Im Streit mit Klingbeil opfert Merz die Autorität der eigenen Ministerin

Katherina Reiche legt sich mit Lars Klingbeil an, doch Friedrich Merz fällt nicht etwa dem SPD-Chef in den Arm, sondern der eigenen Ministerin. Der Rückpfiff aus dem Kanzleramt zeigt die Kräfteverhältnisse dieser Koalition.

picture alliance / Andreas Gora

Die Frage lautet zur Stunde, wie weit Katherina Reiche zu gehen bereit ist und ob SPD-Freund Merz Katherina Reiche als Wirtschaftsministerin entlässt. Dass Reiche mehr von Wirtschaft versteht als der SPD-Apparatschik Klingbeil dürfte klar sein. Dass Merz macht, was Klingbeil will, auch. Dass Katherina Reiche als Wirtschaftsministerin ein riesiges Problem mit dem quietschgrünen Wirtschaftsministerium hat bzw. das grüne Habeck-Beamtentum dort mit ihr, dürfte nicht minder klar sein, denn sonst würde sie jetzt nicht gezwungen sein, externen Sachverstand zu mobilisieren, weil der im grünen Ministerium anscheinend fehlt.

Man gewinnt zunehmend den Eindruck, dass die Herrschaften im BMWE ihre steuerfinanzierte Zeit lieber dazu benutzen, gegen ihre Ministerin, anstatt für Deutschland zu arbeiten. Die Damen und Herren, die an ihren Schreibtischen von Windrädern träumen, stießen sich an Subventionen für Gaskraftwerke. Grund für die Empörung der Empörungswilligen war, dass einige e-mail-Konten durchsucht wurden, weil Informationen zu zwei Gesetzesentwürfen durchgestochen worden sind, nach denen sich der Bau von Ökostromanlagen verteuern würde. Zudem wurde ein Entwurf zur Novellierung des EEG durchgestochen, die den Bau kleiner Dachsolaranlagen verteuerte. Interessant übrigens, dass die Aufregung sich im Habeck-Ministerium damals in Grenzen hielt, als Habeck den Verfassungsschutz auf Mitarbeiter hetzte, weil allein ihre konträren Ansichten im Jahr 2022 zu dem Verdacht führten, dass sie für die Russen spionierten. Der Verdacht hatte sich natürlich nicht erhärtet. Das hatte auch niemand erwartet, ging es doch nur um eine grün-maoistische Erziehungs- und Einschüchterungsmaßnahme Habecks.

Inmitten einer Krise zeigt die Regierung Klingbeil-Merz, dass ihre einzige Fähigkeit darin zu bestehen scheint, Kritiker zu bekämpfen. Während andere Staaten handeln, um den steigenden Treibstoffpreisen entgegenzuwirken, beschließt die Regierung Klingbeil-Merz eine einzige Maßnahme, die, wie abzusehen war und auch von TE vorausgesagt wurde, als Kostentreiber par excellence wirken würde. Möglicherweise eine Idee von grünen Habeck-Beamten im BMWE.

Nach dem der SPD die Wähler davonlaufen, wie man in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz sehen konnte, wollte Klingbeil zum Reformer und Erneuerer werden, nur verfügte er allein über abgestandene SPD-Ideen, die vor 50 Jahren schon nicht modern waren. Obwohl von Medien sofort Klingbeil als Reformer gepriesen wurde, verstummten die Medien sehr schnell wieder, wollten sie nicht noch den Rest an Kompetenz einbüßen, denn die Ideen von Ehegattensplitting über Nichtversicherung von Familienangehörigen in der Gesetzlichen Krankenkasse bis zur Übergewinnsteuer gingen in die eine Richtung, noch mehr Geld den Bürgern abzupressen. Man muss Klingbeil, dem Herren und Mehrer der Haushaltslöcher, schon fast unterstellen, als freue er sich über steigende Treibstoffpreise, spielt ihm doch das noch mehr Geld in die Kassen u.a. für den Klima-Komplex, u.a. für eine Entwicklungshilfeministerin, die einen alles andere übertreffenden Ehrgeiz an den Tag legt, möglichst viel deutsches Steuergeld im Ausland an wen auch und wofür auch immer zu verteilen, u.a. für einen Präsidenten in Kiew, der schon seit geraumer Zeit nicht mehr gewählt wurde.

Weil also der Nimbus des Reformers, den sich Klingbeil so gern selbst verleihen wollte, schon verblasste, bevor er noch zu leuchten begann, lud er zu einem Gipfel über die wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs, vor allem über die stark gestiegenen Spritpreisen die Spitzen der Wirtschaft und Gewerkschaften ein, damit sie ihn ein wenig glänzen lassen. Dass dieser Gipfel wie das Hornberger Schießen, das man jetzt getrost Klingbeil-Klingeln nennen darf, ausgeht, war vorher schon klar. Doch der Affront bestand darin, dass die zuständige Fachministerin nicht zumindest als Mitveranstalterin, sondern nur als Gast eingeladen worden war. Reiche blieb Klingbeils Gipfelchen fern und schickte nur zwei Abteilungsleiter. Am Donnerstagabend bestellte Merz Reiche und Klingbeil ein und versuchte die beiden Minister zu überzeugen, nicht dauernd sich widersprechende Vorschläge zu veröffentlichen, sondern sich zuvor zu einigen. Was Merzens Autorität wert ist, demonstrierte Klingbeil mit seinem Gipfelchen. Reiche kommentierte öffentlich: „Der Koalitionspartner ist in den letzten Wochen damit aufgefallen, Vorschläge zu unterbreiten, die teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig sind“ und stellte richtigerweise fest: „Das führt zu Verwirrung und hilft den Verbrauchern nicht.“

Dass Katherina Reiche damit den Koalitionsfrieden oder genauer Merzens Koalitionsunterwerfung störte und damit Klingbeil reizte, gefiel dem Augenblickskanzler überhaupt nicht, so dass gerade das Statement verbreitet wird: „Der Bundeskanzler ist befremdet über den öffentlichen Schlagabtausch und mahnt Ministerin Reiche zur Zurückhaltung“. Warum mahnt Merz nicht auch Klingbeil zur Zurückhaltung? Hatte Reiche etwa den Gipfel einberufen? Haben wir da etwas verpasst?

Aber was erwartet man vom inzwischen linken Kanzler einer inzwischen linken Partei, die die CDU hinter der Brandmauer geworden ist? Wachs in den Händen einer 13 % Partei. Vollkommen zurecht belehrt Katherina Reiche den Finanzminister fachlich darin, dass „eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes oder gar die Wiedereinführung einer Vermögensteuer…in dieser Lage die falschen Signale“ wären.

Dementsprechend wird Katherina Reiche von einem Herrn Wiese von der SPD-Fraktion angegriffen: „So wird der Mehrwert ihrer Person in dieser Koalition mehr und mehr fraglich.“ Heißt im Klartext, die SPD will Reiches Abberufung erreichen. Der Mehrwert übrigens, den die SPD für Deutschland hat, wird schon sehr lange nicht mehr klar.

Reiches Fehler besteht darin, dass sie sich nicht aus dem Klima-Irrationalismus und aus der Klima-Totalitarismus befreien konnte – und jeder Versuch, eine Lösung innerhalb des Klima-Dogmas zu finden, nicht funktioniert. Das EEG muss nicht novelliert, sondern gestrichen werden, wie auch das GEG, die CO-2-Bepreisung, der Zertifikatehandel und man muss mit Russland ins Gespräch kommen. So lange alles das nicht geschieht, werden auch noch so kluge Vorschläge von ihr auch nicht funktionieren. Was man ihr aber zugestehen darf, ist, dass sie in konkreten Gesetzen step by step eine Änderung praktisch durchsetzen will, deshalb blockieren ihre grünen Beamten auch.

Man wird in den nächsten Tagen sehen, ob Reiche ob des Amtes wegen klein beigibt, ein fauler Kompromiss gefunden wird oder Friedrich Merz sie auf Drängen der SPD entlässt. Sie wäre dann keine gescheiterte Politikerin, sie würde lediglich eine gescheiterte Regierung hinterlassen. Es heißt Friedrich Merz sei verärgert, über das Verhalten seiner Parteifreundin. Ja, und? Die übergroße Mehrheit der Deutschen sind über Friedrich Merz verärgert.

Sollte Merz diesen Schritt vollziehen und Katherina Reiche demissionieren, dann kann sich die CDU in SPD umbenennen und sich mit der Klingbeil-Partei vereinen, sie ist dann nichts mehr als der Fußwickel der SPD. Aber vielleicht ist sie das auch schon.

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Kommentare ( 175 )

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Bedenkentante
1 Monat her

Reiche zeigt seit ihrem Antritt wirtschaftskompetente Ansätze. Kein Wunder, dass sie zum Störfaktor wird. Ich gebe ihr keine Woche mehr nachdem heute schon CDU-Hinterbänkler dazu eingeladen wurden, öffentlich ihren Kopf zu fordern.
Und übrigens: Das Problem mit der Inkompetenz im eigenen Haus und dem daraus folgenden Bedarf, das Heil bei externen Beratern zu suchen hatte anno dazumal auch von der Leyen als sie das Verteidigungsressort übernahm. Nur lief bei Uhr das Ganze irgendwann aus dem Ruder.

Mein Onkel
1 Monat her

Fällt MERZ ihr in den Arm oder doch in den Rücken??

Siggi
1 Monat her
Antworten an  Mein Onkel

Nichts von beidem. Er wird wie immer einfach ein neues Fass aufmachen und ablenken. Er ist eben doch nur eine Heißluftpumpe.

November Man
1 Monat her

Nach der scharfen Attacke von Wirtschaftsministerin Reiche gegen den noch Koalitionspartner SPD in der Spritpreis-Debatte kommt aus dem CDU-Sozialflügel CDA schon die Forderung nach ihrer Entlassung. Eine „Auswechslung“ der Ministerin sei unumgänglich, auch weil sich Reiche Kanzler Merz widersetzt habe. Man wirft der Ministerin jetzt vor, „eine Koalition mit der AfD anzustreben“. Merz wird es heute bitter bereuen, nicht mit der AfD eine Koalition gebildet zu haben, sondern mit den Linksextremisten. Mit einer geläuterten Union und einer stabilen Union/AfD-Regierung hätte dieses Land eine Chance gehabt, die von den vereinigten Kartell-Linksextremisten angerichteten Schäden und Krisen ohne Ende bewältigen zu können. Jetzt… Mehr

Martin Mueller
1 Monat her

Kanzler spielen quasi von Gnaden der Linksgrünen.

Wird er frech (551 Fragen zu NGOs) rufen due Linkdgrünen die Anrifa und Omas gegen Rechts….

So stellt man sich natürlich vor Klingbeil und nicht vor die eigenen Leute. Was für ein großer Kanzler…

Last edited 1 Monat her by Martin Mueller
Martin Mueller
1 Monat her

Ohne Loyalität zu den eigene Leuten, was ist man dann?

Kanzler spielen für 4 Jahre mit Wohlwollen der SPD.
So kann man keine erfolgreiche Politik machen, so löst man nicht ein Problem

Klar ist, mit der jetzigen SPD kann die CDU nichts verändern, nur mitschwimmrn im linksgrünen Strom…

teanopos
1 Monat her
Antworten an  Martin Mueller

die CDU besteht doch zu Hälfte aus SPDlern und Grünen also aus Unterwanderung. Das heißt was sollte Merkels Erbe schon verändern? Im Gegenteil, diese ökosozialistische, intrigante Altlast Merkels hängt wie Blei an jeder Ecke dieses Landes und sorgt nachhaltig für den totalen Abstieg! Auch die „unsere Demokratie“ Brandmauer war Merkels Werk!

Und ein Abriss dieser, als ein erster Anfang, ist weit und breit nicht in Sicht!

Last edited 1 Monat her by teanopos
sheldon63
1 Monat her

Wer jetzt immer noch der Meinung ist, dass die CDU eine konservative Partei ist, der hat den Schuss nicht gehört.
Sie sollte sich mit den anderen Altparteien zur „Neuen Sozialistischen Deutschen Einheitspartei“ zusammenschließen.

Turnvater
1 Monat her

Der Mann hat keinen Kompass.“

Doch, hat er. Und der ist genau auf Blackrock ausgerichtet.

Reimund Gretz
1 Monat her

Mit ein wenig Menschenkenntnis konnte man es bereits vor den #Wahlen 2025 erahnen. Merz macht aus der @CDU ein Anhängsel der @SPD und lässt sich von den @Die_Gruenen zu einer #Politik treiben die #Deutschland weiter dahinsiechen lässt. #Merzkannesnicht fehlen elementare Eigenschaften zum #Bundeskanzler, das wird mit jedem Tag seiner Amtszeit deutlicher, er wird in seiner #Brandmauer immer ein Getriebener von #rotgruen bleiben! #Merz wird dadurch zum Problemfall für die #CDU, ob es in der #Partei noch welche gibt, die das erkennen? #Deutschland ist dem #Bundeskanzler egal, die #Bürger sind ihm egal, er wollte nur einmal #Kanzler sein. Um weiteren Schaden… Mehr

moorwald
1 Monat her

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, daß der für lange Zeit -vielleicht für immer -letzte Kanzler der SPD von der CDU kommt.
Merz ist für die SPD der GaG – der größte anzunehmende Glücksfall-

Last edited 1 Monat her by moorwald
Alf
1 Monat her

Die übergroße Mehrheit der Deutschen sind über Friedrich Merz verärgert.
Ja, es braucht keinen Kanzler, um das Elend zu beenden.
Auf nach Burladingen!

Trigema-Sprit bis zu 20 Cent günstiger

:

Danke, für diese Tanke, Familie Grupp!

 In Burladingen an der Trigema-Tankstelle sind die Sprit-Preise deutlich günstiger als bei der bundesweiten Konkurrenz.

Hochbetrieb bei Trigema, Totentanz bei Konkurrenz

https://www.bild.de/regional/baden-wuerttemberg/trigema-und-wolfgang-grupp-druecken-die-spritpreise-69d90ad776e0dadf98a0dccf

Ein Unternehmer mit Verstand zeigt, wie es ohne Kartellparteien, ohne Arbeitsgruppen und Blabla.geht.
Die Koalition der Wahlverlierer ist am Ende.

Last edited 1 Monat her by Alf