Der scheidende Ministerpräsident gibt sein Parlamentsmandat zurück, bleibt aber Parteichef. Kann er noch einmal Wahlen gewinnen? Eine Bestandsaufnahme.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | M. Iacobucci
Bereits in der Wahlnacht am 12. April erkannte Orbán seine Niederlage an, und sprach zugleich von einem Neubeginn: „Die Arbeit beginnt”, mit einer Analyse der Niederlage, und einem Umbau der Fidesz-Partei, um sie fit zu machen für vier Jahre Oppositionsarbeit.
Dazu gehört ein Umbau der Parlamentsfraktion: Orbán selbst, sowie drei führende Politiker der mit Fidesz alliierten Katholiken-Partei KDND, kündigten am Wochenende an, dass sie auf ihre Parlamentsmandate verzichten. Der kämpferische Fidesz-Fraktionschef Máté Kocsis, der im Wahlkampf mit bissigen Auftritten und Videos eine wesentliche Rolle spielte, tritt die Rolla ab an den weit milderen, immer gemäßigt formulierenden bisherigen Kanzleramtsminister Gergely Gulyás. Ihn kennt man in der deutschen Politik sehr gut: Die ungarisch-deutsche Beziehung lief lange Jahre hindurch ganz wesentlich über ihn, und er verfügt diesbezüglich auch heute noch über exzellene Kontakte.
Man darf ihn nunmehr ruhig als Orbáns designierten Nachfolger betrachten, als der Mann, der den Kampf aufnehmen soll mit Péter Magyar, mit dem er lange befreundet war. Die beiden sind aber charakterlich und auch im öffentlichen Auftreten ganz gegensätzlich: Péter Magyar ist flamboyant, in seiner Ausdrucksweise gegenüber dem politischen Gegner krass, drohend, beleidigend, verletztend. Gulyás ist im Ton immer seriös, höflich und zurückhaltend, ein Meister der sanften Ironie. Auch inhaltlich vertritt er – verglichen mit Orbán – sehr viel gemäßigtere Positionen. In einem Interview mit mir 2019 zeigte er sich gar offen für eine Zusammenarbeit mit Grünen und Liberalen, und befürwortete die Einführung des Euro – den Péter Magyar nun einführen will.
Orbán selbst sagte, Gulyás werde maßgeblich am Umbau der Partei mitwirken. Aber wie kann eine Erneuerung aussehen, und wie wird man die historische Niederlage analysieren, welche Schlüsse daraus ziehen? Und: Kann Gulyás auch Wahlkampf, oder gibt es eine Chance für eine erneute Wiederkehr Orbáns an die Macht?
Die Ausgangslage ist schlecht. Fidesz hat zwar bei der Listenwahl gar nicht einmal so schlecht abgeschnitten, mit fast 40 Prozent der Stimmen. Auch das Ergebnis des Wahlsiegers war bei Licht besehen mt 53 Prozent nicht so phänomenal: Orbán hatte 2022 mehr geschafft, 54 Prozent.
Aber dort, wo die meisten Beobachter seine eigentliche Stärke vermutet hatten, in den 106 Wahlkreisen, wo entsprechend viele Abgeordnete direkt gewählt werden, dort schmierte Fidesz buchstäblich ab. Nur in 10 Wahlkreisen gelang ein Sieg. 2022 waren es 87 gewesen. Und so wurde aus den 53 Prozent für Tisza die größte parlamentarische Mehrheit seit der Wende, 141 von 199 Mandaten. 2022 hatte Fidesz mit einem vergleichsweise höheren Stimmenanteil „nur” 135 Mandate errungen. In den Wahlkreisen lag also das Problem. Entsprechend sagte Orbán noch am Wahlabend, er wede mit allen Fidesz-Gliederungen in den Wahlkreisen sprechen. Am Samstag, also rund zehn Tage später, gab er bekannt, dass diese Beratungen nun erfolgt seien – nicht aber, zu welchem Ergebnis man gekommen sei.
Eine ehrliche Bestandsaufnahme für Fidesz muss mit den schlechten Nachrichten beginnen.
Erstens: Die jetzige Niederlage ist so verheerend, dass ein Vergleich mit der Lage der Sozialisten 2010 angebracht ist, gegen die Orbán einen Erdrutschsieg feierte. Heute gibt es sie gar nicht mehr.
Zweitens: Der Glaube an Orbáns „Unfehlbarkeit” hat Schaden genommen. Er galt bis jetzt als genialer Stratege, als jemand, der „spürt”, was im politischen Raum passiert. Seine Strategie bei dieser Wahl lag jedoch sichtlich falsch. Seine Botschaft, Veränderung sei gefährlich, eine Tisza-Regierung werde Ungarn in einen „Krieg” führen, fanden die Wähler nicht glaubhaft. Und auch manches, was er sonst sagte, erwies sich als falsch. Noch im Sommer 2025 hatte er von 80 „sicheren” Wahlkreisen gesprochen, von einem „überwältigenden Sieg”. Daraus wurden wenige Wochen vor der Wahl 65, dann 60. Am Ende waren es zehn. Effekt: Von nun an wird man nicht mehr automatisch glauben, was er sagt.
Drittens: Die Demografie. In jedem Wahlzyklus sterben rund 500.000 Ungarn, 3-400.000 Erstwähler kommen dazu, die mit Fides wenig anfangen können. Diese Wahl war auch die Wahl einer neuen Generation, mobilisiert und emotionalisiert über die sozialen Medien. Es war die hohe Beteiligung der Jugend, die Orbán zu Fall brachte.
Viertens: Erneuerung, aber wie? Orbán muss und wird vorerst bleiben, ohne ihn könnte die Partei sogar zerfallen. Erneuerung mit dem alten Chef, der noch dazu derzeit der größte Wahlverlierer aller Zeiten ist, das wird nicht leicht.
Fünftens: Welche Botschaft? Fidesz braucht eine neue Botschaft, denn die bisherige ist bei den Wählern gescheitert.
Sechstens: Das Geld fehlt. Fidesz wird in der Opposition mit deutlich weniger Geld auskommen müssen. Also weniger Geld für eigene Medien, weniger Geld, um guten Leuten Karriereaussichten zu ermöglichen.
Und schließlich: Wie kann man das negative Momentum wenden? Die Niederlage war schlimm, aber die Umfragen nach der Wahl sind schlimmer: 66 Prozent für Tisza, 25 Prozent für Fidesz.
Soviel zu den Schwierigkeiten, vor denen Fidesz steht. Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer:
Erstens: Tisza wird einen so hohen Sieg nicht wiederholen können. Es war eine Protestwahl gegen Orbán, der ist jetzt aber weg.
Zweitens: Spannungen in der neuen Regierungspartei. Ihre Wählerschaft reicht von extrem rechts bis extrem links, und alles dazwischen. Es gibt überhaupt keine linke Partei mehr. Neugründungen in den kommenden Jahren könnten Tisza schwächen. Das gilt freilich auch für Fidesz selbst: Neue, rechte Parteien könnten versuchen, diesen politischen Markt zu erobern.
Drittens: Die harte Realität des Regierens. Péter Magyar hat im Wahlkampf Unmögliches versprochen – alle sozialen Leistungen des Orbán-Systems behalten, Steuern senken, Kernforderungen der EU ablehnen (Migrationspakt), aber trotzdem die EU-Gelder einfordern. Das wird nicht alles gleichzeitig möglich sein.
Unausweichlich wird es auch wirtschaftliche Probleme gebe, Krisen, unerwartete Ereignisse, und die permanente Unzufriedenheit der Generation Z. Péter Magyar wird viele Wähler enttäuschen.
Das war es aber auch schon. Orbán ist ein politisches Genie, und es mag ihm noch ein großer Wurf gelingen. Aber wenn, dann gegen die größten Widerstände, denen er je begegnet ist. Noch dazu ist eines der Probleme er selbst, seine polarisierende Person.
Manche sehen für ihn einen sanften Sonnenuntergang als EU-Politiker. Aber ob er so etwas überhaupt will? In Brüssel? Ohne seine heimische Machtbasis, die er bisher hatte, wäre er auch dort nur noch schwach.

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Magyar nimmt gerade Orbáns „Gesetze zum Schutz Minderjähriger“ (gemeint ist die LGBTQ+-Propaganda) zurück und richtet einen eigenen Fernsehsender Namens Szivárvány TV (Regenbogen TV) für Kinder und Jugendliche ein. im Sinne der Indoktrinierung mit EU-Gender-Propaganda.
Magyar reiht sich damit ein in den anti-kulturellen, anti-traditionellen EU-Kurs zur Transformation in den postnationalen Regenbogenfahnen-Globalismus.
Daß Magyar den Kurs Orbáns fortsetzen würde, scheint damit eine aus Wunschdenken geborene Illusion zu sein.
Magyar wird seine Mehrheit für Verfassungsänderungen nutzen im Sinne der EU.
Mit Wahlen werden die den nicht mehr los.
Es gibt im Netz Gerüchte, dass Orban und Magyar faktisch ein Team sind. Magyar war anscheinend (hab nicht selber recherchiert) ein guter Freund von Orban und hat sich von ihm (eigentlich Fidez) getrennt und dann Tisza gegründet (und das ohne klare Aussagen was er tun würde, aber er war gegen Orban) und – oh Wunder – plötzlich sind die Wahlkampfmillionen geflossen. Man vermutet von der EU – Orban sollte ja zwingend weg. Und Orban wusste, dass die EU alles tun würde, um ihn loszuwerden. Und nun aber scheint es, dass Magyar kaum eine andere Politik macht als Orban. Er will… Mehr
Vielleicht muss man einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass 16 Jahre genug sind. Macht macht etwas mit einem und da kann eine so lange Zeit durchaus zu einem Nachteil werden.
Die eigentliche Frage wird sein, was sich nun ändert. Wird sich Ungarn einreihen in die Brüsseler Clique oder bleibt es weiterhin eigenständig und selbstbestimmt?
In Deutschland jedenfalls war die Änderung nach 16 Jahren dringend notwendig, aber geändert hat sich (,wenn überhaupt,) alles zum noch Schlechteren. Die wichtige Kehrtwende blieb aus und Deutschland rutscht seitdem von einer Katastrophe in die nächste. Ich hoffe, den Ungarn´ geht es nicht genauso.
oder bleibt es weiterhin eigenständig und selbstbestimmt?…..war Ungarn nie bezogen auf die EU mitgliedschaft. Seit beitritt ist Ungran von EU geld (auch unserem) abhängig. Ohne das geld der EU (unserem geld) wäre Ungarn heute noch ein drittewelt land!
Böses Medium zum Thema: „Israel verliert seine letzten Verbündeten in Europa“: > „… Der Machtwechsel in Ungarn wird Auswirkungen auf ein weiteres Land haben, das von Europa weit entfernt liegt – Israel. … Der scheidende ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán unterstützte Tel Aviv … Seit den Wahlen in Ungarn sind bereits mehr als zehn Tage vergangen, doch in den Medien wird weiterhin darüber diskutiert, welcher der externen Akteure zusammen mit Viktor Orbán verloren hat. Immer häufiger wird die Meinung geäußert, dass Israel der größte Verlierer sei. Die Zeitung Politico schreibt: … „Die Niederlage von Viktor Orbán bei den Parlamentswahlen in Ungarn beraubt Israel… Mehr
Das ist Wasser auf ihre Mühlen, kaum ein Lesebrief von ihnen, auch wenn es um andere Themen geht, zeigt, dass für alles Böses auf der Welt, Israel schuld hat. Nicht der Islam, nein, das sind die Guten.
Orban braucht gar nichts zu machen. Entweder Magyar performt besser als Orban oder Magyar ist beim nächsten Mal weg vom Fenster.
Orban ist da. Magyar ist sein Erbe und Ziehsohn. Peter Magyar wird Österreich- Ungarn wieder begründen. Viktor Orban wird der nächste EU- Präsident. Er wird das Drei-Kaiser-Abkommen erneuern und den Vertrag von Trianon revidieren. Er wird Europa wieder ins Lot bringen. Gott schütze Orban, Magyar, Ungarn und Europa.
Die Ungarn werden schon bald sehen, was sie an Orbán verloren haben.
Die „neue Generation“ darf gerne übernehmen und die Probleme der EU möglichst schnell importieren.
Wenn Orbán schlau überlegt, geht er zu einem sehr langen Besuch zu seiner Familie in die USA und genießt zurückgezogen sein Leben.
Orbán hat Ungarn gedient.
Orbán hat Ungarn gedient…..aber mehr schlecht als recht. Warum ist Ungran nach 16 jahre Orban immer noch auf unser geld angewiesen?
Demokratie lebt vom Wechsel.
… und „unsere Demokratie“ vom ‚weiter so‘ losgelöst von Wahlergebnissen.
Thomas Röper analysierte vor geraumer Zeit inwieweit sich primär im Westen die tatsächliche Politik nach Erfolgen von Oppositionsparteien änderte. Interessant!
Orbán hat viel gutes für Ungarn tatsächlich gemacht. Jetz schauen wir mal von anderer Seite. Er hat eine vertikale Korruptionsstruktur aufgebaut, was nach und nach bekannt wurde. Ich bezweifle, dass die neue Regierung dies nicht ausnutzen wird. Es war sehr schwierig, Orbán bei den Wahlen zu besiegen. Er hat das Wahlsystem so zu seinen Gunsten verändert, dass Kandidaten in ländlichen Wahlkreisen, in denen der Großteil seiner Wähler lebte, weniger Stimmen benötigten, um die Wahl zu gewinnen, als in städtischen Wahlkreisen. Ich wäre sehr überrascht, wenn der Sieger der aktuellen Wahlen diese eigenartige Besonderheit des ungarischen Wahlsystems nicht ändern würde. Ohne… Mehr
überhaupt wünschenswert?….na ja viel erreicht hat er ja nicht für ungarn – so ist ungran immer noch abhängig von der EU und so auch von unserem geld.