CDU sagt Magdeburg-Klausur ab: Merz wird im Osten zum Wahlkampfrisiko

Nicht mal die CDU Sachsen-Anhalt will mit Friedrich Merz auf einer Bühne stehen: Die CDU-Spitze wollte kurz vor der Landtagswahl in Magdeburg tagen. Nun fällt die Klausur aus. Offenbar ist Friedrich Merz für die eigene Partei im Osten zu einer solchen Hypothek geworden, dass man ihn lieber auf Abstand hält.

picture alliance / dts-Agentur

Das CDU-Präsidium sagt seine für Ende August geplante Klausurtagung in Magdeburg ab. Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sollte die versammelte Parteispitze eigentlich Rückenwind für Ministerpräsident Sven Schulze und die Landes-CDU bringen. Genau daraus ist nun offenbar die Sorge geworden, dass der Kanzlerbesuch mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Die CDU hat die Absage gegenüber dem Spiegel bestätigt.

Offiziell klingt alles adrett: Schulze wolle den Fokus auf den Wahlkampf legen, interne Gremiensitzungen hätten in der Schlussphase keinen Vorrang. Hinter der Absage steht ein politischer Befund, den man im Konrad-Adenauer-Haus ungern laut ausspricht: Friedrich Merz zieht im Osten nicht. Er belastet dort die eigene Partei noch mehr als der eigene Landesvorsitzende. Na denn man tau.

Für die CDU in Sachsen-Anhalt ist das eine weitere Blamage in einer nicht enden wollenden Serie. Die Klausur war als Signal gedacht. Von lauter Signalen und „Wir müssen“-Formeln haben die Bürger zwar den Rand bis obenhin voll, aber weiter im Text. Berlin reist an, der Kanzler kommt, die Bundespartei stellt sich hinter den Ministerpräsidenten, die Kameras laufen, alle winken, erzählen irgendwas, was die angeschlossenen Medien in Schlagzeilen gießen und eh nicht mehr abfragen, und weiter zieht die Karawane, ohne irgendwas tatsächlich umsetzen zu müssen. Die Botschaft heißt: Geschlossenheit, Kraft, Regierungsfähigkeit. Nun bleibt von dieser Choreografie nur der Rückzug. Die Bundes-CDU stellt fest, dass ihre Inszenierung im Landtagswahlkampf wie ein paar Betonschuhe bei einem Badebesuch auskommt.

Die Zahlen erklären die Nervosität. In der aktuellen Insa-Umfrage liegt die AfD in Sachsen-Anhalt bei 42 Prozent, die CDU bei 24 Prozent. Für eine Partei, die seit Jahren von Brandmauer und staatspolitischer Verantwortung redet, ist das ein absolut vernichtender Zwischenstand. Die Wähler laufen nicht wegen fehlender CDU-Klausuren davon. Sie laufen davon, weil sie der CDU ihre Rolle als bürgerliche Kraft nicht mehr abnehmen. Merz ist dabei zum Symbol des Problems geworden.

Sven Schulze weiß offenbar besser als die Berliner Parteizentrale, was ein Auftritt von Merz im eigenen Wahlkampf auslösen kann. Die Bilder eines Kanzlers, der bundesweit die schwächsten Zustimmungswerte mitbringt, wären für die Landes-CDU kein Geschenk. Sie würden jeden lokalen Wahlkampf sofort überlagern. Dann ginge es nicht mehr um Schulze, Magdeburg oder Sachsen-Anhalt, sondern um die Frage, warum ausgerechnet der unbeliebteste Kanzler die CDU retten soll.

Der Vorgang ist auch deshalb so entzückend, weil die CDU seit Jahren anderen Parteien die politische Hygiene predigt. Sie erklärt Bürgern, mit wem man reden darf, wem man Räume geben darf, wer eingeladen werden darf und wer aus dem öffentlichen Leben herausgedrängt werden soll. Nun erlebt sie am eigenen Kanzler, was es heißt, wenn eine Präsenz als toxisch gilt. Merz wird nicht von Gegnern ausgeladen. Er wird von den eigenen Leuten aus dem Bild genommen.

Natürlich soll der Kanzler den Wahlkampf angeblich weiter unterstützen. Auch andere Unionspolitiker seien für Termine vorgesehen. Das ist die übliche Beruhigungsformel nach einer totalen Demütigung. Niemand sagt offen: Der Kanzler stört. Niemand sagt: Seine Politik verfängt nicht. Niemand sagt: Die CDU hat im Osten ein Vertrauensproblem, das mit jedem Berliner Auftritt größer werden kann.

Die Absage der Magdeburger Klausur ist deshalb mehr als eine Terminänderung. Sie ist ein Eingeständnis. Die CDU fürchtet in Sachsen-Anhalt nicht nur die Stärke der AfD. Sie fürchtet die eigene Bundespartei. Eine Partei, die ihren Kanzler im Wahlkampf dosieren muss wie ein Risiko, hat ein Problem, das sich mit Parteitagsrhetorik nicht mehr überdecken lässt.

Für Merz ist das besonders bitter. Er wollte der Kanzler sein, der die Union wieder nach vorn bringt und die AfD klein hält. In Sachsen-Anhalt steht nun das Gegenteil im Raum: Wo die AfD auf 42 Prozent kommt, wird der CDU-Kanzler für die eigene Landespartei zur Last. Das ist der Zustand der Union im Jahr 2026. Sie ruft nach Führung, versteckt ihren Führungsmann und nennt den Rückzug Wahlkampffokus.

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Kommentare ( 4 )

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yeager
15 Minuten her

Das Problem heißt eh „CDU“, nicht „Friedrich Merz“. Letzterer ist nur ein Symptom. Andere hätten genau so gehandelt, denn die Brandmauer ist in der CDU Konsens, die hätten dabei höchstens eine bessere Figur abgegeben. Insofern kann man Merz ja vielleicht noch dankbar sein, dass er die schlechte Politik auch noch schlecht verkauft hat. Merkel hat es ja jahrelang geschafft nicht mit der Politik der CDU in Verbindung gebracht zu werden. Merz schafft es dagegen sich jeden Klotz ans Bein zu binden. Er stolpert in irgendwelche Debatten rein, muss dann wegen Kritik alles wieder zurücknehmen, und hat es dann noch jedes… Mehr

Gernoht
21 Minuten her

Der L…fritze war wohl auch auf die fröhliche Begrüßung durch die Bürgenden nicht besonders scharf.

Ohanse
25 Minuten her

Merz ist der Jonas der CDU. Denen bleibt nichts anderes übrig, als ihn nach guter alter Sitte über Bord zu werfen, wenn sie nicht mit Mann und Maus untergehen wollen.

Last edited 23 Minuten her by Ohanse
Buck Fiden
25 Minuten her

Anstelle der AfD würde ich den Merz einladen, um ihn auszuzeichnen: Bester blauer Wahlkämpfer 2026.