Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts geht auf die Barrikaden: Hans-Jürgen Papier spricht von „verweigerter Staatsführung“ und „betreutem Denken“ – eine in ihrer Deutlichkeit absolut vernichtende Abrechnung mit dem Tandem Merz-Klingbeil.
IMAGO - Collage: TE
Hans-Jürgen Papier (82), 1998 bis 2002 Vizepräsident, 2002 bis 2010 Präsident des höchsten deutschen Gerichts, ist der letzte große und unabhängige Hüter des Grundgesetzes. Als er 2010 aus dem protokollarisch fünfthöchsten Staatsamt ausschied, verabschiedete er sich politisch und juristisch nicht in die innere Emigration. Er schreibt markante Bücher, 2019 etwa „Die Warnung: Wie der Rechtsstaat ausgehöhlt wird“ und 2021 „Freiheit in Gefahr.“ Regelmäßig liest er der real praktizierten Politik in Interviews die Leviten.
Letzteres hat er nun in der WELT am SONNTAG getan. Papier hat kaum etwas an überfälliger und berechtigter Kritik ausgelassen.
Es ist indes zu befürchten, dass dieses Interview bei den (angeblich) Regierenden nichts auslöst, sondern dass diese ihren „Wie-kommen-wir-irgendwie-über die Runden“-Stuhlkreis fortsetzen und in ihrem Pseudo-Reform-Wachkoma verharren.
Nachfolgend einige von Papiers Kernaussagen:
Verschuldung muss nachhaltig hinsichtlich Haushalts- und Sozialpolitik sein
Die seit Jahren fortgesetzte, ja gesteigerte „immense“ Verschuldungspolitik lehnt Papier strikt ab: „Ich bin politisch ein strikter Gegner solcher immensen Verschuldungsmöglichkeiten und habe deshalb vor einigen Jahren eine Grundgesetzänderung empfohlen, nämlich die Einführung eines Prinzips der Nachhaltigkeit – nicht nur für Umwelt und Klima, sondern beispielsweise auch für Haushalts- und Sozialpolitik. Wogegen man allerdings vorgehen könnte, ist das Errichtungsgesetz dieses 500 Milliarden Euro umfassenden Sondervermögens sowie das konkrete Haushaltsgesetz. Beides sind einfache Gesetze.
Hier könnte man wirklich Einwände dagegen erheben, dass nicht hinreichend Sorge getragen ist, die Verwendung der Kreditmittel ausreichend präzise zu definieren, insbesondere was die Voraussetzungen der zusätzlichen Investitionen betrifft.“ Papier hierzu weiter: „Ich bin ein entschiedener Gegner der weiteren Lockerung der Schuldenbremse für den Kernhaushalt. Ich finde es bemerkenswert, dass vor allem Parteien, die in Migrationsfragen immer wieder auf angeblich zwingende europarechtliche Vorgaben verweisen, das EU-Recht bei Finanz- und Haushaltsfragen ignorieren. Sie sollten die Maastricht-Kriterien kennen.“
Sozialstaat den Gegebenheiten anpassen – Schluss mit Kommissionitis
In Sachen Sozialstaat wirft Papier der Regierung die Verweigerung von Staatsführung vor. Papier wörtlich: „Die Sozialstaatlichkeit, so wie sie sich im Laufe der Jahrzehnte in Deutschland herausgebildet hat, entspricht keiner zwingenden verfassungsrechtlichen Vorgabe. Wir kennen zwar das Sozialstaatsprinzip im Grundgesetz, aber dessen Ausgestaltung ist Sache des Gesetzgebers. Deshalb ist es möglich und auch erforderlich, den deutschen Sozialstaat den aktuellen Gegebenheiten anzupassen und maßvoll zu reduzieren. … Es geht auch um eine angemessene Lastenverteilung zwischen den Generationen und mit Blick auf die Zukunft.“ Papier sagt auch: „Nun ist es sicherlich wichtig, dass man die laut Instituten über 500 steuerfinanzierten Sozialleistungen vereinfachend miteinander zu verbinden sucht. Aber das wird nicht reichen. In meinen Augen gehört jede steuerfinanzierte Sozialleistung nicht nur der Höhe, sondern auch dem Grunde nach auf den Prüfstand. Durch die Kommissionitis wird versucht, nötige politische Gestaltungen in Gremien ohne demokratische Legitimation auszulagern. Das ist verweigerte Staatsführung.“
Meinungskorridor wird immer enger
Als größte Gefahr für die liberale Demokratie sieht Papier, dass der Meinungskorridor immer enger wird und sich der Staat als Fürsorgender und Wohltäter aufspielt. Papier wörtlich: „Damit schränkt er, gar nicht in böser Absicht, die freiheitliche Entfaltung immer weiter ein. Auch die Meinungsfreiheit wird zunehmend infrage gestellt. Indem den Bürgern dieses Landes beispielsweise nahegelegt wird, was sie unter ‚unserer Demokratie‘ zu verstehen haben.
Das ist eine Art betreuten Denkens … Meine Befürchtung ist, dass der Sinn des Staates als Garant von Freiheit der Bürger zunehmend ins Hintertreffen gerät zugunsten einer Rolle, die sich der des Vormunds eines zu betreuenden Mündels nähert … Meinungseinhegung schädlich ist für eine Demokratie. Ich habe den Eindruck, dass viele, die als Demokratie-Schützer auftreten, staatlich oder selbsternannt im zivilgesellschaftlichen Bereich, ein Demokratieverständnis haben, das nicht mit dem des Grundgesetzes übereinstimmt … Diese Entwicklung, mit sogenannten Trusted Flaggers zu arbeiten und eine Art private oder quasi-öffentliche Medienkontrolle vorzunehmen, halte ich in der Tat für bedenklich, weil hier Einschüchterungseffekte auftreten können, die in einer demokratischen Gesellschaft nicht akzeptabel sind.“
Papier äußert sich auch kritisch zu Plänen eines Verbotes der Partei AfD. Wörtlich Papier: „Ich finde, bei diesen ganzen Diskussionen um Parteiverbote und auch um die Handlungsweisen der Verfassungsschutzämter mit den Einstufungen von Parteien als gesichert rechtsextremistisch läuft einiges schief. Aber auch da sehe ich die Gerichte als funktionierendes Korrektiv. So war es gut, dass das Verwaltungsgericht Köln einem Irrweg des Verfassungsschutzes vorerst Einhalt geboten hat.“
Papiers Worte der Merzens und Klingbeils Ohr
Merz, Klingbeil und ihre Schleppenträger werden auf Durchzug schalten und im Stile Merkels denken oder sagen: Was Papier hier kritisiert, sei nicht hilfreich. Womit wir wieder – Déjà-vu – bei der paralysierenden „Alternativlosigkeit“ einer Kanzlerin angekommen sind, die Deutschland wie kein Kanzler vor ihr geschadet hat.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Leider hat das BVerfGE über Jahrzehnte zum Nannystaat beigetragen. Denn bei vielen Entscheidungen hat es entweder die Freiheit der Bürger hinten angestellt, weil unsere Verfassung Einschränkungen der GrundR durchaus zulässt, oder es hat aktiv den „Schwächeren“ geschützt und dadurch für Verschiebungen gesorgt. Es ist halt sehr schwer die Grenze zu finden zwischen „keine Politik machen“ – denn das ist nicht die Aufgabe, die das GrundG den Gerichten zuweist – und den gewählten Politikern so viel Freiheit zu lassen, dass es am Ende zu Lasten der Freiheit der einzelnen Bürger geht. Auch in anderen Staaten wird ja zugesehen, dass unabhängige Gerichte… Mehr
„Womit wir wieder – Déjà-vu – bei der paralysierenden „Alternativlosigkeit“ einer Kanzlerin angekommen sind, die Deutschland wie kein Kanzler vor ihr geschadet hat.“
Alle Achtung. Dieser Satz hat es in sich. Zwischen 1918 und 1945 hatten wir echt mindestens einen Kanzler in Deutschland der da locker nicht nur mithalten kann. Dargen ist Merkels Politik noch ein harmloses Säuseln.
Davon ab, dass das so sicher nicht gemeint war: Nach Hitler gab es zumindest noch das Land (oder 2), seine Bevölkerung und eine Unmenge an hellen Köpfen. Nach Merkel gibt es kein Land mehr, die Bevölkerung wird ausgetauscht, kluge Köpfe werden weggebissen und aktiv mangels Bildung verhindert. Und was die Millionen Toten angeht, noch ist die derzeitige Story nicht vorbei.
In China ist ein Reissack umgefallen! Wen oder was interessiert Papier!? Dort sitzen doch überall tausende überbezahlte „Richter“ und was machen die? Sie schützen dieses ekelhafte System und erzeugen es erst. Täglich wird man vom Staat ausgeraubt, Volksvermögen vernichtet, Krtiker verfolgt, Gewaltenteilung abgeschafft, Opposition unterdrückt, Meinungsfreiheit unterdrückt, Propaganda durch den ÖRR, Gesetze hingedreht damit es passt, Antifa gefördert, etc. pp. Kennen wir alles aus der Vergangenheit und wird sich auch nicht ändern. Mit den Deutschen ist niemals ein Staat zu machen, zumindest kein demokratischer Rechtsstaat (der nicht nur so bezeichnet wird).
Bei Versagen setzt man in der Regel Dummheit voraus und bei dreistem Handeln wäre es noch weit schlimmer, denn da wären dann finstere Absichten und Eigennutz mit im Spiel, was in solchen Positionen nicht vorkommen dürfte, wenn man als Interessenswalter des Volkes gewählt wird um sich anschließend an demselben zu versündigen. So sind Herr Papier und viele seines Standes die Sachwalter und Kritiker an einer völlig verkorksten Politik geworden und das ist wenigstens noch ein kleiner Silberstreif am Horizont, was man nicht genug respektieren kann, wenn es um das Wohl und Wehe einer ganzen Nation geht. Man könnte auch im… Mehr
Es dürfte jedem informierten und redlichen Bürger Deutschlands klar sein, dass dieses Kartell von CDU/SPD/CSU bzw. SPD/CDU/CSU sowie Grünen und Linken als Bedarfscollaborateuren zum Ausschluß der Opposition aus jeder parlamentarischen Einflußnahme nicht als Demokratie verstanden werden kann. Wann tut das Verfassungsgericht endlich seine Arbeit? Oder braucht es eine Revolution, um die Demokratie zurückzuholen?
Eine Revolution wird im Hinblick auf die Leidensfähigkeit eines immer noch zu großen Teiles der Bevölkerung kaum zu erwarten sein. Die Unzufriedenheit steigt zwar mit jeder gegen die Bürger des Landes beschlossenen Maßnahme der Politik, aber sie wird eben überwiegend doch nur im geschlossenen Raum oder hintervorgehaltener Hand geäußert, und zwar inzwischen aus Angst vor Repressalien oder Denunziation. Hoch lebe die Meinungsfreiheit!
Heute auf einer unzensierten Seite gelesen –
Die wahnsinnigen Antideutschen Figuren planen jetzt folgende Provokationen –
Die elendige Ukraine soll
Das ist ja noch nicht alles, es wird ständig über (die selbstgemachte) Wohnungsnot lamentiert und jetzt sollen von deutschen Steuergeldern Sozialwohnungen gebaut werden.
Aber nicht in Berlin, sondern in Kiew.
Die Ausleitung deutscher Steuergelder ins beliebige Ausland (Radwege in Peru, „Klima“-Projekte in China, Frauenrechts- oder Diversitätsprojekte in muslimischen Länder etc.scheint Methode zu haben und einem klar definierten Zweck zu folgen.
Papier hat natürlich in allem recht. Nur ändern wird sich nichts. Die beste „Lebensversicherung“ von Beamten oder Politikern besteht in der Aufforderung alternativer Medien zum Rücktritt oder Entlassung. Jeder Appell von „Rechts“ bewirkt das Gegenteil. Also bleibt die Wahlbevölkerung – und damit bleibt nichts, denn unsere Gesellschaft ist eine Glaubensgemeinschaft, fie erst am Nullpunkt a gelangt sein muss, um umzudenken. Mir tut das sehr leid, aber ihr habt es so gewollt!
Leute wie Merz und Klingbeil setzen darauf, dass sich auch dieses Problem biologisch lösen wird. Und damit sich solche unbotmäßigen Rentner künftig nicht mehr so negativ über „Unsere Demokratie“ äußern, installiert man Richter wie Frau Kaufhold.
Es gab schon viele unbelehrbare „Herrscher“ bzw. Politiker, wie sie endeten, zeigt die Geschichte
Solche Kritiken prallen regelmäßig von denen ab, die sie beherzigen müssten. Anschließend wird die Meinungsfreiheit noch mehr beschnitten.
Methoden können zum Gegenteil dessen führen, was man erreichen will. Aber wenn etwas nicht geklappt hat, macht man mehr vom selben.