Das Weltwirtschaftsforum kuschelt mit Chinas Machthaber

Auf dem virtuellen Weltwirtschaftsforum – besser bekannt als "Davos" – schmeichelt dessen Erfinder Klaus Schwab dem wohl mächtigsten Mann der Welt, dem chinesischen Machthaber Xi Jinping. Er habe ein "historisches Ziel erreicht".

picture alliance/KEYSTONE | SALVATORE DI NOLFI

Wir Deutschen sind ja ganz besonders empfindlich, was Menschenrechtsverletzungen betrifft. Also kein Kuscheln mit Putin! Und das, obwohl wir die russischen Gaslieferungen dringend brauchen. Doch wir stehen felsenfest an der Seite der Unterdrückten und Entrechteten, selbst wenn das denen nicht viel hilft. Lieferungen von Waffen an die Ukraine? Nicht mit der SPD, die bleibt auf dem Entspannungskurs von Anno Dazumal. Ist ja vielleicht auch besser so: Russland ist näher als, sagen wir mal: China.

Doch China ist prima! Meint jedenfalls Klaus Schwab, der Erfinder des Davoser Weltwirtschaftsforums, der Guru des „Great Reset“, Lehrmeister aller Globalisierungsenthusiasten. Derzeit hält er wieder Hof, zum zweiten Mal nur virtuell. Und zum zweiten Mal rühmt er sich eines bedeutenden Gastes, des wichtigsten überhaupt: Der chinesische Staatschef Xi Jinping eröffnet den Reigen der großen Verkünder und Applaudierer des Great Reset, ganz wie schon im Jahr zuvor und beinahe ebenso wie im Jahr zuvor. Schwab führt in mit den Worten ein, China habe unter seiner Führung „signifikante ökonomische und soziale Fortschritte gemacht“ und er habe „ein historisches Ziel erreicht, eine moderate wohlhabende Gesellschaft in jeglicher Hinsicht zu werden“. Von mangelnden Menschenrechten oder gar politischen Mitbestimmungsrechten der Chinesen sprach Schwab nicht. Das China des Xi Jinping ist für ihn eine Land des Fortschritts.

Das könnte natürlich rein persönliche Gründe haben. Schwab verbindet privat viel mit China, er ist Ehrenbürger der Hafenstadt Dalian in der Provinz Liaoning, und erhielt 2018 die Freundschaftspreismedaille Chinas für seinen Einsatz in der Reform- und Öffnungspolitik. Das Büro des WEF in Peking wurde jahrelang von Schwabs Sohn Olivier geleitet, der mit einer Chinesin verheiratet ist.

Doch Schwab und Xi Jinping verbindet weit mehr. Die Schwabsche Agenda, in urigem deutschen Englisch vorgetragen, ist schnell nacherzählt, sie versammelt alles, was gut und schön ist und teuer wird. Ganz oben steht natürlich der „Kampf“ gegen die Pandemie, der die Menschheit zusammenrücken lasse, was sie unbedingt soll, auch wenn sie soeben das Gegenteil vorführt. Es folgen die Revitalisierung der Ökonomie, die Beschleunigung der „Transition“, die Förderung der Biodiversität und wie die Buzzwords alle heißen und schließlich das Schließen der Kluft zwischen Arm und Reich – und: die Rettung des Klimas! Was könnte an alledem falsch sein? 

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So sieht es auch der chinesische Staatsmann, der die „Sonne der Hoffnung“ verbreiten will und natürlich ebenfalls für die Menschheit spricht – schließlich teilen wir alle das menschliche Geschick, oder? Eine halbe Stunde lang deckt uns der Staatsmann aus Peking mit den bekannten Schalmeientönen ein und führt uns damit an neue Horizonte: Wir sitzen alle gemeinsam in einem großen Schiff, all die vielen kleinen würden keinen der kommenden Stürme überleben. Keiner kann die ökonomische Globalisierung stoppen, das Klima verlangt internationale Kooperation, zusammen für eine gemeinsame Zukunft! Wer denkt da noch an kleinliche Schuldzuweisungen wegen eines Labors in Wuhan? Der Mann aus China verspricht schließlich „Gesundheit für alle“! Wer möchte sich da nicht sofort unter den chinesischen Schutzschirm begeben?

Von Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat ist hier selbstverständlich nicht die Rede. Schwab und sein Freund aus China haben eben größere Zusammenhänge im Auge. Weg mit den Nationalstaaten, in denen solche Kleinigkeiten immer noch einen Schutzraum haben, her mit der Weltregierung, in der nicht zufällige Wählermehrheiten entscheiden, sondern die Weisheit weniger Auserwählter – wie auch immer ihre Auswahl erfolgte. Große Probleme erfordern große Antworten!

Da hat er nicht unrecht. Die meisten Staaten haben Chinas rigide Politik in Sachen Covid-19 abgekupfert und damit unübersehbar einen tiefen Kotau vor der Weisheit der chinesischen Führung vollzogen. Die deutschen Regierungen erweisen sich noch immer als gelehrige Schüler, auch hier gibt es viel zu viele, die sperrige Minderheiten gern einsperren würden. So viel zur deutschen Sensibilität, was Menschen- und Grundrechte betrifft. 

„No nations, no borders“ ist auch hierzulande der Schlachtruf woker Menschenfreunde, die gern übersehen, dass Rechts- und Sozialstaat am besten im nationalstaatlichen Rahmen gedeihen. Und siehe da: diese angeblich so reaktionäre Form des Zusammenlebens erfreut sich weltweit zunehmender Beliebtheit. 1960 gehörten den Vereinten Nationen 82 Staaten an, 2015 bereits 193. Und wir möchten hierzulande gewiss nicht, dass es dank russischer Annexionen weniger werden, oder?

Klaus Schwab und Xi Jinping beziehen sich stets auf die Covid-19-Pandemie als Blaupause für die schöne neue Welt – man könne nur gemeinsam das Virus besiegen und „das Klima retten“. Nun kann man ein Virus nicht besiegen, der Krieg dagegen gilt offenbar eher den Menschen. Und die „Pandemie“ hat weniger die Gefährlichkeit eines Virus demonstriert als vielmehr die Bereitschaft vieler Menschen, den Panikmachern zu folgen. So schön eine friedliche Kooperation weltweit wäre: die Schalmeientöne aus China klingen eher nach weltweiter Knechtung, auch wenn sie mit süßen Versprechen à la „Gesundheit für alle“ daherkommt.


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Kommentare ( 36 )

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a.bayer
4 Monate her

Wer am schnellsten von den Chinesen gelernt hat, ist der 1. Senat des Bundesverfassungsgerichtes.

Nibelung
4 Monate her

Wer dei Denkweise der Chinesen nicht annähernd versteht sollte ganz besonders vorsichtig hantieren, denn wenn man sie selbst über Jahrzehnte kennengelernt hat, soweit es überhaupt nur an der Oberfläche möglich war, der wird nie begreifen, daß sie völlig anders gepolt sind, denn das Herrschaftsdenken des Kaiserhauses ist nie erloschen, es ist übergegangen auf die Kommunisten und die sind genauso gegensätzlich wie die einstigen Kaiser von China, gottähnlich und ohne Erbarmen, wenn es um eigene Interessen geht. Was bei uns durch ihre alte Schule über Freundlichkeit mißgedeuted wird, sollte nicht dazu verleiten, sie in westlicher Manier als Freunde zu deuten, denn… Mehr

Mausi
4 Monate her

Ich kann den Einfluss des WEF und den von Herrn Schwab nicht beurteilen. Aber wenn AM in Davos von großer Transformation spricht und der WEF mit dem Autor Schwab ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „… der große Umbruch“, sollte man die Vision des WEF/Herrn Schwab zumindest zur Kenntnis nehmen und auch fragen, inwieweit diese Vision anfängt, uns zu beherrschen. Zunächst sei angemerkt, dass dieses Buch mit dieser WEF/Schwab-Vision kein Kapitel zu Rechtsstaat und Demokratie, zu Freiheit und Grundrechten hat. Vielmehr ist auf den ersten Seiten die Rede davon, dass Politiker und Entscheidungsträger allgemein (also jeder Einzelne in seinen privaten… Mehr

P.impf
4 Monate her

Wenn der Schwab so begeistert von China und Xi Jinping ist soll er doch mit seinem WEF nach China auswandern und von dort wirken. Die Chinesen werden ihn sicher mit offenen Armen empfangen und die Schweiz wird seinen Weggang verkraften.

bkkopp
4 Monate her

Klaus Schwab/WEF ist ein ausserordentlich erfolgreicher, privater Konferenzveranstalter/Thinktank, der von niemandem für irgend etwas beauftragt oder legitimiert ist. Er hat das gute Recht seine über 50 Jahre gewonnen Erfahrungen/Zugangsmöglichkeiten, sein selbst erarbeitetes Prestige, auch nach China auszuweiten. Das WEF ist ein privatwirtschaftlicher Geschäftsbetrieb. Mir scheint, dass da viel hineininterpretiert wird, was überhaupt nicht existiert. Natürlich hat die von Schwab gebündelte Suche von „Davos-Men“ für eine posperierende Entwicklung der Weltwirtschaft eine politische Ausstrahlung, sie ist aber kein Politikersatz. Die Wirtschaft war und ist, wie immer in den letzten 200 Jahren, geschäftsorientiert und politisch opportunistisch. Dumme Sprüche, wie no-borders-no-nations, muss man nicht… Mehr

Kuno.2
4 Monate her

Da der Coronavirus eine Untergruppe der Grippeviren ist und noch nicht einmal der gefährlichste, die Forschungsanstalt bei Wuhan (welche von China und USA gemeinsam betrieben wird) hat die Menschheit die Antikörper dagegen längst ausgebildet. Die gefährlichsten Grippeviren sind die Rhinus Erreger, welche in erster Linie die Atemwege befallen. Dazu existiert vom RKI eine Klassifizierung und Einteilung. Dr. Wodarg ist in diesem Punkt ganz sicher ein guter Fachmann und hat dieses in seinem Buch publiziert.
Man kann also sagen, dass das RKI (und die WHO) ganz genau wissen, womit sie es bei Corona zu tun haben. Die Panikverbreitung ist daher hausgemacht.

Last edited 4 Monate her by Kuno.2
der_chinese
4 Monate her

Ich konnte es nicht glauben als Schwab Xi mit den Worten „His Excellency“ ankündigte, jetzt gehts aber los.

Übrigens, könnte man nicht Mal nachforschen um wen es sich bei Schwabs Schwiegertochter handelt? Wird sicher auch kein unbeschriebens Blatt sein.

Andreas Bitz
4 Monate her

Mal eine ganz andere Sicht: Dank Schweden !!!!! wird gerade das System China ad absurdum geführt. Wie in Australien wird der Hochmut, eine Diktatur könnte einen Krieg gegen ein Virus gewinnen und die Natur besiegen = zeroCovid – ins Gegenteil verkehrt. China und seine Führung haben bislang keine erkennbare Exitstrategie, sie werden über kurz oder lang scheitern müssen. Vielleicht kommt es so zum Zusmmenbruch?

luxlimbus
4 Monate her

China präferiert die „Ungleichheit“ gegenüber deren ungeschätzten Rest der Welt. Das woke Europa hingegen, strebt und denkt in gar keine anderen Kategorien mehr, als denen der „Gleichheit“. China setzt sich ab, währenddessen Europa im Bodensatz einer Ideologie endet, die zwar meint den Rest der Welt auf seine (vergangenen) Niveaus heben zu müssen, tatsächlich aber sich selbst, mit einer irren Begeisterung, nur kontinuierlich in die entgegengesetzte Richtung drückt. So wie ein offener Kühlschrank auch nicht zur ersatzweisen Klimaanlage an heißen Tagen taugt, lässt sich bezweifeln, dass Schwab und Konsorten überhaupt wissen, wer (einschließlich sie selbst) welches Spiel spielt. Es sind viel… Mehr

Ralf Poehling
4 Monate her

Ich hätte dazu zwei Fragen:

  • Wann und in welcher Höhe gedenkt China den durch die Corona-Pandemie entstandenen globalen wirtschaftlichen Schaden, der durch das in China aus einem Biowaffenlabor entwichene Virus ausgelöst worden ist, zu begleichen?
  • Wie und in welcher Höhe gedenkt China Lizenzgebühren zu entrichten, für das durch Industriespionage aus dem Westen nach China abgeflossene Knohow?

Wenn man sich auf Kosten seiner Handelspartner gesund stößt, kommt das nicht besonders gut an. Friedlicher und zu allgemeinem Wohlstand führender Welthandel geht anders.