Pahlavis vernichtender Befund über Europas Journalisten und Politiker

Reza Pahlavi kommt nach Europa, spricht über Hinrichtungen, Terror, Opfer, Tote des Mullah-Regimes. Regierungen verweigern das Gespräch, Journalisten sparen alle entscheidenden Fragen aus. Pahlavis Befund über die Verkommenheit von Europas Journalisten und Politikern trifft im Kern und ist ebenso nüchtern wie vernichtend.

Screenprint via Youtube

Reza Pahlavi ist der Sohn des 1979 gestürzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi und seit Jahren das bekannteste Gesicht der iranischen Opposition im Exil. Er tritt im Westen als politischer Akteur auf, fordert offen das Ende der Islamischen Republik und wirbt für einen Systemwechsel im Iran. Auf den Straßen seines Landes ist es sein Name, der zu hunderttausenden bei Protesten gerufen wird, dazu werden zahllose Fahnen mit dem Löwen-und-Sonne-Symbol aus der Zeit vor 1979 geschwenkt. Für viele Gegner des mörderischen Regimes steht Pahlavi als Symbolfigur eines Bruchs mit dem Mullah-Staat.

Mit diesem Anspruch reist er Mitte April nach Europa, mit Stationen in Stockholm und Berlin. Er sucht den Kontakt zu Parlamenten, Regierungen und Medien. Pahlavi will den Westen bewegen, über zahllose Hinrichtungen, Repression und die tatsächliche Lage im Iran zu sprechen. Hier beginnt sein Befund des westlichen Versagens, und zwar nicht als peinliche Randnotiz, sondern als offener politischer Bankrott.

Kaum ist Pahlavi in Berlin, zeigt die deutsche Politik, was ihre Menschenrechtsrhetorik wert ist. Rein gar nichts. Offizielle Treffen mit deutschen Regierungsvertretern waren nicht geplant. Kein Kanzleramt, kein sichtbares Regierungssignal, kein erkennbarer Wille, einem prominenten Gegner des Regimes in Teheran wenigstens symbolisch den Rücken zu stärken. Berlin ließ ihn stehen.

Das ist Feigheit im Amtsdeutsch. Ein Mann kommt aus dem Kampf gegen eines der brutalsten Regime der Gegenwart in die deutsche Hauptstadt, und die Bundesregierung bringt nicht einmal die minimale Entschlossenheit auf, ihn offiziell zu empfangen. Wer so handelt, sendet eine Botschaft. Nicht an die Opposition im Iran, sondern an deren Unterdrücker. Man stört euch nicht. Man will nur seine Ruhe.

Und während die Politik sich wegduckt, Merz sich sogar eilt Sanktionen gegen das mörderische Mullah-Regime wieder zu lockern, liefert der europäische Journalismus das dazu passende Bild des Verfalls. Pahlavi steht in Berlin und Stockholm nach eigener Darstellung vor mehr als 150 Journalisten und spricht insgesamt mehr als zwei Stunden lang. Reichlich Stoff für Fragen gab es genug: Massenexekutionen, 30.000-40.000 ermordete Iraner in den Protesten Anfang Januar. Hinrichtungen, politische Gefangene, Straßenproteste, Staatsgewalt, Internetsperren, weitere Exekutionen, die jeden Tag weitergehen.

Doch ausgerechnet diese Punkte hätten die europäischen Journalisten nach seiner Schilderung gar nicht interessiert.

Diese Journalisten versagen nicht im Detail, sie versagen in der Substanz ihres Berufs. Sie sitzen vor einem Oppositionsführer aus einem mörderischen Terror-Staat, der foltert, exekutiert und seine Bevölkerung terrorisiert, und schaffen es dennoch, die Wirklichkeit zu umkreisen, ohne sie zu berühren. Das ist moralische Verwahrlosung mit Presseausweis.

Pahlavi wirft ihnen vor, sie interessierten sich stärker für Kritik an Amerika und Israel oder für Irans Vergangenheit als für die Toten, die aktuellen Hinrichtungen und die demokratische Zukunft des Landes. Härter kann man den europäischen Medienbetrieb kaum treffen, und härter hat er es offenkundig auch verdient. Denn hier zeigt sich ein Journalismus, der sich ununterbrochen selbst feiert, aber im Ernstfall nicht einmal mehr den Instinkt besitzt, das Grauen von der Kulisse zu unterscheiden. Genau genommen ist es doch so und darauf kann man es runterbrechen: Das mörderische Mullah-Regime ist erklärter Feind von Israel, möchte es am liebsten von der Landkarte tilgen und die Israels ins Meer treiben. Pahlavi steht für das komplette Gegenteil: für die Freundschaft und Brüderlichkeit mit Israel. Das mörderische Mullah-Regime ist gegen die USA. Pahlevi nicht.

Und da sitzen in der deutschen Bundespressekonferenz zahlreiche deutsche Journalisten und aus den vielen Augenpaaren blickt Pahlavi das gleiche Israel- und US-feindliche Mindest an. Hier herrscht keinerlei Interesse daran, dass die Mullahs unterliegen. Das sind die besten Freunde des absoluten Gros deutscher Journalisten.

Auf der Straße wird der Konflikt derweil sichtbar. Vor dem Reichstag demonstrieren mehrere hundert Unterstützer Pahlavis für einen Umsturz im Iran, zugleich gibt es Gegenproteste. Wegen der zahlreichen Versammlungen im Berliner Regierungsviertel sind rund 800 Polizisten im Einsatz. Der Staat fährt also Personal, Sperren und Einsatzwagen auf, politisch aber bleibt er stumm wie ein Betonklotz. Auch die Bilder der Iraner, die Pahlavi unterstützen finden den Weg in die Medien nicht:

Dann folgt die Szene, die den gesamten Besuch in ein einziges Bild presst. Nach seiner Pressekonferenz wird Pahlavi in Berlin mit roter Flüssigkeit beworfen, laut Berichten wohl Tomatensaft oder Tomatensoße. Ein Tatverdächtiger wird festgenommen („Derjenige, der Tomatensauce auf den Prinzen Réza Pahlavi geworfen hat, soll Pedram Hossein Montréb heißen, er ist der Sohn eines Revolutionsgardisten, Student der Kunst in Berlin.“). Es war kein schweres Attentat. Es war etwas viel Entlarvenderes: die sichtbare Verächtlichmachung eines Oppositionellen in einem Milieu, das ständig Toleranz predigt und im entscheidenden Moment den Hass auf den Richtigen lenkt.

— Nath-K (@KaanNathalie) April 23, 2026

Und wieder reagiert der Betrieb, wie er immer reagiert. Kleinreden, abhaken, weitergehen. Ein bisschen Tumult, ein bisschen Polizeimeldung, dann zurück ins gewohnte Meinungsmobiliar. Bloß nicht zu lange auf der Frage verweilen, was das über dieses Land sagt. Ein Exiloppositioneller gegen das Mullah-Regime kommt nach Berlin, wird politisch geschnitten, medial entkernt und auf offener Straße attackiert. Wer darin noch einen unglücklichen Einzelfall sehen will, will vor allem eines: nichts begreifen.

Der deutsche und europäische Umgang mit Pahlavi zeigt deshalb weit mehr als Unsicherheit gegenüber der iranischen Opposition.

Er legt die ganze Verkommenheit und Heuchelei eines westlichen Betriebs offen, der seine eigene Bequemlichkeit und seine Liebe zu den den Westen hassenden Mullahs längst als Tugend verkauft. Politiker, die für gar nichts mehr stehen außer für ihren Machterhalt und dem Profit, den sie daraus für sich und ihresgleichen ziehen können. Journalisten, denen nicht einmal in den Sinn kommt entscheidende Fragen zu stellen. Ein Milieu, das sich moralisch aufbläst und praktisch in sich zusammensackt, sobald reale Konsequenz gefragt ist. Wie unglaublich verrottet.

In genau dieses Klima hinein spricht Pahlavi seine Sätze. Sie richten sich gegen das Regime in Teheran, aber ebenso gegen jene europäischen Politiker und Journalisten, die aus Schwäche Routine gemacht haben. Gegen Funktionäre ohne Mut. Gegen Reporter ohne Instinkt. Gegen einen Westen, der seine Feigheit inzwischen so lange verwaltet, bis er sie selbst für Vernunft hält.

„I have spent the past several weeks traveling across Europe speaking to members of parliaments, governments, and the press. My visit had one objective, to give a voice to the millions of Iranians held hostage by the Islamic Republic, its terror, and its internet blackout. The millions of Iranians who have been silenced.

But I can now say with confidence that silencing, that censorship is not just happening at the hands of the regime in Iran, but by the international and particularly the European media. So I want to speak directly to the people of Europe. In the past two weeks, I have had two press conferences, one in Stockholm and one yesterday in Berlin. Between them, more than 150 journalists attended. We spent more than two hours together.

And in those two hours, not a single of the 150 journalists asked me a question about the 40,000 Iranians slaughtered on the streets of my country on January 8th and 9th. Not a single of the 150 journalists asked me about the 19 political prisoners executed in the last two weeks. When I told them that there were 20 political prisoners currently sentenced to death, not a single one of the 150 journalists asked me about them when I stood next to a mother whose son was killed and a father whose son was killed on January 8th and 9th and ask them to hear their stories. Not a single one of the 150 European journalists asked them a question. Here in the heart of a continent that claims to stand for human rights, justice, and dignity, its journalists have fully abdicated their professional responsibilities and even their moral objectivity. It is clear to me that my 40,000 brave, innocent compatriots who were slaughtered in the fight for liberty are of little interest to these journalists.

They seem more interested in criticizing America, asking why the United States and Israel killed the dictator that has slaughtered our people for 47 years than criticizing the regime doing the slaughtering. They seem more interested in asking questions about Iran’s past and history than about what is happening in Iran today or about the democratic future Iranians are seeking. One member of parliament even told me they didn’t think Iranians were ready for democracy.

But to that member of parliament, to those journalists, I remind you, Iranians aren’t just ready for democracy. 40,000 people just gave their lives for it. And I won’t let that be in vain. So know this. Whether or not Europe stands with us, whether or not your journalists do their jobs, whether or not your politicians demonstrate the courage to act, I will fight for my people and my country. Even if you have to do this alone, we will fight until Iran is free.“

Übersetzung:

„Ich habe die letzten Wochen damit verbracht, durch Europa zu reisen und mit Abgeordneten, Regierungsvertretern und der Presse zu sprechen. Mein Besuch hatte ein einziges Ziel: den Millionen Iranern eine Stimme zu geben, die von der Islamischen Republik, ihrem Terror und ihrer Internet-Sperre in Geiselhaft gehalten werden. Den Millionen Iranern, die zum Schweigen gebracht wurden.

Doch ich kann nun mit Zuversicht sagen, dass dieses Schweigen, diese Zensur nicht nur durch das Regime im Iran erfolgt, sondern auch durch die internationalen und insbesondere die europäischen Medien. Deshalb möchte ich mich direkt an die Menschen in Europa wenden. In den vergangenen zwei Wochen habe ich zwei Pressekonferenzen abgehalten, eine in Stockholm und eine gestern in Berlin. Insgesamt nahmen mehr als 150 Journalisten daran teil. Wir verbrachten mehr als zwei Stunden miteinander.

Und in diesen zwei Stunden stellte mir kein einziger der 150 Journalisten eine Frage zu den 40.000 Iranern, die am 8. und 9. Januar auf den Straßen meines Landes niedergemetzelt wurden. Kein einziger der 150 Journalisten fragte mich nach den 19 politischen Gefangenen, die in den letzten zwei Wochen hingerichtet wurden. Als ich ihnen sagte, dass derzeit 20 politische Gefangene zum Tode verurteilt sind, fragte mich kein einziger der 150 Journalisten nach ihnen. Als ich neben einer Mutter stand, deren Sohn getötet wurde, und einem Vater, dessen Sohn am 8. / 9. Januar getötet wurde, und sie bat, ihre Geschichten anzuhören.

Kein einziger der 150 europäischen Journalisten stellte ihnen eine Frage. Hier, im Herzen eines Kontinents, der vorgibt, für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Würde einzutreten, haben seine Journalisten ihre berufliche Verantwortung und sogar ihre moralische Objektivität völlig aufgegeben. Mir ist klar, dass meine 40.000 tapferen, unschuldigen Landsleute, die im Kampf für die Freiheit niedergemetzelt wurden, für diese Journalisten kaum von Interesse sind.

Sie scheinen mehr daran interessiert zu sein, Amerika zu kritisieren und zu fragen, warum die Vereinigten Staaten und Israel den Diktator getötet haben, der unser Volk 47 Jahre lang abgeschlachtet hat, als das Regime zu kritisieren, das das Abschlachten vollzieht. Sie scheinen mehr daran interessiert zu sein, Fragen über die Vergangenheit und Geschichte des Iran zu stellen, als darüber, was heute im Iran geschieht oder über die demokratische Zukunft, die die Iraner anstreben. Ein Abgeordneter sagte mir sogar, er glaube nicht, dass die Iraner bereit für Demokratie seien.

Aber diesem Abgeordneten und diesen Journalisten möchte ich sagen: Die Iraner sind nicht nur bereit für die Demokratie. 40.000 Menschen haben gerade ihr Leben dafür gegeben. Und ich werde nicht zulassen, dass das umsonst war. Seien Sie sich dessen bewusst: Ob Europa nun zu uns steht oder nicht, ob ihre Journalisten ihre Arbeit tun oder nicht, ob ihre Politiker den Mut zum Handeln aufbringen oder nicht – ich werde für mein Volk und mein Land kämpfen. Selbst wenn wir dies allein tun müssen, werden wir kämpfen, bis der Iran frei ist.“

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