Schattenboxen und Nebelkerzen

Fast schon verzweifelt mutet der Versuch an, Täter bloß nicht dort vermuten zu lassen, wo sie zu vermuten sind. Es wird versucht, die Rolle des Islamischen Staats auszuschließen und auf „rechtspopulistische Instrumentalisierung“ umzuschalten.

Screenshot: ZDF
Terrorismus-Experte Elmar Theveßen

So zynisch das klingen mag: Die Reaktionen auf den Anschlag von Berlin liefen und laufen nach dem klassischen Muster ab. Krokodilstränen für die Opfer, die aus ihrer vorweihnachtlichen Stimmung in den Tod oder vielleicht auch in lebenslange Behinderung geworfen wurden. Gepaart mit dem fast schon verzweifelten Versuch, die Täter bloß nicht dort vermuten zu lassen, wo sie zu vermuten sind. Und wenn sie schon dort zu vermuten sind, wo ein Großteil der Bürger sie mittlerweile fast schon zwangsläufig vermutet, dann bemüht sich beispielsweise ein sogenannter „Terrorismus-Experte“ des Öffentlich-rechtlichen Fernsehens darum, die Täterschaft der fundamental-islamischen Miliz des Islamischen Staats wenn irgend möglich auszuschließen und die Moderatoren konzentrieren sich darauf, sogenannte „rechtspopulistische Instrumentalisierung“ in den Mittelpunkt ihrer Darlegungen zu stellen.

Die Mutmaßungen des Experten

Doch der Reihe nach. Ein hochmoderner Sattelzug aus dem polnischen Stettin wird gekapert. Der polnische Fahrer findet sich nach der Tat erschossen im Fahrzeug. Offensichtlich hat der Täter keine Ahnung davon, wie ein Truck funktioniert, und muss sich die Steuerung des Lastzuges erst mühsam beibringen. Dann schafft er es bis in die Berliner Kantstraße, von wo er mit dem Lastzug nördlich der Gedächtniskirche eine Schneise der Verwüstung in den dortigen Weihnachtsmarkt zieht.

Der „Terrorismus-Experte“ in einer ersten Stellungnahme: Damit sei ein Unfallgeschehen wahrscheinlich, denn der Truck sei nicht in das Zentrum des Weihnachtsmarktes gefahren und an der Straße zum Stehen gekommen. Man mag dem Experten Elmar Theveßen zugute halten, dass er sich in Berlin nicht auskennt. Denn tatsächlich sortiert sich der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz rechts und links in jeweils einer Gasse entlang der Kirche. Jemand, der von der Kantstraße her seinen Truck in die Buden lenken will, hat nur die Chance, dieses in Fahrtrichtung links von der Kirche in diese eine Buden-Doppelreihe hinein zu tun. Die Tatsache, dass das Fahrzeug nicht „in das Zentrum“ des Marktes gefahren ist, ist insofern eine Folge des Marktaufbaus – nicht des Nicht-Wollens des Fahrzeuglenkers.

Wenn man sich nun mit den örtlichen Gegebenheiten nicht auskennt, dann sollte man sich auch nicht äußern. Zumindest sollte man nicht so tun, als könne man dazu qualifiziert Stellung nehmen und aus dieser Stellungnahme ableiten, dass mehr für einen Unfall als für einen Terrorakt spräche.

Als dann die Erkenntnis zunehmend unvermeidbar wurde, dass es sich in Berlin vergleichbar Nizza um eine gezielte Attacke auf weihnachtliche Marktbesucher handelte und sich der Islamische Staat (IS/Da’ish) zu der Tat bekannte, war Relativierer Theveßen erneut zur Stelle. Der IS hatte von einem „Soldaten des IS“ gesprochen, folglich die Tat für sich vereinnahmt. Theveßen erklärte bedeutsam, dass es keine Hinweise auf eine unmittelbare Mitwirkung, beispielsweise in Form eines Auftrages, durch den „sogenannten Islamischen Staat“ gäbe. Vielmehr sei es wiederholt so gewesen, dass der IS Taten Einzelner ohne einen unmittelbaren Auftrag durch den IS für sich beansprucht habe, ohne jedoch die Tat tatsächlich unmittelbar veranlasst zu haben.

Die Inspiration der Einzeltäter

Richtig, Herr Theveßen! – mag man im ersten Moment zustimmen. Und dennoch völlig falsch, wenn es doch darum gehen soll, dem Bürger den Terrorakt von Berlin zu erklären. Denn es ist völlig irrelevant, ob der Täter einen konkreten Handlungsauftrag aus Syrien gehabt hat – oder lediglich der dortigen Aufforderung der islamischen Miliz gefolgt ist, weltweit „Ungläubige“ zu töten. Und insofern ist das Erzählte eben nichts anderes als Schattenboxen.

Doch das Problem, das insbesondere die öffentlich-rechtlichen Medien haben, ist: Sie wollen oder dürfen die eigentlichen Hintergründe und Ursachen dieses Terrors nicht benennen. Deshalb der ständige Versuch, Terrorakte als die Einzeltaten verwirrter Psychopathen darzustellen, die am besten keinerlei Bezug zu Nichts haben. Das Problem jedoch ist auch: Tat und Täter haben einen sehr konkreten Bezug. Dieser Bezug ist offenkundig – und er ist wissenschaftlich wie inhaltlich nachzuweisen. Dieser konkrete Bezug ist nun wiederum einer, der in der öffentlich-rechtlichen Wahrnehmung als vorgeblich pauschale und deshalb „rechtspopulistische“ Anklage an eine sogenannte Religionsgemeinschaft zu interpretieren wäre – und der genau deshalb nicht wahrgenommen werden soll und darf. Weshalb die unübersehbaren Kausalketten hinter Nebelkerzen verschwinden.

Von Islam und Islamismus, von Christentum und Christianismus

Richtig ist: Jemand, der wie die Mörder von Nizza und Berlin einen Lastkraftwagen in eine wehrlose Menschenmenge fährt, trägt erst einmal ganz allein die Verantwortung für sein Tun. Er trägt diese Verantwortung selbst dann, wenn ihn jemand konkret aufgefordert haben sollte, genau dieses zu tun – denn er hätte sich der Aufforderung jederzeit aus freiem Willen entziehen können. So weit, so juristisch eindeutig.

Die sich zwangsläufig auftuende Frage aber muss lauten: WAS ist es, das einen Menschen dazu bringt, auf solche Art und Weise ihm völlig unbekannte, wehrlose Menschen zu attackieren? Da nun kommen die Täterprofile ins Spiel. Diese offenbaren bei den Tätern vom 9/11 bis Nizza – und nun offensichtlich auch bis Berlin – eine Gemeinsamkeit: Jene, welche gewissenlos ihnen fremde, unschuldige und wehrlose Menschen töten, berufen sich dabei auf einen angeblich göttlichen Willen, den ihnen eine mythisch-historisch verortete Figur namens Mohamed als „Wahrheit“ aufgegeben haben soll.

Insofern ist eines unverkennbar und nicht leugbar: Zwischen jenem Mohamed und seinen Weisungen sowie den unmenschlichen Taten einzelner Verwirrter besteht ein Zusammenhang, der die Verwirrung nur über jene Weisungen erklärbar werden lässt. Um nun wiederum diesen unabweisbaren Zusammenhang zu verwirren, haben sich Politik und Medien den Begriff des „Islamismus“ ausgedacht.

Dieser sogenannte Islamismus soll etwas sein, das vorgeblich keinen tatsächlichen Bezug zu dem hat, was diesem Begriff seinen Namen gegeben hat: Dem Islam. Dem unbedarften Zuhörer soll der Eindruck vermittelt werden, es handele sich hierbei um die Pervertierung einer Sache, die an sich selbst gut sei. Weshalb dieser Islamismus vorgeblich eine politische Zweckentfremdung eines unpolitischen Islam sei. Denn – das ist die zwangsläufige Quintessenz dieser Begriffswahl – der Islamismus darf mit dem Islam nichts zu tun haben. So, wie es Deutschlands selbsternannter Obermuslimfunktionär Aiman Mazyek gebetsmühlenartig zu wiederholen pflegt.

Die bipolare Welt des Islams
Ist der Islam Demokratie-tauglich?
Wenn dem aber so wäre, dann hätte beispielsweise auch die Vernichtung der indigenen Völker Amerikas durch die Europäer, die vor allem in den katholisch geprägten Regionen damit begründet wurde, den Ungläubigen die wahre Glaubenslehre bringen zu müssen, andernfalls sie als Heiden oder Ketzer keinen Anspruch auf das Himmelreich und damit auch keinen auf eine irdische Existenz hätten, nichts mit dem Christentum zu tun – und die Christen könnten es sich leichtmachen und all die Irrwege, die die christliche Kirche in der Vergewaltigung der Jesus-Lehre zu verantworten hat, als einen „Christianismus“ abtun, der eben mit dem Christentum nicht das Geringste zu tun habe.

Nur – einen solchen Christianismus gibt es nicht und selbst die Kirchen, in deren Verantwortung die Irrwege stehen, sind niemals auf die Idee gekommen, sich über eine derartige Hintertür aus eben dieser Verantwortung für die Verbrechen ihrer Vorgänger und Glaubensbrüder stehlen zu wollen. Wer sich heute zum Christentum bekennt, der bekennt sich auch zu den Untaten, die im Namen seines Glaubens wider die Worte Jesu über Unschuldige gebracht wurden.

Der Islam aber, der sich anmaßt, als deren Vollendung in der Tradition von Juden- und Christentum zu stehen, hat sich genau diese Hintertür eingerichtet. Der behauptete Islamismus ist das Mauseloch, durch das Muslime ihrer Verantwortung für die Taten ihrer Glaubensbrüder zu entrinnen suchen.

Wer beispielsweise einen Blick auf die aktuelle Pressemitteilung des Vereins „Zentralrat der Muslime in Deutschland“ wirft, der wird nicht den geringsten Hinweis darauf finden, dass zwischen dem Terror und den Texten jenes vorgeblich gottes-inspirierten Koran-Autors Mohamed ein Zusammenhang besteht. Nicht einmal ein Nebensatz deutet auch nur an, dass Täter wie jene von New York bis Nizza – und nun vermutlich auch Berlin – sich auf die Glaubensideologie jener Gruppe beziehen, die in solchen Fällen lautstark Mitgefühl deklariert, sich ansonsten aber darauf konzentriert, archaische Bräuche als angebliche Glaubensgebote zu installieren und kollektivem Selbstmitleid frönt. Doch der Bürger muss – und  er soll – den Eindruck bekommen, dass diese Mörder im Namen Mohameds aus einem anderen Universum stammen, das mit jenem der „Muslime in Deutschland“ und anderswo nicht das Geríngste zu tun hat.

Perfides Mitleid

Besonders perfide wird die Trauer aus muslimischen Kreisen vor allem dann, wenn sie wie im aktuellen Fall ausgerechnet aus dem Arabien der Sa’ud oder der Türkei des Staatsmuslim Erdogan kommt.

Ein Sprecher des Außenministeriums in Riyad sprach Deutschland sein Beileid aus und erkannte die Notwendigkeit, „alle Arten von Kriminalität und Terrorismus“ noch intensiver zu bekämpfen. Das ist an Zynismus kaum zu überbieten. Denn die radikal-fundamentalistische, am tatsächlichen Wortlaut des Koran orientierte Richtung des Islam, die die Miliz „Islamischer Staat“ und die Anschläge von New York bis Berlin erst ermöglicht hat, beruht auf einem mittlerweile über 200 Jahre alten Deal zwischen dem Beduinenstamm, der heute die Halbinsel beherrscht, und einem mohamedanischen Fundamentalisten namens Muhamad ihn Abd al‘Wahab. Wie jener im 18. Jahrhundert berufen sich seine Anhänger vom IS über das sa’udische Königshaus bis hin zu jenen von ihm inspirierten Mörder auf die wortgetreue Umsetzung des Koran.

Und während die deutschen Leidmedien, angefangen bei CSU-Chef Horst Seehofer bis sonstwohin, überall „rechtspopulistische Instrumentalisierer“ zu erkennen meinen, instrumentalisiert die fundamental-islamische Gewaltherrschaft der Türkei den Anschlag unkritisiert von den Medien in ihrem Sinne, indem sie die mohamedanisch begründeten Anschläge gegen den christlich geprägten Westen auf die gleiche Ebene hebt wie die politisch motivierten Anschläge in der Türkei und zum „gemeinsamen Kampf gegen den Terror“ aufruft, als dessen Hauptunterstützer Erdogan jüngst noch die EU verdammte.

Wenn es eine Gemeinsamkeit zwischen dem Terror gegen den Westen und dem Terror in der Türkei gibt, dann findet die sich diese in den Köpfen jener, die den Terror zu verantworten haben – und nicht jener, die ihn konkret verbreiten.

Terror, wie er den Westen trifft, ist ein Terror, der in islamisch verblendeten, alles Freiheitliche hassenden Köpfen wie denen des türkischen Präsidenten entsteht. Der Terror, der die Türkei erschüttert, ist wiederum ein Terror, der die Antwort ist auf den Staatsterror, der aus denselben Köpfen der politisch Verantwortlichen der Türkei aus demselben Hass gegen alles Freiheitliche erwächst. Der Inhalt in den Köpfen, auf dem der Terror wächst, ist identisch – doch die Motivationen der Täter sind es nicht. Die Terroristen des Erdogan, das sind nicht islamisch psychopathisierte Mörder, sondern kurdische Freiheitskämpfer, die die Türkei mit ihrem Ethnofaschismus erst zu Terroristen gemacht hat. Die Terroristen, die den Westen attackieren, berufen sich hingegen auf denselben, religiös verbrämten  Alleinherrschaftsanspruch, der im Kopf Erdogans herumspukt. Die Terroristen, die Erdogan als solche verfolgt, aber sind jene, die sich gegen genau diesen Alleinherrschaftsanspruch auflehnen.

Keine Distanzierung ohne Selbsterkenntnis

Jede Distanzierung von Vertretern der Muslime kann deshalb nur glaubwürdig sein, wenn diese sich ohne Wenn und Aber dazu bekennen, dass die widerwärtigen und unmenschlichen Ideen, welche die Mörder zu ihren Taten motivieren, eben nicht aus irgendwelchen Paralleluniversen stammen, sondern ihren sehr konkreten Anlass in jenen archaischen Schriftwerken finden, die als Koran und Hadithe das Fundament des Islam sind. Es ist müßig, an dieser Stelle die Untrennbarkeit von Islam und Islamismus ein weiteres Mal darzulegen. Tilman Nagel und andere haben dieses in der Vergangenheit wiederholt getan – ich kann in diesem Zusammenhang unter anderem  auf einen meiner Texte aus dem Jahr 2014 verweisen.

Den unabweisbaren Zusammenhang zu benennen, der zwischen dem Islam und den in seinem Namen vollbrachten Mordtaten besteht, ist das unvermeidbare Fundament eines jeden ehrlich gemeinten Kampfes gegen den Terror, der im Namen Mohameds über die Menschheit gebracht wird. Nicht nur im Westen, sondern längst schon in Asien und Afrika. Und wenn wir ganz genau hinschauen, dann auch nicht erst seit vielleicht zwanzig Jahren, sondern seit dem siebten Jahrhundert.

Erst, wenn sich die Vertreter der Muslime bereit erklären, dem unzweideutig festgeschriebenen Weltherrschaftsanspruch ihres vorgeblichen Propheten abzuschwören und nicht länger so tun, als hätten diese „islamistischen“ Anschläge mit dem Islam nicht das Geringste zu tun – erst dann werden sie die Glaubwürdigkeit erlangen, die Voraussetzung für ein gemeinsames Handeln, für ein erfolgreiches Vorgehen gegen diesen psychotischen Defekt ist, der Menschen zu Massenmördern werden lässt ist.

Es soll nicht unterschlagen werden, dass es derartige Ansätze gibt. Erst am vergangenen Wochenende hatte ich im Rahmen einer Tagung ein spannendes Gespräch mit einem jungen Sunniten, der, deutscher Staatsbürger mit nahöstlichen Wurzeln, als Banker in Frankfurt arbeitet und überhaupt kein Problem damit hat, über die gewalttätigen Inhalte seines Glaubensfundaments zu sprechen. Denn er hat zutreffend erkannt hat, dass eine Überwindung der Radikalität und der unleugbaren Gewaltverherrlichung eben nur dann möglich sein wird, wenn man sich dieser Komponenten seines Glaubens entsprechend bewusst ist.

So wie Christen die Gewalt, die im Namen ihres Glaubens ausgeübt wurde, nur dann überwinden können, wenn sie sich ihr stellen und sich zu der Verantwortung ihrer Religion bekennen, ohne damit persönliche Schuld auf sich zunehmen, so muss der Muslim sich der Gewalt, die im Namen seiner Religion an Abermillionen Menschen begangen wurde und wird, stellen und sie als Bestandteil seiner Glaubensidentität begreifen. So lange dieses nicht geschieht; so lange Personen wie Mazyek die Gewaltkomponente des Islam wider die Wirklichkeit in Abrede stellen, so lange wird es keinen Frieden mit dem Islam und im Islam geben können.

Gewalt überwinden heißt Gott überwinden

Die Überwindung von Gewalt bedarf insbesondere hier, wo sie im Namen eines angeblichen Gottes vollbracht wird, der Infragestellung des vorgeblich göttlichen Auftrags, wenn dieser Gewalt und Mord bedeutet. Sie bedarf der Frage, was göttlich sein kann an einem Wesen, das angeblich den Menschen nach seinem Bilde geschafft haben soll, doch die Gewalt des Menschen gegen den Menschen nicht nur als Fehlweg zur Kenntnis nimmt, sondern als seinen göttlichen Auftrag formuliert. Wer Gewalt gutheißt, sie gegen Ungläubige sogar einfordert, der kann kein Gott sein. Der ist ein Monster. Zu einem Gott werden kann ein solches Monster erst dann, wenn seine Anhänger – und nur diese können dieses – ihm seine Monstrosität nehmen.

Die Verantwortung für Morde, die im Namen eines angeblichen Gottes begangen werden, liegt am Ende nicht einmal bei diesem Gott selbst, denn der müsste im Verständnis der Gläubigen einen neuen Propheten schicken, um die eigenen Irrtümer zu korrigieren – und genau dieses darf er im Islam nicht, weil Mohamed als Siegel der Propheten der letzte seines Berufszweiges gewesen ist. Die Verantwortung für diese Morde liegt deshalb bei all jenen, die sich zu demselben Gott bekennen, die Verantwortung der Religion für die Morde jedoch leugnen. Die Verantwortung liegt bei jenen, die in scheinbarem Mitgefühl für die Opfer vergehen, ohne dabei zu bekennen, dass es eine archaische, wortgetreue Auslegung ihres eigenen Heiligen Buches ist, die die Glaubensbrüder überhaupt erst zu Mördern macht.

Die Verantwortung für den Terrormord liegt nicht bei den Tätern allein

Genau deshalb aber liegt die Verantwortung für den Terror nicht nur bei den Relativierern aus den Reihen dieser Gemeinschaft – sie liegt in unserer Gesellschaft insbesondere auch bei denen, die die Verantwortlichen durch die Hintertür eines imaginären Islamismus entschlüpfen lassen, statt sie zu stellen und in ihre Verantwortung zu nehmen.

Niemand behauptet, dass Muslime wie Mazyek persönlich die Schuld am mit dem Islam begründeten Tod Unschuldiger haben. Wenn Menschen wie Mazjek sich aber den in ihrem religiösen Basiswerk verankerten Ursachen zu entziehen suchen, dann machen sie sich mitschuldig.

Deswegen auch ist es falsch und dient der Sache nicht, wenn unsere Medien mehrheitlich der Schimäre einer vermeintlichen Trennung von Islam und Islamismus hinterherlaufen – und ein selbsternannter Terrorismus-Experte alles daran setzt, die Bezüge zwischen Täter und Ursache zu vernebeln, statt diese klar zu benennen.

Im konkreten Fällen wie in Berlin, Nizza und anderswo ist es gänzlich irrelevant, ob „der“ IS einen konkreten Einsatzbefehl gegeben hat oder nicht. Die Mörder sind „Soldaten des Islamischen Staats“, weil sie sich von diesem inspirieren lassen. Die „Soldaten des IS“ sind sunnitische Muslime, die sich mit vollem Recht auf eine wortgetreue Auslegung des Koran berufen, weil alles, was sie tun, sich dort als Handlungsanweisung findet. Die wortgetreue Auslegung dieses Koran wiederum wird maßgeblich von ausgerechnet jenen Arabern in Riyad organisiert, die kein Problem damit haben, Kritiker an diesen irrationalen Werken zu Tode peitschen zu lassen und denen sich selbst in der Kairoer AlAzhar-Glaubensschule niemand in den Weg stellt, weil auch dort der Weltbeherrschungsanspruch des Islam jedweden Ansatz einer Überwindung des archaischen Inhalts des Schriftwerkes verhindert.

Diese Kausalketten zu erkennen und gegen sie zu wirken, ist der Weg, der einzig und allein zur Überwindung des Terrors führen wird. Sie aber zu vernebeln, wie es Medien und Politik und unmittelbar Involvierte wie die Muslime aus falsch verstandener Rücksichtnahme oder Selbsthypnose beständig tun – das legt die Verantwortung für die Opfer auch auf deren Schultern.

So, wie es nicht darum gehen kann, jeden Muslim zum Terrorverdächtigen zu stempeln, darf es nicht darum gehen, ihn von jeder Verantwortlichkeit freizusprechen. Überwindung von Gewalt liegt in der Erkenntnis ihrer Ursachen. Wer diese Erkenntnis vorsätzlich verweigert, sei es aus Dummheit oder aus falsch verstandener Rücksichtnahme, wird selbst mitschuldig an den Opfern, die die Gewalt verursacht.

spahnsspitzwege

Unterstützung
oder

Kommentare

Ihre Argumente, Gedanken oder Informationen bringen wir ganz oder gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Links, mindestens solche mit unklarer Herkunft.

  • isabelkocsis

    Zunächst möchte ich Dank aussprechen für diesen der Wahrheit verpflichteten Beitrag. Allerdings habe ich einige Einwände. Das Heranziehen des westlichen Kolonialismus gegen die Indianer ist als argumentativ-rhetorisches Stilmittel gedacht, jedoch als Beispiel viel zu komplex und differenziert, um dem Jihad zu entsprechen. Gewalt ist eine periphere Erscheinungsform im Christentum, im Islam jedoch der Kern. Der Islam sieht auch nicht Judentum und Christentum als kulturelle Wurzeln an, sondern setzt sich an die Stelle der beiden Vorgänger-Religionen. Ibrahim und Ismael (anstelle von Isaak) sind die ersten Muslime und Erbauer Mekkas. Juden und Christen verfälschen die reine islamische Lehre, nach der jeder Mensch als Muslim geboren, jedoch von seinen Eltern häufig irregeleitet wird. Mohammed wurde zur endgültigen Korrektur gesandt..Jesus erscheint als Muslim am jüngsten Tag. Dieser absolute Anspruch berechtigt den Islam nach der Weltherrschaft zu streben. Der „besten Gemeinschaft“ ist von Allah die Erde versprochen. Terror, der in die Herzen der Ungläubigen Schrecken bringen soll, dient neben vielem anderen zur Errichtung einer totalitären Rechtsordnung, die das Prinzip der Ungleichheit und Unterwerfung verfolgt: Gläubige, gläubige Frauen, „Buchreligionen/Ungläubige“, lebensunwerte Ungläubige usw.. Unterwerfung ist der Kern des Islams. Koran, Hadithe, Sira geben den Radikalen/Strenggläubigen wörtliche Anweisung, was im Artikel gut ausgeführt wird. Das Problem eines Euroislams ist, dass vom Islam nicht mehr viel übrigbleibt, entfernt man die Gewalt- und Unterdrückungsanweisungen. Moderate Moslems halten sich an wenige friedliche Aussagen, die zumeist sogar gekürzt sind und aus dem Zusammenhang gerissen. Zudem sind diese meist abrogiert, also mekkanisch, während die späteren Suren in Medina als die richtigen gelten, wo Mohammed aber schon als Kriegsherr agiert. Liest man Hamed abdel Samad oder Ayaan Hirsi Ali, so plädieren sie (andere wurden für diesen Vorschlag schon hingerichtet) alle für den relativ friedlichen frühen mekkanischen Islam – der diese Religion aber bis zur Unkenntlichkeit verkürzen würde. Von den Anführern (Alhazar, Saudi-Mullahs, DITIB, Moscheen, Muslimbrüdern, Islamverbänden, Jihadisten-Organisationen mit ihren Netzwerken, oder Gülen/Hizmet usw.) kann man keine Reform erwarten. Mit Kenntnis dieser Sachlage muss eine ehrliche Aussprache verlangt werden, wer in einem Schariastaat (Scharia soll die westlichen Verfassungen nicht ganz ersetzen, aber über sie gestellt werden, siehe OIC-Länder 1990 in Bezug auf die Menschenrechte) leben will, muss Europa verlassen – wie auch immer wir das bewerkstelligen können. Vielleicht ist es noch möglich.

  • Pherrmann

    Die Zeugen Jehovas sind zumindest bei psychischer Gewalt und bei unterlassener Hilfeleistung ganz vorn mit dabei. Kontaktverbote, Medizinverbote usw.
    Die großen christlichen Kirchen sind relativ weichgespült zur Zeit, auch weil der Großteil der Christen ein ziemlich säkuläres Leben lebt, aber grundsätzlich sind alle Religionen mit Jenseitsversprechen grundsätzlich lebensfeindlich angelegt.
    Wenn hier geschrieben wird, dass der Koran schuld ist, weil er von Terroristen als Rechtfertigung benutzt werden kann, dann ist auch die Bibel mitschuldig, weil auch dort das „Leben nach dem Tod“ als Tatsache dargestellt wird. Ist doch alles derselbe Scheiß, die MÖGLICHKEIT die Bibel so zu predigen, dass alles was man im Leben anrichtet im Jenseits belohnt wird wurde auch schon genutzt.

    • Kopfbrettbohrer

      Bezüglich der genannten Punkte bei den Zeugen Jehovas gebe ich Ihnen recht. Ich will beileibe auch nicht diese Sekte pauschal gutheißen, es ging mir lediglich um das Thema Gewalt und Bibel. Das alle Religionen mit Jenseitsversprechen lebensfeindlich angelegt seien, ist nicht richtig und viel zu pauschal. Es kommt darauf an, was man mit der Jenseitsvorstellung verbindet und für das Diesseits daraus ableitet. Man kann den Fokus auch auf das sich im positiven Sinne bewähren und Gutes tun legen, da einen im Jenseits jeweils das erwartet, was man sich im diesseitigen Leben „erarbeitet“ hat. Und hier unterscheiden sich wiederum Christentum und Islam fundamental: Im Islam wird man z.B. für Kampf, begangene Gewalttaten und Opfertod im Dschihad gegen Ungläubige belohnt. Sowas findet sich im Christentum (Neues Testament bzw. Neuer Bund) eben nicht. Man wird eben nicht für „alles was man im Leben anrichtet im Jenseits belohnt“. Ob einem im Diesseits allerdings immer die Wahrheit darüber gepredigt wird, was diesbezüglich gottgefällig ist und was nicht, steht auf einem anderen Blatt…
      Kant hat übrigens in seiner Metaphysik der Sitten die Notwendigkeit der Annahme eines Lebens nach dem Tode damit begründet, dass es sich schließlich lohnen müsse, entsprechend dem Sittengesetz (im Kant´schen Sinne) zu leben; und wenn man schon nicht erwarten dürfe, im Diesseits seinen gerechten Lohn dafür zu erhalten, so doch wenigstens im Jenseits.

      • Pherrmann

        In der Religion ist vieles Auslegungssache, die Prediger haben viel Macht über die Bepredigten.
        Aus der Bibel heraus könnte man auch Homosexuelle, Ehebrecher und Tätowierte bestrafen, wenn man das will. Das alte Testament ist ja auch Teil des Christentums.
        Im Koran gibt es auch sehr friedliche Stellen, und Teile die man ignorieren könnte. Jeder sucht sich die Stellen raus, die ins sonstige Weltbild passen.

        Das Jenseitsversprechen unterscheidet sich dann dadurch WIE man ein gutes Nachleben hat und nicht OB es eins gibt. Das WIE kann leicht unterschiedlich gepredigt werden und anfällige Menschen werden zu Werkzeugen.

        Wie es bei Atheisten funktioniert, dass man sich ans Sittengesetz hält ist natürlich rätselhaft, jeder weiß dass Arschlöcher die Welt regieren und „good guys finish last“… und doch klappt es erstaunlich gut.
        Der Wille zu Gerechtigkeit und Frieden ist wahrscheinlich in der Kindheit anerzogen, vielleicht auch angeboren oder durch Polizeipräsenz erzwungen.
        Aber Menschen, die als Kinder Gewalt erfahren haben sind gewalttätiger, auch wenn sie die Gewalt als schmerzhaft und ungerecht kennengelernt haben. Das betrifft Atheisten, Katholiken, Moslems. Die Erziehung ist wichtiger als die Religion.
        Also können auch Muslime gut erzogen sein oder werden.

        Eine grundsätzliche Einteilung in friedliche und gewalttätige Religionen oder Völker lehne ich ab. Unterschiedliche kulturelle Sozialisation gibt es, aber die ist ziemlich flexibel, wie die deutsche Geschichte zeigt.

  • Hasenfurz, das ist ein Feuerwerk an wilden Gedanken. Kühlen wir uns etwas ab: Ich habe Sie nirgends als „Sündenbock“ hergenommen. So was brauche ich nicht. Für was denn?
    Dieses ganze krause Feuerwerk an „satanischen“ Strukturen, die Sie überall wittern, dies aber unter Leugnung Ihrer religiösen Perspektive, die Weigerung, Ihr Denken zu vertiefen und gleichzeitig das Endlos-Lamento über einen Verlust „Ihres Landes“, das es aber anscheinend nur als virtuellen egozentrischen Hasenfurz gibt, denn warum anders werfen Sie mir vor, mich auch historisch zu verorten, und zwar hier in diesem Kontinent, diesem Land, mit seiner historischen Kultur, die mich geprägt hat und der ich alles an Bildung verdanke, die mir geschenkt wurde, von deren „lilienweißen“ (wie Sie so herablassend kritisieren) Helden und Heldinnen wir alle leben – was stört Sie daran im Ernst?

    Dass mein Weg zugegebenermaßen mühevoll ist? Dass er Zeit braucht? Dass er das Zurückweichen vor unbequemen Anfragen an das konservative Lager selbst nicht zulassen will?

    Es bleibt für mich dabei: entweder wir wagen eine komplexe und differenzierte Debatte, oder wir sind verloren. Wir hatten genug der Hauruckmethoden im Faschismus, der es sich auch notorisch einfach machte mit einer differenzierten Verortung. Mit „Pragmatismus“ und einer seltsam luftleeren Selbst-Ideologie meinte man, das Abendland schon mal retten zu können… sorry, aber ich sehe eben nun mal entscheidende historische „Fallen“ deutlich vor Augen und bin einfach nicht bereit, Ihnen dahin zu folgen. (Deswegen sind Sie aber kein Sündenbock, sondern einfach nur ein Mitkommentator, dem ich widerspreche)

    Aus Panik vor der roten Revolution fiel man damals auf der anderen Seite vom Pferd. Sie und viele andere und auch ich in gewissem Umfang haben (natürlich mit Recht) Panik vor einer islamischen Usurpation, aber diese Panik darf das Denken nicht ihrerseits so vollständig usurpieren, wie ich das wahrnehme hier.

    Es bedarf tatsächlich der Besonnenheit – nicht der geschwafelten, göringschen, sondern der echten.
    Auf die aber haben weder Sie noch ich ein Monopol. Wir denken nach, machen Vorschläge, werfen Reflexionen oder meinetwegen auch ungeordnete Impulse in die Runde.
    Was ist daran nicht in Ordnung?

    • hasenfurz

      Okay. Reset. Einigen wir uns auf das Finden und Benennen von Möglichkeiten.

      Den Ansatz der Gewaltkultur habe ich herausgearbeitet, ich sehe darin, neben einer kompletten diskussionslosen Entfernung des (politischen) Islams aus allen Bereichen, in denen er gesellschaftliche Definitionsmacht haben oder erlangen kann (das ist striktens aus Gründen des Selbsterhalts bzw. der Selbstverteidigung abzulehnen), den einzigen praktikablen Weg, integrierbare Moslems und nicht integrierbare Gefährder mit verankerter islamischer Gewaltkultur voneinander zu unterscheiden und unsere Gesellschaft vor Schaden zu bewahren, bei gleichzeitiger voller gesellschaftlicher Anerkennung sich problemlos in unseren Werte- und Gesetzeskanon integrierender Moslems.

      Nennen Sie mir gerne einen Besseren.

      • Im Ergebnis läuft es darauf hinaus. Habe ich ja selber hier schon öfters ausgesprochen (das nur nebenbei). Aber es geht nicht hauruck. Und da unterscheiden wir uns.
        Sehen Sie sich die Verwirrung bei uns doch an… Sie werden nämlich erleben, dass die halbe deutsche Nation sich Ihnen in den handelnden Arm werfen wird, wenn Vernunft einkehren sollte… diese Leute tun es ja in voller Verblendung (wie ich es sehe) jetzt schon.
        Und das ist eben auch ein absehbares Faktum.
        Scholl-Latour sagte oft, wir bräuchten nicht den Islam zu fürchten, sondern unsere eigene Identitätsschwäche.
        Das ist das, was ich meine.

      • hasenfurz

        Okay. Ich korrigiere als meine vorherige Antwort dahingehend, daß Sie den Kern des Problems korrekt erkennen und benennen. Sehr gut.

        Das gesagt, muß (ich wiederhole mich), die institutionalisierte und von der Regierung mißbrauchte bzw. korrupte Verblendungsmaschinerie entfernt werden.

        Im selben Zuge ist die Regierung wegen Korruption, Amtsversagens, Amtsmißbrauchs zugunster ausländischer / fremder Interessen, abzusetzen und die Polizei zu befähigen, geltendes Recht und öffentliche Ordnung massiv gegenüber den islamischen Aggressoren und Gewalttätern durchzusetzen, und zwar auch schon präventiv!

        Ich habe da nicht die geringste Identitätsschwäche, wer sich hier nicht friedlich, die Gesetze und Kultur anerkennend und selbstfinanziert integriert, hat als Einwanderer hier keinen Platz, fertig.

  • Sehr guter Artikel, jedoch bei: “ Wer sich heute zum Christentum bekennt, der bekennt sich auch zu den Untaten, die im Namen seines Glaubens wider die Worte Jesu über Unschuldige gebracht wurden.“ komme ich ins Stutzen. Ich habe früher viel mit gläubigen Christen über die Gewalt des Christentums debattiert und fast alle gehen eine von zwei Hauptschienen: 1.) Die Täter waren „weltliche“ Täter und nur von der Kirche „beauftragt“ 2.) Sie relativieren die Taten bis ins Nichtige.

    Weltreligion macht man nun mal nicht mit schönen Worten, sondern dem S jwert. Deshalb nennen die Christen den Massenmörder und Kriminellen Karl den Schlächter auch bis heute „den Großen“ und verehren ihn als Heiligen.

    Und ebenso gehört eine gehörige Portion Selbstverar*** dazu, ohne die heute wohl kein Einziger aus dieser Region noch freiwillig als Kirchenmitglied bezeichnet ihnen wollte. Tatsächlich ist das „moderne Jesusbild“ eine Erfindung der Neuzeit. Noch im selben Alter wie der Islam heute war das Christentum nicht minder übergriffig.

    Hinzu kommt, das gerade diese desaströse Politik nicht zuletzt genau so in den Kirchen über Jahrzehnte verbreitet und indoktriniert wurde und die große Mehrheit der Regierungsmitglieder überzeugte , aktive Kirchlingen sind.

  • Franzkeks

    Wer bestimmt das?