Brosius-Gersdorf und die Leihmutterschaft: Kinder für alle!

Frauke Brosius-Gersdorf, die uns gottlob als Verfassungsrichterin erspart geblieben ist, denkt „vom Menschen her“ und sieht jegliche Einschränkung oder gar das Verbot von Leihmutterschaft als Angriff auf die Freiheit – von Frauen und Männern. Der Freiheit eine Gasse und den Papas ein Kind?

picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann / SVEN SIMON

Auch wenn Freunde von mir diesen Weg gegangen sind: Männer können nun einmal keine Kinder bekommen und ich finde, damit sollten sich schwule Paare auch abfinden. Man kann nicht alles haben im Leben.

Doch ich gebe es zu: Ich finde den Wunsch nach einer Familie ebenso löblich wie den Wunsch nach einer Ehe, denn das heißt, dass man sich verpflichtet, für einander zu sorgen, statt das im Falle des Falles den Staat erledigen zu lassen. Und doch stimmt nichts an der prosperierenden „Leihmutter“-Industrie.

Zum einen: Warum muss es unbedingt eine fremde Frau sein, die eine mit dem Samen der „Papas“ befruchtete fremde Eizelle austrägt? Warum keine Adoption eines bereits vorhandenen Kindes? Weil eine besondere Bindung durch „Blutsverwandtschaft“ gewünscht wird? (Oder weil die Richtlinien für eine Adoption viel zu vieles verhindern?) Und wieso wird es als unerheblich empfunden, wenn der „Leihmutter“ gleich nach dem Geburtsvorgang das Baby entzogen wird?

Ein Kind, das sie immerhin an die neun Monate im Leib getragen hat? Ist diese Bindung weniger wert? Hat das Baby keine Mutter verdient oder gar nötig? Und bei Mängeln oder Nichtgefallen zurück – ist das Kind damit etwa nicht zur Ware geworden? Das Verständnis für den Wunsch schwuler Männer und unfruchtbarer Paare nach „eigenen“ Kindern leidet unter solchen Fragen.

Und die „Leihmütter“? Ist das Geld, das sie erhalten, wenn sie sich zum Brutkasten machen, Entschädigung genug für körperliches und seelisches Leid?

Frauke Brosius-Gersdorf, die uns gottlob als Verfassungsrichterin erspart geblieben ist, sieht jegliche Einschränkung oder gar das Verbot von Leihmutterschaft, wie es in Deutschland gilt, als Angriff auf die Freiheit von Frauen. „Das Verbot ist dann paternalistisch und mit dem Menschenbild des Grundgesetzes nicht vereinbar, wenn Frauen sich freiwillig entscheiden, Leihmutter zu sein. Man darf Frauen und insofern auch Leihmütter nicht gegen ihren erklärten Willen vor sich selbst schützen.“

Nimmt man Brosius-Gersdorfs Ausführungen zur Menschenwürde, die sie ja bereits an anderer Stelle machte, ernst, ergibt sich aus ihnen, dass Frauen sowohl das Recht haben, einen Fötus noch kurz vor der Geburt abtreiben zu lassen, als auch ein bestelltes Kind gegen Geld auszutragen (oder halt nicht, wenn es „fehlerhaft“ ist?). Also ist auch der Fötus nicht schützenswert? Das ist die Konsequenz von „Mein Bauch gehört mir“, ein Spruch, den ich immer schon widerlich fand.

„Ich habe kein feministisches Verfassungsverständnis, sondern ein freiheitliches, das vom Menschen her denkt“, erläutert sie in der „Zeit“. „Entscheidend ist doch, dass ein staatliches Verbot der Leihmutterschaft ein Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Paare ist, die zur Familiengründung auf eine Leihmutterschaft angewiesen sind.“

Das ist der einzige Weg zu einer Familie? Wohl nicht.

Aber was soll’s. Alles ist machbar, Frau Nachbar. Und Selbstbestimmung ist sowieso der höchste Wert, wie wir wissen, seit Männer sich zu Frauen erklären können. Ich finde, zu meiner Selbstbestimmung gehört auch der autonome Kauf von Kokain und der Besitz einer Panzerfaust zwecks Selbstverteidigung. Auch das ist vom Menschen her gedacht, oder, Frau Brosius-Gersdorf?

Was eine „Schutzpflicht des Staates gegenüber den Kindern (…), die aus Leihmutterschaften hervorgehen“ betrifft, ist Brosius-Gersdorf ebenfalls lässig auf der Seite der Freiheit. „Die haben eine völlig normale Entwicklung und zeigen weder körperliche noch psychosoziale Auffälligkeiten. Das belegen viele Untersuchungen.“ Welche? Ein Bericht der Vereinten Nationen warnt vor schwerwiegenden menschenrechtlichen, gesundheitlichen und sozialen Risiken im Zusammenhang mit Leihmutterschaft.

Und eines dieser freiheitlich-selbstbestimmt entstandenen Kinder hat ein ganzes Buch (im TE-Buchshop erhältlich) darüber geschrieben, sie heißt Olivia Maurel. „Ich verurteile meine Eltern nicht. Sie konnten diesem Angebot auf dem Silbertablett einfach nicht widerstehen. Aber ich verurteile das System, das Leihmutterschaft ermöglicht. Für die Leihmutterschaft verkaufen wir unser Gewissen, wir schalten unser hochethisches Empfinden für die Würde des Menschen aus.“

Aber egal: der Freiheit eine Gasse und den Papas ein Kind. Mich gruselt.

Gut, dass uns Frauke Brosius-Gersdorf als Verfassungsrichterin erspart geblieben ist.

Unterstützung
oder

Kommentare ( 77 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

77 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
pavaroo
26 Tage her

Daß so eine vollkommen unbedeutende Person überhaupt von der „Zeit“ interviewt wird, sagt viel über dieses höchst eigenartig gewordene Blatt aus…

WandererX
21 Tage her

Ja, diese Kopfgeburtler! Ein Statement gegen diese blasse Juristin- Esoterik der Verfassungsrechtlerin: Vom Menschen her alleine denken und handeln kann man nicht, weil der Ausgang ja im Verstand (oder dem reinen Schutzreflex) stattfindet – und da gibt es wohl nur zwei Möglichkeiten: 1. die zukunftsoffene Handlungsstrategie, deren Ausgang nur der Zeitpunkt Null an meinem „räumlichen“ Aktionsbeginn sein kann, von dem aus ich eine Organismus- Aktivität beginne (immer der einzige Weg, wo ich kein soziales Gegenüber habe, sondern nur einen diffusen Feldgrund unter mir und vor mir) oder 2. von einer Form (einer Erkenntnis) her, also von einem mir geistig oder… Mehr

Ich will Frieden
26 Tage her

„Ist das Geld, das sie erhalten, wenn sie sich zum Brutkasten machen, Entschädigung genug für körperliches und seelisches Leid?“ – Was sagt eigentlich unser Finanzminister, Genosse Klingbeil zum Thema „Leihmutterschaft“? Keine Frau ohne große Ausbildung erhält in D für eine 9-monatige Tätigkeit in einer Fabrik oder einem Supermarkt eine steuer- und abgaben-freie Vergütung von 100.000 bis 200.000 EUR. Mich wundert, daß unser – ansonsten in dieser Hinsicht so kreative – Staat hier noch nicht aktiv geworden ist! Bei Einfuhr des „werthaltigen Erzeugnisses“ aus einem nicht-EU-Land (z.B. USA) wäre außerdem ein Einfuhrzoll und/oder eine MWSt eine Überlegung wert! (Übrigens, wer diese… Mehr

Peter Gramm
27 Tage her

Leute wie Frau B-G werfen ein ganz schlechtes Licht auf die gesamte Juristenbranche. Da wird herumsalbadert und übelste Wortklauberei getrieben in der sicheren Gewissheit für den ganzen ausgestülpten Quark und seinen Folgen nie haften zu müssen..

Koepenicker
27 Tage her

Das es ein Fehler war Frau Brosius-Gersdorf zu „canceln“ ,wird auch dem geneigten konservativen Wähler noch auffallen.

verblichene Rose
26 Tage her
Antworten an  Koepenicker

Ah, verstehe. Sozusagen von hinten durch die Brust ins Auge, oder?

Koepenicker
26 Tage her
Antworten an  verblichene Rose

Um kompliziert zu bleiben ,Frau Brosius-Gersdorf wird nicht der letzte Vorschlag zum Richter am Verfassungsgericht bleiben ,der keine Mehrheit im Bundestag finden wird.

verblichene Rose
27 Tage her

Frau Brosius-Gersdorf hat ein seltenes Talent. Manche verbinden das mit Sensibilität. Ich meine allerdings, dass sie augenscheinlich andauernd zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Andere nennen das wiederum schlicht „Fettnäpfchentreterei“…

Last edited 27 Tage her by verblichene Rose
Nibelung
27 Tage her

Erinnert eher an Geier-Wally von Ganghofer, als an ein verläßliches Produkt um dem Gesetz nach zu handeln und wer das aufgrund eigener Phantasien in Abrede stellt ist denkbar ungeeignet für höchste Richterämter, denn darüber kann man wirklich was erwarten und wenn die versagen ist ehedem alles zu spät und gottseidank gibt es noch geerdete Mitglieder in Staat und Justiz, sodaß man derzeit noch Hoffnung schöpfen kann, daß zumindest in dieser Frage nicht alles verloren ist. Wer von Amts wegen Leben beschützen soll und rechtlose Abweichungen keineswegs tolerieren kann, hat seinen Auftrag nicht verstanden und die Dystopie einer politischen Klasse ist… Mehr

St.Elmo
27 Tage her

Man fragt sich wie diese Frau eine Professur erhalten konnte, das so jemand eine neue Generation von Juristen ausbildet, ist ein Armutszeugnis für den Hochschulstandort Deutschland.
Grundrechte sind immer noch Abwehrrechte gegen den Staat. Von daher kann es kein Grundrecht auf ein Kind geben und selbst wenn es dieses Recht gäbe, Homosexuelle Paare können nun mal auf natürlichem weg keine Kinder miteinander haben.

Demokrat1
27 Tage her
Antworten an  St.Elmo

Leihmutter vs. Adoption: Streng genommen beherbergt doch jemand rassistisches Gedankengut, wenn sie oder er Leihmutterschaft einer Adoption vorzieht.

PaulKehl
27 Tage her
Antworten an  St.Elmo

Grundrechte sind gemäß der Rechtsprechung auch Anspruchsrechte gegen den Staat. Ich würde hier auch mit dem Sozialstaatsprinzip argumentieren. Aber soweit kommt diese Tante gar nicht. Sie argumentiert auf Koran-Niveau.Allah hat gesprochen. Howgh. – Komischerweise immer die Mehrheitsmeinung. Zu den Grundrechtsverletzungen beim Corona-Terror oder zur Ministerhaftung kommt von ihr gar nichts.

na sowas
27 Tage her
Antworten an  St.Elmo

Fragen wir unseren Mett-Mario, wie man Titeln erringen kann

Haba Orwell
27 Tage her

> Frauke Brosius-Gersdorf, die uns gottlob als Verfassungsrichterin erspart geblieben ist, sieht jegliche Einschränkung oder gar das Verbot von Leihmutterschaft, wie es in Deutschland gilt, als Angriff auf die Freiheit von Frauen.

Aha. Wurde nicht erst gestern beklagt, dass die Spahn-Geschichte von existenzielleren Dingen wie der Niedergang ablenkt? Als ob eine Leihmutterschaft für jeden alltägliches Problem wäre. Währenddessen toben Kriege um die Dollar-Weltherrschaft weiter: https://tkp.at/2026/07/21/die-besten-plaene-des-imperiums-gehen-schief/ Insbesondere in Westeuropa geht man in diesen Kriegen unter – teure Leihmutterschaft kann sich sowieso kaum wer leisten. Viele sind froh, noch keine Flaschen sammeln zu müssen.

KorneliaJuliaKoehler
27 Tage her

Von vornherein ist schonmal sehr fraglich, ob Menschen, die einen obsessiven Kinderwunsch haben, nicht noch ganz andere Probleme haben. Wie kaputt muss eine Frau sein, die unter enormen psychischen und physischen Strapazen ein Kind für völlig fremde Möchtegerneltern austrägt. Vom ersten Moment der Vorbereitung der künstlichen Einpflanzung bis hin zur Geburt gehört der Körper und das Baby dieser gekauften Mutter einer Agentur und den künftigen Besitzern desselben. Von wegen, der Bauch gehört mir. Da müssen die finanziellen Verhältnisse schon sehr prekär sein, um sich darauf einzulassen. Von Freiwilligkeit kann keiner mehr sprechen. Diese gekaufte Mutter hat keinerlei Rechte mehr. Es… Mehr

Elly R.
27 Tage her

Der kleine Georg fragt Stiefvater Jens: Papa, alle Kinder in meiner Klasse haben eine Mama. Hab ich auch eine? Stiefvater Jens: Ja natürlich hast du auch eine Mama! Aber sie wohnt weit weg in Amerika. Klein Georg: Aber warum wohnt meine Mama in Amerika und nicht hier? Hat meine Mama mich nicht lieb? Stiefvater Jens: Hm, ich denke doch, aber weißt du, das ist ein bisschen schwierig… Dein Papa Daniel und deine Mama hatten sich vor deiner Geburt nie richtig lieb… eigentlich wollte Papa Daniel nur dich haben, ohne deine Mama. Und ich wollte das auch gerne so. Klein Georg:… Mehr

Marcel Seiler
27 Tage her
Antworten an  Elly R.

Es mag den meisten hier nicht klar sein, dass die Leihmutter mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die genetische Mutter des Kindes ist. Der Leihmutter wird ein Embryo eingesetzt, also eine befruchtete Eizelle; die Eizelle wiederum stammt von einer Samenspenderin. Die genetische, also die wirkliche Mutter des Kindes ist diese Samenspenderin. Die wiederum könnte eine Verwandte von einem der homosexuellen Männer sein. Die könnte in der Nachbarschaft wohnen.

Wer die Eizellenspenderin im Falle Spahn ist, ist m.W. in der Öffentlichkeit nicht bekannt, also auch mir nicht.

verblichene Rose
27 Tage her
Antworten an  Marcel Seiler

Ja, so pragmatisch kann man handhaben. Ist so wie mit einer Taxifahrt. Man bezahlt nur den Transport, aber das Taxi bleibt Eigentum des Fahrers. Kurios wird es erst, wenn ein Passant fragt, ob er kostenlos mitfahren darf, weil man ja zufällig sowieso in seine Richtung möchte…

Ich will Frieden
26 Tage her
Antworten an  Marcel Seiler

wer der genetische Vater ist, ist ebenfalls nicht bekannt! Es kann einer von den beiden Männern sein, es kann aber auch ein anonymer Samenspender sein! Bei der extrakorporalen Befruchtung der Eizelle sollten die Spermien möglichst frisch sein, was bei der großen Entfernung logistisch ein Problem darstellen kann!

Marcel Seiler
26 Tage her
Antworten an  Ich will Frieden

Richtig. Ich vermute aber, dass der genetische Vater einer der beiden Männer des homosexuellen Paares ist. Wenn nicht, könnten sie ja einfach ein Kind adoptieren. Tiefgekühlte Spermien über den Ozean zu fliegen, dürfte aufwendig, aber kein echtes Problem sein. Das dürfte auch für den Transport befruchteter Eizellen gelten.

Monostatos
26 Tage her
Antworten an  Elly R.

Als solch ein Designerbaby – sorgfältig von Götterchef Wotan geplant – stellt Richard Wagner Siegfried im ersten Akt der gleichnamigen Oper dar. Die Geschichte geht übrigens im zweiten Akt für den Ziehvater nicht gut aus.

Marcel Seiler
26 Tage her
Antworten an  Monostatos

Menschlicher Eingriff in göttliche Gesetze, also eine göttliche Anmaßung des Menschen, geht in der Literatur fast immer sehr schlecht aus. Das hat mit den Gesetzen literarischer Produktion zu tun.

In der Wirklichkeit aber kann das Überschreiten von angeblich „göttlichen Gesetzen“ sehr gut funktionieren. Jeder, der in ein Flugzeug steigt, beweist, dass Fliegen etwas ist, was doch nicht den Engeln vorbehalten ist.