Zwei US-Propellermaschinen des Typs Pilatus PC-12 im österreichischen Luftraum. Eine Überfluggenehmigung lag vor – für eine planmäßige Verlegung von Großbritannien nach Rumänien. Ein zweites, baugleiches Flugzeug hatte jedoch keine gültige Genehmigung.
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Zweimal innerhalb von 48 Stunden stiegen österreichische Eurofighter in Alarmstarts auf, um Flugzeuge der US Air Force im eigenen Luftraum abzuweisen. Die Einsätze über dem Toten Gebirge folgten Österreichs Neutralität – die Spannungen zwischen Wien und Washington nach den verweigerten Überflügen an den Golf setzten sich in der Luft fort.
Die österreichischen Luftstreitkräfte (15 Eurofighter Typhoon und 12 Pilatus PC-7 Turbo Trainer) im Einsatz gegen die größte Luftwaffe der Welt (2900 Kampfjets, darunter 185 F-22 Raptor, 650 F-35 Lightning, 1238 F-16 und 650 F/A-18 Hornets): Laut Brigadier Michael Bauer, dem Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, näherten sich am Sonntag, dem 10. Mai, gegen 14.10 Uhr zwei Propellermaschinen des Typs Pilatus PC-12 dem österreichischen Luftraum. Für eines der Flugzeuge lag eine Überfluggenehmigung vor – es handelte sich um eine planmäßige Verlegung von Großbritannien nach Rumänien. Ein zweites, baugleiches Flugzeug hatte jedoch keine gültige Genehmigung. Um 14.21 Uhr löste die Flugsicherung Austro Control einen Alarmstart der Eurofighter-Alarmrotte aus. Die Kampfjets stiegen auf, identifizierten die Maschinen und forderten sie zum Abdrehen auf. Die US-Flugzeuge drehten ab und kehrten nach München zurück.
Am darauffolgenden Montag, dem 11. Mai, um 12.31 Uhr wiederholte sich das Szenario: Erneut waren zwei PC-12 der US Air Force bereits über dem Toten Gebirge. Diesmal lag eine Genehmigung vor, doch die Eurofighter starteten zur „Priorität A“-Identifizierung, um zu prüfen, ob die angemeldeten Maschinen tatsächlich mit den geflogenen übereinstimmten. Das Ergebnis dieser Überprüfung stand zunächst aus, wie das Ministerium mitteilte. Die Maschinen wurden visuell identifiziert und begleitet.
Bei den Flugzeugen handelt es sich um den Typ Pilatus PC-12, das ist eine robuste Schweizer Turboprop-Maschine. Die US Air Force betreibt sie vor allem in der militärischen Variante U-28A Draco als Aufklärungs- und Überwachungsflugzeuge für Spezialeinsatzkräfte. Sie sind mit moderner Sensorik für Signals Intelligence (SIGINT) und ISR-Aufgaben (Intelligence, Surveillance, Reconnaissance) ausgerüstet und können leise und unauffällig in niedrigen Höhen operieren, also ideal für Einsätze in schwierigem Gelände wie den Alpen. Die Überfluganträge waren jedoch für eine „normale“ Passagierkonfiguration gestellt worden.
US-Botschaft: „Bürokratischer Fehler“
Die US-Botschaft in Wien bestätigte die Vorfälle und sprach von einem „bürokratischen Fehler“ beim Genehmigungsantrag. Die Flugzeuge seien auf dem Weg zu planmäßigen Militärübungen mit Partnern in Rumänien gewesen und hätten nichts mit dem Iran-Krieg zu tun. Dennoch unterstreicht der Vorfall die sensible Lage: Österreich hat den USA bereits im April die Nutzung des Luftraums für Einsätze im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt verweigert und beruft sich dabei auf das Neutralitätsgesetz. Jeder einzelne militärische Überflug bedarf einer Genehmigung durch Verteidigungs- und Außenministerium.
Der Vorfall löste in Österreich jedenfalls eine breite Diskussion aus – so hatte Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) bereits vor Tagen betont: „Nein zum Iran-Krieg“, er betonte eine klare Abgrenzung von der US-Politik unter Präsident Trump.
Aus militärischer Sicht zeigt der Einsatz die hohe Einsatzbereitschaft der österreichischen Luftstreitkräfte: Die Eurofighter, stationiert unter anderem in Zeltweg, sind das Rückgrat der Luftraumsicherung. Alarmstarts gibt es, sobald ein Flugobjekt nicht eindeutig identifiziert ist oder Funkkontakt fehlt. Das Tote Gebirge, mit begrenzter Radarerfassung aufgrund seiner Steilhänge und der tiefen Täler, erschwert die Überwachung zusätzlich und begünstigt mögliche „Terrain-Masking“-Flüge.
Zu den zwei Einsätzen bleibt die Frage: War es tatsächlich nur ein bürokratischer Fehler, oder testeten die US-Maschinen die Reaktionszeit der österreichischen Luftwaffe? Diplomatische Gespräche zwischen Wien und Washington sind nun angekündigt. Für Österreich geht es um die Glaubwürdigkeit seiner Neutralität trotz aller aktuellen Konflikte.

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