Alt-Europa und Neu-Amerika sprechen und hören verschieden

Die Funktionäre von Staat, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft sind in Eurozentrismus erstarrt. Die Eurobrille verzerrt die Perspektive und blendet sie großteils ganz aus. Mit einigen Informationen, die nicht nach Westeuropa dringen.

IMAGO / NurPhoto

Was außerhalb des provinziellen Horizonts „der Europäer“, sprichwörtlich dort hinten in der Türkei, stattfindet, blieb den Allermeisten schon immer recht unzugänglich. Heute ist das bei den Funktionären von Staat, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft als Eurozentrismus erstarrt. Die Eurobrille verzerrt die Perspektive, blendet sie großteils ganz aus.


„Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, wenn hinten, weit, in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen. Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten; dann kehrt man abends froh nach Haus und segnet Fried und Friedenszeiten.“ Johann Wolfgang Goethe

»Was Regierungen in der Geopolitik tun, ist in der Geopolitik fast immer wichtiger als das, was sie sagen. Es ist offensichtlich, sehr offensichtlich, aber es lohnt in solchen Momenten zu wiederholen. Tatsächlich sind öffentliche Äußerungen während eines Konflikts selten transparente Fenster operativer Militärpläne. Häufiger sind sie Teil des Konflikts selbst. Anführer signalisieren Entschlossenheit, beruhigen Verbündete, und verwirren ihre Feinde. Aussagen von Personen wie Rubio, Hegseth oder Trump als Indikatoren für die operative Absicht zu halten, riskiert ein zutiefst irreführendes Bild der Ereignisse. Eine klassische Clausewitz-Regel: „Der Betrüger durch Strategie überlässt es der Person selbst, die er täuscht, die Fehler des Verstehens zu begehen.“«

Ein sprechendes Beispiel ist das Argument der Gegner des Golfkrieges, der Iran sei bei der Drohnenproduktion überlegen und stelle zugleich seine hohe Kompetenz in der Entwicklung und Produktion ballistischer Raketen unter Beweis. Es gibt niemand Ernstzunehmenden, der das bestreitet. Nur ist das kein Argument gegen, sondern für den Golfkrieg – und eine Erinnerung daran, wie falsch es vor einem Jahr von Trump war, mit der Zerstörung der Anlagen im Iran zu früh aufgehört zu haben. In kürzester Zeit war der Iran wieder bei den militärischen Kapazitäten wie davor, wenn nicht höheren. Genau das wiederholte sich, endete der Krieg jetzt in einem faulen „Waffenstillstand“ – für den Schattenstaat des Iran wäre er eine Rüstungspause.

Dieses Trump-Statement spricht dafür: »Wir könnten jetzt aufhören und sie würden zehn Jahre brauchen, um wieder zu rüsten. Aber das sollten wir nicht tun. Bleiben wir länger, werden sie sich nie mehr erholen.«

Auswahl von Informationen, die nicht nach Westeuropa dringt

Doch da gibt es ein Problem, würden zivile Energieeinrichtungen zerstört. Trump beginge den größten strategischen Fehler des Krieges. Ohne Elektrizität ist kein Regime Change von innen machbar – Kommunikation und Organisation der Opposition in Iran würde unmöglich: Internet und Telefone sind ohne Strom nutzlos.

Reza Pahlavi plädiert: »Die zivile Infrastruktur Irans gehört dem iranischen Volk und der Zukunft eines freien Irans. Die Infrastruktur der Islamischen Republik ist der Repressions- und Terrorapparat, der diese Zukunft verhindert. Der Iran muss geschützt werden. Das Regime muss zerschlagen werden. Ich appelliere an Präsident Trump und Premierminister Netanjahu, das Regime und seinen Repressionsapparat weiterhin ins Visier zu nehmen und dabei die zivile Infrastruktur zu schonen, die die Iraner für den Wiederaufbau ihres Landes benötigen. Mit der Unterstützung der USA und Israels und vor allem durch die Opferbereitschaft iranischer Patrioten ist die Stunde der Freiheit für den Iran gekommen.«

Unterdessen begannen israelische Geheimdienstmitarbeiter, einzelne Kommandeure anzurufen und drohten ihnen und ihren Familien namentlich, sollten sie sich im Falle eines Aufstands nicht zurückziehen.

4.911 Raketen, Flugkörper und Drohnen wurden auf die Golfstaaten abgefeuert, 850 auf Israel. 1.119 Flugkörper wurden auf die Golfstaaten abgefeuert, 300 auf Israel. 3.792 Drohnen wurden auf die Golfstaaten abgefeuert, 550 auf Israel.
Al-Arabiya konstatiert: Der Iran schadet den Arabern weitaus mehr als Israel, während Israel den Iran aktiv und umfassend angreift und die Golfstaaten dies nicht tun …

Israels-Generalstabschef Eyal Zamir: „Der Iran hat eine zweistufige Interkontinentalrakete mit einer Reichweite von 4.000 Kilometern auf ein amerikanisches Ziel auf der Insel Diego Garcia abgefeuert. Diese Raketen waren nicht für einen Angriff auf Israel bestimmt. Ihre Reichweite reicht bis zu den Hauptstädten Europas – Berlin, Paris und Rom liegen alle in direkter Bedrohungsreichweite.“

So wie es in Alteuropa ähnliche Sprüche gibt, ist einer in America, wir helfen Israel und haben nichts davon. Dem erwidert Rod D.Martin: »Americas Bündnis mit Israel ist eine große Säule der amerikanischen Stärke. Eine strategische Investition, eine außerordentlich kostengünstige Möglichkeit, Geheimdienstinformationen, militärische Innovation, strategische Reichweite, regionale Hebelwirkung und einen zuverlässigen demokratischen Verbündeten in der gefährlichsten und instabilsten Region der Welt zu kaufen. Israel ist ein Kraftmultiplikator. Es macht US-Energie billiger, intelligenter und effektiver. Es ist der Prototyp von Trumps Bild von Allianzen. Ein kompetenter, schwer bewaffneter, technologisch ausgeklügelter regionaler Partner, der die gewöhnlichen Bedrohungen in seiner eigenen Nachbarschaft ohne direkte amerikanische Intervention bewältigen kann. Das ermöglicht es den US, mit Tiefe, Integration und Intelligenz zu unterstützen, während sie die Fähigkeit behalten, entschlossene Macht anzuwenden, wenn die Bedrohung zu groß für einen alleine ist.
America gibt durchschnittlich $ 3,8 Milliarden jährlich für Israel aus, ein Fünfzigstel (1/50) von dem, was wir der Ukraine geschickt haben. Einer der am wenigsten geschätzten Vorteile: Israel handelt oft schnell dort, wo America sonst gezwungen wäre, später zu handeln, aber zu weitaus höheren Kosten.«

Elon Musk oder jemand anders hat die kleine Bedeutung von Hormuz für künftige Strukturen gezeichnet. Das Bild wird vielfach im Netz verbreitet.

Die Neuordnung der Geo-Energiepolitik beginnt gerade erst.

Anzeige

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 7 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

7 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Haba Orwell
1 Stunde her

> America gibt durchschnittlich $ 3,8 Milliarden jährlich für Israel aus, ein Fünfzigstel (1/50) von dem, was wir der Ukraine geschickt haben. Einer der am wenigsten geschätzten Vorteile: Israel handelt oft schnell dort, wo America sonst gezwungen wäre, später zu handeln, aber zu weitaus höheren Kosten.

Aha. Neuestes Beispiel (>>> Quelle <<<):

> „… Kurz nachdem Donald Trump angekündigt hatte, für 5 Tage doch nicht die Energieinfrastruktur, d.h. alle Kraftwerke des Iran zu zerstören, ermordete die angreifende Koalition Dr. Saeed Shamghadari, einen Professor für Elektrotechnik an der Iranischen Universität für Wissenschaft und Technologie, gemeinsam mit seiner Familie. …“

Marcel Seiler
58 Minuten her
Antworten an  Haba Orwell

Und woran hat dieser Elektrotechniker gearbeitet? An der iranischen Atombombe zur Vernichtung aller Israelis? Ich weiß dies nicht, aber die Israelis töten die Iraner keinesfalls wahllos.

Haba Orwell
1 Stunde her

> Die Funktionäre von Staat, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft sind in Eurozentrismus erstarrt.

Ist denn die hiesige Erstarrung in Westen-Zentrismus besser? Im Prinzip das Gleiche.

Marcel Seiler
1 Stunde her
Antworten an  Haba Orwell

Nein, das ist „im Prinzip“ nicht das Gleiche. Erstens muss man erkennen, dass man ganz allein in dieser Welt nicht bestehen kann, sonder aufgerieben wird. Zweitens sollte man wissen, mit wem man Freund sein kann und sollte, weil man ähnlich denkt und fühlt, und wer der Feind ist.

An der Unfähigkeit zur richtigen Freund-Feind-Erkennung ist schon mancher gescheitert.

Marcel Seiler
2 Stunden her

Die Deutschen wollen – nicht nur in der Außenpolitik – Politik machen nach dem Motto: „Ich bin klein, mein Herz ist rein…“ Das ist natürlich süß, aber es ist eine Politik, die sich weigert, Verantwortung zu übernehmen.

Und so sieht es ja im Moment aus: Deutschland ist ein Land, das weder Verantwortung für sich noch für den Rest der Welt übernimmt. Es handelt also unverantwortlich. Das ist nicht nur dumm, es ist höchst unethisch.

Thomas
2 Stunden her
Antworten an  Marcel Seiler

Deutschlands Marine hat sehr gute See Minen Räumkompetenz. Selbst wenn das wahrscheinlich gar nicht notwendig ist, einige Minenräumer in den Golf zu schicken ist eine Top Investition.
Denn weder die Iraner noch Trump werden vergessen wer sie im Kampf gegen die Mullah Terroristen unterstützt hat und wer nicht wenn es darum geht den Iran wieder aufzubauen und wer dort wirtschaftlich zum Zug kommt.

Retlapsneklow
1 Stunde her
Antworten an  Marcel Seiler

Habe ich das richtig verstanden? Deutschland soll für den Rest der Welt Verantwortung übernehmen? Weil am deutschen Wesen die Welt genesen soll?

Demokratie, für manche der Duschvorhang vor dem Imperialismus.