Die evangelische Kirche in Deutschland leidet an politischer und an theologischer Niveaulosigkeit. Beides liegt offen zutage. Diese Woche nimmt Pfarrer Zorn die politische Niveaulosigkeit der Kirche unter die Lupe; in der nächsten Woche die theologische. Doch leider gilt hier die psychologische Weisheit: „Leicht zu diagnostizieren, schwer zu therapieren.“
picture alliance/dpa | Thomas Banneyer
Thorsten Latzel, der Präses der zweitgrößten evangelischen Landeskirche in Deutschland, ist ein führender Kopf der evangelischen Kirche in Deutschland. Bei seinem „Präsesbericht“ (16. Januar 2026) zu Beginn der Landessynode meiner Evangelischen Kirche im Rheinland zeigt er, wie die Elite an den Schalthebeln der kirchlichen Macht politisch und theologisch tickt.
Latzel möchte einen Glauben, der nicht „binnenkirchlich frömmelnd“ ist, sondern der Glauben, Denken und Weltverantwortung zusammenbringt. Folgerichtig spricht er viele Punkte der christlichen Weltverantwortung an:
- Er mahnt zu mehr Klimaschutz, zum Stopp der Regenwälderabholzung und zur Ehrfurcht vor dem Leben als Einsatz für die Artenvielfalt.
- Er brandmarkt die Autokraten und Demokratiezerstörer Trump, Putin und Xi.
- Er fordert mehr Umverteilung gegen soziale Ungerechtigkeit und Kinderarmut.
- Er verurteilt den Rechtsextremismus, der mit seinem „Leitbild Kettensäge“ die Demokratie und seine Institutionen zerstören möchte.
- Er freut sich über eine evangelische Kirche, die klar und eindeutig bei den Landtagswahlen 2026 als Vertrauensgemeinschaft gegen Hass und Hetze aufgestellt ist.
- Kirche steht an der Seite Israels UND an der Seite der Palästinenser gegen die Menschenrechtsverletzungen der Regierung Netanjahu.
- Kirche kämpft gegen die Instrumentalisierung des christlichen Glaubens durch „Christfluencer, die die Nähe zu rechtsextremen Parteien wie der AfD suchen“.
- Latzel befürwortet eine grenzenlose Migration, da Menschenrechte grenzenlos sind.
Es fällt auf, dass der Präses als Repräsentant der Kirche ausschließlich Punkte der Weltverantwortung nennt, die in der grünrotschwarzen Politblase die Debatte bestimmen. Dagegen sind all die Bereiche ausgeblendet und nichtexistent, die liberal-konservativen Christen in punkto Weltverantwortung wichtig sind:
- Die Aufarbeitung des Staats- und Kirchenversagens in der Coronazeit.
- Die Deindustrialisierung Deutschlands durch eine ineffektive, ja kontraproduktive Energie- und Klimapolitik.
- Die Gefährdung des Sozialstaates durch die massenhafte Zuwanderung niedrigqualifizierter Migranten.
- Eine außer Kontrolle geratene Staatsverschuldung.
- Abtreibung.
- (Messer-)Kriminalität im öffentlichen Raum.
- Antisemitismus durch muslimische Zuwanderer und Islamisierung.
- Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit.
- Eine Rechtssprechung, die in politischen Verfahren mit doppelten Standards urteilt.
- Die Dysfunktionalität von internationalen Institutionen wie EU oder WHO.
- Die Brandmauer als antifaschistischer Schutzwall, die die Wähler in Bürger erster und zweiter Klasse teilt, wobei letzteren keinerlei politische Mitsprache zugebilligt wird.
Latzel spricht in seinem „Präsesbericht“ nicht als Einzelchrist, der wie jeder andere Christ bestimmte politische Vorlieben haben darf. Er spricht ausdrücklich als Repräsentant seiner und meiner evangelischen Kirche. Indem Präses Latzel das liberal-konservative Spektrum der gesellschaftlichen Probleme ignoriert, diskriminiert er die Einstellungen vieler seiner Kirchenmitglieder und Mitbürger, die politisch ein anderes Sorgen-Ranking haben.
Diese Diskriminierung führt zwangsläufig zu einer Entfremdung der Mitte-Rechts-Christen von der Latzel-Kirche.
Diese Diskriminierung führt zwangsläufig zu einer politischen Niveaulosigkeit der Kirche, weil eine erhellende Diskussion zwischen entgegengesetzten christlichen Ansichten der Weltverantwortung nicht mehr stattfindet.
Diese Diskriminierung führt zu einer Arroganz der grünrotschwarzen Mehrheit in den kirchlichen Gremien, die meint, die politische Weisheit mit Löffeln gefressen zu habe und die darum das Recht habe, andersdenkende Christen und Pfarrer zu benachteiligen, auszuschließen oder zu ignorieren.
Die rechten „Christfluenzer“, die Latzel scharf kritisiert und gar mit Islamisten in eine Reihe stellt, entfalten in den sozialen Medien ihren persönlichen Glauben in Richtung Weltverantwortung mit mehr oder weniger überzeugenden Argumenten und mit ihrer persönlichen Ausstrahlung in kleinen Wohnzimmerstudios. Präses Latzel geht weit darüber hinaus: Er instrumentalisiert an den Schalthebeln der Macht den kirchlichen Milliardenkonzern für die grünrotschwarze Ideologie. Er schmückt sich in seiner Rede mit den Federn von „Mitmenschlichkeit, Respekt und politischer Fairness“. Aber unter diesem hochtrabenden Eigenlob geht es um knallharte politkirchliche Propaganda für ein einseitiges Verständnis von Weltverantwortung.
Die Zukunft der Latzel-Polit-Kirche steht und fällt nicht mehr nur mit ihrer Glaubenskraft oder Glaubensschwäche, sondern auch mit dem Erfolg oder Misserfolg der in ihr alternativlos vorangetriebenen Parteipolitik. Wehe dieser Institution, wenn beides bergab geht.
Auch die Gegenwart der Kirche leidet unter der einseitigen Polit-Positionierung. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, wäre wesentlich seetüchtiger, wenn es nicht diese krasse Schlagseite hätte.
Thomas Mann betonte: „Ich bin ein Mensch des Gleichgewichts. Wenn das Boot nach links zu kentern droht, lehne ich mich automatisch nach rechts. Und umgekehrt.“
Das ist ein katastrophaler Kardinalfehler der EKD, dass die Kirche die begründete und berechtigte politische Vielfalt ihrer Gemeindeglieder verneint und sich stattdessen in ihren kirchlichen Äußerungen einseitig über Bord lehnt. Die evangelische Kirche degradiert sich selbst zu einer diskursfeindlichen und damit langweiligen und niveaulosen Polit-Kirche mit frömmelndem Heiligenschein.


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EKD und Grüne kommen aus demselben Mustopf.
Hinter jedem Präses steht eine Präses-Frau. Wir ahnen nur, was auf Thorsten zuhause wartet. Vor allem, wenn er was falsch gemacht hat.
Besten Dank Herrn Zorn für seine unermüdlichen Stuhlvisiten bei den evangelischen Eliten!
Ist dieser Herr Latzel ein Überbleibsel der stasi-indoktrinierten Kirche der DDR und ehemaliges Miglied der SED, welche sich nun Linke nennt oder gehört er einer Partei der Vereinigten Linken an? Anders kann man die Punkte, die oben aufgeführt sind nicht interpretieren. Da bin ich ja richtig froh, dass ich keiner Kirche mehr angehöre. Da kann man sich nur noch schämen. Stopp der Regenwaldabholzung, Ehrfurcht vor dem Leben (Wahrung der Schöpfung) lasse ich gelten. Klima? Ich dachte, das ist „gottgegeben“, da der Klimawandel fast so alt ist, wie die Erde. Bei der Aufzählung der Autokraten und Demokratiezerstörer, wenn man die genannten… Mehr
Die protestantische Kirche in Deutschland ist die mitgliederstärkste linke NGO im Lande..
Beim ADAC hat der Verkehrspräsident gerade daran gearbeitet, die EKD links zu überholen.
Ich glaube, Gott versteht mich auch ohne „Latzel-Polit-Kirche“ als Mediator. In diesem Sinne – schönen Sonntag noch.
Halt du sie arm, ich halt sie dumm. Diese Zusammenarbeit zwischen Herrschaft und Amtskirche zu gegenseitigem Nutzen ist nicht neu. Sie gibt es heute, sie gab es im Mittelalter, sie gab es unter Hitler, sie gab es in der DDR, usw
Habe Wikipedia zu Thorsten Latzel entnommen, dass er ein Hansdampf in allen Gassen ist. Das geht von Klima bis Wokeness, mit allem, was dazu gehört. Ich gehe davon aus, dass er in Sachen Klima-Physik keine eigenständige Kompetenz hat, also nicht selbständig beurteilungsfähig über die Richtigkeit der Mainstream-Meinung ist, die von manchen Wissenschaftlern hervorgerufen und von anderen, durchaus hochkarätigen Wissenschaftlern bestritten wird. Latzel schreibt u.a. Bücher, organisiert Straßenkonzerte und allerlei mehr und schätzt dabei Musik, „die sich stärker an den Musikinteressen der Mitglieder orientiert“, ergo wohl vorwiegend Rhythmen der Popmusik nutzt. Das muss man nicht per se beanstanden. Es ist nicht… Mehr
Und wie sieht denn nun die „Lösung“ aus? Und besteht überhaupt Aussicht darauf, daß solche Leute Kritik annehmen und Besserung geloben? Nun, ich „arbeite“ sehr hart daran, mit mir Frieden zu schliessen. Aber weil ich mir dabei trotzdem Perfektionismus verboten habe, erhalte ich mir einen sehr gesunden Egoismus. Und der verbietet mir bereits, solche Leute, wie besagten Herrn, läutern zu wollen. Und das ist doch auch gar nicht notwendig. Immerhin ist er angeblich ein „Kirchenmann“! Er müßte doch wissen, daß Gott solche Individuen wie ihn nicht in sein Reich wird kommen lassen. Also ich gebe mich mit diesem Wissen zufrieden.… Mehr
Wer Christsein mit der richtigen „Meinung“ verwechselt, dürfte im Fach Politik sicherlich die Bestnote verdient haben, im Fach Religion aber 4— erhalten.
Er bekommt höchstwahrscheinlich von „ganz oben“ ein Ungenügend.
Ich denke dabei an die biblische Offenbarung.
Ich bin schon in den 90ern aus der evangelischen Kirche ausgetreten, weil mir die von ihr angebotene Mischung aus simpler und einfältiger geistiger Schonkost bei gleichzeitig alles durchziehender, unterschwelliger Geldgier zuwider war. Fast bedauere ich das: Mit dem Einzug der queeren political Correcctness und Klimabesorgtheit in die Kirche der Vulvenmaler sind noch so viele gute und geradezu zwingende Anlässe und Gründe zum Austritt gegeben, dass ich mir schon oft gedacht habe, dass jetzt ein Austritt noch befriedigender und befreiender als damals wäre. Aber ich bin natürlich froh, dass ich den Wandel zur Kirche der Vulvenmaler nicht auch noch ls Kirchensteuerzahler… Mehr
Olaf Latzel statt Thorsten Latzel!!
Pastor Olaf Latzel – „Bibel und Bekenntnis als Grundlagen für den (Missions-)Auftrag der Kirche“ – YouTube