Französische Bürgermeister entfernen EU-Flaggen an Rathäusern

In Frankreich entfernen Bürgermeister EU-Flaggen aus und an Rathäusern und berufen sich auf nationale Souveränität. Marine Le Pen stellt sich hinter sie. Paris reagiert mit Empörung und Verratsvorwürfen.

Screenprint via X - Collage: TE

In Frankreich zeigt sich wieder einmal, wie dünnhäutig das europäische Machtmilieu reagiert, sobald irgendwo auch nur der kleinste symbolische Kratzer am Brüsseler Selbstbild entsteht. Zwei Bürgermeister des Rassemblement National haben in den vergangenen Tagen EU-Flaggen aus Rathäusern entfernen lassen.

Marine Le Pen stellte sich demonstrativ hinter sie und nannte den Schritt einen legitimen Ausdruck nationaler Souveränität und demokratischer Entscheidung. Mehr musste offenbar nicht geschehen, um in den Pariser Ministerien den üblichen Reflex auszulösen: Empörung, moralische Aufladung und das sofortige Framing jeder Abweichung als politische Verfehlung.

Den Anfang bei der Entflaggung machte Anthony Garénaux-Glinkowski, Bürgermeister von Harnes im Norden Frankreichs. Bei seinem Amtsantritt Ende März ließ er nicht nur die EU-Flagge, sondern auch die ukrainische Flagge entfernen. Wenige Tage später folgte Christophe Barthès, RN-Bürgermeister, der die EU-Flagge vor dem Rathaus von Carcassonne abhängen ließ. Barthès begründete den Schritt ausdrücklich mit nationaler Souveränität und erklärte, für ihn zähle allein die französische Trikolore. Klarer kann man die Priorität nicht setzen.

Dabei ist die Sache weder neu noch rechtlich skandalös. Bereits im Januar hatten mehrere ländliche französische Gemeinden EU-Flaggen aus Protest gegen das Mercosur-Handelsabkommen entfernt. Sie wollten damit ihre anhaltende Frustration über EU-Politiken zum Ausdruck bringen, die aus ihrer Sicht französische Bauern und regionale Interessen untergraben. Auch dort war also längst sichtbar, worum es wirklich geht: nicht um Stoffbahnen an Fassaden, sondern um den wachsenden Widerstand gegen eine Europäische Union, die in immer mehr Teilen Frankreichs nicht als Schutzmacht, sondern als erhebliche Belastung wahrgenommen wird.

Marine Le Pen brachte diesen Zusammenhang nun im Gespräch mit ‚La Chaîne Parlementaire‘ auf den Punkt. Sie erinnerte daran, dass die französischen Wähler die Europäische Verfassung beim Referendum 2005 abgelehnt hatten. Allein dieser Verweis sitzt. Denn er ruft eine verdrängte Wahrheit ins Gedächtnis: Die Zustimmung, mit der sich das europäische Projekt so gern schmückt, ist in Frankreich keineswegs so selbstverständlich, wie es die offizielle Liturgie aus Paris und Brüssel bis heute behauptet. Le Pen betonte zudem, dass kein Gesetz Bürgermeister dazu verpflichtet, die EU-Flagge zu zeigen. Wer sie nicht hisst, bricht also kein Recht, sondern macht von kommunaler Autonomie Gebrauch.

Genau das macht die hysterische Reaktion der Regierung so aufschlussreich. Benjamin Haddad, beigeordneter Minister für europäische Angelegenheiten, fragte umgehend, ob diese Bürgermeister dann auch europäische Mittel ablehnen wollten, die Bauern, Unternehmen für die Reindustrialisierung und Regionen erhielten. Ob sie auch ihre Bezüge aus dem Europäischen Parlament zurückgeben würden. Das ist der übliche Kniff des Brüsseler Apparats: Erst Kompetenzen und Geldströme so weit verlagern, bis ganze Länder und Regionen in Abhängigkeit geraten, und dann jede Kritik mit dem Hinweis abwürgen, man profitiere doch selbst davon. Aus politischer Entmündigung wird so ein Dankbarkeitsverhältnis konstruiert.

Haddad nannte das Vorgehen der Bürgermeister denn auch „Populismus, der zeigt, dass sich der RN nicht verändert hat“. Auch das ist verräterisch. Nicht der Inhalt der Handlung steht im Zentrum, sondern die moralische Markierung. Wer die EU-Flagge abhängt, gilt nicht als jemand, der eine legitime politische Priorität setzt, sondern als jemand, der außerhalb des akzeptierten Meinungskorridors handelt. Die Botschaft lautet wie so oft: Demokratische Wahlentscheidungen sind nur dann wirklich willkommen, wenn sie am Ende die Symbole und Machtansprüche des supranationalen Apparats unangetastet lassen.

Noch schriller wurde Jean-Noël Barrot, Minister für Europa und auswärtige Angelegenheiten. Er sprach von einem „Verrat“ an Frankreichs europäischen Verpflichtungen. Verrat. Wegen einer Flagge, deren Anbringung rechtlich gar nicht allgemein vorgeschrieben ist. Genau in dieser Überhitzung liegt der eigentliche Befund. Eine politische Klasse, die den Nationalstaat systematisch relativiert, reagiert auf jedes sichtbare Zeichen nationaler Selbstbehauptung, als sei ein Sakrileg begangen worden. Nicht weil das Recht verletzt wäre, sondern weil die Symbolik der Unterordnung plötzlich nicht mehr freiwillig mitgetragen wird.

Denn aus rein rechtlicher Sicht ist die Lage eindeutig. Gemeinden können selbst entscheiden, ob sie die EU-Flagge zeigen oder nicht, weil es dafür keine allgemeine gesetzliche Pflicht gibt. Ausnahmen gelten nur bei bestimmten Anlässen, etwa am Europatag im Mai. Sogar der Umstand, dass ein Gesetzentwurf von 2023, der das Hissen der EU-Flagge in größeren Gemeinden verpflichtend machen sollte, bis heute nicht einmal im Senat debattiert wurde, spricht Bände. Offenbar war man sich selbst in Frankreich nicht sicher, ob man den Kommunen eine solche Symbolpflicht offen zumuten will.

Die RN-Bürgermeister tun etwas, das rechtlich zulässig, politisch eindeutig und demokratisch gedeckt ist. Die Regierung reagiert darauf mit moralischer Panik, weil hier etwas sichtbar wird, das Brüssel und seine Pariser Vollstrecker am meisten fürchten: dass die nationale Souveränität nicht nur in Sonntagsreden beschworen, sondern im Alltag wieder praktisch markiert wird. Wer in Frankreich heute die französische Flagge über die EU-Flagge stellt, greift niemanden an. Er stellt nur die Rangordnung wieder her. Und genau das ist es, was die Euro-Klasse nicht mehr erträgt.

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Kommentare ( 24 )

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Wilhelm Rommel
6 Minuten her

Gute Aktion! Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen, außer der Anmerkung, dass hierzulande wahrscheinlich die ‚Lederstrümpfe gegen Rääächts‘, sämtliche Antifantenbrigaden und weiss der Himmel wer sonst noch aufmarschieren würden, um den bösen alten weißen Männern (und – sofern vorhanden – auch Frauen) die Hölle heiß zu machen. Auch wären die Fachkräfte von ‚Correctiv‘ und ‚Hate-Aid‘ längst im Begriff, den Staatsanwaltschaften sowie der ‚Fa. Guck und Horch‘ sachdienliche Hinweise zur Sprengung rechtsnationalistisch-verfassungsfeindlicher Bürgermeister-Netzwerke zu liefern…

Last edited 1 Minute her by Wilhelm Rommel
niezeit
20 Minuten her

Sehr gut: Symbole krimineller Vereinigungen dürfen nicht offen gezeigt werden.

Raul Gutmann
30 Minuten her

Leider nicht genug Menschen hierzuland wären in dieser Hinsicht gerne Franzose, wenn sie bei den Flaggentagen die EU-Sterne auf gleicher Höhe wie die weiß-blauen Landesfarben wehen sehen.
Die goldenen Sterne auf blauem Grund sind die Verhöhnung des Usurpators.
Schwarz-rot-gold hat eh‘ seine historische Bedeutung verloren.

Michael Theren
37 Minuten her

Bravo, die EU ist ein Lobbyverein mit verdeckten Auftraggebern, mehr nicht – demokratische Legitimierung ? Das scheitert schon am Wahlmodus, one man one vote – Fehlanzeige, man Vergleiche die deutsche Stimmgewichtung mit dem der Anderen…

Wilhelm Roepke
1 Stunde her

Sehr schön, das wünsche ich mir auch in Deutschland. Die EU ist kein Bundesstaat, so sehr sich manche Leute das auch wünschen würden. Souverän sind nur die Nationen selbst.

h.milde
1 Stunde her

Die €UdSSR -noch- unter der Fuchtel der Kommandeuse Ursel-Antoinette verlangt von den Heloten, daß sie ihren „Gessler-Hut“ zu grüßen & gefälligtst zu bezahlen habe.
Ich hoffe, daß macht Schule & könnte sogar eine Initiallzündung eines Sturm auf die Brüsseler „Bastille 2.0“ sein.
„Allons Enfants de la Patrie……

Raul Gutmann
26 Minuten her
Antworten an  h.milde

Sehr geehrt(r) TE-Leser(in) „h.milde“, danke für Ihre prägnate Zuschrift, der viele Foristen zustimmen dürften.
Hochachtungsvoll

Postskriptum
Nicht jedem Komma folgt eine Konjunktion: „Ich hoffe, das macht Schule…“

yeager
1 Stunde her

Frankreich ist der zweitgrößte Netto-Zahler im EU-Haushalt. Deshalb sollte Haddad mal lieber ganz leise sein, denn mit den EU-Mitteln sollten ja dann auch die Zahlungen an die EU wegfallen. Dazu dann noch all die EU-Verordnungen die Leuten das Leben schwer machen … also wenn schon keine EU, dann auch konsequent.
Und wer nun auf den EU-Austritt der Briten verweist: Dass deren Regierungen dann die britische Autonomie nicht genutzt haben ist vor allem Schuld der britischen Politik, und natürlich einer kleinlichen Reaktion der EU die auf keinen Fall wollte, dass der BrEXIT eine Erfolgsstory wird.

H.D.
1 Stunde her

Super. Genauso ist es richtig!

Teiresias
1 Stunde her

„Wer in Frankreich heute die französische Flagge über die EU-Flagge stellt, greift niemanden an. Er stellt nur die Rangordnung wieder her.“

Genau genommen verweist man nur auf die korrekte Hierarchie, wie sie in den Verträgen festgeschrieben ist.

Kraichgau
2 Stunden her

diese „Verfassungskrise“ der EU habe ich noch in guter Erinnerung,ebenso die Farce,die die EU damals in Irland abhielt mit wiederholten Wahlen,bis es stimmte…..
diese EUDSSR ist keineswegs demokratisch legitimiert,das verstehen die meisten Michels aber leider nicht,da Sie mit Agitprop zugemüllt sind