Friedrich Merz war einmal angetreten, die AfD zu halbieren. In Sachsen-Anhalt hat die AfD nun die CDU vaporisiert: 44,5 zu 18,5 Prozent nach den ersten Hochrechnungen. Sven Schulze trägt die Verantwortung für das Landesdesaster, Merz die politische Linie dahinter. Die Schelle des Wählers gilt beiden. Sie sind nicht mehr haltbar.
picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Friedrich Merz hatte einmal einen großen Satz für die AfD. „Aber halbieren kann man sie“, verkündete er 2018 bei seiner Bewerbung um den CDU-Vorsitz. Damals stand die AfD bundesweit bei ungefähr 14 Prozent. Acht Jahre später liefert die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die Antwort auf diesen Anspruch: Nach der ersten ARD-Prognose kommt die AfD auf 44,5 Prozent. Die CDU erreicht 18,5 Prozent. Halbiert wurde die CDU.
Für Sven Schulze ist dieses Ergebnis ein politisches Komplettdesaster. 2021 erreichte die CDU unter Reiner Haseloff noch 37,1 Prozent. Jetzt bleibt davon ziemlich genau noch die Hälfte übrig. Die AfD steigt im selben Zeitraum von 20,8 auf 44,5 Prozent und liegt rund 26 Prozentpunkte vor der Partei, die Sachsen-Anhalt seit 2002 regiert.
Schulze hatte sein Wahlziel selbst festgelegt: er wollte Erster werden. Anfang des Jahres übernahm er rechtzeitig vor der Wahl das Amt des Ministerpräsidenten und damit den größtmöglichen Amtsbonus. Die CDU stellte ihm Staatskanzlei, Landesverband und Regierungsapparat als Ausgangsbasis zur Verfügung. Das Ergebnis lautet heute Abend 18,5 Prozent in den ersten Hochrechnungen. Das ist nochmal schlechter als alle Prognosen. Wer als Ministerpräsident und Landesvorsitzender seine Partei innerhalb einer Wahlperiode von 37,1 auf 18,5 Prozent führt, hat seinen politischen Auftrag sehr deutlich versagt. Entsprechend niedergeschlagen und zerstört trat Schulze am frühen Abend vor die Kameras. Lang, längere Gesichter bei der CDU. Schulze muss den CDU-Landesvorsitz niederlegen. Ebenso verbietet sich jeder Versuch, sich über Koalitionsarithmetik erneut in die Staatskanzlei wählen zu lassen.
Diese Niederlage trägt ganz deutlich auch den Namen Merz
Schulzes Absturz lässt sich allerdings nicht an der Landesgrenze Sachsen-Anhalts abladen. Schon im Mai erklärte der Ministerpräsident angesichts der katastrophalen Umfragewerte, die Menschen seien unzufrieden mit dem, was sie aus Berlin bekämen. Er selbst sei es ebenfalls. Damit hatte Schulze lange vor dem Wahltag ausgesprochen, was die CDU nur noch sehr mühsam unter Buhrufen und Pfiffen ignorieren kann: Diese Wahl war auch eine Abstimmung über die Bundesregierung Friedrich Merz.
Merz selbst machte sie dazu. Sechs Tage vor der Wahl ließ er es sich nicht nehmen und trat gemeinsam mit Schulze in Quedlinburg auf, warnte vor einem „Wutbürger“-Experiment. Eine AfD-Regierung werde internationale Investoren abschrecken, erklärte der unbliebte Bundeskanzler der zweiten Wahl. Zwei Tage vor der Wahl schaltete er sich erneut ein und verkündete bei einem gemeinsamen Besuch mit Schulze in Leuna, wer Sachsen-Anhalt als Wirtschaftsstandort erhalten wolle, dürfe AfD nicht wählen.
Die Wähler haben diese Aufforderung gehört. 44,5 Prozent entschieden sich nach der ersten Prognose für die AfD.
Damit ist das Ergebnis auch mehr als eine gewaltige Backpfeife für Friedrich Merz. Seine Kanzlerschaft sollte der Union jene Wähler zurückbringen, die sie unter Angela Merkel verloren hatte. Sein politischer Aufstieg war über Jahre mit dem Versprechen verbunden, die AfD durch einen klareren Kurs der CDU zurückzudrängen. Inzwischen musste Merz selbst sein altes Halbierungsversprechen öffentlich einkassieren.
Sachsen-Anhalt zeigt nun auch die Größenordnung seines kolossalen Scheiterns, das sich fortsetzen wird, wenn man bei der CDU nicht die Reißleine zieht. In einem Bundesland, das seit fast einem Vierteljahrhundert von der CDU geführt wird, fällt diese CDU unter seiner bundespolitischen Führung auf 18,5 Prozent, während die AfD mehr als doppelt so stark wird. Reuters bewertet das Ergebnis ebenfalls ausdrücklich als schweren Rückschlag für den Kanzler.
Schulze hatte im Wahlkampf versucht, Abstand zu Berlin herzustellen. Merz rauschte trotzdem an. Hat alles nichts geholfen. Eine ursprünglich für Magdeburg vorgesehene Klausur des CDU-Bundespräsidiums wurde auf seinen Wunsch abgesagt. Bei der Rentenpolitik ging er auf Distanz zur Bundesregierung. Selbst beim Begriff „Brandmauer“ beklagte er öffentlich, die Debatte schade seiner Partei. An der kategorischen Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der AfD hielt er fest.
Das Ergebnis dieser Strategie steht nun auf der Anzeigetafel. Eine Partei mit 18,5 Prozent müsste sich zur Regierungspartei erklären, weil sie sämtliche politischen Kombinationen gegen eine Partei mit 44,5 Prozent organisiert. Schulze wäre dabei der Ministerpräsident, dessen Partei die Wähler gerade halbiert haben. Das ist niemandem mehr vermittelbar.
Für Merz ist die ausweglose Lage noch grundsätzlicher. Er besitzt weder die Ausrede eines unbeliebten Kanzlers über sich noch die Möglichkeit, Berlin für seine Probleme verantwortlich zu machen. Er ist Berlin. Er ist Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender. Die politische Versagerlinie der Union trägt seinen Namen.
Auch Schulze ist nach diesem desaströsen Ergebnis als Landesvorsitzender und Ministerpräsident nicht mehr haltbar. Für Merz ebenso wie für die CDU stellt sich dieselbe Frage auf Bundesebene. Seine Autorität als CDU-Vorsitzender hängt an einer Strategie, deren Ergebnis Sachsen-Anhalt an diesem Sonntag in Zahlen geschrieben hat.
Am Montagabend kommt der CDU-Landesvorstand Sachsen-Anhalts zusammen. Bereits vor der Wahl kursierten Berichte über eine mögliche innerparteiliche Abrechnung mit Schulze und über seinen Rivalen Sepp Müller. Nach 18,5 Prozent dürfte diese Sitzung kaum noch um die Frage kreisen, wie Schulze seinen Wahlkampf hätte besser führen können.


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Dagmar Henn gestern im Bösen Medium („Sachsen-Anhalt droht keine Brandmauer, sondern eine Zwangsjacke“): > „… In den vergangenen Tagen war in den Leitmedien fast kein Artikel mehr zu lesen, in dem ohne den Zusatz „gesichert rechtsextrem“ über die AfD geschrieben wurde. Auch am Wahlabend gab es reihenweise Erklärungen der Brandmaurer, man werde genau deshalb mit der AfD gar nicht erst reden. Ein absurdes Theater in einem Land, wo in jedem Moment, in dem nicht gegen die AfD gesprochen wird, an einem Krieg gegen Russland gebastelt wird, dem Kernprojekt deutscher Rechtsextremer seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts Aber diese Absurdität ist längst die… Mehr
Nun haben die Altparteien ihre Quittung für die desaströse Politik seit 2015 bekommen und das ist gut so. Wie lange sich BlackRock-, Rüstungs- und Ukrainekanzler Merz noch halten kann, bleibt abzuwarten.
Das war nur eine Landtagswahl, aber sie wird Signalwirkung für ganz Deutschland haben. Das wird übrigens auch im Ausland genau beobachtet, selbst Trump hat sich schon dazu geäußert.
Blackrock, Gender-Mist, Klima-Apokalypse, asymmetrische Invasion, Weltsozial-Hauptamt & Krieg wurden abgewählt. Wer hat Ihnen eingentlich das Schreiben & Ihr politisches Bewußtsein vermittelt, Fräulein Taxidis? Bin nur neugierig.
Großartig wie die linksgrüne Partei CDU, die rückgratlosen, linksgrünen Parteifunktionärswürstchen und rot-grün-kriecher heute abgestraft wurden.
Heute gab es endlich mal die deftige Watschn für jene, die das Land und die Interessen Bürger seit 2015 mit Füssen treten und bis heute immernoch verraten.
Und mal sehen was morgen, Montag, einen Tag nach der Wahl wieder für ein Müll von CDU bis linksgrün abwärts abgesondert wird.
Der Haseloff hat sich nicht ohne Grund Anfang diesen Jahres rechtzeitig als MP vom Acker gemacht. Nach etwas mehr als einem halben Jahr katastrophaler Kanzlerschaft vom Nasenmann aus dem Sauerland wohl wissend, dass das ein aussichtsloses Himmelfahrtskommando werden würde. Insofern hat der Schulze das nicht allein versemmelt, sondern ist auch nur ein weiteres Bauernopfer von „Unseredemokratie“. Immerhin hat der Schulze heute dem AfD-Wahlsieger Siegmund gratuliert (Sic!) 😳 und dann noch etwas Bemerkenswertes gesagt: „Manche sagen, das wäre ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt. Ich sage: Das ist Demokratie“. Sprach’s und lobte noch die hohe Wahlbeteiligung. Wenn schon, dann kann man dem… Mehr
Hochmut kommt vor dem Fall !!!
Es gibt so kurze deutliche Sätze.
Schulze war von vornherein nur ein Lückenbüßer. Haselloff wußte, daß die Wahl nizzu gewinnen war und wollte die Niederlage nicht persönlich einfahren. Auch wenn Schulze ein blasser Kandidat war (siehe auch Hagel in Baden-Württemberg), auch ein anderer Vertreter dieser CDU hätte kaum ein besseres Ergebnis geholt. Man kann Schulze austauschen oder auch Merz, das wird nicht viel ändern, da die gesamte Partei abgewirtschaftet hat.
Alles ganz großes Kino ! Kauft Popcorn für den Fall, daß sich die Wahlverlierer zu einer Regierung der Willigen (4, vier Parteien) zusammenschließen. Dann kommt eine Kettenreaktion in MeckPomm, Thüringen und Sachsen.
leider ein Pyrrhussieg für die AfD, nichts wird sich ändern, rein gar nichts. 41 Sitze ist zur Zeit leider einer zu wenig und die demokratischen Parteien werden das wortgewaltig ausschlachten, das die Blauen ja gar keine Mehrheit haben und deswegen alles so weitergehen kann wie bisher, die grüne Trulla kriegt sich gar nicht mehr ein über ihr Ergebnis, das allerdings nicht zu fassen ist. Die Migrantenmorde als Bereicherung zu bezeichnen, grenzt schon an Straftatsbestände, aber 8 % und nochwas finden das doch tatsächlich wählenswert. Hoffnungslos dieses Deutschland, wenn es schon Siegmund nicht schafft, wer wäre sonst noch dazu in der… Mehr
Sie sind nicht mehr haltbar
Nein, die etablierten Parteien sind nicht mehr wählbar.
Ich hatte vor Monaten geschrieben, daß die hinter der Brandmauer (AfD) geschützt sind, die vor der Brandmauer (die Kartellparteien) untergehen werden.
Geradezu eine Lachnummer, daß die CDU den Ministerpräsidenten stellen will.
Unser Demokratie hält die Wähler für blöd.
Ich freue mich, daß all meine Kommentare bei TE richtig waren.