die CDU fürchtet sich vor sich selbst
Das ist ein bezeichnender Reflex. Statt nüchtern zu registrieren, dass Zweifel an seiner Führung aus der eigenen Partei kommen, wird die Debatte moralisch aufgeladen. Kritik an Merz erscheint dann nicht mehr als innerparteiliche Machtfrage, sondern als Dienstleistung für die AfD. Das mag kurzfristig disziplinieren. Es löst aber nicht das Problem, das diese Debatte überhaupt entstehen lässt: Merz steht an der Spitze einer Partei, die ihm folgt, aber ihm offenbar nicht vollständig vertraut.
Ehemalige Merkel-Anhänger erinnern nun daran, dass solche Konflikte in der Union nicht neu sind. Auch Angela Merkel habe in ihren ersten Jahren ähnliche Phasen erlebt. Damals gab es Berichte über einen möglichen Ersatzkanzler Roland Koch und mehrere Ministerpräsidenten, die sich ihr in den Weg stellten, irgendwann auch Jürgen Rüttgers aus Nordrhein-Westfalen. Der entscheidende Unterschied, heißt es nun aus diesem Lager: Merkel habe ihren Gegnern nie die Schwäche eines Zornesausbruchs geschenkt. „Sie saß das aus, so schwer es ihr auch manchmal fiel.“
Genau darin liegt für Merz die bittere Pointe: er wollte immer der Gegenentwurf zu Merkel sein – klarer, härter, konservativer, entschlossener. Nun aber muss er sich ausgerechnet an Merkels kalter Machttechnik messen lassen. Merkel beherrschte das Schweigen als Waffe. Merz dagegen hat der Debatte durch seinen Ärger erst das Signal gegeben, dass sie ihn trifft.
Die Union will jetzt Ruhe, Reformen und Geschlossenheit vorgaukeln. Doch hinter all den Beschwörungsformeln steht eine unbequeme Wirklichkeit: Die CDU hat ein ganz massives, ausgewachsenes Führungsproblem. Merz kann die Debatte über Wüst für überzogen halten. Dass sie überhaupt geführt wird, sagt über seine Lage mehr als jeder Zornesausbruch.



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Der Kinderglaube der CDU lautet immer noch: Man müsse die Politik nur besser erklären. Folgerichtig möchte sie den Erklärbären austauschen.
Das zeigt einmal mehr: Die CDU hat nichts verstanden und den Kontakt zu „den Menschen draußen im Lande“ verloren.
Neueste INSA-Umfrage unter Unionswählern: ca. 48% wünschen sich mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen lieber eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei als mit der AfD, der Rest etwa hälftig indifferent bzw. pro AfD. Der Mainstream macht daraus: Unionswähler wollen mehrheitlich mit den Linken. Wieder ein Berechtigungsnachweis für den Begriff des „Altparteienkartells“. Übrigens dürfte sich das mit den „Präferenzen“ schlagartig ändern, wenn die AfD-Spitzen einstimmen würden in das Kriegsgeheul gegen Russland!!
Man sollte die Aussage des Kanzlers ernst nehmen, dass er keine Vollmacht habe, die CDU zu zerstören. Er weiss, dass jeder Schritt aus dem linken Lager seine Kanzlerschaft beenden und die CDU spalten (2Drittel Merkeltreue, der Rest?) würde.
Überflüssiges Geplänkel. Merz „isch over“. So hätte es Schäuble formuliert.
Ein Wutausbruch…..witzig…eine Inszenierung jagt die nächste. Der Mann hat keine Authentizität, keine Würde, keinen Charakter….der Lack 😉 ist so was von ab…dafür verwöhnt er uns täglich mit jeder Menge infantiler Ambitionen und baswürdigen Beleidigungen. Wir sind bas-bräunlich und gemerzt faul…
Wüst ist sein gut frisiertes, jüngeres Double…die Partei gibt sich, wie einst Kastner-Mutti, – a l t e r n a t i v l o s…
Mein Tipp : Partei auflösen und in die SPD einfließen. Die können ein paar verblichene Prozente gut gebrauchen….
Zu dumm, daß zur Zeit keine regulären Bundestagswahlen anstehen.
Dann könnte die derzeitige Lähmung beendet werden.
Wie? Ich sehe da praktisch keine Möglichkeit. Als AfD – Wähler wäre es in meinen Augen sogar eine Katastrophe. Nach wie vor ist die AfD im Bundesrat nicht vorhanden. Die Länderkammer würde uns am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Und das zweite Problem, das ich sehe ist der politische Gestaltungsspielraum. Wo kein Geld mehr vorhanden ist, da gibt es auch keinen Gestaltungsspielraum.
Was sagt das Grundgesetz? Konstruktives Misstrauensvotum und tschüss. Wenn die SPD nicht mitmacht, dann eben die Grünen.
Es gibt doch das ungeschriebene Gesetz in der Union, dass wenn sich jemand früh in Stellung bringt um Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur, oder auch mit starker medialer Unterstützung, ohne sein Wollen dazu konkret geäußert zu haben, in Stellung gebracht wird, dann wird es gerade diese Person nicht. Für mein Dafürhalten ist der grüne Merkelianer Wüst bereits jetzt schon erledigt. Seine Verbündete, die ihn in diesem Amt schon seit gestern sehen, haben ihm nun einen wahren Bärendienst erwiesen. Und das ist auch gut so. Robin Alexander hatte bei Maybrit Illner gestern schon sehr recht.
Merz hat die einmalige Cnance vertan, Charakter und Realismus zu zeigen:
Nach dem mißglückten ersten Wahlgang auf eine weitere Kandidatur zu verzichten.
Was denkt eigentlich das Panikorchester CDU/CSU? Dass man so mal einfach den Kanzler austauscht mit einem Merkelbückling und dann wird alles gut? Das zeigt wie geistig plump diese Partei eigentlich ist. Merkel hat mit der Flüchtlingskrise die Axt an die CDU/CSU gelegt, Merz hat mit der großen Lüge nach der Wahl den „Point of no return“ für CDU/CSU erreicht. In wenigen Jahren wird das gesamte Mitte-Rechts-Spektrum von der AfD abgedeckt werden. Das ist nicht mehr aufzuhalten. Bundestagswahl 2029 AfD 40+x. Die CDU geht unweigerlich den Weg der Democrazia Cristiana. Sie wird irgendwas kleines olivgrünes werden, das von den linientreuen Sozialisten… Mehr
Kein Grund für eine beleidigte Attitüde in der CDU weil die Bevölkerung drängt. Schließlich war es Merz, der während der Ampelkoalition mit einem metaphorischen Geschenkekorb warb, und so eine starke Erwartungshaltung aufbaute. Nun erwartet die Wählerschaft dass er seinen Versprechen Taten folgen lässt, bzw. beklagt, dass die metaphorische „Bescherung“ abgeblasen wurde, und der neue Kanzler es sich offenbar lieber im Nest rot-grüner Politik gemütlich macht. Wie gesagt, die Merz-Versprechen köderten das liberal-konservative Leistungs- und Unternehmer-Milieu. Die anstehende Lösung wäre, dass Merz hier liefert, was er angekündigt hatte. Das bedeutet nicht „sich Geld zu besorgen“ vom ortsgebundenen Mittelstand, indem man ihnen… Mehr