Der Wähler darf noch seine Stimme abgeben, aber Schulze sieht sich schon als Ministerpräsident

Sven Schulze hält seine Wiederwahl schon vor der Landtagswahl für ausgemacht. Dabei hängt seine Macht in Sachsen-Anhalt an einer wackligen Brandmauer-Mehrheit mit SPD und Linken, während die AfD in den Umfragen davonzieht. Wenn an einem nicht zu zweifeln ist: Wer Schulze wählt, wählt Linke.

picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Im September wird in Sachsen-Anhalt der Landtag gewählt. Doch das ist Nebensache, denn der neue Ministerpräsident steht schon fest, es wird der alte sein. Das heißt eigentlich nicht tatsächlich der alte Ministerpräsident, sondern der junge alte oder der plötzlich alte Ministerpräsident des Bundeslandes, denn eigentlich wollte Reiner Haseloff bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt bleiben. Doch dann trat Haseloff als Ministerpräsident überraschend zurück und zum neuen Ministerpräsidenten wurde im Januar 2026 der Spitzenkandidat der Landes-CDU Sven Schulze gewählt. Die Begründung, dass er mit dem Amtsbonus in den Wahlkampf ziehen würde, verdrängt gewaltig die Tatsache, dass der Wahlkampf längst tobt, Schulze also, wenn das der Plan war, schon zur Hälfte der Legislatur hätte übernehmen müssen. Geändert hätte das vermutlich nichts, außer, dass Schulze sich fest davon überzeugt zeigt, in diesem Jahr gleich zweimal zum Regierungschef gewählt zu werden.

Von wem – außer natürlich von der AfD –, spielt anscheinend für Schulze keine Rolle, er weiß nur, er wird’s. Er will nicht länger geschäftsführend im Amt bleiben, sondern recht zügig nach der Auszählung der Stimmen, ganz gleich, was sie ergibt, sich zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Gegenüber Politico antwortete Schulze auf die Frage des Portals, ob die Wahl des Ministerpräsidenten innerhalb weniger Wochen stattfände: „Ja, natürlich.“ Zwar weiß Schulze nicht genau woher, doch er ist sich sicher: „Wenn es um Sven Schulze geht, dann ist das die Nummer eins für die Menschen im Land.“ Aha.

Wer CDU wählt, wählt Linke:
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Doch so sicher, wie Schulze die Nummer eins im Land ist, obwohl die Beliebtheitswerte von Reiner Haseloff bei 59 Prozent liegen, die von Schulze gerade mal bei 20 Prozent, also noch unterhalb der Werte der Partei, die in der Sonntagsfrage bei 24 Prozent dümpelt, trotz Amtsbonus, trotz dessen, dass man in Sachsen-Anhalt nicht einmal das Testbild einschalten kann, wenn es das noch gäbe, ohne Schulze zu sehen.

Vielleicht beruht Schulzes Sicherheit auch darauf, dass er den Menschen klare Ansagen machen und die Sorgen nehmen kann, dass in Sachsen-Anhalt Küchenmaschinen eine Küchenmaschine zum Ministerpräsidenten wählen werden, denn so ließ er souverän und kühn die Wähler wissen: „Ich bin überzeugt, Menschen wählen Menschen.“ Na dann.

Schulzes Sicherheit beruht auf den höchst unsicheren Wahlumfragen, in denen die AfD 42 Prozent der Stimmen holen könnte, die CDU 24 Prozent, die Linke 13 Prozent und die SPD 6 Prozent. Damit hätte Schulzes Brandmauereinheitsfront eine satte Mehrheit von 1 Prozent, 43 Prozent im Vergleich zur AfD mit 42 Prozent. Wenn an einem nicht zu zweifeln ist, ist, dass Sven Schulze in bester Blockflötenmanier mit den Linken und der SPD zusammenarbeiten würde, das heißt, wer Schulze wählt, wählt Linke.

Doch die ganze Rechnung steht auf wackligen Beinen, auf wackligen 1-Prozent-Beinen. Das heißt, würden nur ein oder zwei CDU-Abgeordnete Schulze die Gefolgschaft verweigern oder käme das BSW doch in den Landtag oder würde die CDU, die Linke oder die SPD nur 1 bis 2 Prozentpunkte weniger Stimmen holen oder würde die AfD noch 1 oder 2 Prozentpunkte mehr an Zustimmung bekommen, dann könnte sich Sven Schulze allenfalls noch von Küchenmaschinen wählen lassen.

Alles bleibt offen. Doch es hat Schulzes Chancen sicherlich erhöht, dass die Präsidiumsklausur der CDU in Sachsen-Anhalt nicht stattfindet, sodass der Held von Gardelegen, Friedrich Merz, Sven Schulze auf den letzten Metern nicht noch den Wahlkampf verdirbt.

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