Globale Wander-Blasen

Wer seinen Wohlstand bewahren will, muss mehr über die Geldfluten der Notenbanken und deren Wander-Blasen Bescheid wissen.

Wirtschaftliche Blasen sind höchst angenehm, solange sie sich aufpumpen: Alles läuft, Einkommen steigen, Steuern sprudeln. Blöd nur, wenn Blasen platzen. Peng! Das Ende der Dotcom-Blase hat Aktienmillionäre zu Altpapierbesitzern geschrumpft. Der Knall der US-Immobilienblase drohte erst die Welt und jetzt die Sparer zu ruinieren. Pfffffffft! Und seit dem Ende der Schuldenmacherei schrumpeln die Wirtschaften der Südländer wie ein Kaschmirpulli, der in die Kochwäsche geraten ist: Das teure Stück ist nicht mehr zu gebrauchen.

Blasen sind schwer zu erkennen: Was ist ein solider Boom – und was eine schillernde Seifenblase? Selbst Nobelpreisträger sind sich da nicht einig. Wir alle klopfen uns wegen unserer Fähigkeiten selbst auf die Schulter. Dabei war es doch nur der Zufallsgenerator im Spielautomaten, der uns reich gemacht hat: nicht wiederholbar. Jetzt kommen die globalen Wander-Blasen – größer, tückischer und bedrohlicher denn je. Sie entstehen, weil die US-amerikanische und europäische Notenbank ungeheure Summen künstlichen Geldes in den Wirtschaftskreislauf pumpen, immer neues Kunstblut für ihre ausgemergelten Ökonomien.

Das läuft gar nicht schlecht für die USA, wenn die vierteljährlich ausbrechende Kneipenschlägerei um den Schuldendeckel nicht irgendwann doch noch zum wirtschaftlichen Schädelbruch führt. Es läuft sogar so gut, dass die US-Notenbank Fed aus ihrer Gelddruckerei aussteigen und damit die Zinsen erhöhen will. Was wirtschaftlich vernünftig ist, könnte für den Euro bedeuten: Peng!!! Denn bei den derzeitigen Hungerzinsen reicht schon ein erbarmungswürdiges Zehntel-Prozent für den großen Run, hin zu den Futtertrögen mit etwas höherem Zinsnährstoff. Das ist die größte Bedrohung für den Euro: Höhere Zinsen in den USA lassen all diese frisch gedruckten Euro-Scheinchen über den Atlantik schwimmen. Dann geht die Gelddruckerei und Zinsenschinderei erst richtig los. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich bislang mit ihrer Zinspolitik nie, wie sie behauptet, am Durchschnitt der wirtschaftlichen Notwendigkeit in Europa orientiert. Sie nährt immer ihren hungrigsten Notfall und erzeugt Blasen an anderer Stelle. Das war um 2005 so – damals war Deutschland der kranke Mann Europas und wurde mit niedrigen Zinsen gepflegt. Diese Niedrigzinsen haben die Verschuldungsblase in Südeuropa aufgepumpt, weil Kredite so billig waren wie nie. Heute können Griechenland und Spanien nur mit Niedrigzinsen überleben, während Deutschland eigentlich höhere bräuchte, um einen gefährlichen Selbstbetrug zu verhindern. Um uns herum, in den Niederlanden und in Finnland, sind solche Wohlfühlträume schon geplatzt. Dort haben die Niedrigzinsen die Immobilienpreise angeheizt. Paff!!!! Weil diese Preise durch Mieten nicht erwirtschaftet werden, fallen jetzt die Häuserpreise. Immobilienkredite platzen, Firmen gehen bankrott. Das vermeintlich starke Oranje steht bis zu den Knien im Schuldenwasser.

Jetzt fließt Kapital nach Deutschland – nach demselben Muster. Die Industrie wirkt supererfolgreich. Doch zieht man die wegen der Niedrigzinsen gesunkenen Finanzierungskosten ab, bleibt nicht mehr viel von der Wettbewerbsfähigkeit. Außerdem steigen die Löhne kräftig. Wenn die Blase sich aufbläht, erscheint alles möglich. Das zeigt sich erneut in Deutschland: höhere Löhne, Mindestlöhne und das Verjubeln der Steuermehreinnahmen durch Wählergeschenke. Dieses Berliner Theater können Sie täglich verfolgen. Die Immobilienpreise steigen zweistellig, und viele Anleger berücksichtigen nicht, dass die Mieten nicht schnell genug mitziehen.

Das geht gut, solange die EZB mitspielt und die Fed die Zinsen nicht erhöht. Wenn doch: finales Peng!!! Die großen Geldfluten der Notenbanken reißen alles mit. Arbeitsplätze futsch, Immobilienpreise treffen im Keller auf Ihr Rest-Vermögen, Steuern versiegen. Das Peng!!! gehört zur Blase wie das Wohlgefühl am Anfang.

(Erschienen auf Wiwo.de am 19.10.2013)

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