Palmsonntag komprimiert einen fundamentalen Unterschied zwischen Jesus und Mohammed eindrücklich auf eine ausdrucksstarke Szene.
Einige Tage vor seiner Kreuzigung und Auferstehung zieht Jesus feierlich in Jerusalem ein. Er reitet dabei auf einem Eselsfohlen. Am Wegrand steht eine Menschenmenge und begrüßt ihn mit Palmenzweigen, ein Würdigungssymbol für Gott (vgl. Offenbarung 7,9-10). Dieselbe Menge, die wenige Tage später die Römer auffordert „Kreuziget ihn“, jubelt dem Mann aus Nazareth ein paar Tage vorher noch begeistert zu: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“
Spätestens hier mussten die Römer hellhörig gewesen sein. Die Israeliten waren ein freiheitsliebendes Volk, das bereits mit den Widerstandskämpfern der Makkabäer 165 vor Christus einen revolutionären Umsturz gegen die Herrscherdynastie der Seleukiden geschafft hatten. Gegen die Römer hatte sich die jüdische Guerillagruppe der Zeloten als Widerstandskämpfer im ganzen Land etabliert. So mussten die Römer auf der Hut sein vor Anschlägen und Aufständen. Da fällt es schon auf, dass die Römer unbehelligt Jesus als „König“ in Jerusalem einziehen lassen. Das lag wohl daran, dass der römische Geheimdienst schon lange wusste: „Der tut nichts! Das ist nur ein religiöser Spinner. Der redet vom Reich Gottes, das nicht von dieser Welt ist. Das interessiert uns nicht. Und gegenüber uns Römern ist er recht freundlich und fordert die Juden sogar auf, dem Kaiser die verhasste Kaisersteuer zu bezahlen“ (vgl. Matthäus 22,21).
Beim Einzug Jesu in Jerusalem fühlen sich die Römer in ihrer Jesussicht bestätigt. Auf einem Esel reitet kein normaler König ein. Der Esel ist der Lastenträger des kleinen Mannes; selbst Robert Habeck kam vergleichsweise bei seinem Besuch in Washington nicht auf einem grünen Lastenfahrrad eingefahren, sondern in einer repräsentativen Limousine. Ein Esel ist für kriegerische Handlungen völlig ungeeignet. Zu langsam, zu störrisch, zu eigensinnig. Der König auf einem ausgeliehenen Esel ist von der Art Könige, über die die Römer sich nur lustig machen können. „INRI“, „Jesus von Nazareth, König der Juden“ heften die Römer so einem ans Kreuz und haben ihren Spaß.
Mit ihrem Nichteingreifen stellen die Römer indirekt unter Beweis, dass das christliche Evangelium keine politische Botschaft ist, sondern zentral auf die Klärung der Beziehung zu Gott zielt. Das mag für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine schwere Kost sein, da sie allzugerne auf der großen und reichen politischen Bühne mit herumturnen möchte. Doch statt ihren Herrn und Meister auf dem Esel zu verstehen und ihm nachzufolgen, macht sich die EKD selber zum Esel, indem sie sich zum Beispiel als Kirche mit Synodenbeschlüssen für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen selber säkularisiert und überflüssig macht (so im November 2022). Für die politische Diskussion über Tempolimits brauchen wir nun wirklich keinen pseudospirituellen Milliardenkonzern EKD.
Dem Einzug Jesu in Jerusalem setzt Mohammed bei seinem Einzug in Mekka (630 n. Chr.) eine völlig andere Symbolik entgegen. Er kommt auf hohem Ross, auf einem Kriegspferd, bewaffnet als Heerführer einer bewaffneten Jüngerschaft. Er zielt mit Gewalt auf die politische Macht in Mekka. Durch geschickte Verhandlungen und die islamische Aufwertung der Kaaba hatte er bereits viele Einwohner Mekkas zuvor für sich gewonnen. So konnte Mohammed die Stadt mit nur einigen wenigen Scharmützeln einnehmen. Lediglich eine kleine zweistellige Zahl an Kämpfern soll dabei getötet worden sein.
Jesus auf dem Esel nach Jersualem, Mohammed auf dem Schlachtross nach Mekka. Ikonogaphisch einprägsamer kann man den Unterschied nicht veranschaulichen. Wie zu erwarten, hat der mohammedanische Geist nicht nur im Bereich des Islam, sondern auch bei vielen christlichen Kirchenfürsten mehr Attraktion als dieser scheinbar ohnmächtige Jesus. Der Römer Konstantin zieht mit dem Kreuz 312 in die Schlacht an der Milvischen Brücke: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Der menschlich-allzumenschliche Geist, den Glauben und die Machtpolitik zu verschmelzen, ist überaus kräftig auch im Christentum zu finden. Dagegen sind Palmsonntag und der Geist Jesu das beste Bollwerk. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“, formulierte Jesus. Aber verschmelzt bitte nicht Kaiser und Gott. Das wird weder Gott gerecht noch einer guten vernünftigen Politik.
Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!
Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht:
»Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«
(Johannes 12,12-15)
PS. Am Karfreitag 3.4.2026, 10.30 Uhr, bin ich in der Uckermark zum Karfreitagsgottesdienst in der Evangelischen Kirche von dem kleinen Dorf Göritz in 17291 Prenzlau-Göritz, gegenüber der Dorfstraße 6. Über eine persönliche Begegnung mit Ihnen an diesem Feiertag würde ich mich freuen.


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in ostjerusalem haben es christen nicht leicht, werden regelmäßig bespuckt, graffitis an kirchen, sie dürfen nicht alle strassen benutzen, werden auch mal in der westbank vertrieben inkl. 1 toten, katholische kirchen und krankenhauser wurden bombadiert…und wenn tucker carlson pfarrer und christen zu wort kommen lässt, die von ihren erfahrungen berichten, kommt der vorwurf antisemit. das scheint hier ein Tabuthema zu sein, die meisten wissen noch nicht einmal, dass es Christen und Kirchen in Gaza gibt, die dort von muslimischer seite keine probleme haben.