Du sollst den Holocaust nicht instrumentalisieren: Der Tabu-Bruch des Bundeskanzlers

Friedrich Merz wollte die AfD halbieren. Hat er nicht geschafft. Was er geschafft hat: ein absolutes Tabu zu brechen. Merz hat den Holocaust instrumentalisiert, um den politischen Gegner zu delegitimieren. Weil er in der Auseinandersetzung mit ihm jämmerlich versagt hat. Dieser Mann hat die Orientierung verloren.

picture alliance/dpa | Jens Büttner
Friedrich Merz beim Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommern, 06.06.2026

Friedrich Merz, für den sich ohne seinen Anklatscher Philipp Amthor im Stile eines Duracell-Hasen bei seinem Besuch beim Landesparteitag der CDU in Mecklenburg-Vorpommern wohl kaum eine Hand zum Applaus gerührt hätte, hielt eine belanglose Rede, reihte fast 40 Minuten Phrase an Phrase und wahrscheinlich hätte man diese Rede verflüssigen, abfüllen und als Schlafmittel verkaufen können.

Doch zeigte Merz, wie ungeeignet er als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ist, dass er die Geschichte genauso wenig kennt wie die Gegenwart. Er brach mit dem Tabu, dass man den Holocaust als „schlimmstes Unrecht unseres Landes …, das es in der Geschichte jemals gegeben“ hat, nicht dadurch verharmlosen und banalisieren darf, indem man den Holocaust in der tagespolitischen, in der parteipolitischen Auseinandersetzung und im Wahlkampf instrumentalisiert.

Wörtlich sagte Merz nach circa 8 Minuten mit Blick auf die AfD, dass sie „in der Tradition des schlimmsten Unrechts unseres Landes steht, das es in der Geschichte jemals gegeben hat“. Damit kann nur der Holocaust gemeint sein.

Philipp Amthor
Muttis Bubi ist Fritzes letzter Fan
Womit belegt Friedrich Merz, dass die AfD in der Tradition des Holocaust steht? Wäre eine Partei, die in der Tradition des Holocaust steht, überhaupt in Deutschland zugelassen?

Wie immer man zur AfD steht, man kann sie vollkommen ablehnen, aber eines kann man nicht: den Holocaust instrumentalisieren, um den politischen Gegner zu delegitimieren, weil man in der politischen Auseinandersetzung mit ihm jämmerlich versagt, weil einem nur noch dieses Argument zur Verfügung steht.

Wollte Merz die AfD nicht halbieren? Er hat sie verdoppelt. Greift Merz deshalb zum Geschichtsrevisionismus, weil er keine anderen Argumente mehr besitzt?

Was sollte ein Mann, der seine Wahlkampfversprechen gebrochen hat, der inzwischen das Gesicht des Niedergangs ist, der mit seinen Mitbürgern über den Staatsanwalt zu kommunizieren pflegt, auch anderes machen, als nach dem gröbsten, dem schlimmsten Argument zu greifen und dabei ein Tabu, das aus vollem Recht besteht, zu brechen?

Merz bemüht die Geschichte. Schauen wir in die Geschichte. Kronzeuge in seinem Kreuzzug gegen die AfD, für das Anathema, das er gegen die AfD schleudert, ist der Grüne Joschka Fischer. Fischer, der 1969 in Algier an der PLO-Konferenz teilnahm, ist wahrlich der richtige Kronzeuge für Merzens Kreuzzug. Fischer, der Mitglied der linksmilitanten Gruppe Revolutionärer Kampf war und sich an mehreren Straßenschlachten mit der Polizei („Putzgruppe“) beteiligte, in denen Dutzende von Polizisten zum Teil schwer verletzt wurden, taugt wahrlich als Merzens Gewährsmann.

War es nicht Fischers Kumpel Joscha Schmierer, den Fischer im Planungsstab des inzwischen durch und durch grünen Außenministeriums nahm, der auch mit einem Schlächter wie Pol Pot einen Flirt hatte? Nach den Morden an Buback, Ponto und Schleyer äußerte Fischer: „Bei den drei hohen Herren mag mir keine rechte Trauer aufkommen, das sage ich ganz offen für mich.“ Das ist der Mann, den Friedrich Merz zitiert – und den Merz auch nur zitieren kann, weil rotgrüne Medien dem immer noch mit großen Ohren zu Füßen sitzen. Man nennt es Diskursherrschaft.

Aber was soll Friedrich Merz machen? Hinter der Brandmauer hat er für sich und für seine Partei die politische Mitte gefunden, in Wahrheit die Mitte zwischen den Grünen und der SPD. Denn wenn Friedrich Merz inzwischen von der politischen Mitte spricht, meint er eben dies, sich in der Mitte zwischen Roten und Grünen zu befinden. Fischer ist Merzens Gewährsmann, Klingbeil dessen Chef. Merzens CDU in Sachsen-Anhalt würde, um an der Macht zu bleiben, mit den Linken kooperieren, doch die Linke ist rechtsidentisch mit der SED, mit der Partei von Stacheldraht, Stasi und Mauerbau. Kein Problem, auf Mauern stehen sie inzwischen auch in der CDU. Dafür brechen sie jedes Tabu, wie Merz zeigt.

CDU-Königreich Sachsen-Anhalt:
Der Wähler darf noch seine Stimme abgeben, aber Schulze sieht sich schon als Ministerpräsident
Bleiben wir bei der deutschen Geschichte, die Merz bemüht. Gehört zu den Wurzeln der CDU nicht auch die Deutsche Zentrumspartei? War es nicht der Zentrums-Mann Brüning, der mit seiner Notverordnungspolitik und seinem Präsidialkabinett auf seine Art die Demokratie abbaute und dadurch das Anwachsen der NSDAP ermöglichte? Und war es nicht der andere Zentrumspolitiker, Franz von Papen, der zu Hitlers Steigbügelhalter wurde? Historische Vergleiche, Gleichsetzungen und Analogien sind kompliziert und komplex. Sie sind etwas für Fachleute, für Adepten und Könner, Merz ist nichts davon.

Historische Kontinuitäten der AfD mit der NSDAP existieren nicht. Weil sie nicht existieren, kann sie Merz auch nicht belegen. Doch auf diesem Gebiet mal eben zu behaupten, sollte man tunlichst unterlassen. Es gehört sich nicht. Ein Mann, der in seiner politischen Not den Holocaust politisch instrumentalisiert, kann nur die Orientierung verloren haben.

In Sachsen-Anhalt wollen sie Merz im Wahlkampf nicht sehen, in Mecklenburg-Vorpommern wird er die CDU Prozente kosten, nach dieser Rede ohnehin, da kann Philipp Amthor noch so klatschen, selbst wenn er zehntausend Hände hätte. In der Wahlumfrage vom 13. Mai von Infratest dimap hatte die CDU in Mecklenburg-Vorpommern noch einmal 3 Prozentpunkte verloren und steht nun bei 10 Prozent, die AfD bei 36 Prozent. Vielleicht macht Merzens Besuch die CDU einstellig. Wie sagte er doch: „Wir schaffen das.“

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 4 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

4 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
derostenistrot
48 Minuten her

es ist ja wohl klar, daß die heutigen Post-Faschisten in der Ukraine sind. Selenski würdigt Leute wie Bandera mit Mausoleum und Statuen. Pervers, und Merz übersieht dies.

Minusmann
51 Minuten her

Nachdem nun wirklich jeder, der anderer Meinung ist, als Nazi bezeichnet wird, nachdem das Wort Faschismus eine peinliche Komplett-Inflation erlitten hat, kann jetzt auch ruhig der Holocaust durch den Relativierungs-Fleischwolf gedreht werden. Es kommt echt nicht mehr darauf an. Und Merz? Ein armes Würstchen, mehr nicht.

Ich bin RECHTS
55 Minuten her

Zitat Merz:
„…die AFD….in der Tradition des schlimmsten Unrechts unseres Landes steht, das es in der Geschichte jemals gegeben hat“.

Für mich wäre dieser unselige und unfähige „Schwachkopf“ und „Lügenkanzler“ mit seiner Hetze längst ein Fall für den Verfassungsschutz.

Ich bin RECHTS
1 Stunde her

Merz ist einfach nur widerlich.

Es gab in der CDU insgesamt mindestens 65 hohe Parteimitglieder mit NSDAP-Vergangenheit.

Hier nur eine unvollständige Liste:
Kurt Georg Kiesinger
Franz-Josef Röder
Helmut Lemke
Hans Filbinger
Egon Reinert
Alfred Dregger
Walther Leisler Kiep
Herbert Blankenhorn
Kurt Birrenbach
Pascual Jordan
Paul Mikat
Carl Neinhaus
Anton Wübbena-Mecima
Martin Wurm
Friedrich Wilhelm Willeke
William Willführ
……..