Windräder als Heidelberger Stadtsilhouette

Sollte der Windpark mit bis zu 263 Meter hohen Anlagen den Wald und die berühmte Heidelberger Stadtsilhouette dauerhaft verändern, muss die Stadt mit Windanlagen dargestellt werden, weil dies sonst gemäß einer neuen EU-Richtlinie eine „Irreführung" potentieller Touristen darstellen würde.

picture alliance / Markus Mainka | Markus Mainka

In Heidelberg ist der Weg für Windräder auf dem Lammerskopf frei: Bei den Bürgerentscheiden in Heidelberg und Neckargemünd haben sich klare Mehrheiten für die Fortsetzung der Planungen ausgesprochen. In Heidelberg stimmten am Sonntag 66,7 Prozent mit „Ja“ für Windräder auf der Höhenzügen rund um Heidelberg. Die Beteiligung lag bei 40,1 Prozent.

Im benachbarten Neckargemünd votierten 57,2 Prozent mit „Ja“ und befürworteten eine Beteiligung an den Heidelberger Windrädern auf einem Grundstück der Stadt. Nur in zwei Bezirken in Kleingemünd lagen die Gegner knapp vorn. Dort stehen die Windräder der Stadt am nächsten.

Entschieden ist über den Bau damit aber noch nicht: Heidelberg muss zunächst die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen. Nach bisherigem Stand geht es um bis zu sieben Anlagen auf Heidelberger und eine weitere auf Neckargemünder Gemarkung. Das Gebiet gilt als Lebensraum für geschützte Vogel- und Feldermausarten. Erwartet werden Klagen betroffener Anwohner, auch wegen der gesundheitlichen Auswirkungen der Windräder, die in jüngster Zeit auch von Gerichten immer mehr berücksichtigt werden. In den betroffenen Stadtteilen wurde deutlich mit „Nein“ gestimmt.

Heidelbergs „Klimabürgermeister“ Raoul Schmidt-Lamontain sprach von einem „eindeutigen Ergebnis“. Einen solchen Bürgermeister leistet sich die klamme Stadt tatsächlich. Immerhin soll die gesamte Stadt spätestens 2040 „klimaneutral“ sein. Das betrifft private Haushalte, Verkehr, Unternehmen, Universität, Klinikum und Energieversorgung. 2022 zog der grüne Gemeinderat dieses Ziel sogar von 2050 auf 2040 vor. Die Stadtverwaltung und ihre kommunalen Gebäude sollen bereits bis 2030 „weitestgehend klimaneutral“ werden.

Nun beginnen die weiteren Planungen und Vertragsverhandlungen. Heidelbergs parteiloser Oberbürgermeister Eckart Würzner will auch die weltberühmte Heidelberger Silhouette aus Neckartal, Altstadt und Schloss dem Windkraftausbau unterwerfen.

Der Bau der Anlagen wäre mit massiven Eingriffen in die Umgebung verbunden: Es müssten breite Zufahrtswege für den Schwerlastwagenverkehr und Stromleitungen geschlagen werden. Bestehende noch idyllische Waldwege müssten für den Transport der tonnenschweren Bauteile (Turmsegmente, Transformatoren, Rotorblätter mit über 75 Metern Länge) verbreitert, Kurvenradien vergrößert und für Schwerlasttransporter (Achslasten bis zu 12 Tonnen) tragfähig ausgebaut werden.

Die Errichtung der Stahlbetonfundamente (etwa 20 bis 25 Meter Durchmesser, mehrere Meter tief) führt zu einer dauerhaften Versiegelung des Waldbodens an den Standorten. Die Verdichtung des Bodens durch schwere Baumaschinen verändert die lokale Sickerfähigkeit und den Wasserhaushalt im unmittelbaren Umfeld.

Damit würden weitere bisher unverbaute Waldflächen in Baden-Württemberg verschwinden. Verschwinden würde auch das Zertifikat „Kulturwald“, das Heidelberg als erste Stadt in Deutschland für das gesamte Waldgebiet erhalten hat. Die geplanten Windräder liegen vollständig in diesen gesondert geschützten Bereichen.
Was Befürworter als Beitrag zum sogenannten Klimaschutz feiern, könnte den bislang weitgehend unversehrten Landschaftsraum am Lammerskopf und eine der bekanntesten Stadtansichten Deutschlands dauerhaft verändern. Aus der weltberühmten romantischen Heidelberg-Kulisse soll künftig eine Industrielandschaft mit Windrädern werden.

Dabei hatte der regionale Planungsverband Region Rhein-Neckar (VRRN) das Gebiet nach langen Untersuchungen als ungeeignet verworfen und nicht als Vorranggebiet in seinen Regionalplan aufgenommen.

Doch Heidelbergs OB Würzner hat schon viel Geld in dubiose Gutachten und jetzt den Bürgerentscheid investiert und konnte keinen gesichtswahrenden Rückzieher mehr machen.

Der Bau würde eine weitere kuriose Konsequenz nach sich ziehen: Eine neue EU-Richtlinie würde Heidelberg dazu verpflichten, die Stadtsilhouette in Zukunft mit den Windrädern darzustellen, um eine „Irreführung“ potentieller Touristen auszuschließen.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 1 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

1 Kommentar
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
wkessler
40 Minuten her

Mir fehlt jegliches Verständnis für die Bekloppten, die für die Verschandelung ihres bisher so schönen Lebensumfelds stimmen.