Sind Herzprobleme Folge von Windparks? Mainzer Studie stellt Zusammenhang her

Eine Mainzer Studie rückt die gesundheitlichen Folgen des Windkraftausbaus in den Fokus: In stark belasteten Kommunen wurden deutlich mehr neue Diagnosen von Herzinsuffizienz und schweren Rhythmusstörungen erfasst.

picture alliance / Rupert Oberhäuser

Der Kreis Paderborn taucht in einer medizinischen Auswertung auf, die derzeit vor allem in den betroffenen Kommunen für Aufmerksamkeit sorgen dürfte. Eine Arbeitsgruppe der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hat untersucht, ob es in Gemeinden mit starkem Windenergieausbau häufiger zu bestimmten Herz-Kreislauf-Diagnosen kommt als in Gemeinden mit deutlich weniger Windkraftanlagen.

Vergleich von Kommunen mit und ohne Windrad

Im Mittelpunkt stehen Borchen und Lichtenau auf der einen sowie Delbrück und Hövelhof auf der anderen Seite. Die Mainzer Arbeitsgruppe wertete nach eigenen Angaben Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe aus. Betrachtet wurden neue Diagnosen von Herzinsuffizienz und bedrohlichen Herzrhythmusstörungen im Zeitraum von 2015 bis 2024.

Der Unterschied zwischen den Vergleichsgruppen ist groß. Für Borchen und Lichtenau nennen die Autoren 224 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 533 Megawatt. Delbrück und Hövelhof werden mit acht Anlagen und 14 Megawatt geführt. Auch die Einwohnerzahlen unterscheiden sich: Die Kontrollgruppe Delbrück/Hövelhof umfasst laut Auswertung 49.700 Einwohner, die Gruppe Borchen/Lichtenau 25.550 Einwohner.

Nach Darstellung der Autoren lag die Zahl neu festgestellter Herzinsuffizienzen in Borchen und Lichtenau in mehreren Jahren deutlich über der Vergleichsgruppe. Für Borchen werden für die Jahre 2021 bis 2024 Steigerungen zwischen 21 und 51 Prozent genannt, für Lichtenau zwischen 20 und 68 Prozent. Auch bei schweren Rhythmusstörungen berichten die Mainzer Mediziner von höheren Neuerkrankungsraten.

Aus Sicht der Mainzer Forscher liefern die Zahlen einen Hinweis darauf, dass der starke Ausbau der Windenergie genauer auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen untersucht werden müsse. Sie verweisen dabei besonders auf Infraschall, also tieffrequenten Schall unterhalb der bewussten Hörschwelle, der im Zusammenhang mit Windkraftanlagen seit Jahren kontrovers diskutiert wird.

Die Auswertung beschreibt einen statistischen Zusammenhang zwischen Windenergiedichte und bestimmten Diagnosen. Sie belegt noch nicht, dass Windkraftanlagen die Erkrankungen verursacht haben. Dafür müssten weitere Einflussfaktoren genauer untersucht werden, darunter Alter, Vorerkrankungen, Lebensstil, ärztliche Versorgung, Sozialstruktur und individuelle Belastungssituationen.

Für Borchen und Lichtenau ist die Arbeit dennoch politisch und gesundheitlich relevant. Der Ausbau der Windenergie gehört dort seit Jahren zu den prägenden Themen. Die Mainzer Daten liefern nun einen Anlass, die Diskussion nicht allein über Landschaftsbild, Abstände und Energieertrag zu führen, sondern auch über mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit.

Ob sich aus der Auswertung konkrete Konsequenzen ergeben, ist mehr als fraglich. Die Autoren fordern weitere Untersuchungen und mehr Forschung zu möglichen Grenzwerten. Die Phalanx der Windradlobby ist hingegen schon wieder damit beschäftigt das Ganze abzutun.


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Kommentare ( 2 )

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2 Comments
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Holger Wegner
35 Minuten her

Sind in Gegenden mit mehr Windkraft auch mehr Personen gegen Corona geimpft?

JamesBond
41 Minuten her

War doch klar das solche Anlagen Gesundheitsgefahren produzieren. Dazu kommt die völlige Respektlosigkeit z.b. am Ruheforst in Bad Arolsen ist es vorbei mit der Ruhe für unsere Verstorbenen. Was sind das für Irre die dort in 300m Entfernung mitten in den Wald und in der Nähe eines Friedhofes solche Industrieanlagen hinstellen?