Nachrichten aus Dubai. Folge 2

Raketen über Dubai, Chaos an Flughäfen, Panik unter Ausreisewilligen – und Berlin glänzt mit Ahnungslosigkeit. Während andere Staaten ihre Bürger holen, belehrt Wadephul die Gestrandeten. Deutschlands Staat versagt selbst dann noch, wenn die Gefahr längst am Himmel steht.

Am 28. Februar der Angriff auf die Vereinigten Emirate. Heute, am 7. März sitze ich noch immer in Dubai auf der künstlichen Palme. Als Montenegriner wäre ich bereits ausgeflogen worden. Auch Großbritannien, Italien und andere großen EU-Staaten kriegen es besser hin als Deutschland. Küstenaugust Wadephul verbreitet lieber, sie hätten doch auch ohne ausdrückliche Reisewarnung seines Amtes wissen können, dass der Iran die Emirate angreift. Gut, dass wenigstens ihm alles vorher klar war. Auf die Lage vorbereitet hat sich die deutsche Regierung allerdings nicht, sonst wären längst Bundeswehrflugzeuge unterwegs. Söder kritisiert es mit Recht.

I.

Immer noch fallen viele Flüge aus. Manche Reisende haben bereits auf eigene Faust und Kosten mehrere Flüge gebucht. Was aber auch nichts nützt. Der Vorschlag, über den Oman auszureisen, verspricht einen Höllentrip durch die Wüste. Stundenlanges Warten an der Grenze. Chaos auf dem Flugplatz in Muskat. Offizielle Empfehlung: 12 Stunden vor Abflug da zu sein. Manche Passagiere, wie das Chirurgenpaar aus Amsterdam, zwei kleine Kinder, die Frau schwanger schlagen sich durch, zahlen 4000 Dollar – bis Kairo, nicht nach Hause. Viele Passagiere stehen stundenlang in überfüllten Zubringerbussen auf dem Rollfeld. Der erste Evakuierungsflug nach London ging ganz schief: Die Maschine hob wegen technischer Defekte nicht ab. Zurück ins Hotel, wenn auch im Oman, alles von vorn. Wer die Nerven behält, bleibt in Dubai am Pool und lauscht den Geräuschen am Himmel. Abfangjäger und Passagierflugzeuge sind am Brummen gut zu unterscheiden.

II.

Es ist hier noch niemand im Bombenhagel umgekommen. Aber auf die VAE zielen noch immer Raketen. Bis Donnerstagabend waren es 196 ballistische Raketen, davon 194 wurden zerstört oder sind über See abgestürzt. Von 1072 Drohnen wurden 1001 zerstört. Es ist kein Märchen, sondern eine reale, relativ sehr kleine Gefahr. Es gab insgesamt bisher drei Schwerverletzte. Mehrmals am Tag Luftalarm. Hauptgefahr sind nicht die Geschosse aus dem Iran, sondern Ungeduld, Ungewissheit und Langeweile (nicht jeder kann und will hier sein Homeoffice aufschlagen). Auch Paarbeziehungen können stranden. Dagegen hilft kein Iron Dome. Die Touristen sind nur das eine. Das andere sind abertausende Expats, die ihre Gelassenheit verlieren und wegwollen. Die ganz Reichen buchen Privatflugzeuge. Die Preise steigen: Von 85 000 Euro pro Flug ist die Rede, dreimal so viel wie vor dem Krieg. Reichtum schützt vor Panik nicht. Manche rasen in ihren geländegängigen Vans los und setzen an der Grenze zum Oman ihre Hunde und Katzen in der Wüste aus. Daran haben sie nicht gedacht. Der zunehmend grassierende Wahnsinn bricht Herzen. Manche Influencer und anderen Semicelebrities, die in der Metropole leben, nutzen die Gelegenheit, sich wichtig zu machen. Panik sells! Der Boulevard bauscht die Stories, etwa die der unsäglichen Verona Pooth und ihres Gatten Rocco, maßlos auf. Ich bin ein Star – holt mich hier raus! Das wiederum führt zu Rückkoppelungseffekten. Dauernde Anrufe von Besorgten aus der Heimat. Vielleicht ist die Lage doch viel bedrohlicher, als man selbst wahrnehmen will, und die professionellen Hysteriker haben recht. Übrigens tut auch die Regierung der VAE alles, um ihrerseits Landsleute zurück nach Dubai und Abu Dhabi zu holen, die irgendwo auf der Welt keinen Rückflug finden. My home is my castle!

III.

Und wer weiß, was den Mullahs sonst noch alles einfällt. Ein ziviles Flugzeug abschießen, die Wasserversorgung (Seewasserentsalzung) ausschalten, die Welt mit Terroranschlägen überziehen oder den dritten Weltkrieg entfachen? Was auch Dealmaker Trump nicht kapiert, wohl auch nicht kapieren kann, mit den Mullahs ist nicht zu verhandeln. Sie folgen dem Todeskult einer perversen Religion. Sie gehen lieber mit ihrem Regime unter, als sich auf friedliche Koexistenz und Reformen einzulassen. Wer auf einen Schlag 30 000 demonstrierende Landleute umbringen kann, gibt auch den Krieg nicht auf. Da beruhigt es ungemein, in der kommenden Woche wird wieder der Internationale Tag zum Kampf gegen Islamophobie gefeiert. Berlin vorneweg. Zum 15. März 2026 sollen zivilgesellschaftliche Organisationen unterstützt werden, die mit Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit auf Islamfeindlichkeit aufmerksam machen. Zudem will der von der CDU geführte Senat ein Eckpunktepapier zur Prävention von Islamfeindlichkeit erarbeiten – gemeinsam mit muslimischen Akteuren. Von einer ebenso hingebungsvollen Unterstützung der Regimegegner im Iran ist nirgends die Rede. Wahrscheinlich, weil die Mullahs ganz entschieden auf der Seite des postkolonialen globalen Südens stehen. Was in Dubai ungemein beruhigt: Hier ist der Islam säkularer als im durchgeknallten Neukölln.

IV.

Ach, viel lieber hätte ich mich heute an dieser Stelle mit der Fastenpredigt von Angela Merkel im Kloster Maria Laach befasst. Die Frau ist ein psychopathologisches Phänomen. Jetzt bereut sie: allerdings das Falsche. Sie bereut, zu wenig gegen die Klimakatastrophe getan zu haben. Sie bereut weder ihre Einwanderungspolitik noch die Abschaltung der Kernkraft. Der Wahnsinn kreist auch zuhause bedrohlich über den Dächern. Wie die Krähen bei Hitchcock – oder sind es Drohnen?

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Kommentare ( 115 )

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115 Comments
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ilmstromer
1 Monat her

Eine sehr schöne Standpauke.

Weltenwandler
1 Monat her

Die Reichen reisen mit Privatflugzeugen ab ? Das sind bestimmt nicht viele. Der Luftraum ist kontrolliert.

Yani
1 Monat her

Hoffentlich wird dieser bräsige und auf Zwangsabgaben fett gemästete Wessipensionär aus seiner Luxusunterkunft in Dubai zwangsevakuiert. Aber nicht auf Steuerzahlerkosten zurück in sein Wohneigentum in Schlandistan, sondern in eine Flüchtlingsunterkunft (a.k.a Zeltstadt).

Retlapsneklow
1 Monat her

Goldig, wie man als selbstverantwortlicher Liberaler, der inhärent alles besser weiß und kann, über mangelhafte deutsche Staatshilfe klagt. Außerhalb der klimatisierten Palmenhotelzone ist es am Golf entlang auch noch unerträglich heiß und schwül. Diese Option des Ausreisens streichen wir zu Gunsten des Ausharrens unter Drohnen. Halb so schlimm. Kann ja höchstens Wochen bis Monate dauern. Das Studium der Geräusche von Fluggeräten gibt einem ja auch was. Wo bekäme man dies sonst? Bliebe noch die Frage, wie viele ARD- und ZDF-Betriebsrentenbezieher sich zur Zeit in der Golfzone aufhalten. Könnte das der Grund sein, warum Talk-Kollegin Miosga Herrn Wadephul mit seinem Hinweis… Mehr

Last edited 1 Monat her by Retlapsneklow
Stefan Frings
1 Monat her

Und ich sitze in Kalkutta fest, da ich morgen von hier aus über Dubai zurück nach Düsseldorf zurückkehren wollte. Mein Flug wurde soeben storniert. Kalkutta ist nicht so toll wie Dubai, aber günstig, wenn auch laut und teilweise heruntergekommen. Ach so: Das Wetter ist toll (32 Grad C). Und wenn es mir zu warm ist, gehe ich zurück ins klimatisierte Hotelzimmer.

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Stefan Frings

Grüße nach Indien – und schön, dass Sie hier mitlesen!

P.Z.
1 Monat her

Herr Herles scheint offensichtlich völlig auszublenden, daß dieser völkerrechtswidrige Krieg NICH von Seiten des Iran begonnen wurde. Krieg im allgemeinen ist nicht angenehm,sonder bedeutet schlimme Zeiten für alle Beteiligten. Wenn große Teile der Staaten des Nahen Ostens als Vasallen der USA fungieren und dieser Streitmacht ihr Territorium für deren aggressive Ziele zur Verfügung stellen, ist es mehr als angemessen ,dass der Iran diese in die Auseinandersetzung mit einbezieht. Im Übrigen richten sich die Angriffe auf militärische Ziele ,die in diesen Ländern installiert sind ,was völlig legitim ist Und die Bezeichnung „Mullah Regime „wird hier in diesem Beitrag mit einer gewissen… Mehr

spindoctor
1 Monat her

Apropos Erika:
Was macht eigentlich der Genosse Sauer?

Retlapsneklow
1 Monat her

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Trump die Zölle eingeführt hat, damit die Kriegskasse gefüllt wird. Der einzige Profiteur ist nämlich der US-Staat, während seine Fellow Citizens als Importeure die Zeche direkt oder indirekt über Preisaufschläge an der Ladenkasse bezahlen. Investoren, die nun in die USA gehen und dort Steuern berappen werden, sind mit von der Partie, die US-Kriege zu finanzieren. Hätten sie doch nur ein Stück weitergedacht! Auch wir zahlen mit. Wie lange werden Öl- und Gaspreise hoch bleiben und die Industrieflucht beschleunigen? Sich Russland durch vertragswidrige Ausdehnung der NATO zum Feind zu machen und China in die… Mehr

Last edited 1 Monat her by Retlapsneklow
Chlorhahn
1 Monat her

Mein Kompass ist:
1) Wer hat Wen angegriffen?
2) Wer profitiert vom Krieg; wohin fließt das Geld?
Jounalistisches Grundrauschen aus 5-Sterne-Behausungen und Lautäußerungen eines Polit-Deppen hake ich ab.

Dundee
1 Monat her

„Bis Donnerstags Abend waren es 196 ballistische Raketen, davon 194 wurden zerstört oder sind über See abgestürzt.“ Eine iranische Rakete kostet bestenfalls 100.000, eine Patriot Abwehrrakete kostet je 3,7 Millionen, um diese 100.000 teuren Geschosse abzufangen. 196 mal 100.000 = 19,6 Millionen Kosten Iran 194 mal 3,7 Mio = 725,2 Millionen Kosten Westen (Arrow 3) (THAAD Abfangraketen kosten 12 Millionen pro Stück) Kein Wunder, dass der Sprit so teuer ist an der Tanke. Irgendwer muß den Schwachsinn bzw das Feuerwerk ja bezahlen. Wohin das führt wenn das weiter geht kann man sich ausmalen. In die Pleite. Alternativ ans Ende des… Mehr

Last edited 1 Monat her by Dundee