Bei Maischberger: Kubicki ist gegen und für die Brandmauer

Das Lavieren geht weiter. Der frisch gewählte Parteichef Wolfgang Kubicki will seiner FDP ein neues, klares Image verpassen. Doch bei Maischberger wird schnell klar: Gar nichts ist klar. Kubicki sagt, er sei gegen die Brandmauer. Doch irgendwie ist er auch dafür. Ja, was denn nun? Von Brunhilde Plog

Screenprint: ARD / Maischberger

Für eines ist dieser Maischberger-Abend immerhin gut: Für die Erkenntnis, dass auch in Zukunft niemand weiß, woran er bei der FDP eigentlich ist. Grund: Wolfgang Kubicki. Der 74-Jährige macht seinem Ruf alle Ehre. Seit Jahren kennt man ihn für fiese Finten – dafür, dass er allzuoft oft das eine sagt und das andere tut. So wetterte er beispielsweise während der Corona-P(l)andemie vehement gegen eine Impfpflicht, doch als es kurze Zeit später an die Abstimmung ging, votierte er dafür.

Heute bei Maischberger hat er ein neues Level erreicht. Er gibt sein erratisches Umfaller-Tun gleich in derselben Sendung und in direkter Abfolge zum Besten. Es geht um die Brandmauer, na klar, und Kubicki fordert vehement einen neuen Umgang mit der AfD. Das ständige Ignorieren der mittlerweile nach Umfragen stärksten Partei Deutschlands sei einfach „absurd“, sagt er. Doch wer daraus nun schlussfolgert, dass der Weißrücken von der Waterkant einen neuen Politikstil etablieren könnte, vielleicht sogar neue Mehrheiten möglich wären, der sieht sich getäuscht. Denn die Brandmauer wirklich einzureißen, das traut sich Kubicki nicht.

„Wenn wir nicht die Diskussion suchen, müssen wir uns nicht wundern, dass die AfD größer wird und wir schwächer“, sagt er voller Inbrunst, nur um sofort danach eine volle Breitseite nach rechts zu geben: „Ich kann mit Menschen nicht koalieren, die das genau gegenteilige Menschenbild haben.“ Ob denn irgendeine Zusammenarbeit möglich sei, fragt Maischberger. Kubicki knallhart: „Nein, ausgeschlossen.“ Er würde höchstens akzeptieren, dass die Schwefel-Brüder und -Schwestern einem FDP-Antrag zustimmen. Aber mehr auch nicht. Und eine sinnvolle Forderung zurückzuziehen, nur weil die AfD zustimmen könnte, hält er für „absurd“. Aber bei der Durchsetzung gemeinsamer Ziele zusammenzuarbeiten, schließt er wiederum aus.

Dann aber sagt er wenige Minuten später: „Es gibt ein Bedürfnis der Menschen danach, Sachen wieder klar anzusprechen, auch pragmatische Lösungen anzubieten, sich aus dem Kindergarten zu befreien, der in Berlin offensichtlich Urständ feiert.“

Wer soll daraus noch schlau werden.

Maischberger führt ausgerechnet die Bellizistin Marie-Agnes Strack-Zimmermann als moralische Instanz ins Feld. Denn die hatte Kubicki und seiner Gefolgschaft eine neue Nähe zur AfD unterstellt und deshalb kurzfristig selbst für den Parteivorsitz kandidiert. Kubicki, der bis zur letzten Minute davon ausgegangen war, der einzige Kandidat zu sein, ist über diesen Schock noch nicht hinweggekommen. Das merkt man ihm bei Maischberger deutlich an. Vier Stunden habe man vor der Abstimmung um den Chefsessel beisammengesessen, und sie habe ihm nichts gesagt. Das nimmt er ihr übel. Wenn er es gewusst hätte, „hätte ich meine Rede umstellen können“. Stattdessen ließ ihn die Kriegsexpertin ins Messer laufen.

Doch dass nach dieser offenen Konfrontation und dem durchwachsenen Wahlergebnis (Frau Doppeldoppelname bekam 40, er 60 Prozent) nun sofort über eine Spaltung der FDP spekuliert werde, findet Kubicki „absurd“.

„Absurd“ benutzt er häufig heute Abend, und irgendwie passt es auch recht gut – nicht zuletzt zu Kubickis Verheißungen einer neuen FDP. Für die Partei gehe es jetzt um alles, „weil wir Wahlen gewinnen müssen, alles andere ist Kinderkram.“

Kubicki beklagt, dass seine Partei teilweise weniger Stimmen bekommen hat, als die Tierschutzpartei. Dass aber Friedrich Merz die FDP-Wähler offen dazu aufrief, jetzt doch bitte für die CDU zu stimmen, weil die Liberalen ja keine Rolle mehr spielten, nimmt er ihm noch immer krumm. Kubicki hat ihn danach „Eierarsch“ genannt, und dazu steht er nach wie vor. Zwar habe der Kanzler der zweiten Wahl zugegeben, dass er sich dadurch beleidigt fühlte (und tausende Bundesbürger wissen mittlerweile, was das für rechtliche Konsequenzen haben kann), aber Kubicki fürchtet keine Hausdurchsuchung oder Geldstrafe. Der unerhörte Aufruf des Kanzlers sei „die Adrenalinspritze, die wir brauchten“, und Merz sei „ja auch ein lustiges Kerlchen“.

Auch zu anderen Politikern äußert sich Kubicki. Dass Robert Habeck raus aus der Politik ist, findet er „schade, aber nachvollziehbar“. Er werde sicher zurückkommen. An Angela Merkel vermisse er? „Nichts.“ Und dass Putin den Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Ukrainekrieg vorschlug, findet er „lustig“. Olaf Scholz sei „ein Aktenfresser“ gewesen, und wenn ihn heute jemand vermisse, „dann sehen wir, wie tief wir gesunken sind“.

Und Merz? Das Schlimmste sei, „dass er nach 18 Jahren, die er aus der Politik draußen war, nicht mehr weiß, wie das System funktioniert. Und dass er unglaublich schlecht kommuniziert.“

Die ARD-Korrespondentin Iris Sayram hatte im Journalisten-Panel zuvor große Hoffnung geäußert: „Eigentlich ist jetzt die Zeit für eine liberale Partei“, sagte sie und versprach sich deutliche Impulse beispielsweise bei der Corona-Aufarbeitung. Ob Impfpflicht-Kubicki da der richtige Mann ist, dürfte nach dieser Sendung eher fraglich sein.

Der neue FDP-Chef weiß um seine Doppeldeutungs-Defizite: „Ich trage mein Herz wirklich auf der Zunge, was mir manchmal wirklich zum Nachteil gereicht. Ich bin gelegentlich von meinen Formulierungen selbst so ergriffen, dass ich gar nicht merke, dass man es auch anders interpretieren kann. Deshalb darf ich nicht mehr unmittelbar in Social Media kommunizieren.“

Den neuen, alten Hoffnungsträger der FDP kontrolliert jetzt sein Büroleiter.

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Kommentare ( 73 )

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Aegnor
1 Monat her

Selbst zum Wählerbetrug (rechts blinken, links abbiegen) ist Kubicki zu blöd. Anstatt einfach „das Blaue“ vom Himmel zu versprechen und dann nach der Wahl alles zu brechen wie Merz, eiert er jetzt schon rum. Wer ihm das noch jetzt noch abkauft, hat echt den Schuss nicht gehört. Dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Aber vielleicht hat Kubicki auch einfach nur Schiss, dass wenn er jetzt zu überzeugend lügt, von wegen „weg mit der Brandmauer“, ihm ein paar Voreilige von der Antifa die es nicht gecheckt haben, aufs Dach steigen (oder es gleich anzünden), wie weiland bei Thomas Kemmerich.

old man from black forrest
1 Monat her

Im Funktionärsbereich der FDP will man anscheinend keinen Neuanfang sondern ein weiter so mit dem alten Personal, das den Niedergang zu verantworten hat. Diese Leute haben sich politisch schon lange selbst aufgegeben. Es gibt somit keinen Grund – ausser im Zwangsfunk – sich mit dieser Partei zu beschäftigen.

moorwald
1 Monat her

„Absurd“ ist es, wenn der Chef einer mausetoten Partei noch Koalitionen ausschließt, die nie zur Disposition stehen werden.
Die Zeiten, da die FDP z.B einer CDU als Mehrheitsbeschafferin diente, sind längst vorbei.
Merz, dem politische Inhalte völlig gleichgültig sind, hat sich an die Linken verkauft.
Mit seinem Abgang fällt auch die Brandmauer.
Was der Schwätzer Merz bei der CDU, ist der Schwätzer Kubicki bei der FDP.

Last edited 1 Monat her by moorwald
Aliena
1 Monat her

ER würde im übertragenen Sinne geteert und gefedert werden, könne sich demnach nicht mehr ins Parlament trauen. Der linke Block inkl. CDU/CSU wäre außer sich, die ehemalige BKin und aktuelle Politikerin im Wartestand würde via ihrer befreundeten Presse verlauten lassen ’nicht hilfreich‘, wäre KUBICKI für das Niederreißen der Brandmauer, ergo für eine Zusammenarbeit mit der größten Opposition. Aber man kann ja mal einen Lockruf aussenden, kostet nichts, hält die FDP im Gespräch, die ÖRR erfreuen sich der Ohren und Augen, die ihnen zuhören bzw. zusehen. Das persönliche Bankkonto bleibt weiterhin gefüttert, ‚man‘ ist erneut in der Diskussion, und für nostalgische… Mehr

maps
1 Monat her

Kubicki war und ist schon immer ein Blender. Er betrügt die Leute genauso wie Merz. Die ganze FDP hat es zur Ampel ja so gemacht. Es ist eine widerliche Täter-Partei. Und diese Blender machen immer weiter.

Manfred_Hbg
1 Monat her

Ich bin zwar ein Poltdummie, dennoch halte ich (auch) Kubicki nur noch für einen unglaubwürdigen Wendehals und der hier versucht auf zwei Hochzeiten tanzen zu wollen. Und je nachdem wie sich dann der altparteipolitische Wind in punkto AfD und der Brandmauer am drehen und dann für die FDP am günstigsten am wehen/stehen ist, wird dann die rückgratlose FDP die Richtung einschlagen.
– – –
Vielleicht sollten es Kubicki und die FDP’ler mal mit Rückgrat, mit einen eigenen politischen Profil und mit „besser nicht regieren, als schlecht regieren“ versuchen?! – …doch was weiß ich Blödie denn schon von Politik.

Judith Panther
1 Monat her

Vielleicht hat er auch nur eine Multiple Persönlichkeitsstörung – beim Reden Dr. Jekyll, beim Abstimmen Mr. Hyde und in der übrigen Zeit betrunken.
Noch geistesgestörter sind nur die, die immer noch FDP wählen.

Last edited 1 Monat her by Judith Panther
Judith Panther
1 Monat her
Antworten an  Judith Panther

Anscheinend ist Kubicki nicht der einzige mit gespaltener Persönlichkeit:
http://www.youtube.com/shorts/IqLyQassUbk

Kassandra
1 Monat her
Antworten an  Judith Panther

Anders wird man „solche Politik“ seit Merkel auch gar nicht aushalten können. Gegen das eigene Volk. Mit allem, was möglich ist.

Manfred_Hbg
1 Monat her
Antworten an  Kassandra

Jo, hier ist Ihnen nur zustimmen: „Anders wird man „solche Politik“ seit Merkel auch gar nicht aushalten können“.

Was mir aber bei Kubicki (FDP) bezüglich dessen Politikstil und seiner „gespaltenen Persönlichkeit“ mit Blick auf sein Alter und seiner RA-Tätigleit irgendwie unverständlich ist, ist, dass er doch das Profillose und Herumgeeiere mit dieser -auch vor Rückgradlosigkeit strotzenden- FDP gar nicht nötig haben sollte. Stattdessen läuft er Gefahr sich zum Wendehals und lächerlich zu machen.

fatherted
1 Monat her

War doch schon immer so….wenn er Applaus bekommen will ist er dagegen….danach ist er wieder dafür….war unter der Ampel bei jeder Abstimmung so.

Endlich Frei
1 Monat her

Wie es auch sei: Die FDP wurde nicht umsonst bei der letzten Bundestagswahl abgestraft. Wer ernsthaftes Interesse an einem echten Wechsel hat, wählt das Original und riskiert nicht, dass seine Stimme erneut missbraucht wird.

Freigeistiger
1 Monat her

Mit Kubicki wird es (zumindest vorläufig) keine Öffnung zur AfD geben, er wird weiter den bad cop der Altparteien spielen und hoffen, dass genügend Bürger darauf hereinfallen, um die FDP über 5% zu hieven.
Schaun wer mal was passiert, wenn das nicht gelingt, die Regierung weiter versagt und die AfD noch zulegt.