Während im Inland Brücken und Straßen bröckeln, Schulen verfallen und die Kassen leer sind, avanciert Deutschland zum Entwicklungshilfe-Weltmeister. Volker Seitz zerlegt ein System, in dem Milliarden versickern, Kontrolle fehlt und deutsche Steuerzahler weiter für politische Illusionen zahlen.
picture alliance / BMZ/photothek.de | Felix Zahn
Die Entwicklungshilfeausgaben von 30 Milliarden Euro im Jahr 2024 sanken auf ca. 26 Milliarden Euro im Jahr 2025. Trotzdem ist das kleine Deutschland nach einer Berechnung der OECD, die am 9. April 2026 veröffentlicht wurde, erstmals größter Geber von Entwicklungshilfe. Mit Ausgaben von 29,1 Milliarden US-Dollar knapp vor den USA (29,0 Milliarden Dollar).
Die Regierung von Donald Trump hatte 2025 USAID überprüfen lassen und ließ, nachdem führende Mitarbeiter einer ihrer Rechenschaftspflicht nicht nachkamen, die Entwicklungsbehörde abwickeln. Teile wurden ins Außenministerium eingegliedert, um die Übereinstimmung mit der US-Außenpolitik herzustellen.
USAID wurde seit Jahrzehnten verdächtigt, unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe CIA-Operationen zu unterstützen (unter anderem die Bewaffnung der Mudschahedin in Afghanistan im Kampf gegen die damalige kommunistische Regierung).
Die moderaten Kürzungen hierzulande werden von Hilfsorganisationen als „populistisch“, und „kurzsichtig“ kritisiert, da sie zu einem „Vertrauensverlust“ in Welt und weitere Migration aus Afrika führen würden. Hier müssen reiche Pfründe in Gefahr sein.
Die Kritik des Bundesrechnungshofes (BRH), der die fehlenden Wirkungskontrollen und die ineffiziente Mittelverwendung bemängelt und auf die Notwendigkeit hinweist, das Geld für die aktuellen Bedürfnisse im Inland wie innere Sicherheit, verwahrloste Infrastruktur und marode Schulen zu verwenden, wird nicht zur Kenntnis genommen.
Wir können nicht die Welt retten
Hilfsorganisationen und Politiker arbeiten seit Jahren mit dem Textbaustein „Fluchtursachen beseitigen“, doch über eine wichtige Ursache wird nie geredet: Es sind die Anreize. Wer jedem illegalen Einwanderer Kost, Logis, Taschengeld und kostenfreie Gesundheitsversorgung verspricht. Der lädt jeden ein, in dessen Land die Lebensbedingungen spürbar schlechter sind als hierzulande. Erst wenn klare Signale ausgesendet werden, dass die Ankunft in Europa über illegale Einwanderung nicht mehr möglich ist, werden die Zahlen der illegalen Migranten, die in der Sahara und im Mittelmeer sterben, zurückgehen.
Der Professor für Afrikastudien an der Duke Universität (North Carolina, USA), Stephen Smith, ehemaliger leitender Afrika-Redakteur bei den linken Tageszeitungen „Libération“ und „Le Monde“ (seine Analysen erschienen auch in der TAZ), wendet sich gegen den unerschütterlichen Glauben, dass mittels Entwicklungshilfe die meisten Afrikaner zum Bleiben in ihren Ländern bewegt werden könnten.
Er schrieb in seinem Buch „Nach Europa! Das junge Afrika auf dem Weg zum alten Kontinent“
„Entwicklungshilfe hilft nicht, Einwanderungsströme nach Europa zum Versiegen zu bringen, sondern sie trägt im Gegenteil dazu bei, dass Auswanderung ein mögliches Projekt wird …Die Zahlen afrikanischer Einwanderer nach Europa sind deutlich gestiegen, seit es Afrika besser geht. …Wenn wir Millionen von Afrikanern in unsere Gesellschaften integrieren, werden wir auch andere Normen und Wertbegriffe importieren, ein anderes Autoritätsverständnis, andere Erziehungsideale, ein anderes Frauenbild und vieles mehr.“
Mehr Respekt und Selbstbestimmung, statt Herablassung
Der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka sagt über den gutmenschlichen Drang: „Diese Bonos, Geldofs, und wie sie alle heißen, sagen, dass man uns helfen muss, und unterstellen damit, dass wir dazu selbst nicht in der Lage sind – was im Klartext heißt: Das ist Rassismus.“ Auch die Ökonomin Dambisa Moyo aus Sambia kritisiert die „Kolonisierung der afrikanischen Debatte durch weiße Männer, ob Popstars oder Wissenschaftler … Alle glauben zu wissen, was das Beste für Afrika ist.“ Kritiker wie Moeletsi Mbeki, Wole Soyinka, Dambisa Moyo, sowie die Literaten Teju Cole und José Eduardo Agualusa stehen mit ihren Einwänden gegen die sogenannte Hilfe auf verlorenem Posten. Zu viele verdienen gut daran und niemand kann für das Versagen verantwortlich gemacht werden.
Mit unserer schuldenfinanzierten Entwicklungshilfe sind wir mehr und mehr überfordert. Sie muss weiter reduziert werden. In meinen Augen gehört jedes steuerfinanzierte Projekt nicht nur in der Höhe, sondern auch den Gründen nach kritisch hinterfragt. Wir sollten uns den Afrikanern nicht mehr moralisierend als Vormund eines zu betreuenden Mündels nähern. Dazu gehört auch das Recht der Afrikaner, sich gegen den Klimaaktivismus zu wehren und Gender in Gesellschaften zu erzwingen, deren kulturelle und religiöse Traditionen dem entgegenstehen. Beispiel: Ein Programm der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), soll mit 21 Millionen Euro die vom deutschen Steuerzahler finanzierte Gendertransformation in Kamerun fördern. ( Böse Zungen erinnern an „Kir Royal“ mit dem legendären Monolog eines dekadenten Firmenchefs (gespielt von dem kürzlich verstorbenen Mario Adorf) gegenüber dem Journalisten „Baby“ Schimmerlos“. Der glaubte, sich mit Geld alles kaufen zu können.)
Wenn den Menschen in Afrika die Kompetenz abgesprochen wird, ihre Gesellschaft nach ihren eigenen Werten zu gestalten, dann ist das auch Rassismus. Der Klimawandel wird als einziges wichtiges Problem -auch für Afrika-dargestellt, dem sich alles andere rigoros unterzuordnen habe. Viel wichtiger für Afrikaner ist der unzuverlässige Alltag wie die Suche nach einer formellen Beschäftigung, die Lebenshaltungskosten, die Wohnungsnot, die ärztliche Versorgung oder die Korruption -in fast allen Behörden- zermürben die Menschen.
Missbrauch verhindern
Wir übernehmen uns finanziell mit unserer „Hilfe“, während – wie der BRH moniert – im Inland wichtige Investitionen fehlen. Clemens Fuest, Präsident des Ifo Instituts, kritisiert, dass wegen Korruption ein Teil der Investitionen verpufft.
Wenn wir nur noch Staaten unterstützen, die sich ernsthaft bemühen, die Lebensverhältnisse der breiten Masse zu verbessern, dann könnten wir die Entwicklungshilfe in einem Zwischenschritt auf das Niveau Großbritanniens (derzeit etwas mehr als 15 Milliarden Euro) kürzen und sie danach schrittweise auf das kanadische Niveau von ca. 5 Milliarden Euro zurückbauen. Und das wäre – bei unseren leeren Kassen – immer noch großzügig.
Volker Seitz ist Botschafter a. D. und Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“, im TE-Buchshop erhältlich >>>





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