Von Tel Aviv bis Teheran, von Kabul bis Sanaa – Schlüssel Iran

Von einer Variante des US-Eingreifens wird auffallend selten gesprochen. Warum soll die Operation gegen Maduro in Venezuela nicht auch im Iran gegen die Mullah-Spitze wiederholt werden können?

Credit IMAGO / ABACAPRESS

Die in Genf vorgelegten US-Forderungen: Zerstörung von Fordow, Natanz und Isfahan, Herausgabe jedes Gramms angereicherten Urans an die US, andauernde Einstellung der Urananreicherung ohne Auslaufklauseln und Ablaufdatum, „ewiges“ Einhalten der Regeln. Die US-Gegenleistung: Minimale Sanktionserleichterungen, weitere nur bei dauerhafter Einhaltung aller Bedingungen. Irans Vorschlag ist der alte: Drei- bis fünfjährige Aussetzung der Urananreicherung, verstärkte IAEA-Aufsicht, Bereitschaft zur Reduzierung der Urananreicherungsbestände.

Keinerlei Bewegung gab es in Genf bei der US-Forderung, die unverhandelbar ist: die dauerhafte Einstellung der Urananreicherung im Iran. Die Forderungsliste spielte das Pentagon dem Wall Street Journal zu. Diese Forderungen sind angelegt, um abgelehnt zu werden. Jeder einzelnen Forderung entsprechen präzise militärische Maßnahmen, militärische Mittel, die im Einsatzgebiet sind. Die Verhandlungsliste ist eine Ziel-Liste.

Zerstörung von Fordow. Die F-22 in Ovda seien dafür vorgesehen. Demontage von Natanz: Die B-2 in Whiteman trügen die GBU-57-Raketen, die Natanz erreichen. Isfahan: Die Tomahawk-Marschflugkörper zweier Flugzeugträgerkampfgruppen wären für Isfahan programmiert.

Die Mullahs werden aufgefordert, freiwillig zu geben, was die US sonst militärisch durchsetzen. Der Iran lehnte in Genf die Kernforderung ab. Die Grundlage für einen Militärschlag ist damit da. Genf war die Pause. Sollte Wien folgen, ist das die nächste Pause. Die US-Forderungen ändern sich nicht. Das Nein der Mullahs könnte sich nur ändern, wenn sich die Lage im Iran selbst gegen die Mullahs genug weit ändert.

Ein Angehöriger der Revolutionsgarden soll Trump zu einer direkten militärischen Intervention aufgefordert und erklärt haben, das iranische Militär würde den Sturz der Islamischen Republik unterstützen. Ob die Meldung echt oder Propaganda ist, in jedem Fall gibt es nach Kennern eine große Zahl Iraner, die sich selbst beim Mossad meldeten oder von ihm aktiv angeworben wurden. Anders, sagt Michael Wolffsohn, hätten die US-Truppen den letzten Schlag gegen den Iran nicht so präzise führen können.

Von einer Variante des US-Eingreifens wird auffallend selten gesprochen. Michael Wolffsohn tut es. Warum soll die Operation gegen Maduro in Venezuela nicht auch im Iran gegen die Mullah-Spitze wiederholt werden? Die US-Dienste dürften im Iran nicht weniger Kontakte in der Nähe der Spitzen haben als in Venezuela. Wolffsohn ist es aber auch, der den Blick über den Tag hinaus hat. Zur Ruhe kann der Iran als ganzes Land nur föderal kommen, ist seine einleuchtende These. Denn der Iran ist ein Vielvölkerstaat über die drei wichtigen hinaus: Belutschen, Perser und Kurden. Föderal können auch nur Irak, Syrien und Israel eine angfristig stabile Ordnung finden.

Das iranische Regime versteht Verhandlungen nicht als Friedensgeste, sondern Gelegenheit zu Täuschung und Zeitgewinn, warnt Mordechai Kedar, die Mullahs respektierten nur die Sprache der Gewalt – weshalb Israel anders als die Vereinigten Staaten eine einzigartige Position der Abschreckung hätten. Während Washington verhandelt, schlägt Jerusalem zu, genau diese Bereitschaft zum Handeln lasse die iranische Führung nachts nicht schlafen: „Sobald sie Verhandlungsbereitschaft oder gar die Bereitschaft zu einer Einigung spüren, beginnen sie zu verzögern, Zeit zu schinden, Zeit zu gewinnen, zu betrügen und zu lügen.“ Israel ist vorbereitet. – Längere Kriegshandlungen schloss JD Vance aus, sicher auch als Antwort auf die Drohungen der Dems, die Trump-Kampagne zu behindern. Über geteilte Meinungen  unter Trump, Rubio und Vance wird nicht zum ersten mal spekuliert.

Als Gründe des US-Militärschlags fasst Abu Ali Express die von Marco Rubio für die US-Öffentlichkeit formulierten zusammen. Der Iran hat ein sehr großes Arsenal an ballistischen Raketen, insbesondere Kurzstreckenraketen, die US- Stützpunkte in der Region und Verbündete bedrohen. – Iran besitzt Waffen, die den Schiffsverkehr und Schiffe der US-Marine gefährden. – Der Iran hat neben seinem Atomprogramm auch konventionelle Waffen, die zur Bedrohung der US und ihrer Bürger entwickelt wurden. – Der Iran weigert sich, über seine ballistischen Raketen zu sprechen. – Der Iran versucht, Interkontinentalraketen zu erwerben und/oder zu entwickeln – auch durch seine Versuche, Raketen ins Weltall zu befördern. – Der Iran hat bereits Raketen, die einen Großteil Europas erreichen können. – Der Iran leidet unter den Sanktionen, seine Wirtschaft ist am Boden, aber er findet dennoch jedes Jahr Geld, um die Reichweite seiner Raketen zu erhöhen. – Nachdem sein Atomprogramm im Juni 2025 zerstört wurde, versucht er, Teile des Atomprogramms wiederherzustellen. – Die meisten Länder der Welt, die Atomprogramme für friedliche Zwecke betreiben, bauen die Reaktoren oberirdisch und importieren den Brennstoff. – Wer Uran unterirdisch anreichert und Erfahrung mit der Anreicherung von Uran auf 20 % und 60 % hat, Raketen entwickelt, die einen Atomsprengkopf tragen können, baut an der Atomwaffe.

Signale, Hinweise. Die US leert den Luftwaffen-Stützpunkt Qatar. ++ Wenigstens
12 F-35-Kampfflugzeuge mit acht Tankflugzeugen wurden in Europa in Bereitschaft für den Nahen Osten gebracht. ++ Laut CENTCOM ist die erste Kamikaze- oder Einweg-Drohnen-Einheit eingetroffen – auch hier. ++ Laut Walla News sind diese Woche Hunderte US-Soldaten auf Stützpunkten der IDF, insbesondere der Luftwaffe eingetroffen: Spezialisten für moderne Waffensysteme, Kontrolltechnologien und Überwachung. ++ Ein mit der Koordination zwischen den IDF und dem CENTCOM Vertrauter sagt, die militärische Option sei „mit immenser Vehemenz“ wieder auf dem Tisch, die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Angriffs sei nun sehr hoch. – Aber natürlich kann auch bei Wissenden der Wunsch der Vater der Einschätzung sein.

Soweit der heute mögliche Blick auf die Lage. TE bleibt dran.

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Kommentare ( 12 )

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12 Comments
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Dietrich
38 Minuten her

„Von einer Variante des US-Eingreifens wird auffallend selten gesprochen. Warum soll die Operation gegen Maduro in Venezuela nicht auch im Iran gegen die Mullah-Spitze wiederholt werden können?“ Weil es vielleicht gegen die UN-Charta verstößt? Wenn solches Handeln die Zukunft ist, wird Diplomatie entgültig begraben und die Zeit der Raubritter und Räuberbanden des dunklen Mittelalters haben wieder Renaissance. Wenn die Anwort auf Gewalt immer nur wieder Gewalt ist hat die Menchheit über kurz oder lang sowiso verloren. Spätestens dann, wenn als Antwort Waffen sprechen, die alles zu Asche verwandeln. Und dann wird niemand mehr mit Kerzen und Schildern dastehen, wo daraufsteht:… Mehr

OJ
53 Minuten her

Zwei Flugzeugträger. Die USS Abraham Lincoln, der bewährte Faustkämpfer, und die USS Gerald R. Ford, das superteure High-Tech-Monster, das gerade erst gelernt hat, seine eigenen Toiletten nicht ständig zu verstopfen . Aber mal ehrlich: Wen juckt das Geklapper in den Sanitärräumen, wenn dieser Koloss gemeinsam mit der „Abe“ eine Streitmacht bildet, die innerhalb von 24 Stunden die Lufthoheit über einer ganzen Region an sich reißen und hunderte strategische Ziele ausradieren kann? Diese zwei Bestien sind kein Verhandlungsangebot – sie sind die Faust auf dem Tisch. Wer gegen diese Armada antritt, kämpft nicht gegen Schiffe, sondern gegen die nukleare Hölle der… Mehr

Dietrich
32 Minuten her
Antworten an  OJ

Heist also, ein ganzes Land auslöschen mit Millionen Menschen, egal ob für oder gegen die Mullahs. Keine kluge Entscheidung. Am Ende wird eine Räuberbande gegen eine genehme Räuberbande ausgetauscht und die, die noch leben, denen wird es kaum besser gehen. Kriege bingen nur Leid und Opfer für die einfachen Menschen, so war das schon immer. Und die anderen sacken wie immer die Kohle ein. Die Geschichtsbücher sind voll davon.

Last edited 31 Minuten her by Dietrich
ralf12
1 Stunde her

Das Atomprogramm des Iran ist nicht im Juni 2025 zerstört worden. Israel hat sich damals eine blutige Nase geholt und musste bei den Amis um Hilfe betteln. Der Iran ist auch nicht Venezuela. Weshalb sollte der Iran den USA irgendwelche Zugeständnisse machen? Die USA halten sich doch an keine Verträge. Gab es doch schon zwischen USA und Iran und wurde durch USA einseitig gecancelt. Es wird Zeit, die USA auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Beileibe nicht der erste Krieg, den die Amis verlieren.

Fulbert
1 Stunde her

Warum die Aktion in Venezuela nicht wiederholt werden wird? Weil die Führungsclique im Iran viel größer und dadurch weniger greifbar ist. Diese Leute befinden sich seit fast 50 Jahren an der Macht und haben ein entsprechend großes Netz an Organisationen geschaffen, auf die sie ihre Macht gründen. Die Herrschaft der SED hätte sich auch nicht durch die Entführung Honeckers und Mielkes brechen lassen. Zudem dürfte den USA die gescheiterte Geiselbefreiung 1980 noch präsent sein.

Wilhelm Roepke
1 Stunde her

Ein Iran ohne Mullahherrschaft wäre ein Segen, wenn sie sich danach auf eine friedliche Koexistenz untereinander und mit den Nachbarn verständigen könnten. Knifflig.

AlNamrood
1 Stunde her

Anders als Maduro sind die Mullahs keine ungeliebten Caudillos. Man mag davon halten was man will, aber ein nicht geringer Teil der Iraner steht hinter dem Regime. Die Mullahs brauchen keine ausländischen Söldner zum Schutz.

Dietrich
24 Minuten her
Antworten an  AlNamrood

Genau!!! Das ist die Krux. Und die klingt nun mal anders als in der Heute-Sendung. Man muss also zwei Drittel der Iraner umbringen, um ein Drittel zu retten. Das hat nichts mit Mathematik zu tun sondern mit Ethik und Moral. Man muss es nicht gut heißen, wie die dort leben, aber wir müssen endlich mal einsehen, dass es Menschen dort gibt, die unsere (sind es noch unsere) Werte nicht leben wollen. Die Weisheit hat gerade der Westen nicht mit Löffeln gefressen, wenn wir uns mal im eigenen Land umschauen.

Kuno.2
2 Stunden her

Die Venezuela Version kann deshalb nicht wiederholt werden, weil die Bedingungen anders sind und die Regierung vorgewarnt ist.
Der Präsident im Iran untersteht zwar dem geistlichen Oberhaupt, wurde aber demokratisch gewählt. Wer sollte dann entführt werden und was würde dies ändern?

Heinrichg
2 Stunden her

Die USA planen den nächsten Angriffskrieg, nachdem der angezettelte Aufstand nicht zum Erfolg führte. Ich kann nur hoffen, dass sich die Perser tapfer verteidigen. Wir werden dann sehen, ob die Perser auf Seiten der USA und Israel oder hinter den Mullahs stehen.

Kraichgau
2 Stunden her

ich wundere mich immer wieder,wie begeistert in Deutschland die Kriegstrommeln geschlagen werden,obwohl uns weder die Ukraine noch der Iran etwas angehen.
Scheint mal wieder ein typisch deutsches Syndrom zu sein

Nibelung
2 Stunden her

Die Maduro-Entführung war eine platte Nummer, denn wer weiß, wer intern nichts dagegen hatte und die Bewachung und die Einbunkerung für den Ernstfall auf die leichte Schulter genommen wurde und Caracas liegt direkt am Meer und über dieser Stadt sind zunächst Überflüge nicht unbedingt was außergewöhnliches und das alles zusammen hat den Plan begünstigt, was aber in dieser Form so nicht mehr möglich ist, denn man ist gewarnt und die Amis sollten aufpassen, daß man nicht ferngelenkt das gleiche mit ihnen macht, denn auch da wäre vieles möglich unabhängig von der Art und Weise, was man bei Putin in seinem… Mehr