Nachrichten aus dem goldenen Käfig von Dubai

Teheran greift gezielt die Golf-Staaten an. Ihr demonstrativer Reichtum, Luxus und Verweltlichung machen sie zum ideologischen Gegner der schwarzen Mullahs und ihrer düsteren Weltsicht.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Altaf Qadri

„The Palm“ besteht nicht nur aus palmengesäumten Stränden – „The Palm“ ist ein ganzer Stadtteil in Gestalt einer Palme auf einer riesigen künstlichen Insel, die noch vom Weltraum aus zu erkennen ist. Auf ihren Wedeln reihen sich exklusive Villen. An der Ringstraße rund um die Palme prunken mondäne Fünfsternehotels wie Perlen an einer Kette.

Jetzt sind die endlosen Strände gesperrt, weil Raketen aus dem Iran einschlagen könnten. Deshalb drängen sich die Urlauber um die Pools und lauschen zunehmend beunruhigt den dumpfen Schlägen von Explosionen, die allermeisten verursacht von Abwehrgeschossen. Als tödliche Leuchtkugeln trudeln Trümmerteile zu Boden. Auch Raketen sind gelegentlich mit bloßem Auge zu erkennen. Abenteuerurlaub, einmal anders.

Das Fairmont am Stamm der großen Palme hat etwas abbekommen. Auch ein Wahrzeichen Dubais, das Burj al Arab, eines der teuersten Hotels, so hoch wie der Eifelturm in Form eines geblähten Segels, wurde getroffen: Die Fassade brennt, niemand wurde verletzt.

Bei geringem Nachdenken kommt der Dubai-Urlauber darauf, weshalb die Mullahs ausgerechnet solche zivilen Ziele in den Emiraten angreifen, nicht nur amerikanische Militärbasen. Auf die reichen Scheichtümer gingen mehr Raketen und Drohnen nieder als auf Israel. Kein Ort der Welt steht so sehr für die Verweltlichung der islamischen Golfstaaten, für ihre Verwestlichung, für unvorstellbaren Saus und Braus in der Dreieinhalbmillionen-Metropole Dubai, die vor hundert Jahren nicht mehr war als ein Perlenfischerkaff und vor fünftzig Jahren mitten im Ölboom steckte. Aber das ökonomische Zentrum der Vereinigten Arabischen Emirate hat längst die nächste Umdrehung geschafft: stieg auf zum ungebremst wachsenden Handels-, Dienstleistungs- und Tourismuszentrum.

Nur 15 Prozent der Bewohner stammen von hier – 85 Prozent kommen aus 200 Staaten der Welt. Schlecht bezahlt sind jene, die als Chauffeure, Gärtner, Lifeguards oder Bauarbeiter die Arbeit machen für die Expats, die sich hier ein feines Leben gönnen können. Dubai ist das multikulturelle Schaustück einer doch auch ziemlich maßlosen Moderne – also ein natürlicher Todfeind des mittelalterlichen Gottesstaats. Die ganze Region anzuzünden ist die Rache der Mullahs. Verständlich, dass die Emirate nicht gerade begeistert Trumps Kriegsführung folgen. Die Eskalation trifft vor allem sie. Denn die große Freiheit, die die Emirate bieten, ist ihr Geschäftsmodell. Die Raketen aus dem Iran versuchen es gerade zu zerstören.

Die Unbeschwertheit ist geschwunden. Gestern noch waren alle ahnungslos und beschwerten sich um den Alkoholgehalt ihrer Mojitos. Heute gehen die Blicke besorgt in den Himmel. Viele kommen nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurück. Und wer nicht pauschal gebucht hat, muss sich um alles selbst kümmern. Aber niemand kümmert sich vorerst um sie. Erst einmal sitzen alle in einem scheinbar goldenen Käfig fest. Er ist auch nicht für alle golden. Nicht für Hunderttausend, die am Flughafen viele Stunden und womöglich schon die zweite Nacht verbracht haben, ohne Aussicht darauf, das Land verlassen zu können.

Wie lange der Luftraum gesperrt sein wird, vermag niemand zu sagen. Unter ihnen sind auch Abertausende, die das Drehkreuz Dubai von und nach Asien zum Umsteigen nutzen, für sie ist die Reise erst einmal zu Ende. Trümmer haben auch ein Terminal getroffen. Es herrscht Chaos, es wachsen Panik und Ängste. Auch auf den Kreuzfahrtschiffen im Hafen ist Schluss mit dem Vergnügen. Die Straße von Hormuz ist gesperrt. Nahe von „Mein Schiff 4“ von TUI schlug eine Rakete ein. Tausende von Passagieren dürfen nicht mehr an Deck – sicherheitshalber. Von den Reiseveranstaltern, vom Auswärtigen Amt kommt bisher nur Beruhigendes ohne Wert. Gelegentlich senden die lokalen Behörden einen Luftalarm übers Mobiltelefon. Bleiben Sie drin!

Es ist Sonntagabend in Dubai, die Einheimischen bereiten sich aufs Fastenbrechen im Ramadan vor – am liebsten im Freien. Das geht jetzt auch nicht mehr. Am „Atlantis The Royal“, dem prächtigen Flaggschiff der High-End-Herbergen auf „The Palm“, treibt Sicherheitspersonal die Gäste in die Halle, die so groß ist wie ein Flugzeughangar. Es wäre ein ideales Ziel.

Auf die Spitze getriebener Luxus war schon immer etwas dekadent. In diesen Tagen aber erscheint er bizarr und surreal.

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Kommentare ( 6 )

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MaxVanMoritz
2 Stunden her

Sie greifen US Basen an! Außerdem ist das Wort „Mullahs“ so falsch, wie das Wort „Juden“. Das wir die Freunde der Massenmörder sind und genug Fremde im Land haben, die eine Gefahr darstellen, steht auf einem anderen Blatt.
Nicht vergessen, wer die Kriegstreiber sind und wie die da unten ihren Staat gestalten, ist denen ihre Sache, das ist Völkerecht!
Die Ursache der Konflikte liegt in Sanktionen, mit Sanktionen beginnen Kriege und Sanktionen sind schon der Krieg!

Edward S.
2 Stunden her

Noch mehr einseitige Kriegspropaganda bei TE. Mir wird schon ganz schlecht.

DrRobertFord
2 Stunden her

Falsch! Iran greift gezielt US-Basen an.

Moses
2 Stunden her

„Im Gegensatz zu anderen Migrationswellen, die sich erfolgreich assimiliert haben, strebt der ideologische Islam keine Integration an. Sein Ziel ist die Dominanz, was im Widerspruch zum Konzept der westlichen liberalen Gesellschaft steht. Die großen Gebete, die auf den Straßen der Städte stattfinden, sind kein Ausdruck von Religiosität, sondern eine konsequente Demonstration von Macht .
All dies geschieht aufgrund der völligen Unfähigkeit der Politiker der meisten europäischen Länder, Konfliktsituationen zu lösen.  Das beobachten wir auch hier täglich.

Minusmann
2 Stunden her

So sind sie halt, die Muslime. Die einen verharren in ihrem Hinterwäldlerdasein und wollen auch den Rest der Welt damit beglücken, die anderen schnappen komplett über und bauen durchgeknallte Märchenschlösser auf Sand. Wie viel von all dem Ärger auf dieser Welt kommt aus der Ecke da? Und hierzulande verbeugen sich noch massenhaft die Speichellecker von links dieser Unkultur, hofieren irgendwelche islamistischen Radikalinskis in elender Unterwerfungspose. Ich hab es einfach nur satt.

Michaelis
3 Stunden her

„Schwarze Mullahs und ihre düstere Weltsicht“

Mein Gott Herles, rüsten Sie doch verbal ein wenig ab. Gibt es hier bei TE eigentlich nur noch antiislamische Fanatiker à la Pegida???