Die Hoffnung auf Teilnahme eines deutschen Astronauten an der nächsten großen NASA-Mondmission hat sich zerschlagen: Statt Alexander Gerst oder Matthias Maurer wird der italienische ESA-Raumfahrer Luca Parmitano als Pilot an Bord der Artemis-III-Mission gehen.
picture alliance / AP Photo/Annie Mulligan | Annie Mulligan
Die vierköpfige Crew von Artemis III besteht laut AP nun aus dem NASA-Kommandanten Randy Bresnik, dem ESA-Piloten Luca Parmitano sowie den Missionsspezialisten Frank Rubio und Andre Douglas. Als Backup steht NASA-Astronaut Bob Hines bereit. Der Start ist für 2027 geplant. Anders als ursprünglich vorgesehen, wird es jedoch keine Mondlandung geben: Die Mission dient als komplexer Testflug in der niedrigen Erdumlaufbahn (Low Earth Orbit). Dort soll das Orion-Raumschiff mit einem oder zwei kommerziellen Mondlandefähren – entwickelt von SpaceX und Blue Origin – koppeln und kritische Systeme für die späteren Landemissionen erproben. Artemis IV und V sollen dann 2028 die ersten bemannten Mondlandungen seit Apollo 17 im Jahr 1972 durchführen.
Die Entscheidung für Parmitano kommt nicht ganz überraschend: Der 49-jährige Italiener ist der einzige ausgebildete Testpilot im aktuellen ESA-Astronautenkorps. Mit zwei Langzeitaufenthalten auf der ISS (insgesamt 366 Tage im All), sechs Weltraumausstiegen und der Leitung der Expedition 61 hat er beeindruckende Erfahrung. Parmitano, verheiratet und Vater zweier Kinder, wurde an der italienischen Luftwaffenakademie zum Testpiloten ausgebildet und 2009 in das ESA-Korps aufgenommen. „Ich fühle mich unglaublich glücklich und demütig zugleich“, sagte er nach der Nominierung.
Noch Ende 2025 hatte ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher angekündigt, dass die ersten Europäer auf Artemis-Missionen Astronauten deutscher, französischer und italienischer Nationalität sein würden, mit Deutschland an erster Stelle. Alexander Gerst und Matthias Maurer, beide hochdekoriert, hatten sich offen für die Mondmission beworben. Nun bleibt abzuwarten, ob einer von ihnen bei den Folgemissionen zum Zug kommt. Der frühere ESA-Chef Jan Wörner gratulierte Parmitano herzlich: „Luca ist ein absoluter Profi und ein sehr sympathischer Typ. Meine Hoffnung ist, dass bei einer echten Mondlandung ebenfalls ein Europäer dabei sein wird.“
Die Strategieänderung der NASA unter Jared Isaacman zielt darauf ab, Risiken zu minimieren und das Programm zu beschleunigen. Nach dem erfolgreichen unbemannten Artemis I und dem bemannten Mondumflug Artemis II im Frühjahr 2026 soll Artemis III als „Apollo-9-ähnlicher“ Test die komplexen Rendezvous- und Dockmanöver mit den Landefähren erproben. Technische Probleme beim Orion-Hitzeschild hatten bereits mehrfach zu Verschiebungen geführt.
Für 1,8 Milliarden Euro gibt es kein Artemis-Ticket
Für Deutschland, das mit jährlich 1,8 Milliarden Euro die ESA mitfinanziert und beträchtliche Beiträge zum Orion Service Module leistet, ist die Nachricht ein Rückschlag. Dennoch bleibt die Beteiligung Europas am Artemis-Programm ein großer Erfolg: ESA liefert das dritte Service-Modul für diese Mission.
Das Artemis-Programm, benannt nach der griechischen Mondgöttin, soll langfristig eine nachhaltige Präsenz auf dem Mond aufbauen und dabei helfen, dass bemannte Mars-Missionen gestartet werden können.
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