61 Prozent der Schüler leiden angeblich unter hohen Anforderungen

Nicht selten kommt es vor, dass Medien und Stiftungen alarmistische Studien verbreiten – mit entsprechender Wirkung und Echo. Statt pädagogischer Fürsorge sollte Eltern und Schülern endlich vermittelt werden: Lernen ist eben auch Arbeit. Ohne Fleiß und ohne Anstrengung kein Wissen, keine Bildung, keine Zukunft.

picture alliance / imageBROKER | Ulrich Niehoff
Symbolbild

Dieses Phänomen sollte eigentlich längst durchschaut sein, dennoch wird es weidlich genutzt: Kaum ist eine Fernsehsendung oder eine „Studie“ über gesundheitliche Risiken, über Folgen des Klimawandels oder die Gefahr „rechter“ Umtriebe unter die Leute gebracht, schon spüren viele Leute diese Risiken und bilden sich irgendwelche Folgen ein. Am Tag darauf füllen sie die Arztpraxen, oder sie zücken das Überweisungsformular für irgendwelche Klima- und Demokratieretter-NGOs.

Mit anderen Worten: Nicht wenige der medialen und „wissenschaftlichen“ Produkte dieser Art entfalten unter den Leuten eine suggestive, ja eine oktroyierende Wirkung. Was durchaus bei manchen volkspädagogisch motivierten Produzenten solcher Produkte kammheimliche Absicht sein kann.

Wie Schul-„Studien“ Schulstress suggerieren

Zu den Studien dieser Art von Suggestion und Oktroyierung gehören so manche Schul-„Studien“. Eine solche hat nun die Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen ihres aktuellen, seit 2024 alljährlich erfassten „Schulbarometers“ aufgelegt. Man hatte dazu die „forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH“ von 9. Mai bis 3. Juni 2025 mittels Online-Befragung 1.507 „Schüler:innen“ (Durchschnittsalter: 12,7 Jahre) im Alter von 8 bis 17 Jahren (zu 25,4 Prozent von Grundschulen, 30,9 Prozent von Haupt-, Real- und Gesamtschulen, 38,6 Prozent von Gymnasien, 1,9 Prozent von Förder- und Sonderschulen und 2,4 Prozent von berufsbildenden Schulen) sowie je einen Erziehungsberechtigten (Durchschnittsalter: 45,9 Jahre) befragt.

Nach dieser Studie geht es wieder mehr Kindern und Jugendlichen psychisch nicht gut: Der Anteil an „Schüler:innen“ (Diktion Bosch Stiftung) mit psychischen Auffälligkeiten liege bei rund 25 Prozent. Ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen gab in der Befragung an, mindestens einmal im Monat von Mitschülerinnen und Mitschülern schikaniert zu werden. Bei jeder und jedem Zehnten war das sogar wöchentlich oder täglich der Fall. Mobbing im direkten, persönlichen Kontakt werde häufiger erlebt als Cybermobbing, oft träten aber auch beide Formen in Kombination auf, schreiben die Studienautoren. So weit, so schlecht! Ob diese Probleme mit der Zusammensetzung der Schülerschaft zu tun haben könnte, wird nicht untersucht.

Bildung geht eben doch nicht ohne Anstrengung

Und dann der eigentliche schulische Hammer: 61 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu oder eher zu, dass an ihrer Schule viel verlangt werde. Fast die Hälfte (47 Prozent) gab an, auch am Wochenende für die Schule lernen zu müssen. Na sowas! Schule als überflüssige Unterbrechung von Freizeit? Die Bosch-Stiftung folgert: „Übersteigen die Anforderungen die Fähigkeiten, sind Stress, verminderte Lernbereitschaft und psychische Belastungen die Folge …“ Etwas mehr als ein Drittel der Schüler stimmen der Aussage zu, dass sie in der Schule oft keine Lust haben zu lernen (36 Prozent), dass sie es im Unterricht oft langweilig finden (37 Prozent) oder dass sie bei den Hausaufgaben vor Langeweile schnell müde werden und keine Lust mehr haben (35 Prozent). Eine interessante Korrelation gibt es hier in Bezug auf Alter und Geschlecht: Jüngere Kinder (8 bis 10 Jahre) und Mädchen geben etwas seltener an, sich im Unterricht oft zu langweilen.

Na sowas! Schule ist immer noch kein netter Ponyhof, kein kollektiver Freizeitpark, wie ihn manche Bildungspolitiker und Bildungswissenschaftler seit Jahrzehnten projektieren. Nicht einmal jetzt, wo die schulischen Ansprüche von Jahr zu Jahr heruntergefahren und die Noten in der Folge immer besser wurden. TE berichtet regelmäßig von diesem Anspruchsdumping und von der Inflation an Bestnoten.

 

Fazit: Es wird höchste Zeit, Schülern und Eltern zu vermitteln, dass Lernen eben auch Arbeit ist. Oder ganz simpel: Ohne Fleiß kein Preis! Ohne Anstrengung kein Wissen, keine Bildung, keine Zukunft!

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